Mein Text aus dem Jahr 1989, der heute aktueller ist als damals: Wie ein Kaiser die Wiedergeburt aus der Kirche strich, warum Herrscher den Gedanken fürchten — und wie du selbst prüfen kannst, ob du schon einmal gelebt hast.
Wenn du diesen Text gelesen hast, wirst du den Satz «Man lebt nur einmal» mit anderen Ohren hören.
Du wirst wissen, wer ihn verbreitet hat und warum. Du wirst wissen, wann die Lehre von der Wiedergeburt aus der Kirche verschwand und wer sie hinausgeworfen hat. Und du wirst wissen, wie du die Frage für dich selbst klären kannst, ohne irgendjemandem glauben zu müssen.
Den Kern dieses Textes habe ich im Dezember 1989 geschrieben. Ich war 34 Jahre alt und führte seither über Jahrzehnte mit meiner Frau Telse (anfangs in Hamburg, östlich der Alster zuletzt in Morgarten, Innerschweiz), ein kleines Studio für Rückführungen in frühere Leben. Die Klienten kamen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum, dazu aus Schweden, England und sogar aus Amerika. In Berlin war gerade die Mauer gefallen. Und in Oslo bekam ein tibetischer Mönch den Friedensnobelpreis.
Aus diesem Text wurde eine Broschüre. 2003 habe ich sie noch einmal nachgedruckt. Jetzt, beim Aufräumen meines Archivs, ist sie mir wieder in die Hände gefallen. Ich habe sie gelesen und gedacht: Das stimmt heute noch mehr als damals.
Was hier nicht gemeint ist
Bevor es losgeht, ein Zaun um die Idee.
Dieser Text richtet sich nicht gegen Christen, nicht gegen Juden und nicht gegen irgendeinen Gläubigen. Die meisten Menschen in den Kirchen haben nie erfahren, was ihren Vorfahren an Lehre weggenommen wurde.
Er richtet sich gegen die Funktionsträger, die eine Lehre umgeschrieben haben, weil sie ihnen im Weg stand. Kaiser, Konzilsväter, Inquisitoren. Menschen mit Namen und Jahreszahlen.
Und du musst nichts glauben. Am Ende zeige ich dir, wie du es prüfen kannst.
1. Ein Mönch mit langem Atem
Am 10. Dezember 1989 erhielt der XIV. Dalai Lama in Oslo den Friedensnobelpreis [Quelle: Nobelprize.org — The Nobel Peace Prize 1989].
Er ist so etwas wie der Papst des tibetischen Buddhismus. Seit seiner Flucht ins Exil 1959 reist er durch Europa und Amerika und spricht über Frieden, Liebe und Toleranz.
Seine Botschaft ist einfach: Der Weltfrieden beginnt beim Einzelnen. Beim inneren Frieden.
Das klingt nach Kalenderspruch. Aber denk an das Mitglied einer Friedensinitiative, das nebenher seinen Nachbarn verklagt, weil dessen Obstbaum über den Zaun wächst. Und das dann auch noch darauf besteht, “als Ausgleich” die Äpfel selbst zu ernten. Frieden beginnt in jeder Ehe, in jeder Familie, in jedem Land, das sich nicht mehr teilt.
In Berlin würdigte der Dalai Lama damals den Mauerdurchbruch: «Ein Traum hat sich erfüllt.» In Bonn traf er Willy Brandt und sagte, der Freiheitswille der Menschen sei unbesiegbar und stärker als jede Diktatur.
Sein eigenes Volk trotzt seit 1950 der Besatzung durch die Volksrepublik China. Nach Angaben der tibetischen Exilregierung kamen seither 1,2 Millionen Tibeter ums Leben. Von über 6000 Klöstern blieb kaum eines unversehrt [Quelle: Wikipedia — History of Tibet (1950–present)]. Chinesische Neusiedler machen die Tibeter in ihrer eigenen Hauptstadt zur Minderheit.
Woher nimmt dieser Mann seine Zuversicht?
Er hat einmal gesagt: Irgendwann werden die Besatzer gehen müssen. Wenn nicht in diesem Jahrhundert, dann im nächsten. Und wenn nicht im nächsten, dann im übernächsten.
Wer so redet, rechnet nicht in Legislaturperioden.
2. In Jahrhunderten denken
Unsere Politiker und Manager planen für vier Jahre. Für mehr sind sie nicht gewählt - und vermutlich reicht auch ihre Vorstellungskraft für mehr kaum aus.
Aus der Sicht eines Buddhisten ist das «No-Future»-Denken. Wo wir in Jahrzehnten rechnen, rechnet er in Jahrhunderten. Wo wir an ein Leben denken, denkt er an die Ewigkeit.
Der Grund ist die Wiedergeburt:
Du bist kein Körper. Du bist ein geistiges Wesen, eine Seele.
Im Tod verlässt du den Körper.
Später suchst du dir auf einer Entbindungsstation einen neuen, wenn auch erschreckend kleinen.
Den benutzt du ein Leben lang als Werkzeug, bis er zu Nichts mehr taugt.
Und so geht es weiter, von Leben zu Leben.
Kein Grund zur Trauer also. Wohl aber ein Grund, sehr genau zu überlegen, was man in diesem Leben anrichtet.
3. Wem «Man lebt nur einmal» nützt
Hier wird es politisch.
Für die Herrschenden war es gar nicht so leicht, den Satz «Man lebt nur einmal» unter das Volk zu bringen. Denn nach allem, was wir wissen, kannten viele alte Lehren die Wiedergeburt — auch das frühe Christentum.
Für einen Herrscher hat dieser Gedanke einen schweren Fehler: Einem Unsterblichen kann man mit Nichts drohen.
Man kann ihm den Körper wegnehmen. Aber man kann ihn damit nicht zu Gehorsam oder Treue zwingen.
Viel besser eignen sich zwei andere Lehren:
Die Hölle. Wer gegen die Gesetze der Herrschenden verstößt, sündigt — und brät dafür in Ewigkeit.
Der Materialismus. Du lebst nur einmal, danach ist Schluss. Also nimm mit, was du kriegen kannst.
Beide erziehen zum Mitläufer.
Und noch etwas. Würde irgendjemand die Wälder abholzen, das Grundwasser vergiften und Atommüll für zehntausend Jahre vergraben, wenn er ahnen würde, dass er selbst in hundert Jahren hier wieder auftaucht? Vielleicht als sein eigener Ururenkel und Erbe?
Wer weiß, dass er wiederkommt, löffelt die Suppe, die er sich einbrockt, selbst aus.
4. Wie die Wiedergeburt aus der Kirche verschwand
Ein junger Mann aus Galiläa, ein Zimmermann, hat den Mächtigen seiner Zeit gewaltig auf die Füße getreten. Auf seine Geburt bezieht sich jeder, der heute eine Jahreszahl schreibt.
Er störte die römischen Besatzer. Und er störte die Tempelpriesterschaft in Jerusalem, in deren Geschäfte er sich einmischte. Die erklärten seine Bewegung zur Sekte. Er wurde verhaftet und hingerichtet, seine Anhänger wurden verfolgt.
Kleinkriegen ließ sich die Bewegung nicht. Also änderten die Verfolger nach Jahrhunderten der Verfolgung die Taktik: Rom machte das Christentum zur Staatsreligion, und die Bischöfe bekamen für ihre Unterwerfung einen Anteil an der weltlichen Macht.
Der Preis dafür war die Anpassung der christlichen Lehre.
Im Jahr 543 ließ der oströmische Kaiser Justinian per Edikt die Lehre von der Präexistenz der Seele verurteilen — die Vorstellung, dass die Seele schon vor diesem Leben existiert hat. Ohne sie gibt es keine Wiedergeburt. Zehn Jahre später, 553, billigten die Bischöfe in Konstantinopel noch einmal fünfzehn Bannsprüche gegen die Anhänger des Kirchenvaters Origenes [Quellen: Wikipedia — Origenist crises, Wikipedia — Zweites Konzil von Konstantinopel].

Nicht ein Prophet, nicht ein Apostel hat das entschieden. Sondern ein Kaiser.
Eine Spur hat in der Bibel überlebt. Im Matthäus-Evangelium fragen die Jünger Jesus nach der Prophezeiung, dass Elia wiederkommen werde. Er antwortet:
«Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern haben mit ihm getan, was sie wollten. […] Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte.»
[Quelle: Matthäus 17,12–13, Lutherbibel 2017]
Johannes der Täufer als der wiedergeborene Elia. Lies den Satz zweimal.
Und es ist kein Einzelfall. Schon einige Kapitel vorher sagt Jesus über Johannes ohne jede Umschreibung:
«Und wenn ihr’s annehmen wollt: Er ist Elia, der da kommen soll.»
[Quelle: Matthäus 11,14, Lutherbibel 2017]
Gemeint ist der Prophet Elia aus dem Alten Testament. Er wirkte im 9. Jahrhundert vor Christus im Nordreich Israel und starb nach der Überlieferung nicht, sondern fuhr im feurigen Wagen zum Himmel (2. Könige 2,11). Der Prophet Maleachi kündigte an, Gott werde ihn vor dem großen Tag des Herrn wiederschicken (Maleachi 3,23).
Kirchliche Ausleger halten dagegen: Im Johannes-Evangelium verneint der Täufer selbst, Elia zu sein — «Ich bin’s nicht» [Quelle: Johannes 1,21, Lutherbibel 2017]. Aber man kann sich an ein früheres Leben nicht immer erinnern und kann trotzdem darin gelebt haben. Jesus jedenfalls hat eine klare Aussage getroffen.
5. Die Ketzerjagd
Viele Christen fanden sich mit der verstümmelten Lehre nicht ab. Sie beteten weiter ihre alten Gebete und predigten, was sie erkannt hatten.
Der Kirchenapparat antwortete mit Gewalt. Der Papst und seine Leute erklärten sich zu den einzigen Inhabern des roten Telefons zum lieben Gott. Wer abwich, wurde verfolgt:
Hexen wurden verbrannt.
Ketzer wurden gerädert, ertränkt und gefoltert.
Ganze Bewegungen, die die ursprüngliche Lehre erneuern wollten, wurden ausgelöscht.
Ein Beispiel: Giordano Bruno, Philosoph und Dichter, lehrte unter anderem die Seelenwanderung. Die römische Inquisition ließ ihn am 17. Februar 1600 auf dem Campo de’ Fiori in Rom verbrennen [Quelle: Wikipedia — Giordano Bruno].

Das verfolgte Wissen überlebte im Untergrund — bei Rosenkreuzern, Freimaurern, Kabbalisten.
Erst die Aufklärung brach das Monopol. Voltaire schrieb 1769, die Lehre von der Seelenwanderung sei «weder absurd noch unnütz» [Quelle: Voltaire — Dieu et les hommes, Kap. 6]. Und in seinem Roman «Die Prinzessin von Babylon» lässt er den Vogel Phönix sagen: Es ist nicht erstaunlicher, zweimal geboren zu werden als einmal [Quelle: Voltaire — La Princesse de Babylone].
6. Ketzerjäger heute: das Wort «Sekte»
Gefoltert wird heute nicht mehr auf dem Marktplatz. Und die Gerichte gehen nicht mehr gegen Andersgläubige vor.
Geblieben ist ein Wort: Sekte.
In Deutschland waren es vor allem die Sektenbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, die es sich — Hand in Hand mit weltlichen Religionsgegnern — zur Aufgabe machten, neue religiöse Bewegungen mit diesem Etikett zu versehen. Den Ton setzte der Münchner Pfarrer Friedrich Wilhelm Haack, Sektenbeauftragter der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Bayern: Ab 1974 prägte er den Kampfbegriff der «Jugendreligionen» und verbreitete ihn [Quelle: Wikipedia — Jugendreligion]. Die katholische Kirche hielt sich in Deutschland auffällig zurück. Das Wort Sekte wirkt wie ein Peitschenhieb. Es soll strafen, abschrecken und jede sachliche Auseinandersetzung ersparen.
Dabei trifft es meistens gar nicht zu. Nach dem Duden ist eine Sekte die Abspaltung einer kleinen Gruppe von einer großen Glaubensgemeinschaft. Die meisten so beschimpften Bewegungen haben sich von niemandem abgespalten.
Und die Ironie: Das Christentum selbst hat als Sekte angefangen. Die Ex-Sekte wurde zur Sektenjägerin - und verliert von Jahr zu Jahr mehr und mehr Kirchgänger.
7. In bester Gesellschaft
Wer an Wiedergeburt glaubt, scheint im Westen in der Minderheit. Als ich die Broschüre schrieb, hatte das Institut für Demoskopie Allensbach gerade gefragt: Jeder achte Deutsche glaubte, schon einmal gelebt zu haben, vor allem Jüngere. 2021 waren es schon 14 Prozent [Quellen: klartext-online — Zurück in frühere Leben, Allensbach / FAZ, Dezember 2021].
Fragt man weiter, wird es schnell mehr:
Schweiz, 1994: In einer Umfrage von DemoSCOPE für den «Beobachter» glaubten 70 Prozent an ein Weiterleben der Seele nach dem Tod, 33 Prozent ausdrücklich an Wiedergeburt [Quelle: Schweizerischer Beobachter 7/1994, zitiert bei Ronald Zürrer].
Deutschland, um 2000: Das Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg befragte 1510 Menschen. Fast neun von zehn hielten mindestens eines der übersinnlichen Phänomene für denkbar, etwa Gedankenübertragung oder Vorahnungen; nur 11 Prozent keines. [Quelle: Ina Schmied-Knittel, Zeitschrift für Anomalistik 2008].
Eine Minderheit also. Aber in bester Gesellschaft.
Im alten Griechenland lehrten Pythagoras und Platon die Seelenwanderung.

Johann Wolfgang von Goethe sagte am 25. Januar 1813, dem Tag, an dem sein Freund Wieland begraben wurde, zu Johannes Daniel Falk:
«Ich bin gewiß, wie Sie mich hier sehen, schon tausendmal dagewesen und hoffe wohl noch tausendmal wiederzukommen.»
[Quelle: Goethe, Gespräche 1813, überliefert von Falk — zeno.org]
Henry Ford nahm die Lehre mit 26 Jahren an. Am 26. August 1928 erklärte er dem «San Francisco Examiner» sein Erfolgsrezept:
«Genialität ist Erfahrung. Manche meinen, sie sei eine Gabe oder ein Talent, aber sie ist die Frucht langer Erfahrung aus vielen Leben.»
[Quelle: Wikiquote — Henry Ford]
Arthur Schopenhauer wurde 1851 deutlicher:
«Aber wahrlich, wenn mich ein Hochasiate früge, was Europa sei; so müßte ich ihm antworten: es ist der Welttheil, der gänzlich von dem unerhörten und unglaublichen Wahn besessen ist, daß die Geburt des Menschen sein absoluter Anfang und er aus dem Nichts hervorgegangen sei.»
[Quelle: Schopenhauer — Parerga und Paralipomena II, § 177]
George Harrison von den Beatles schrieb in seinem Buch «I Me Mine» (1980):
«Freunde sind alles Seelen, die wir aus anderen Leben kennen. Wir fühlen uns zueinander hingezogen.»
[Quelle: Goodreads — I Me Mine, Zitate]
Weitere Namen auf dieser Liste:
Hermann Hesse
Carl Gustav Jung
Jack London
Mahatma Gandhi
Und die Religionen der Wiedergeburt — Hinduismus, Buddhismus, Taoismus und manche neue Bewegung oder “Sekte” — zählen zusammen mehr Anhänger als alle christlichen Kirchen.
8. Was die Physiker sagen — und was nicht
Albert Einstein schrieb 1941: «Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.» [Quelle: Wikiquote — Albert Einstein]
In meiner Broschüre von 1989 stand an dieser Stelle noch ein langes Zitat von Max Planck aus einer Rede in Florenz 1944: «Es gibt keine Materie an sich … Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie.» Es geht bis heute durch die Esoterik-Literatur.
Ich habe es nachgeprüft. Das Archiv der Max-Planck-Gesellschaft kann weder die Rede noch einen Aufenthalt Plancks in Florenz nachweisen; das Typoskript stammt aus fremdem Nachlass [Quelle: Archiv der Max-Planck-Gesellschaft — Max Planck und ein zweifelhaftes Zitat]. Also fliegt es heute aus dem Artikel.
Das ist der Unterschied zwischen Glauben und Prüfen. Er gilt auch für die eigenen Lieblingszitate.
9. Prüfen statt glauben
Jetzt der Teil, der dir gehört.
Wiedergeburt muss keine Glaubensfrage bleiben. Es gibt drei Spuren, denen du selbst nachgehen kannst:
Kinder, die sich erinnern. Der Psychiater Ian Stevenson von der University of Virginia hat über Jahrzehnte Fälle von Kindern gesammelt, die von einem früheren Leben erzählten — mit Namen, Orten und Einzelheiten, die er anschließend vor Ort nachprüfte [Quelle: Wikipedia — Ian Stevenson]. In Indien hören Eltern zu und fragen nach. Bei uns heißt es «Phantasie» — und das Kind lernt, dass so etwas unerwünscht ist, und vergisst es.
Déjà-vu und unerklärliches Können. Du kennst das Gefühl, an einem fremden Ort zu stehen und ihn zu kennen. Manche Kinder spielen ohne Unterricht Klavier oder fassen eine fremde Sprache auf, als hätten sie sie schon einmal gekonnt.
Die eigene Erinnerung. Das ist die stärkste Spur, weil sie keinen Gewährsmann braucht.
Zur dritten Spur ein Wort aus meiner eigenen Praxis.
Früher hat man frühere Leben unter Hypnose gesucht. Davon halte ich nichts. Unter Hypnose kann der Klient von Erlebnissen überrollt werden, denen er noch nicht gewachsen ist. Und der Therapeut kann ihm etwas einreden.
Wir haben seither anders gearbeitet: ohne Hypnose, ohne Drogen, bei vollem Bewusstsein. Zuerst wird vieles von dem entlastet, was im jetzigen Leben drückt. Erst wenn das abgetragen ist, öffnet sich der Klient ohne Widerstand auch für seine frühere Leben. Und weil er dabei wach bleibt, schützt sein Verstand ihn selbst vor Missbrauch.
Wer auf diese Weise ein früheres Leben wiedererlebt hat, für den ist Wiedergeburt keine Glaubensfrage mehr. Er weiß es. Und wer auf diese Weise einen früheren Tod erneut durchlebt hat, für den verliert die Angst vor dem Tod jede Bedeutung.
So ein Studio führen Telse und ich heute nicht mehr. Aber wir nutzen die Technik bis heute, privat, füreinander. Etwa wenn sich ein Zipperlein meldet und wir wissen wollen, woher es kommt und es so überwinden. Wie oft wir dabei fündig werden und wie wirksam die einfache Methode ist, beeindruckt uns nach fast vierzig Jahren immer noch.
10. Was du davon hast
Das Wissen um die eigene Vergangenheit ist mehr als Neugier.
Eine Nation, die ihre Geschichte vergisst, wiederholt ihre Fehler. Für dich gilt dasselbe. Was du verdrängst, gewinnt Gewalt über dich.
Wie oft hast du dir schon vorgenommen: «Das passiert mir nicht noch einmal» — und dann passierte es doch?
Die Wut, die hochkommt, obwohl der Anlass klein ist.
Die Angst, die dich bremst, obwohl du nicht weißt, wovor.
Die Erschöpfung, die dich lähmt, wenn du gerade loslegen willst.
So habe ich es damals bei meinen Klienten erlebt: Solche Muster haben oft einen Ursprung, der lange zurückliegt — manchmal weiter, als dieses Leben reicht. Wird er bewusst, verliert das Muster seinen Griff. Dann entscheidest du wieder selbst.
Und noch etwas ging dabei manchmal wieder auf: das eigene Lebensziel. Ein Ziel, das man vielleicht über mehrere Leben verfolgt und dann aus den Augen verloren hat. Wer es nicht findet, hat das dumpfe Gefühl, sein Leben zu vergeuden.
Denn nur eines nimmst du über den Tod hinaus mit: was du geistig erreicht und erlernt hast.
Der Freiheitswille ist unzerstörbar
Darum wird dieser Gedanke so gern kleingehalten.
Ein Mensch, der nach Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Wahrheit und Schönheit strebt, macht bei Korruption, Postengeschacher und Machtmissbrauch nicht mit. Wahre Religiosität untergräbt die Interessen von Macht und Geld, ohne sie anzugreifen. Einfach dadurch, dass immer mehr Menschen zu ihren eigenen Zielen zurückfinden.
Alfred Nobel hat seinen Preis gestiftet, um gutzumachen, was sein Dynamit angerichtet hatte. 1989 ging der Friedenspreis an einen Mann, der sagt: Der äußere Frieden beginnt beim inneren. Damals habe ich geschrieben, damit habe sich das Nobelpreiskomitee selbst geehrt. Dabei bleibe ich.
Die sowjetischen Besatzer haben 1989 nach gut vierzig Jahren die DDR aufgegeben, ohne einen Schuss. Tibet wartet noch. Der Dalai Lama hat Zeit.
Und vor einer Woche? Am 1. Oktober 2026 ging in Münster der Internationale Preis des Westfälischen Friedens an die NATO. Bundeskanzler Friedrich Merz hielt die Laudatio, NATO-Generalsekretär Mark Rutte nahm den Preis entgegen. Der Veranstalter überschrieb seine Pressemitteilung mit: «Merz, Wüst und Rutte demonstrieren Stärke gegenüber Russland» [Quelle: Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe — Friedenspreis 2026 verliehen].
1989 ein Mönch, der sagt: Der äußere Frieden beginnt beim inneren. 2026 ein Militärbündnis, das einen Krieg mit Russland vorantreibt, der nicht gewonnen werden kann. Du kannst selbst entscheiden, welcher der beiden Preise den Namen Frieden verdient.
«Man lebt nur einmal» ist kein Naturgesetz. Es ist ein Narrativ des Staates. Wer weiß, dass er wiederkommt, lässt sich nicht einschüchtern und nicht kaufen.
Hast du selbst schon einmal einen Ort wiedererkannt, an dem du vorher nie gewesen bist? Schreib es in die Kommentare.
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