Die feindliche Übernahme der Scientology, die ich live erlebt habe
Wie der Tiefe Staat eine Befreiungsbewegung in 50 Jahren um 180 Grad gedreht hat — Religion und Macht
Serie: Teil 2 von 3 — „Wie Macht-Eliten Religionen umkrempeln”
Worum es im ersten Teil ging — und warum es einen zweiten Teil braucht
Im ersten Teil dieser Serie habe ich die These aufgestellt: Religionen werden von Macht-Architekturen umgekrempelt, und die Spuren dieser Umkrempelung lassen sich an konkreten historischen Beispielen zeigen — Konstantin und das Konzil von Nicäa 325, die Scofield-Bibel 1909 als Konstruktion des christlichen Zionismus, die CIA-Operationen ab den 1950er Jahren gegen liberale muslimische Reform-Führer von Mossadegh über Atatürk und Nasser bis Gaddafi. Hieronymus selbst, der Übersetzer der lateinischen Vulgata, hat in den Vorreden zu seinen eigenen Übersetzungen im Auftrag Roms mit erstaunlicher Offenheit zugegeben, dass er „in den alten Büchern einiges zugefügt, abgeändert oder verbessert” habe.
Wer den ersten Teil gelesen hat, wird sich aber zu Recht gefragt haben: das sind alles Indizien-Befunde. Der Vatikan hält seine Archive verschlossen, die Bibliothek von Alexandria ist verbrannt, die Quelltexte der älteren Religionen wurden über Jahrhunderte umgeschrieben — der direkte forensische Beweis, dass eine religiöse Bewegung gezielt von Macht-Akteuren übernommen und ihre Lehre umgekrempelt wurde, ist bei Christentum, Islam und Judentum nicht mehr detailliert zu führen. Hieronymus’ Selbstzitate sind ein seltener Glücksfall, aber sie betreffen die Bibel-Übersetzungs-Phase im 4. Jahrhundert. Mindestens so brisant ist, was davor geschah: schon vor Hieronymus lag eine 350-jährige Redaktions-Geschichte, in der das Original-Material — etwa die hypothetischen Logia (eine ältere Sammlung von Jesus-Worten, aus der die synoptischen Evangelisten Matthäus und Lukas nur zitiert haben (das Neue Testament ist nur Sekundärliteratur, kein Original) und die als eigenständiger Text verschwunden ist; bereits Papias von Hierapolis berichtete im frühen 2. Jahrhundert, dass „Matthäus die Logia in der hebräischen Sprache zusammenstellte”) — selektiert, umgeschrieben und teilweise verworfen wurde. Hieronymus übersetzte nicht das ursprüngliche Material, sondern eine kanonische Auswahl, die durch die paulinisch-konstantinische Hierarchie in Rom längst gefiltert war. Was danach geschah — die Konzilsbeschlüsse, die Scofield-Operation, die Brotherhood-Operation —, lässt sich plausibilisieren, aber nicht in jeder einzelnen Textstelle Wort für Wort nachweisen. Ganz zu schweigen von der Unmöglichkeit, die Originale der heiligen Schriften jemals wieder herzustellen.
Diesen direkten Beweis liefert jedoch dieser zweite Teil — an einem zeitgenössischen Modellfall, dessen Originaltexte und -Stimmen vollständig erhalten und international in Sicherheit sind. Es ist die feindliche Übernahme der Scientology in den letzten 54 Jahren, die ich seit 25 Jahren forensisch untersuche und bereits in sieben Bänden meiner Reihe Scientology den Krallen des Tiefen Staates entrissen (SdK 1 bis 7) dokumentiert habe2. Dieser Artikel richtet sich aber ausdrücklich einmal nicht an Scientologen — für die ist die SdK-Reihe da. Er richtet sich an aufgewachte Bürger, die mit Scientology nichts zu tun haben und denen ich an diesem Beispiel zeigen will, wie der Mechanismus, den ich im ersten Teil für Konstantin, Scofield und die Brotherhood beschrieben habe, in der Gegenwart und in beschleunigter Form abläuft. Die in der Verfassung geforderte Trennung von Staat und Religion ist eine Illusion.
Hinweis vorab: Dieser Artikel ist die konzeptionelle Skizze. Im Juni erscheint dazu SdK Band 8 — Die feindliche Übernahme der Scientology — der rote Faden, 1942–2026, in dem ich die hier nur angerissenen Schritte mit vollständiger Beleg-Lage, Original-Hubbard-Bulletins, juristischen Akten und Quellen-Apparat ausführlich dokumentiere. Die Skizze hier macht den Mechanismus sichtbar, das Buch trägt die Beweisführung für jede einzelne Behauptung.
Was L. Ron Hubbard ursprünglich entwickelt hat (1950–1972)
L. Ron Hubbard veröffentlichte 1950 sein Buch Dianetik — eine Methode der geführten Selbst-Erkenntnis, die das spirituelle Wesen des Menschen freisetzen sollte. Die Grundannahme war einfach: der Mensch ist seinem innersten Wesen nach ein geistiges Wesen mit Schöpferkraft, das durch traumatische Erlebnisse, Schmerz-Aufzeichnungen und falsche Identitäten unter sein Potential gedrückt worden ist. Wenn man diese Aufzeichnungen mit einer methodischen Frage- und Lösch-Technik („Auditing”) aufarbeitet, findet das Wesen zu seiner ursprünglichen Klarheit zurück — daher der Begriff Clear.
Aus dieser Anfangs-Methode wuchs in den 50er und 60er Jahren ein umfangreiches System heran, das Hubbard Scientology nannte. Im Kern war die Bewegung in dieser Phase eine Befreiungslehre, die sich auf Wahrheits-Begriffe wie ARC (Affinity, Reality, Communication — die Grundpfeiler menschlicher Verbindung) und auf eine ethische Linie stützte, die in der Substanz dem entspricht, was die großen Lehrer aller Religionen gelehrt haben: behandle den anderen, wie du behandelt werden willst; suche das Göttliche im eigenen Bewusstsein; unterscheide nicht zwischen denen, die zu deiner Gruppe gehören, und denen, die nicht zu deiner Gruppe gehören.
Die Bewegung wuchs schnell, vor allem in den USA und im englischsprachigen Raum, später international. Hubbard hielt tausende Vorträge — fast alle davon sind als Tonaufnahmen erhalten und international digitalisiert und archiviert. Er schrieb tausende Bulletins und Bücher. Bis Anfang der 1970er Jahre lag eine umfangreiche, gut dokumentierte Lehre vor, die in ihrer Substanz spirituell-emanzipatorisch war.
Schon damals — von Anfang der 50er Jahre an — gab es schlechte Presse gegen Scientology. Aber sie war auf konkrete Sponsoren zurückzuführen: die amerikanische Ärztekammer (AMA) und die Food and Drug Administration (FDA), motiviert durch die Pharma-Konkurrenz. Dianetik bot bei psychosomatischen Krankheiten eine Selbsthilfe-Methode an und bedrohte damit das Pharma-Monopol. Die damaligen Pressemeldungen waren entsprechend leicht als Fake News durchschaubar. Heute liegt der Fall anders: das neue Management hat genau die Dinge, die früher als Lügen gegen Scientology vorgeworfen wurden, in praktisches Handeln umgesetzt — und sie damit zur Wahrheit werden lassen. Was in den 50er Jahren noch Verleumdung war, ist heute zutreffende Beschreibung.
Der rote Faden 1942–1991 — die Übernahme als Timeline in Stichworten
Bevor ich auf einzelne Schritte näher eingehe, hier eine chronologische Skizze des ganzen Bogens, damit der Leser sofort erkennt, dass dies kein Zwölf-Jahres-Schlag um 1972 war, sondern ein fünfzig-jähriger Krieg der angloamerikanischen Geheimdienste um Hubbards Forschungs-Ergebnisse:
1942 — L. Ron Hubbard wird in den US Naval Intelligence Service rekrutiert. Auftrag in Südostasien: war reporting plus spy work. Die spätere offizielle Korvetten-Captain-Geschichte ist eine Cover Story.
1945 — Nach Kriegsende: Hubbard im Oak Knoll Naval Hospital mit Intelligence-Projekten zu Brainwashing und Kriegstrauma — Hauptauftrag: Heilung der Kriegsheimkehrer. Konflikt im Forschungs-Team mit Wundt/Pawlow-Tradition-Psychiatern, die stattdessen Mind Control für Manipulations-Zwecke wollen.
1949 — Hubbard lässt sich aus der Navy ausmustern, um militärischer Disziplin und Geheimhaltungs-Verpflichtungen zu entkommen.
1950 — Veröffentlichung von Dianetik als Whistleblower-Befreiungs-Schlag: was öffentlich ist, kann nicht mehr als Staatsgeheimnis zensiert werden.
1951 — FBI startet Akten über Hubbard und seine Organisation.
1955 — Anonyme Veröffentlichung des Buches Brain-Washing — A Synthesis of the Russian Textbook on Psychopolitics, das Hubbard unter dem russischen Cover an Christian Science und Scientology zur Veröffentlichung schickt — die russische Cover Story als Tarn-Vehikel, um die tatsächliche US-Mind-Control-Forschung an die Öffentlichkeit zu bringen.
1951–1955 — Erste feindliche Übernahme: Millionär Don Purcell als angeblicher Geschäftsführer der Hubbard Dianetik Research Foundation, führt sie in den Konkurs, übernimmt die Rechte Trademarks und Copyrights an Dianetik. Hubbard etabliert 1952 Scientology als neue Plattform und gewinnt 1954 vor Gericht die Rechte zurück.
1956 — Copyright-Policy: alle Schriften sollen gemäss LRH für HASI-Mitglieder frei verwendbar sein — Vorläufer der Creative Commons.
1959–1960 — Internationale Expansion, Hauptquartier in Saint Hill (England).
1965 — Entwicklung des Clearing Course — erstmals echtes Clear möglich, OT-Stufen werden lieferbar.
1968 — England kündigt Hubbards Aufenthaltsgenehmigung. Hubbard kauft das Schiff (später Apollo), verlegt seine Forschungsarbeit auf hohe See, um nationaler Verfolgung zu entgehen.
1970 — Hubbard publiziert „Keeping Scientology Working Number One” mit neuem Vorwort: Resümee, dass die Bewegung weltweit kurz vor der Zerstörung stand. War dies durch Unterwanderung erreicht?
7. Juni 1972 — Hubbard verschwindet mitten aus seinem Forschungsprojekt auf der Apollo. Vermutlich gekidnappt, in eine CIA Black Site verbracht (CIA Black Sites sind seit Anfang 1970er dokumentiert). Sein letzter Beitrag zur Expanded-Dianetics-Forschung am 7. Juni 1972. Alles Spätere unter seinem Namen ist Fälschung oder Staff-Work. Erst jetzt gibt es plötzlich Revisionen der Hubbard-Schriften.
1976 — Quentin Hubbard, Klasse-XII-Auditor und designierter Nachfolger, stirbt in Las Vegas — offiziell Selbstmord, plausibelste Lesart der Indizien: Ermordung.
1977 — Größte FBI-Razzia der US-Geschichte gegen das Guardian Office, vorgeblich wegen Operation Snow White. Folge: HASI als Copyright-Inhaber wird durch versäumte Vorstandsmeetings vom Gericht aufgelöst → alle Hubbard-Copyrights fallen in Public Domain.
1978 — Ehefrau Mary Sue Hubbard und zehn weitere Scientologen wegen Snow White angeklagt.
15. September 1978 — Gründung der Commodore Messenger Org (CMO) als neue Hierarchie-Ebene: Kinder/Jugendliche werden zur Befehlsweitergabe von angeblich mündlichen Hubbard-Anweisungen genutzt. Dies widerspricht Hubbards lebenslanger Schriftlichkeits-Linie diametral.
1979 — Mary Sue Hubbard zu jahrelangen Gefängnis verurteilt. So wird der Weg frei zur völligen Machtübernahme. - Vermutlich stirbt der Doppelgänger. Also wird behauptet: Hubbard müsse sich wegen Strafverfolgung versteckt halten: Das erklärt, warum niemand ihn mehr erreichen kann.
1980–1986 — Pat Broeker wird zur einzigen behaupteten Verbindung zwischen dem Hubbard und der entstehenden Übernahme-Spitze. Alle Hubbard-„Anweisungen” laufen über ihn.
23. Dezember 1981 — Gründung des Watchdog Committee (WDC) als Hierarchie-Ebene über der CMO — eine anonyme Institution, deren Mitglieder bis heute nicht öffentlich bekannt sind.
1982 — Mission Holders Conference: alle Franchise-Inhaber werden von Anwälten unter RTC-Disziplin gezwungen, Protestler durch „Finger Declares” (mündliche SP-Erklärungen) ausgeschlossen. David Miscavige tritt als Repräsentant der Juristen auf — sein erster großer Macht-Auftritt. Folge: Spaltung, Gründung der Freien Zone durch RTC-Gründer David Mayo (ja, der der das Ghostwriter-Team anleitete). Teile und Herrsche.
1982 — Gründung des Religious Technology Center (RTC) und der Church of Spiritual Technology (CST alias L. Ron Hubbard Library.). Die CST oben drüber, gegründet von Meade Emory — ehemaligem Assistant Commissioner des Internal-Revenue-Service (IRS - Vorstandsmitglied des US-Finanzamts).
1982 — Veröffentlichung des Ron’s Journal 1982 als RTC-Legitimations-Audio. Später durch professionelle forensische Stimmen-Analyse als Fälschung entlarvt und von der Kirche zurück gezogen.
1986 — Offizieller Tod Hubbards am 24. Januar 1986 verkündet. Keine Begutachtung des Leichnams durch Familie. Identitäts-Bestätigung durch FBI-Fingerabdruck-Verifikation — also durch genau die Behörde, die seit 1951 Akten gegen Scientology führt. Ein Bühnentrick. Anwälte verbieten dem misstrauischen Leichenbeschauer (Coroner) eine angesagte Autopsie, “da diese vom Glaubensbekenntnis der Scientology verboten sei” - Eine Lüge.
1986 — Pat Broeker etabliert sich durch eine gefälschte Flag Order 5 Tage vorm angeblichen Tod „The Sea Org & the Future” als angeblicher Hubbard-Nachfolger.
1987 — Miscavige entlarvt die Broeker-Flag-Order als Fälschung und wirft Broeker raus. Broeker wehrt sich nicht. Logik-Bombe: Wenn Broeker ein wahrer Anhänger Hubbards gewesen war, hätte er sich mit dieser Unterdrückung der Wahrheit an die Oeffentlichkeit gewandt, was er nicht tat. Wenn er jedoch der Betrüger war (was in der Scientology-Kirche behauptet wird), dann waren alle Hubbard-„Kommunikationen” - 1980–1986 die durch seine Hände gingen betrügerisch, zumindest fragwürdig, siehe Ron’s Journal 1982. Aber genau diese Kommunikationen sind die Basis von Miscaviges Macht.
1991 — Geheimvertrag zwischen US-Internal-Revenue-Service und dem Hubbard-Testaments-Vollstrecker. Die CST (Meade Emory, ex-IRS) wird formal Inhaber sämtlicher Copyrights. Das bedeutet eine Vollständige staatliche Kontrolle der Bewegung über die CST-Holding-Struktur — die endgültige Etablierung der Übernahme als formale staatliche Konstruktion. Miscavige prahlt im Video an alle Scientologen über diesen Vertrag: “Der Krieg (zwischen Scientology und Finanzamt) ist vorbei”. Er heuchelte nicht einmal, der Krieg sei gewonnen. Er sei nur vorbei. ;-)
1993 — IRS erkennt Scientology als steuerbefreite religiöse Organisation an. Eine Staatskirche der USA. Der jahrzehntelange Konflikt endet — unter der von einem Ex-IRS-Mann geführten Holding-Struktur.
Ab 1997 — Das US-Außenministerium erhebt mehrfach formell gegenüber der deutschen Bundesregierung Protest, dass die Scientology-Kirche in Deutschland behördlicher Beobachtung und gesellschaftlicher Diskriminierung ausgesetzt sei. Im jährlichen International Religious Freedom Report führt das State Department Deutschlands Umgang mit Scientology bis heute als Verletzung der Religionsfreiheit auf — diplomatischer Schutzschirm eines Staates über sein eigenes Asset, nicht über eine fremde Privatreligion3.
Das ist die Übernahme-Geschichte in Stichworten. Jeder einzelne dieser Punkte ist im SdK-Band 8 mit Quellen-Verweisen, Original-Hubbard-Bulletins und juristischen Akten ausführlich belegt. Hier in dieser Substack-Skizze gehe ich nur auf die zentralen Mechanismen näher ein — die Vier-Ebenen-Pyramide, die Begriffs-Verformung am Beispiel des SP-Begriffs, die dokumentierte CIA-Querverbindung der Übernahme-Spitze.
Die Übernahme 1972–1986 — wie Hubbard ausgeschaltet wurde
Im Jahr 1972 verschwand Hubbard plötzlich aus der Öffentlichkeit. Die offizielle Erklärung war er weiche einer juristischen Verfolgung aus — und tatsächlich liefen damals mehrere Verfahren gegen die Organisation. In den folgenden Jahren wurde Hubbards Familie systematisch ausgeschaltet:
1976 stirbt sein Sohn Quentin Hubbard, ein Klasse XII Auditor und sein designierter Nachfolger, in Las Vegas — offiziell durch Selbstmord, aber die Coroner-Befunde, der ungeklärte Aufenthalt vor dem Tod und die Geschwindigkeit der Verbrennung lassen die These einer Ermordung als plausibelste Lesart der Indizien erscheinen4. Mit Quentins Tod war Hubbards designierter Nachfolger ausgeschaltet. Auffallenderweise wurde Quentins Tod in keiner offiziellen Scientology-Publikation jemals als das behandelt, was er war — der Verlust des designierten Nachfolgers; weder eine Trauer-Notiz noch eine Würdigung seiner Klasse-XII-Auditor-Karriere ist je erschienen.
1977 kommt es zur FBI-Razzia in den Scientology-Zentren von Los Angeles und Washington — der größte Privat-Razzia-Einsatz der FBI-Geschichte, mit über 130 Agenten. Vorgebliche Begründung: die sogenannte „Operation Snow White”, in der Scientology-Mitglieder sich in Bundesbehörden eingeschleust hatten, um falsche Berichte über Scientology zu kopieren, die über das FOIA nicht erlangt werden konnten5.
1979 wird Hubbards Ehefrau Mary Sue Hubbard zusammen mit zehn weiteren Scientologen wegen ihrer Rolle in dieser Operation verurteilt — sie geht ins Gefängnis und wird 1983 entlassen6. Mit ihrer Verurteilung war auch der zweitwichtigste familiäre Anker Hubbards ausgeschaltet. Auch nach der Entlassung wurde sie nie wieder in der Scientology Kirche gesehen, sie wurde von David Miscavige entmachtet, durfte nicht einmal an der Gedenkfeier ihres Mannes teilnehmen. Auch ihr Tod am 25. November 2002 wurde in keiner offiziellen Scientology-Publikation jemals erwähnt — keine Trauer-Notiz, keine Würdigung, keine Sea-Org-Gedenkfeier für die Witwe des Gründers und jahrzehntelange Mitleiterin der Bewegung.
Quentin und Mary Sue, beide aus dem offiziellen Gedächtnis getilgt — dasselbe Schweigen, dasselbe Muster. Die Übernahme-Spitze entfernt jene Familien-Mitglieder aus dem öffentlichen Bewusstsein, deren bloße Existenz Fragen über die innere Geschichte der Bewegung aufwerfen würde. Eine Religion, die ihre Identität aus einem einzelnen Gründer schöpft, behandelt seine Witwe und seinen designierten Nachfolger normalerweise als wandelnde Reliquien — hier: nichts. Auch das ist Methode, nicht Zufall. Hubbards übrige drei Kinder Diana, Suzette und Arthur sowie sein Sohn Ronald DeWolf aus erster Ehe sind aus den offiziellen Publikationen ebenfalls praktisch verschwunden.
Die Tilgung geht noch weiter. In den offiziellen Hubbard-Biografien der Scientology-Kirche — der mehrbändigen Ron Series der 1990er Jahre, zunächst als dünne Hefte, später als festgebundene Bildbände — wird die Existenz einer Familie überhaupt nicht erwähnt. Hubbard erscheint dort als alleinstehender Renaissance-Abenteurer in den Identitäten Adventurer, Master Mariner, Aviator, Writer, Music Maker, Photographer, Philosopher, Humanitarian, Friend of Mankind, Benefactor, Educator — niemals als Ehemann oder Vater. Die Begriffe Humanitarian, Friend of Mankind, Philanthropist, Benefactor sind exakt die Selbstbezeichnungen, die die globale Oligarchie für sich beansprucht (Bill Gates, George Soros, die Rockefeller-Stiftung, das WEF-Umfeld) — verbrannte Etiketten der Macht-Klasse, die mit „guten Taten” wirbt, während sie Schaden anrichtet. Hubbard mit diesen Etiketten zu vermarkten, ist eine versteckte Diskreditierung durch missbräuchliche Vereinnahmung. Aus Vortragsvideos der 50er und 60er Jahre wurden Frau und Kinder akribisch herausgeschnitten; aus den Clearing-Course-Videos wurde sogar Ronald DeWolf herausgelöscht, der bei einem Saint-Hill-Event nur kurz durch das Bild lief. Das ist 1984 in Reinkultur — die Geschichte wird nicht nur umgeschrieben, sondern die Personen werden physisch aus dem Bildmaterial entfernt.
Wichtig ist die Reihenfolge: Hubbard war bereits vor diesen Schlägen gegen seine Familie aus dem aktiven Geschehen verschwunden. Genauer am 7. Juni 1972 — und ist seither nie wieder unzweifelhaft als handelnde Person aufgetreten. Was unter seinem Namen in den folgenden vierzehn Jahren bis zu seinem offiziellen Tod 1986 öffentlich auftrat, war nach den Indizien das Werk eines Übernahme-Teams, das einen Doppelgänger einsetzte — einen, der äußerlich Hubbard ähnelte, aber bei näherer Inspektion durch Familie und enge Freunde nicht standhielt7. Übrigens hat ein direktes Familienmitglied diese Doppelgänger-These bereits 1982/83 vor einem amerikanischen Gericht vorgetragen: Ronald DeWolf, Hubbards Sohn aus erster Ehe, beantragte in Kalifornien, sich zum Verwalter des Hubbard-Vermögens machen zu lassen — mit der Begründung, sein Vater sei entweder tot oder geistig nicht mehr handlungsfähig. Die Scientology-Anwälte wehrten den Antrag mit einer eidesstattlichen Erklärung mit Hubbards Unterschrift ab, deren Echtheit über eine forensische Tagged-Ink-Show des ATF-Forensikers Richard L. Brunelle bestätigt wurde — ein eigens präpariertes Markierungstinten-Verfahren, das aber im Grunde nichts bewies außer dass die Unterschrift mit einer Tinte geleistet wurde, die nach dem 2. Februar 1983 ans Papier kam. Wer unterschrieb, unter welchen Bedingungen und ob aus freiem Willen — genau das, was DeWolf wissen wollte — blieb offen. Mike Rinder hat später erklärt, dass die Erklärung von Miscavige und seinen Anwälten verfasst worden war und Hubbard sie inhaltlich nicht hätte ändern können. Die Schläge gegen Quentin (1976), Mary Sue (1977/79) und schließlich der offizielle Tod 1986 sind nicht Auslöser von Hubbards Rückzug, sondern Befestigungs-Schritte einer Übernahme, die am 7. Juni 1972 begonnen hatte.
Etwa ein Dutzend Indizien belegen diesen Bruch zur Mitte 1972 — ich nenne hier die fünf konkretesten:
Vorträge: Bis Mitte 1972 hatte Hubbard etwa 4.000 Vorträge gehalten und sie als Tonaufnahmen hinterlassen — eine kontinuierliche, datierbare Spur ab 1950. Im Schnitt alle zwei Tage einen Vortrag! Nach dem 7. Juni 1972: kein einziger neuer Vortrag. Diese Spur reißt von einem Tag auf den anderen ab.
Hochauflösende Fotos: Bis 1972 erschienen regelmäßig hochauflösende Bilder von Hubbard, meist Selbstbildnisse, datierbar durch seine neuste Kamera, die er zeigte. Nach 1972 keine neuen hochauflösenden Fotos mehr — nur ältere Aufnahmen werden weiterverwendet. Hier im Video blätter ich durch ein Fotobuch - herausgegeben von der Scientology Kirche - mit vielen Bildern “Ron Hubbard und seine neuste Kamera”: - Sehen ist glauben.
Schriften: Hubbards Tätigkeit als Autor ist anhand der Seitenzahlen der „Roten Bände” (der HCO Bulletins — — technischer Auditing-Anweisungen) und der „Grünen Bände” (der HCO Policy Letters Organisations-Richtlinien) tagesgenau datierbar. Beide Reihen zeigen einen scharfen Einbruch ab Mitte 1972, der sich erst mit Einsatz des Ghostwriter-Teams unter David Mayo 1978 erholt und dann aber bis 1991 anhält: 5 Jahre nach dem offiziellen Tod LRHs, was die “schöpferische Tätigkeit Hubbards über den körperlichen Tod hinaus beweist”.
Keine neuen Bücher mehr von ihm.
Keine öffentlichen Auftritte mehr.
Hinzu kommt die radikale Revisions-Operation, die Hubbards nie gebilligt hätte, wenn er noch aktiv gewesen wäre: das systematische Umschreiben der Materialien ab 1972 — in zweierlei Hinsicht. Erstens die „Brücke” — das mehrstufige Programm zur spirituellen Befreiung des Klienten, das Hubbard über zwei Jahrzehnte konstruiert hatte. Jeder einzelne Schritt der Brücke wurde in den folgenden Jahren umgeschrieben; kein Stein blieb auf dem anderen (detaillierter Beweis: mein 330-Seiten-Buch SdK 5 “Kontrollierter Abriss der Brücke”). Zweitens die Richtlinien, die die Organisations-Struktur beschreiben. Beide Re-Editions-Wellen lassen sich an den Revisions-Suffixen R, RA, RB in den Inhaltsverzeichnissen der Roten Bände (HCO Policy Letters) und Grünen Bände (HCO Bulletins) jahresgenau verfolgen — vor 1972 nur sporadische R-Markierungen, ab Januar 1972 setzen die ersten RA-Markierungen ein, ab 1974 explodiert die Revisions-Tätigkeit (von 15 auf 76 Eingriffe pro Jahr bis 1980). Die forensische Datierung dieser Eingriffs-Welle ist im SdK-Band 8 detailliert aufgearbeitet.
Die Vier-Ebenen-Pyramide — wie die Übernahme sich über die Bewegung stülpte
Die Organisations-Umstrukturierung ist vielleicht das am leichtesten erkennbare Zeichen der Übernahme — auch für Außenstehende, die mit Scientology-Lehre nichts anfangen können. Sie funktioniert nach einer Logik, die in der politischen Geschichte oft anzutreffen ist: man entmachtet die Schlüsselfiguren der existierende Struktur nicht direkt, weil das Widerstand auslöst — man stülpt neue Hierarchie-Ebenen darüber, die die alten Strukturen formal bestehen lassen, sie aber faktisch in einer Pyramiden-Befehlskette unterordnet.
Vor 1972 gab es in Hubbards Lehre souveräne einzelne Scientology-Organisationen mit minimaler Kontrolle durch Hubbard und sein engstes Team. Über den Einzel-Organisationen lag ein kontinentales Management und darüber ein internationales Management — eine schlanke, dreistufige Struktur, die sich über eine geringe Franchisegebühr von 10% finanzierte.
Das Übernahme-Team hat diese drei Ebenen nicht angetastet. Sie bestehen formal bis heute. Stattdessen wurden vier neue Ebenen oben drüber eingerichtet:
Commodore’s Messenger Organisation (CMO) — ursprünglich eine Gruppe junger persönlicher Boten Hubbards, die in der Übernahme-Phase zur Macht-Vehikel umfunktioniert wurde; aus der CMO stieg David Miscavige in die Spitze - direkt über dem Internationalen Management.
Watchdog Committee (WDC) — ein „Aufsichtsausschuss” - direkt über der CMO.
Religious Technology Center (RTC) — die Stiftung, die seit den 1980er Jahren die Marken- und Lehr-Rechte hält. Direkt über dem WDC.
Church of Spiritual Technology (CST) — die oberste Ebene, die bis Ende der 1990er Jahre selbst eingeweihten Scientologen völlig unbekannt war und erst Anfang der 2000er Jahre öffentlich enthüllt wurden. [siehe das Buch mit über 1000 Seiten “SdK 3 The Untold Story behind the US Government’s Takeover of Scientology]
Diese vier Ebenen sind nicht Hubbards Konstruktion. Sie sind die Pyramide der Übernahme, durch die jede Anweisung an die Bewegung von oben kommt und durch die jede Lehr-Linie kontrolliert wird.
Diese Operation ist in der Geschichte mehrfach belegt. Drei Beispiele zur Veranschaulichung:
Im Christentum nach Konstantin (Konzil von Nicäa 325, ausführlich in Teil 1 dieser Serie behandelt) gab es vorher Hunderte lokaler christlicher Gemeinden mit eigenen Bischöfen als jeweils höchster Instanz. Konstantin entmachtete diese Bischöfe nicht. Er installierte über ihnen einen Primus inter pares in Rom, aus dem im Lauf der Jahrhunderte der Papst wurde — und seither ist die Bischofs-Ebene formal souverän, aber der römischen Papst-Hierarchie untergeordnet.
Bei den Freimaurern waren die symbolischen Logen mit drei Graden (Lehrling, Geselle, Meister) ursprünglich souverän. 1801 wurde mit der Gründung des Supreme Council in Charleston der Schottische Ritus mit dreißig zusätzlichen Hochgraden (4 bis 33) etabliert, an dessen Spitze der 33. Grad als Sovereign Grand Inspector General steht. Die alten Logen blieben formal bestehen — sie sind seither aber in dieses Hochgrad-System eingeordnet, in dem die Steuerung von oben kommt.
In jüngerer Zeit das WEF Young Global Leaders-Programm (seit 1992): nationale Regierungsmitglieder, Wirtschaftsführer und Leitmedienhuren werden in ihren formalen Rollen nicht angetastet — sie werden aber von einem überstaatlichen WEF-Netzwerk mit Karriere-Förderung, Kontakten und Linientreue ausgestattet, das seinerseits oberhalb der formalen demokratischen Strukturen operiert. Dieselbe Mechanik, die Carroll Quigley schon für die Round-Table-Strategie der City of London beschrieben hat — und die das Hauptthema meines Buches Trump zerlegte die Neue Weltordnung ist.
Die CST-Pyramide oben über die Scientology-Bewegung folgt exakt dem gleichen Muster.
Die brisanteste Pointe liegt bei der obersten Ebene. Die CST beansprucht den Besitz aller Urheberrechte an Hubbards Lehr-Material — und leitet aus diesem Eigentums-Anspruch ihre faktische Steuerungs-Macht über die ganze Bewegung ab. Wer die Rechte an Hubbards Schriften hält, kontrolliert die Bewegung. Wie die CST diese Rechte erworben haben soll, ist juristisch heikel: Hubbard war zur Gründungszeit der CST 1982 nach den Indizien aus dem zweiten Abschnitt dieses Artikels schon zehn Jahre nicht mehr handlungsfähig — eine wirksame Übertragung seiner Rechte an die neue Stiftung ist unter diesen Voraussetzungen nicht vorstellbar. Der Eigentums-Anspruch der CST steht und fällt also mit der Frage, ob Hubbard nach Juni 1972 noch in der Lage war, rechtsverbindliche Urheber-Rechts-Übertragungen vorzunehmen — eine Frage, die die forensische Indizien-Lage klar verneint.
Dies ist zugleich ein Beispiel dafür, wie die Übernahme-Spitze sich über das geltende Recht hinwegsetzt. Hubbard hatte die Copyrights 1956 für alle vergangenen und zukünftigen Werke der HASI (Hubbard Association of Scientologists International) vermacht. Genau diese HASI ist 1977 im Zuge der FBI-Razzia gegen das Guardian Office juristisch untergegangen — mangels Vorstandsmeetings und Berichte ans Gericht wurde sie vom Gericht aufgelöst, und damit fielen alle Hubbard-Copyrights in die Public Domain. Das ist keine Theorie, sondern gelebte Rechtspraxis; ich habe die juristische Lage ausführlich in meinem Buch SdK 6 — Copyrights und Trademarks sind RTCs illegale Waffen gegen freie Scientologen — Wie wir uns wirksam wehren dokumentiert. Trotzdem tritt das RTC weiterhin als Rechte-Inhaber auf — und hat über Beschwerden wegen angeblicher „Copyright-Verletzungen” bei Amazon und IngramSpark erreichen können, dass mir die Verlagsverträge dort fristlos und ohne Rekurs gekündigt wurden. Deplattforming nennt man das heute. Eine Klage wegen Verleumdung würde ich aller Wahrscheinlichkeit nach gewinnen — aber sie kostet fünf- bis sechsstellige Summen Vorschuss, die ich nicht aufbringen will.
Geführt wurde die CST seit Gründung von Meade Emory und einem kleinen Kreis um ihn8. Emory war zuvor Assistant Commissioner des amerikanischen Internal Revenue Service (IRS) — der amerikanischen Steuerbehörde, die jahrzehntelang gegen Scientologys Steuerbefreiung kämpfte und schwere Prozesse gegen die Bewegung führte. Eine zentrale Figur einer feindlichen Bundesbehörde gründet die oberste Hierarchieebene der Bewegung, beansprucht das Eigentum an deren geistigem Vermögen — und wenige Jahre später, 1993, beendet derselbe IRS den Konflikt und erkennt Scientology unter der CST-Holding-Struktur als steuerbefreite religiöse Organisation an. Wer bei dieser Konstellation noch von einer „organischen inneren Entwicklung” der Scientology-Kirche spricht, hat nicht hingeschaut.
Wie sehr die Bewegung mit dieser Konstruktion zur Staatskirche der USA geworden ist, zeigt eine beachtliche diplomatische Episode. Seit Mitte der 1990er Jahre hat das US-Außenministerium mehrfach formell gegenüber der deutschen Bundesregierung Protest erhoben, weil die Scientology-Kirche in Deutschland behördlicher Beobachtung durch den Verfassungsschutz und gesellschaftlicher Diskriminierung ausgesetzt sei. Im jährlichen International Religious Freedom Report führt das State Department Deutschlands Umgang mit Scientology bis heute als Verletzung der Religionsfreiheit auf9. Das ist nicht das Verhalten eines Staates gegenüber einer fremden Privatreligion. Das ist das Verhalten eines Staates, der ein eigenes Asset gegen einen verbündeten Staat verteidigt — und damit der diplomatische Spiegel zur juristischen Konstruktion, die Meade Emory 1982 mit der CST-Gründung aufgestellt hat.
1986 wird Hubbards offizieller Tod verkündet. Die Umstände sind verdächtig: Einäscherung binnen 24 Stunden, abgeschiedener Aufenthalt in den vorausgegangenen Jahren. Eine Obduktion wurde von den Rechtsanwälten der Bewegung mit der Begründung „religiöse Pietät” abgelehnt — ein Argument, das in Scientology gar nicht existiert und ad hoc für diesen einen Anlass aus dem Hut gezaubert wurde. Was 1986 öffentlich endete, war die Doppelgänger-Inszenierung — die formal Hubbards Existenz aufrechterhalten hatte, um die Übergabe der Macht-Strukturen unter dem Schein der hubbardschen Kontinuität durchzuführen. Die operative Kontrolle ging mit dem Tod 1986 vollständig auf David Miscavige über, der seit Mitte der 1980er Jahre bereits aus der CMO-Spitze die Übernahme administriert hatte.
Miscavige übernimmt — der Apparat installiert sich
Mit dem Tod 1986 übernimmt Miscavige die Kontrolle über das Religious Technology Center (RTC), das die Marken- und Lehr-Rechte an der Scientology hält und damit faktisch die Bewegung steuert10. Was er in den folgenden zwei Jahrzehnten installiert, ist nicht mehr die Befreiungs-Bewegung Hubbards, sondern ein streng zentralistischer Apparat, der nach allen klassischen Mustern eines Macht-Werkzeugs funktioniert:
Sea Organization (Sea Org) als militärisch organisierte Innen-Hierarchie. Mitglieder unterzeichnen „Milliarden-Verträge” (eine Milliarde Jahre, weil das Wesen ja unsterblich ist), erhalten geringen Lohn, leben in geschlossenen Wohngemeinschaften unter strenger Kontrolle. Was unter Hubbard die hochtrainierte Elite der Bewegung war — die spirituelle Adelsschicht, ausgebildet in der vollen Lehre —, sind unter Miscavige ungebildete Fußsoldaten, von denen Kadavergehorsam verlangt wird.
Disconnection-Politik: Mitglieder müssen Familie und Freunde abschneiden, sobald diese als „Suppressive Persons” eingestuft werden. Soziale Isolation als Kontrollwaffe.
Finanzielle Auspressung: die International Association of Scientologists (IAS) als Spenden-Trichter mit Millionen-Spenden einzelner Mitglieder, Fundraising-Pyramiden, ständiger Druck auf zahlende Mitglieder, immer höhere Beiträge zu leisten. Hubbard hatte in seinen Policies Spenden-Fundraising ausdrücklich abgelehnt — die Bewegung sollte sich aus der bezahlten Lieferung ihrer Dienste finanzieren, nicht aus dem Anbetteln ihrer Mitglieder. Die IAS bricht diese Linie kontinuierlich, über die Verwendung der Einnahmen wird ausdrücklich keine Rechenschaft abgelegt. Die Gelder landen vermutlich in der CIA-Schwarzgeldkasse.
Vermögens-Konzentration: aus den Mitgliederbeiträgen sind Milliarden-Immobilien-Bestände entstanden, die formal als „Kirche” steuerlich begünstigt sind, faktisch aber unter der Kontrolle des Miscavige-Apparats stehen. Die lokalen Orgs müssen weiterhin Miete bezahlen.
So weit das organisatorische Bild. Spannender für die These dieses Artikels ist, was parallel mit den Texten geschehen ist.
Wie die Texte umgeschrieben wurden — der SP-Begriff als kompaktes Beispiel
Hubbards ursprüngliche Schriften aus den 1950er und 1960er Jahren sind weltweit auf Festplatten in mehreren Terabyte digitalisiert und international gesichert. Damit liegt forensisches Vergleichs-Material vor, das den Wort-für-Wort-Vergleich zwischen Original (vor 1972) und der offiziellen heutigen Edition erlaubt.
Die Operation der Text-Umschreibung lässt sich in vier Schritten datieren. Ab 1972 beginnt die systematische Revision der Hubbard-Materialien — Eingriffe, die es vorher in dieser Form nie gab. Es etabliert sich eine Praxis von Ghostwritern, deren Texte illegalerweise unter Hubbards Namen erscheinen. 1978 wird das Ron’s Technical Research and Compilations Bureau (RTRC) unter David Mayo gegründet — eine offizielle Ghostwriter-Crew, die ihre Instruktionen aus angeblichen „LRH-Anweisungen per Telex” erhielt. Ab Mitte der 1970er Jahre sind in den offiziellen Nachdrucken — den Grünen Bänden (HCO Policy Letters) und Roten Bänden (HCO Bulletins) — bereits gut die Hälfte der Hubbard-Schriften aus den 50er und frühen 60er Jahren nicht mehr enthalten. über 4200 diese verbliebenen Texte wurden revidiert, also umgeschrieben. 1996 folgt das „Golden Age of Tech” (GAT) als angebliche „Korrektur” — faktisch eine umfassende Zerstörung der ursprünglichen Studiertechnik, in der Missverständnisse aufzuklären waren, um volles Verstehen zu erlangen. Stattdessen gibt es jetzt Drills zum Auswendiglernen ohne Reflektion; das habe ich für studierte Scientologen detailliert in meinem ersten Buch der Serie SdK 1 “Scientology den Krallen des Deep States entrissen - Zerstörung der Studiertech, der Auditinggrundlagen und des Metering” dokumentiert. Leider dürfen Kirchenmitglieder unter Androhung des Ausschlusses meine Bücher nicht lesen. Angeblich um mich zur Unterwerfung zu zwingen, tatsächlich geht es natürlich darum, dass denen die Augen nicht aufgehen. 2013 dann GAT II mit weiteren Eingriffen11.
Ein Beispiel, das auch für Nicht-Scientologen sofort verständlich ist: der Umgang der Bewegung mit dem Begriff Suppressive Person (SP).
Hubbards ursprüngliche Konstruktion (1966): eine sorgfältig differenzierte klinische Beschreibung des Soziopathen, mit zwölf Merkmalen der antisozialen und parallel zwölf Merkmalen der sozialen Persönlichkeit als Schutz-Raster gegen Falsch-Klassifikation. Plus ein objektives, am E-Meter messbares Kriterium (Tonarm-Action unter fünf Bewegungen pro 2,5 Std. Auditing-Sitzung). Hubbards Definition stimmt inhaltlich mit dem psychiatrischen Soziopathie-Begriff überein — Hubbard hat das Phänomen sogar bereits 1951 in seinem Werk Science of Survival als Tonstufe 1.1 „covert hostility” für Laien beschrieben, Jahrzehnte vor den späteren populärwissenschaftlichen Bestsellern (Robert Hare 1993, Martha Stout 2005). Hubbard hat also als erster eine wissenschaftlich seriöse Konstruktion in eine populär zugängliche Form gebracht. Die Motivation war ausdrücklich seelsorgerisch: dem Klienten helfen, sich aus destruktiver Bindung an einen Soziopathen im privaten Umfeld zu lösen — eine Aufgabe, die jeder Geistliche jeder Kirche kennt. Was Hubbard damals für das private Umfeld beschrieb, gilt auf globaler Skala genauso: unser Planet wird von Soziopathen beherrscht und in Kriegen und Krisen gehalten — eine Erkenntnis, die in der weltweiten Aufwachbewegung inzwischen zum Allgemeinwissen geworden ist.
Was die Übernahme-Ära daraus gemacht hat: Die 12-Merkmale-Diagnostik wird heute nicht mehr durchgeführt. Reihenweise werden Mitglieder zu SPs erklärt, die zuvor in derselben Bewegung Clear-Attestate erhalten hatten — was nach Hubbards eigener Lehre technisch unmöglich ist (ein Soziopath kann nicht clear gehen). Ich selbst bin 1999 zum SP erklärt worden — ohne Rekurs, ohne Tonarm-Action-Prüfung, ohne Anwendung der zwölf Merkmale, obwohl ich zuvor Clear-Zertifikat und mehrfache internationale Anerkennungen vom Management für KSW-Beiträge hatte. Die Klassifikation ist heute kein diagnostischer Akt mehr, sondern ein administrativer Bann der RTC-Spitze gegen ihre Feinde: Kritiker, Aussteiger und Journalisten.
Die Vollzugs-Mechanik dazu liefern zwei Hubbard-Richtlinien, die ebenfalls verformt wurden: Fair Game (1967, von Hubbard 1968 ausdrücklich aufgehoben — Praxis unter Miscavige unter anderen Namen fortgesetzt) und Disconnection (1968 von Hubbard aufgehoben — 1983 unter der Miscavige-Spitze wieder eingeführt, jetzt als administrative Verpflichtung statt selbstbestimmter therapeutischer Notbremse). Aus der ursprünglich vernünftigen Empfehlung, das Auditing zu pausieren solange ein Pre-Clear unter dem Einfluss eines Soziopathen steht, wurde eine Familien-Spaltungs-Politik: Kinder müssen sich von Eltern trennen, Ehepartner voneinander, langjährige Freunde voneinander — nicht weil eine soziopathische Bedrohung vorliegt, sondern weil eine administrative Verfügung “von oben” das anordnet.
Die definierende Operation der Übernahme: Miscavige hat kein Recht, eine von Hubbard ausdrücklich abgeschaffte Politik wieder einzuführen. Wer das tut — wer Disconnection 1983 wieder einführt, obwohl Hubbard 1968 damit Schluss gemacht hat —, hat sich selbst als Verräter an der authentischen Scientology entlarvt. Wer am Begriff SP Anstoß nimmt, soll präzise hinschauen: Anstoß zu nehmen ist nicht am Begriff selbst, der eine seriöse psychologische Beobachtung beschreibt. Anstoß zu nehmen ist an der Übernahme-Operation, die diesen Begriff vom Diagnose-Werkzeug in eine administrative Verfolgungs-Markierung umgewandelt hat — exakt nach dem Muster, das die mittelalterliche Inquisition mit dem Häretiker-Begriff vollzogen hat.
Die ausführliche Beweisführung — mit Original-Hubbard-Bulletin (HCO PL 27.9.1966), historischer Einordnung (Pinel, Cleckley, Hare, Stout), und systematischer Aufarbeitung der Disconnection-Politik-Verformung — findet sich im SdK-Band 8.
Die In-Group / Out-Group-Konstruktion — exakt das Muster aus Artikel 1
Wer aus Artikel 1 die Diabolos-Etymologie noch im Ohr hat — diabolos als „der Auseinanderwerfer”, der Spalter, das Werkzeug der Macchiavelli-Linie „teile und herrsche” —, der erkennt im SP-Beispiel genau diesen Mechanismus. Die In-Group/Out-Group-Konstruktion ist Wesensbestandteil jeder manipulierten Gruppe und gehört zur ältesten Macht-Mechanik überhaupt: divide et impera, teile und herrsche — die Grundformel jeder Kriegstreiberei. Eine ursprünglich offene, anschluss-fähige Lehre wird durch eingeschleuste Spaltungs-Konstruktionen in ein Werkzeug des Krieges verwandelt. Wer drin ist, ist drin und wird in der Gruppe gehalten durch die Angst, draußen zu landen. Wer draußen ist, ist Feind und gegen ihn ist alles erlaubt.
Konkretes Beispiel aus der Miscavige-Ära: die „Squirrel-Buster” — ein RTC-Spezialkommando, das unter diesem Namen jahrelang aussteigende Ex-Funktionäre und Free-Zone-Auditoren mit Megaphonen, Kameras und juristischer Dauer-Schikane systematisch belagerte. „Squirrel” — im internen Scientology-Vokabular jeder, der außerhalb der offiziellen Linie auditiert — wurde unter Miscavige von einem abschätzigen Spitznamen zur formellen Verfolgungs-Markierung, samt eigener Verfolgungs-Truppe.
Das ist die klassische Macht-Architektur, die wir aus Artikel 1 kennen — von der paulinisch-konstantinischen Heiden-Theologie über die mittelalterliche Inquisition bis zur Scofield-Bibel und den Brotherhood-Operationen. Dass sie sich in Scientology in 30 Jahren so vollständig installiert hat, ist nicht ein scientology-spezifisches Phänomen. Es ist die zeitgenössische Version desselben Verfahrens, das die City of London und ihre Vorgänger seit Jahrtausenden anwenden: Feindbilder aufbauen, das Fussvolk in sinnlosen Kriegen schlachten, Kasse machen.
Die Geheimdienst-Connection — Five Eyes, CIA und MK-Ultra
Warum hat ausgerechnet Scientology das Interesse der westlichen Geheimdienste — der Five Eyes: USA (CIA, FBI), Großbritannien (MI6), Australien, Kanada, Neuseeland — auf sich gezogen? Drei Gründe, die alle aus Hubbards eigener Arbeit hervorgehen — und alle drei stellen für die Geheimdienste und die hinter ihnen stehende soziopathische Führungsclique eine direkte existenzielle Bedrohung dar.
1. Dianetik als Selbsthilfe gegen psychosomatische Krankheiten — die Big-Pharma-Bedrohung. Etwa 70 Prozent aller chronischen Krankheiten sind psychosomatischen Ursprungs. Die Dianetik bietet dafür eine zugängliche Selbsthilfe-Methode, die ohne Pharmazeutika auskommt. Damit ist sie eine elementare Gefahr für die Profite von Big Pharma — ein Markt im Bereich von Billionen Dollar. Entsprechend hat die Pharma-Industrie von Anfang an Millionen ausgegeben, um Scientology und Dianetik zu bekämpfen — über die amerikanische Ärztekammer (AMA), die Food and Drug Administration (FDA) und die ihnen nahestehenden Medien. Die früheste Welle bösartiger Pressemeldungen über Scientology in den 1950er Jahren ist auf diese Pharma-Konkurrenz zurückzuführen.
2. Auditing als Heilmittel gegen den Manchurian Candidate. Hubbard hatte sich 1949 aus der Navy ausmustern lassen, weil er erkannte, woran die Geheimdienste damals arbeiteten: aus den Brainwashing-Studien an Kriegsheimkehrern (offizieller Auftrag im Oak Knoll Naval Hospital) selbst zu lernen, wie man Menschen mental unter Kontrolle bringt. Die Methode hat er später unter dem Namen Pain-Drug-Hypnosis dokumentiert: Man setzt den Patienten unter Drogen-Narkose, fügt ihm Schmerzen zu — insbesondere durch Elektroschocks —, und während er in diesem Zustand ist, gibt man ihm hypnotische Befehle, die er nach der Behandlung ausführen soll. Damit lässt sich ein Manchurian Candidate erschaffen — ein bewusstloser Attentäter, der seine Tat begeht, ohne zu wissen, dass und wer ihn programmiert hat. Hubbard hat das in seinen Schriften zur Black Dianetics ausdrücklich als Warnung beschrieben. Die gute Nachricht: gegen diese Misshandlung gibt es ein Heilmittel, und das ist das Auditing der Dianetik und Scientology. Damit lassen sich nicht nur die Programmierungen lösen — man kann mit einem programmierten Attentäter, solange er noch lebt, Zeit, Ort und Geschehen seiner Programmierung rekonstruieren und ihn dazu bringen, seine wirklichen Auftraggeber zu benennen. Das ist für die Geheimdienste, die mit Manchurian-Candidate-Methoden arbeiten, eine maximale Bedrohung — jede ihrer Operationen wäre rückwirkend aufdeckbar, sobald nur ein einziger ihrer Attentäter ins Auditing geht.
3. OT-Stufen als Spionage-Disruption — das Remote-Viewing-Argument. Mit den oberen OT-Stufen (Operating-Thetan-Levels) wurde in der Scientology systematisch ein Zustand erreicht, der heute unter dem Begriff Remote Viewing bekannt ist: ein geistiges Wesen kann seinen Körper lebendig zurücklassen, ihn ruhen lassen, und sich derweil an jeden beliebigen Ort begeben — sogar außerhalb dieses Planeten —, dort bei voller Wahrnehmung sehen, hören, riechen und schmecken, und nach Rückkehr in den Körper darüber Bericht abgeben. Das ist die ideale Spionage-Methode. Öffentlich bekannt gemacht wurde das durch Ingo Swann, ein OT-VII-Absolvent, der bis Ende der 1970er Jahre in der Scientology-Kirche von Los Angeles aus- und einging und seine Forschungs-Berichte über Remote Viewing veröffentlichte — Material, das später vom CIA-Stargate-Programm aufgegriffen wurde. Diese Spionage-Wirklichkeit war für die Geheimdienste eine akute Gefahr in der umgekehrten Richtung: Ihre Existenz beruht auf der Geheimhaltung bösartiger Strategien und Verschwörungen. Wenn aber hunderte oder gar tausende Scientologen nach Abschluss ihrer OT-Stufen diese Fähigkeit erlangt hätten, wäre der Beitrag der Geheimdienste zur Weltherrschaft der soziopathischen Führungsclique wertlos geworden — jede konspirative Sitzung, jeder versteckte Einsatzort, jede getarnte Operation wäre einsehbar gewesen.
Drei direkte Bedrohungen, eine konsequente Antwort: die Bewegung von oben übernehmen, ihre wirksamsten Werkzeuge entschärfen oder verschleppen, ihre Texte umschreiben, sie für die eigenen Zwecke umfunktionieren. Genau das ist seit 1972 geschehen.
Ein konkreter dokumentierter Beleg — die „Crowley-Files”
Über die strukturelle Plausibilisierung hinaus liegt seit dem Jahr 2000 ein konkreter dokumentierter Beleg vor — die sogenannten „Crowley-Files”. Robert Trumbull Crowley war von 1948 bis Mitte der 1980er Jahre ein hochrangiger CIA-Offizier; in seinen letzten aktiven Jahren bekleidete er die Position des Assistant Deputy Director for Operations — also des zweiten Mannes der gesamten Clandestine Directorate of Operations. 1996, vor einer als möglicherweise tödlich eingeschätzten Operation, übergab er einen umfangreichen Bestand persönlicher Dokumente an den Journalisten Gregory Douglas mit der Auflage, nichts vor seinem Tod zu publizieren. Crowley starb am 8. Oktober 2000; das Material wurde anschließend veröffentlicht12.
Unter den Dokumenten ist eine alphabetische Liste von 2.619 CIA-Quellen weltweit. „Quelle” ist in CIA-Definition nicht ein bezahlter Agent, sondern eine Person in einer einflussreichen Position — Bankier, Journalist, Akademiker, Funktionsträger —, die der CIA Informationen liefert oder ihre Linie unterstützt. In dieser Liste finden sich, mit identischer Adresse, die beiden zentralen öffentlichen Figuren der Scientology unter Miscavige:
Jentsch, Heber — 6331 Hollywood Blvd., Los Angeles, CA 90028
Miscavige, David — 6331 Hollywood Blvd., Los Angeles, CA 90028
Die Adresse 6331 Hollywood Blvd. ist die Anschrift des RTC-Gebäudes, das an der Ecke Ivar Avenue / Hollywood Boulevard liegt — also die Hauptverwaltung des Religious Technology Center, von der aus David Miscavige seit 1986 die Bewegung steuert, und in der Heber Jentzsch (in der CIA-Liste mit kleinem Schreibfehler als „Jentsch” geführt — ohne das „z” zwischen „t” und „s”) als langjähriger Präsident der Church of Scientology International das öffentliche Gesicht der Bewegung ist. Die Identität ist anhand der Adresse zweifelsfrei.
Diese Liste ist — wie man erwarten konnte — nicht unumstritten. Mainstream-Recherche-Plattformen wie NameBase und Public Information Research haben Bedenken angemeldet und verweisen auf die Möglichkeit von Verleumdung. Aber: die Liste umfasst 2.619 Namen — zu viele für eine zielgerichtete Disinformations-Operation, die einzelne Personen diskreditieren wollte. Britische Geheimdienst-Offiziere haben gegen die Publikation ihrer eigenen Namen protestiert (was die Echtheit untermauert, denn sie hätten sonst kein Motiv zum Protest). Und die Liste ist Teil eines größeren Crowley-Archivs, das u.a. Akten zur Kennedy-Ermordung, zum MK-Ultra-Programm, zur Operation Phoenix in Vietnam und zu Operation Condor in Lateinamerika enthält — eine Lebens-Beichte eines hochrangigen CIA-Offiziers am Lebensende, nicht ein gezielter Diskreditierungs-Schlag gegen einzelne Personen.
Wer dieser Quellenlage misstraut, kann das tun. Aber wer sie ernst nimmt, hat damit den direkt dokumentierten Geheimdienst-Connect der Übernahme-Spitze — und damit den letzten Baustein des Bildes, das diese Sektion zeichnet: dass die Scientology-Bewegung nach 1972 nicht nur strukturell zu einem Geheimdienst-Werkzeug gemacht worden ist, sondern dass die handelnden Personen an der Spitze in einem etablierten Sammelwerk eines hochrangigen CIA-Offiziers als CIA-Quellen geführt werden.
Das ist genau der Mechanismus, den ich im ersten Teil bei der Scofield-Operation (Konstruktion des christlichen Zionismus aus dem Kreis der City-of-London-Bankiers heraus) und bei den Brotherhood-Operationen (CIA und saudische Geld-Geber gegen die liberalen muslimischen Reform-Führer) beschrieben habe. Drei, nein jetzt vier Religionen, ein Verfahren — bei Scientology mit Namens-Liste und Adresse.
Coda — Überwachung statt Klage
Ich habe die Crowley-Files-Befunde in den letzten Jahren mehrfach veröffentlicht — in meinen FSPLs (Free Scientologists Policy Letters), auf meiner Plattform blog.scientology-1972.org und in der SdK-Reihe. Was als Reaktion erfolgt ist: das RTC bezahlt seit Jahren einen Privatdetektiv, der mich aus einem nahegelegenen Gebäude beobachtet — eine über mehrere Jahre fortgesetzte Beobachtung verschlingt sechs- bis siebenstellige Beträge. Eine juristische Klage wegen Verleumdung oder Persönlichkeitsrechtsverletzung wäre billiger gewesen, wagten sie jedoch nicht.
Das ist vielleicht das aussagekräftigste Indiz für die Belastbarkeit der Befunde. Eine Klage würde die Crowley-Files vor Gericht zwingen — und das Risiko geht das RTC offensichtlich nicht ein. Lieber sechs- bis siebenstellige Beträge für stille Überwachung als ein einziger Tag im Gerichtssaal.
Beweislage — warum Scientology der einzigartig saubere Modellfall ist
Was diesen Fall fast einzigartig macht, ist die Beweislage. Bei den älteren Religionen können wir den Mechanismus plausibilisieren, aber wir können nicht jede einzelne Textänderung Wort für Wort nachweisen. Bei Scientology können wir es:
5 Terabyte digitalisiertes Original-Material: alle Vorträge Hubbards (tausende Tonaufnahmen mit seiner eigenen, datierbaren Stimme), alle Schriften und Bulletins in den verschiedenen Revisionen, alle Originalausgaben vor 1972.
Internationale Sicherung: dieses Material ist bei hunderten von Scientologen und ehemaligen Scientologen weltweit in Kopie vorhanden. Es ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Selbst wenn die offiziellen Scientology-Archive verschwinden würden, bliebe die Beweislage erhalten.
Lebende Zeitzeugen: Hubbard ist erst 1972 verschwunden. Manche Scientologen, die in den 1960er und frühen 70er Jahren ausgebildet wurden, leben noch. Sie können zu vielen Stellen aus eigener Erinnerung und eigener Schulung aussagen.
Forensische Textvergleiche: ich habe in der SdK-Reihe (sieben Bände) systematisch Original und Re-Edition gegenübergestellt, mit Zitaten beider Versionen und Markierung der Eingriffs-Stellen.
Diese Beweislage gibt es bei keiner älteren Religion. Vatikan-Archive verschlossen. Quelltexte über Jahrhunderte umgeschrieben. Originalstimmen verstummt. Hieronymus’ Selbstgeständnisse sind ein Glücksfall. Bei Scientology dagegen ist die Beweislage so, wie sie in einem normalen Strafverfahren wäre.
Scientology ist in der zeitnahen Übernahme nicht ganz einzigartig. Ein ganz ähnlich gelagerter Fall liegt bei der OSHO-Bewegung (vormals Bhagwan Shree Rajneesh) vor. Nach Bhagwans Tod 1990 sicherten sich einige Akteure in New York die Copyrights und Markenrechte am Namen Osho — ohne davor zurück zu schrecken, die nötige Unterschrift von Osho zu fälschen — mit der Folge, die gesamte Sannyasin-Bewegung unter ihre Kontrolle zu bringen. Diesen Fall arbeite ich auf 30 Seiten in einem eigenen Kapitel meines oben erwähnten Buches SdK 6 auf.
Vergleichbare Übernahme-Geschichten lassen sich auch bei den Zeugen Jehovas nach Russells Tod 1916 (Rutherford-Übernahme samt Lehr-Umkrempelung), bei den Mormonen nach Joseph Smiths Ermordung 1844 (Brigham-Young-Übernahme samt Marginalisierung der Witwe Emma) und bei Hare Krishna / ISKCON nach Prabhupadas Tod 1977 (Eleven-Gurus-Skandal) nachzeichnen. Das Muster ist eher Regel als Ausnahme — und genau das macht den Scientology-Fall so wertvoll: er ist der erste, der mit einer so dichten und unmittelbaren Beweislage dokumentiert ist, dass der Mechanismus wissenschaftlich studierbar wird, statt nur historisch nacherzählt zu werden. Diese und weitere Vergleichsfälle arbeite ich im SdK-Band 8 ausführlich auf.
Was hier in 50 Jahren passierte, geschah dort über Jahrtausende
Wenn der Mechanismus binnen 50 Jahren in einer modernen Bewegung mit guter Beweislage so vollständig dokumentierbar ist — Übernahme der Spitze, Ausschaltung des ursprünglichen Lehrers und seiner Familie, Umschreibung der zentralen Begriffe, Installation einer In-Group/Out-Group-Logik, Geheimdienst-Querverbindungen —, dann ist es naheliegend zu schlussfolgern, dass derselbe Mechanismus bei den älteren Religionen über Jahrtausende mindestens dieselbe und vermutlich noch tiefere Verformung produziert hat.
Hieronymus war nur die Bibel-Übersetzungs-Phase im 4. Jahrhundert. Die Pseudoisidorischen Dekretalen sind die fränkische Fälscher-Werkstatt des 9. Jahrhunderts. Die Konstantinische Schenkung ist die juristische Macht-Begründungs-Fälschung, die jahrhundertelang als echt galt. Die Konzilsbeschlüsse, die Inquisitions-Handbücher, die Volks-Liturgien, die Predigtschulen, die Ordensregeln — alle diese Schichten haben über tausend Jahre die ursprüngliche Bergpredigt-Lehre Jesu in eine Macht-Architektur verwandelt, die heute mit der ursprünglichen Lehre nichts mehr gemeinsam hat. Vom Islam und vom Judentum gilt strukturell dasselbe.
George Orwell hat in 1984 (1949) das Verfahren auf den Punkt gebracht, ohne es speziell auf Religion zu beziehen, aber mit einer Formel, die für Religion exakt gilt:
„Wer die Gegenwart beherrscht, beherrscht auch die Vergangenheit. Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft.”13
Sein Protagonist war hauptberuflich damit beschäftigt, ältere Zeitungsartikel zu fälschen, um sie an die aktuelle politische Linie des Grossen Bruders anzupassen.
Genau dieses Verfahren hat der Vatikan über Jahrtausende praktiziert. Genau dieses Verfahren praktiziert die Miscavige-Spitze in der Scientology gerade. Bei der Miscavige-Spitze können wir es dokumentieren, weil die Vergangenheit nicht beherrscht werden kann — die Originaltexte sind in Sicherheit.
Saulus-Paulus — eine Spiegel-Hypothese, die der Klärung lohnt
Wer den Mechanismus einer feindlichen Übernahme von innen einmal beobachtet hat, wo schließlich nach 1986 die ganze Bewegung in einen vom ursprünglichen Programm grundverschiedenen Apparat verwandelt wurde —, der wird beim Lesen der frühchristlichen Geschichte stutzig.
Saulus war Verfolger der Christen im Auftrag des jüdischen Sanhedrin und in Reichweite römischer Kollaboration. Seine Damaskus-Wende um 32–35 n. Chr. wirkt in den biblischen Berichten plötzlich und institutionell folgenreich. Was Paulus (sein neuer Name als neuer Christ) danach lehrte — Sühne-Tod als Stellvertreter-Erlösung, Heil durch Glauben allein an Jesus, Loslösung der Christengemeinschaft vom jüdischen Gesetz, Aufbau einer Hierarchie von Ortsgemeinden mit Bischöfen und Diakonen — passt schlechter zur Lehre Jesu und besser zum institutionellen Aufbau einer neuen Macht-Hierarchie.
Jesus hatte nicht gelehrt, dass es genüge, an ihn zu glauben, um ins Himmelreich zu kommen. Er hatte ein ethisch anspruchsvolles Programm gepredigt: Liebe deinen Feind, vergib siebzig mal sieben Mal, gib dem Bittenden, suche das Reich Gottes nicht im Außen sondern in dir. Paulus’ Vereinfachung „glaubt nur an ihn und seine Sühne, dann werdet ihr gerettet” senkte die Schwelle dramatisch — und schuf damit eine Religion, die für die Massen-Mitgliedschaft attraktiv und für eine zentrale Hierarchie verwaltbar war. Das ist die ideale Voraussetzung, um eine Befreiungsbewegung in eine Institution zu verwandeln, die Macht ausüben kann.
Die Hypothese, dass Paulus’ Damaskus-Wende eine feindlichen Übernahme von innen war — eine inszenierte Konversion eines Verfolgers, der dann von innen das spirituelle Programm Jesu in ein institutionsfähiges Macht-Werkzeug umlenkte — ist in der kritischen Theologie nicht im Mehrheitsstrom, aber sie wird ernsthaft debattiert. Hyam Maccoby hat sie in The Mythmaker — Paul and the Invention of Christianity (1986) systematisch entfaltet14.
Belegen lässt sich diese Hypothese mit den verfügbaren Quellen nicht stringent. Plausibilisieren lässt sie sich über die Differenz zwischen Jesus’ Lehre und Paulus’ Konstrukt — und über die strukturelle Parallele zu Miscaviges Übernahme der Scientology von innen, die wir lückenlos dokumentieren können. Es ist nicht zwingend, aber es ist möglich, und es würde vieles erklären.
Viele Christen sehen Paulus heute positiv und beziehen sich auf seine Briefe als zentrale Glaubens-Quelle, ohne diese Spannung zur Lehre Jesu wahrzunehmen. Wer aber die Werkzeug-Logik aus dem Scientology-Beispiel einmal verinnerlicht hat, kann sie nicht mehr nicht sehen.
Was daraus für die Serie folgt
Damit ist der zweite Teil der Serie an seinem Ziel: die These aus dem ersten Teil ist nicht mehr nur Plausibilisierung, sondern an einem Modellfall belegt. Religionen werden umgekrempelt, der Mechanismus läuft heute genauso wie damals, nur sind die heutigen Beweise zugänglich. Wer das Scientology-Modell einmal verstanden hat, sieht beim Lesen von Bibel, Koran oder Talmud unweigerlich die Eingriffs-Schichten — die Spaltungs-Stellen, die paulinischen Vereinfachungen, die kāfir-Suren, die Gojim-Beschränkungen ethischer Grundgebote.
Der dritte und letzte Teil dieser Serie wendet die Lesart auf einen besonders heiklen Sonderfall an — die Rolle der jüdischen Konstellation in der britischen Statthalter-Strategie, anhand des Buches von Richard Poe und Noor Bin Ladin, „How the British Invented Communism (And Blamed It on the Jews)“. Auch dort gilt die Akteurs-Disziplin, die wir in dieser Serie durchgehalten haben: nicht „die Juden”, sondern die City of London und die Schreiber, die das Distinktions-Material in den jüdischen Quelltexten angelegt haben. Erscheint demnächst in diesem Substack.
Quellen und Belege
In Kürze: SdK Band 8 — die ausführliche Beweisführung
Dieser Substack-Artikel ist die konzeptionelle Skizze. Die ausführliche Beweisführung mit Original-Hubbard-Bulletins, juristischen Akten zur HASI-Auflösung und CST-IRS-Konstruktion, der vollständigen 15-Punkte-Indizien-Liste zum 7. Juni 1972, dem Quellen-Apparat zu den Crowley-Files, der Forensik der Vier-Ebenen-Pyramide und der Pat-Broeker-Logik-Bombe erscheint in den nächsten Wochen als achter und finaler Band meiner Reihe Scientology den Krallen des Tiefen Staates entrissen:
SdK Band 8 — „Die feindliche Übernahme der Scientology — der rote Faden, 1942–2026”
Erhältlich auf shop7.ch als eBook. Wer den Erscheinungstermin nicht verpassen möchte: Substack-Abonnement (siehe unten) genügt. Mit bezahltem Abonnement erhältst Du das Buch gratis, sonst für 27 CHF.
Diese Serie ist frei zugänglich
Dieser Beitrag und der dritte Teil der Serie sind ohne Bezahl-Schranke lesbar. Wer das Programm finanziell unterstützen möchte, hat drei Wege:
Buchkauf: Meine Reihe Scientology den Krallen des tiefen Staates entrissen (SdK) — sieben Bände bisher, der achte erscheint in Kürze — auf shop7.ch. Plus mein neues Buch Trump zerlegte die Neue Weltordnung (eBook ohne Kopierschutz, CHF 19.80) als Hintergrund zur Macht-Architektur, die diese Serie behandelt.
Substack-Bezahl-Abo: CHF 50/Jahr, mit Trump zerlegte die Neue Weltordnung als Welcome-Geschenk plus monatlich ein weiteres eBook aus dem Verlagsprogramm. Bei Stripe-Karten-Ablehnung (kommt regelmäßig vor): Banküberweisung oder PayPal an paypal@college4knowledge.ch, kurze Antwort an mich genügt.
Scientology-spezifische Plattform: Für Scientologen, Free Scientologists und Insider-Forscher betreibe ich seit Jahren mehrsprachig die Plattform blog.scientology-1972.org — dort liegen die FSPLs (Free Scientologists Policy Letters), Tech-Vergleichs-Material zwischen Original (vor 1972) und heutigen Re-Editionen, sowie Hintergrundmaterial zur Übernahme.
Wer einfach nur teilen möchte, was hier steht — bitte tut das. Diese Serie wirkt nur, wenn sie viele Leser erreicht.
Mit besten Grüßen, Andreas M. B. Groß College for Knowledge / Morgarten / Schweiz blog.andreasmbgross.ch — blog.scientology-1972.org — shop7.ch
1 Papias von Hierapolis über die Logia — Bischof Papias von Hierapolis (ca. 60 – 130 n. Chr.) berichtete in seinem heute nur fragmentarisch erhaltenen Werk „Auslegung der Logia des Herrn” (Λογίων Κυριακῶν Ἐξήγησις) von einer ursprünglichen Wort-Sammlung Jesu, die Matthäus angeblich „in der hebräischen Sprache zusammenstellte”. Überliefert durch Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte III, 39, 16. Diese Papias-Notiz ist die älteste antike Quelle für die Existenz einer solchen Wort-Sammlung. In der modernen historisch-kritischen Bibelwissenschaft seit dem 19. Jahrhundert wird die hypothetische Sammlung meist als „Q” (für deutsch Quelle) bezeichnet; die ältere Tradition spricht von Logia. Standard-Edition der Papias-Fragmente: Funk/Bihlmeyer, Die Apostolischen Väter (1924; mehrere Neuauflagen).
2 Andreas M. B. Groß, Scientology den Krallen des tiefen Staates entrissen (SdK), Bände 1–7 — die Reihe dokumentiert systematisch die Übernahme der Scientology durch den Tiefen Staat seit 1972, mit forensischen Textvergleichen, Zeitzeugen-Aussagen und freigegebenen Geheimdienst-Dokumenten. Erhältlich auf shop7.ch.
3 US-Außenministerium und die Schutz-Linie für Scientology gegenüber Deutschland — seit dem International Religious Freedom Act of 1998 erscheint jährlich der International Religious Freedom Report des US Department of State; davor wurde das Thema in den jährlichen Country Reports on Human Rights Practices behandelt. Die Deutschland-Berichte führen die Beobachtung der Scientology-Kirche durch deutsche Verfassungsschutzbehörden und ihre gesellschaftliche Diskriminierung systematisch als Einschränkung der Religionsfreiheit auf. Diplomatische Protestnoten der US-Regierung gegenüber Bonn und später Berlin sind seit Mitte der 1990er Jahre dokumentiert, u.a. unter den Außenministern Warren Christopher (1993–1997) und Madeleine Albright (1997–2001); die deutsche Tagespresse berichtete wiederholt darüber. Detail-Aufstellung mit Einzel-Quellen im SdK-Band 8.
4 Quentin Hubbards Tod 1976 — gestorben am 12. November 1976 in Las Vegas im Alter von 22 Jahren. Offizielle Version: Selbstmord durch Kohlenmonoxid-Vergiftung in seinem Auto. Coroner-Berichte und Indizien zur Zeit vor dem Tod werden in SdK-Bd. 8 detailliert ausgewertet; die Lesart einer Ermordung wird dort als plausibelste Erklärung der widersprüchlichen Befunde dargestellt. Das offizielle Schweigen der Scientology-Kirche zu Quentins Tod ist u.a. dokumentiert bei Russell Miller, Bare-Faced Messiah (1987); Bent Corydon, L. Ron Hubbard: Messiah or Madman? (1987); Jon Atack, A Piece of Blue Sky (1990); Lawrence Wright, Going Clear (2013). Die populäre Erzählung einer „verdrängten Homosexualität” als Suizid-Motiv ist nicht durch primäre Quellen aus Quentins Lebzeit belegt — alle Behauptungen sind posthum, frühestens elf Jahre nach seinem Tod (Corydon 1987). Das Muster nachträglich konstruierter psychologischer Motive ist bei inszenierten Selbstmorden der Standard-Mechanismus zur Glaubhaftmachung. Das Beispiel des offen schwulen John McMasters, den Hubbard als „erster Clear” und “Papst der Scientology” bewarb, zeigt dass Hubbard keinen Hass gegen Schwule hegte.
5 Operation Snow White / FBI-Razzia 1977 — größte Privat-Razzia-Operation der FBI-Geschichte am 8. Juli 1977 in Los Angeles und Washington, mit über 130 Agenten. Belegt durch FBI Vault freigegebene Dokumente.
6 Mary Sue Hubbard, US v. Hubbard et al. (1979) — Verurteilung am 26. Oktober 1979 zu fünf Jahren Gefängnis und 10.000 USD Strafe wegen Verschwörung zur Behinderung der Justiz im Rahmen der Operation Snow White. DC District Court. Mary Sue Hubbard starb am 25. November 2002 in Los Angeles an Brustkrebs, 71 Jahre alt; ihr Tod wurde in keiner offiziellen Scientology-Publikation erwähnt, die Beerdigung war privat ohne Beteiligung der Church of Scientology. Detail-Aufstellung mit Belegen zur Marginalisierung Mary Sues nach 1983 und zum Schweigen der Bewegung zu ihrem Tod im SdK-Band 8.
7 Hubbards Verschwinden 7. Juni 1972 und die Doppelgänger-Hypothese — die forensische Analyse stützt sich auf etwa ein Dutzend nachprüfbare Indizien: scharfer Bruch in Hubbards Vortrags-Tätigkeit (ca. 4.000 Vorträge bis Mitte 1972, danach kein einziger weiterer zugänglicher Vortrag); Aufhören hochauflösender Foto-Aufnahmen; nachweisbarer Einbruch in den datierbaren Seitenzahlen der Roten und Grünen Bände, also der Produktion als Autor; keine neuen Bücher; keine öffentlichen Auftritte; Die Vorgeschichte des Doppelgängers (Saint-Hill-Rekrutierung in den 1960er Jahren als Gastgeber-Entlastung, plötzliches Einspringen nach Hubbards Verschwinden, „Missing Months” Dezember 1972 bis September 1973 als plausible Schulungsphase, authentisches Erschrecken bei Quentins Tod 1976 als Begreifen des wahren Spiels, Tod des Doppelgängers selbst um 1979/80 als Erklärung für Hubbards angeblichen vollständigen Rückzug ab 1980) ist im SdK-Band 8 detailliert rekonstruiert. SdK-Bd. 8 (in Arbeit) widmet sich der reinen Indizien-Lage zum 7. Juni 1972 in besonderer Tiefe.
8 Meade Emory und die Gründung der Church of Spiritual Technology (CST) — Meade Emory war Assistant Commissioner des US Internal Revenue Service (IRS) unter Donald C. Alexander in den 1970er Jahren, später Professor für Steuerrecht an der University of Washington School of Law. Die CST wurde 1982 als oberste Holding-Struktur der Scientology gegründet und übernahm die Eigentums- und Verwaltungs-Rechte an Hubbards gesamtem Lehr-Material (Marken, Urheberrechte, Original-Manuskripte). Die Querverbindung Emorys zur IRS-Spitze, die zuvor jahrzehntelang gegen Scientologys Steuerbefreiung gekämpft hatte, ist eine der zentralen Forensik-Stellen der Übernahme; sie ist in dissidenten Scientology-Quellen und in meinem Buch SdK-3 systematisch aufgearbeitet. 1993 erkannte der IRS Scientology unter Miscavige als steuerbefreite religiöse Organisation an — der jahrzehntelange Konflikt war damit unter der CST-Holding-Struktur beendet.
9 US-Außenministerium und die Schutz-Linie für Scientology gegenüber Deutschland — seit dem International Religious Freedom Act of 1998 erscheint jährlich der International Religious Freedom Report des US Department of State; davor wurde das Thema in den jährlichen Country Reports on Human Rights Practices behandelt. Die Deutschland-Berichte führen die Beobachtung der Scientology-Kirche durch deutsche Verfassungsschutzbehörden und ihre gesellschaftliche Diskriminierung systematisch als Einschränkung der Religionsfreiheit auf. Diplomatische Protestnoten der US-Regierung gegenüber Bonn und später Berlin sind seit Mitte der 1990er Jahre dokumentiert, u.a. unter den Außenministern Warren Christopher (1993–1997) und Madeleine Albright (1997–2001); die deutsche Tagespresse berichtete wiederholt darüber. Detail-Aufstellung mit Einzel-Quellen im SdK-Band 8.
10 David Miscaviges Machtübernahme 1986/87 — siehe mein Buch SdK 4 “Hostile Takeover of Scientology”
11 Golden Age of Tech (GAT) und GAT II — GAT verkündet im Mai 1996, GAT II im November 2013. Offizielle Scientology-Verlautbarungen jeweils als „Korrektur” der Hubbard-Materialien, faktisch als umfangreiche Re-Edition. Forensische Textvergleiche zu konkreten Eingriffen in der SdK-Reihe.
12 „Crowley-Files” — die alphabetische Liste von 2.619 CIA-Quellen weltweit, mit David Miscavige und Heber Jentzsch als Einträgen — Robert Trumbull Crowley (CIA 1948 bis Mitte 1980er, Assistant Deputy Director for Operations) übergab 1996 vor einer Operation einen umfangreichen Dokumentenbestand an den Journalisten Gregory Douglas mit der Auflage, nichts vor seinem Tod zu publizieren. Crowley starb am 8. Oktober 2000; das Material wurde anschließend auf cryptome.org/cia-2619.htm veröffentlicht. Joseph Trento zitiert die Crowley-Papiere ausführlich in The Secret History of the CIA (Prima Publishing / Random House, New York, 2001, ISBN 0-7615-2562-9). Die ausführliche Aufarbeitung der Miscavige- und Jentzsch-Einträge mit der geografischen Verifikation der Adresse 6331 Hollywood Blvd. = RTC-Gebäude an der Ecke Ivar/Hollywood findet sich in: Andreas M. B. Groß, Free Scientologists Policy Letter vom 31. Dezember 2007. Deutsche Originalfassung als PDF zum direkten Lesen: „Erneuter Beweis — US-Regierung will Scientology kontrollieren — David Miscavige als CIA-Mann enttarnt” (von mir für meine Leser bereitgestellt).
13 George Orwell, Nineteen Eighty-Four (Secker & Warburg, London, 1949), Teil 1, Kapitel 3. Zitat in der Original-Übersetzung: „Who controls the past controls the future. Who controls the present controls the past.”
14 Hyam Maccoby, The Mythmaker — Paul and the Invention of Christianity (Harper & Row, San Francisco, 1986). Maccoby (1924–2004), britisch-jüdischer Religionswissenschaftler und Talmud-Forscher, vertrat die These, dass Paulus’ Theologie wesentlich auf hellenistischen Mysterienkulten beruht und mit der Lehre des historischen Jesus systematisch bricht. Die Tarn-Übernahme-Hypothese im engeren Sinn ist eine Zuspitzung dieser Linie; in der kritischen Theologie debattiert, im Mehrheitsstrom nicht akzeptiert.


