Interstellares Trampen
Die beste Erklärung für 3i/Atlas von Avi Loeb
Der folgende Text ist eine deutsche Übersetzung des Videos „Interstellar Hitchhiking” von Avi Loeb, veröffentlicht am 10. März 2026 auf seinem YouTube-Kanal:
Loeb, Professor für Astronomie an der Harvard University und Leiter des Galileo-Projekts, legt darin dar, warum das interstellare Objekt 3I/ATLAS – das größte und schnellste bisher entdeckte Objekt seiner Art – möglicherweise weit mehr ist als ein gewöhnlicher Komet. Seine These: Wasserreiche interstellare Objekte könnten als natürlich getarnte Reisefahrzeuge für technologische Zivilisationen dienen – und wir sollten genau hinschauen, bevor 3I/ATLAS unser Sonnensystem endgültig verlässt.
Interstellares Trampen
Für eine technologische Zivilisation, die auf einem so massereichem Planeten wie der Erde entstanden ist, könnte der einfachste Weg zu schnellen interstellaren Reisen das Trampen sein.
Im letzten Jahrzehnt entdeckten wir mehrere interstellare Objekte – das größte und schnellste davon ist 3I/ATLAS. Dies ist eine Helligkeitskarte der projizierten Jetstruktur um 3I/ATLAS, aufgenommen am 14. Januar 2026 vom Hubble-Weltraumteleskop. Das Bild wurde durch einen Larson-Sekanina-Rotationsgradientenfilter verarbeitet, der das kreissymmetrische Leuchten um den Kern entfernt. Die drei Mini-Jets sind nahezu gleichmäßig voneinander getrennt und werden durch einen längeren Gegenschweif in Sonnenrichtung ergänzt. Und hier ist zu sehen, wie das Jetsystem periodisch mit einer Periode von 7,2 Stunden um die Rotationsachse taumelt – basierend auf zwei Hubble-Aufnahmen im Abstand von 23 Minuten am 30. November 2025.
Eine Population verlassener Objekte wie 3I/ATLAS, die größer als ein Kilometer und schneller als 60 km/s sind, könnte als Fahrzeuge für interstellare Reisen betrachtet werden. Sie benötigen weniger als eine Milliarde Jahre, um Sterne auf einem Ring um das Zentrum der Milchstraße zu erreichen. Neun Tage nach seinem Periheldurchgang am 29. Oktober 2025 wurde 3I/ATLAS 32 Tage lang von der SOHO-Kamera für solaren Wasserstoff-Lyman-Alpha beobachtet. Die Kamera detektierte eine massive Wasserstoffwolke um 3I/ATLAS, was auf die Freisetzung von 13,5 Millionen Tonnen Wasser während des Beobachtungsmonats hindeutet.
Das Trampen auf einem wasserreichen Objekt wie 3I/ATLAS bietet den Vorteil, durch Elektrolyse Wassermoleküle in ihre Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen, die als effizienter Raketentreibstoff dienen. Ein Triebwerkssystem kann diesen Treibstoff nutzen, um gezielt auf gewünschte Ziele zuzusteuern – etwa die Orbitalebene von Planetensystemen.
SOHO könnte einen Teil dieses Wasserstofftreibstoffs bereits detektiert haben. Ein besetztes interstellares Objekt könnte auch geometrische Besonderheiten erklären, wie etwa die Fünf-Grad-Ausrichtung zwischen der Trajektorie von 3I/ATLAS und der Orbitalebene der Planeten unseres Sonnensystems, die Ausrichtung seiner Rotationsachse in Richtung der Sonne auf großen Distanzen, das symmetrische Jetsystem von 3I/ATLAS sowie Zusammensetzungsanomalien wie das anomal hohe Nickel-Eisen-Verhältnis vor dem Hintergrund gewöhnlichen Kometenausgasens.
Ein technologisches Objekt in einem kometaren Äußeren zu verbergen hat den Vorteil, die Ausrüstung als natürliches Objekt zu tarnen und Risiken durch Außenstehende zu vermeiden – ähnlich den Vorteilen, die das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie bot. Naive Beobachter in der gesamten Milchstraße würden diese Tramperfahrzeuge auf den ersten Blick für natürliche Objekte halten. Hochintelligente Wissenschaftler hingegen könnten subtile Anomalien als Hinweise auf technologische Signaturen bemerken. Diese Wissenschaftler werden von ihren Kollegen zunächst wahrscheinlich verlacht – bis ihre Zivilisation beschließt, Abfangmissionen zu starten, die interstellare Objekte aus der Nähe untersuchen.
Eine Nahaufnahmekamera könnte die Infrastruktur und die Energiequelle enthüllen, die den für die Elektrolyse benötigten Strom erzeugen und den Passagieren an Bord ermöglichen, aktiv zu sein. Welche technologischen Fingerabdrücke könnte ein interstellarer Komet hinterlassen? Dazu könnten gehören:
Überschusswärme eines Triebwerks, potenziell nachweisbar durch Infrarotsensoren wie das James-Webb-Weltraumteleskop
Ungewöhnliche Manöver, die sich nicht auf natürliche Weise erklären lassen
Ein Triebwerkssystem in charakteristischen Konfigurationen
Künstliches Licht
Freisetzung von Mini-Sonden an strategischen Orten
Die genaue Zusammensetzung der Nutzlast hängt von den Zielen der interstellaren Mission ab, die die Ambitionen der Absender über Milliarden von Jahren widerspiegeln. Wie bei jedem Blinddate wäre es für uns klüger, das interstellare Paket zu beobachten, anstatt die Motive der Absender über den enormen Raum-Zeit-Horizont, den sie ins Auge gefasst haben, vorwegzunehmen.
Das Auffinden eines interstellaren Fahrzeugs dieser Art könnte uns motivieren, natürliche interstellare Objekte für denselben Zweck zu nutzen. Wenn wir uns entschließen würden, interstellar zu trampen – was müssten wir tun? Nach der Entdeckung eines geeigneten Fahrzeugs auf dem Weg zu uns müssten wir eine Nutzlast mit geeigneter Energieversorgung und technologischer Ausrüstung auf eine Bahn bringen, die die Trajektorie des gewünschten interstellaren Objekts bei ausreichend niedriger Aufprallgeschwindigkeit kreuzt, damit die Nutzlast bei der Übergabe nicht beschädigt wird.
Es würde auch Sinn machen, die Ausrüstung mit künstlicher Intelligenz auszustatten, da die Lichtlaufzeit quer durch die Milchstraße in der Größenordnung von 50.000 Jahren liegt – was eine Echtzeitsteuerung durch die Absender unpraktikabel macht. Biologische Gehirne sind den gefährlichen Bedingungen im interstellaren Raum weit stärker ausgesetzt als technologische Gehirne. Deshalb habe ich meinen jüngsten Essay betitelt: „Was wäre, wenn 3I/ATLAS AI/ATLAS ist?”
Aus dieser Perspektive macht es am meisten Sinn, 3I/ATLAS in den kommenden Monaten weiter zu beobachten – auch nach seiner Passage in der Nähe der Hill-Sphäre des Jupiters am 16. März 2026.
Die Außerirdischen dürften erfreut sein, wenn andere sie nachahmen. Wie Oscar Wilde bemerkte: Nachahmung ist die aufrichtigste Form der Schmeichelei.
Wenn interstellares Trampen unter technologischen Zivilisationen tatsächlich verbreitet sein sollte, könnten wir nach der Landung unserer Ausrüstung auf einem vorbeifliegenden interstellaren Objekt herausfinden, dass es bereits fremde Ausrüstung an Bord hat.
In diesem Fall könnten wir uns den Aliens auf ihrer Reise anschließen und aus ihrem Reisetagebuch all die Highlights ihrer bisherigen Reise nachlesen.
Hörst du das?


AVI LOEB!
In Bern CH gibt es ein Wahrenhaus mit Namen Loeb. Könnte es sein, dass Avi ursprünglich aus der Schweiz stammt?
Anscheinend gibt es viele Sternentore, durch die man direkt ins Universum reisen kann, ohne Millionen Jahre 😉