MKUltra vor dem US-Kongress: das gefälschte Dokument
Was am 30. Juni vor dem US-Kongress zu MKUltra und Mind Control (Gedankenkontrolle) wirklich gesagt wurde — und was der wirkliche Skandal ist, den die Schlagzeilen nicht aufgriffen.
Dies ist Teil 1 meiner Reihe „Mind Control und Psychiatrie”. Aus dem Thema ist erst eine Serie geworden und schließlich ein Buch, so sehr hat es mich gepackt.
Ein Wort zum Ziel: Die US-Kongressanhörung vom Juni ist nur der aktuelle Aufhänger. Sie erlaubt uns, ein altes Thema aufzugreifen und zu vertiefen. Doch die Bedeutung dieser — in Anführungszeichen — „alten” Geschichte liegt nicht darin, dass die CIA damals Verbrechen beging, die nun endlich aufgearbeitet werden …
Sie liegt in einer Frage an das Heute: Sind aus jenen Forschungsergebnissen Technologien entstanden, mit denen man inzwischen serienmäßig Menschen unter Kontrolle bringt — “Querdenker”, “Schwurbler”, “Verschwörungstheoretiker”, politisch Aktive, als „Staatsfeind” markierte Personen —, indem man sie mit eben dieser psychiatrischen Methode behandelt? Dieser Frage gehen die folgenden Teile nach.
Wenn Sie diesen Artikel gelesen haben, wissen Sie, was ein Kongressausschuss Ende Juni tatsächlich über MKULTRA — das Gedankenkontroll-Programm der CIA von 1953 bis 1973 — festgestellt hat. Und Sie kennen den historischen Hintergrund und warum es heute Hoffnung auf Erleichterung geben kann.
Die News meldeten Ende Juni Alarm:
„Ehemaliger CIA-Offizier lässt bei Kongress-Anhörung die Bombe platzen — die MKUltra-Forschung hat nie aufgehört.”
Das klingt gewaltig. Nur hat vor dem Ausschuss gar kein CIA-Offizier ausgesagt. Der Satz stammt von der früheren CIA-Offizierin Tracy Walder, die die Anhörung als TV-Kommentatorin (NewsNation) begleitete, ohne selbst als Zeugin geladen zu sein — und wurde in einer Schlagzeile zugespitzt [Quelle: The Hill]. Was im Saal wirklich geschah, ist nüchterner erzählt — und trotzdem gewaltiger.
Drei Zeugen eines 80 Jahre alten Verbrechens
Am 30. Juni 2026 trat im Repräsentantenhaus die „Task Force zur Freigabe von Staatsgeheimnissen” zusammen, geleitet von der mutigen Abgeordneten Anna Paulina Luna, die schon öfter heiße Eisen angepackt hat. Der Titel: „Gedankenkontrolle und Verantwortung — die Wahrheit über das MKULTRA-Programm der CIA”. Geladen waren drei Zeugen:
der Autor Stephen Kinzer,
der Investigativjournalist Tom O’Neill und,
als Gegenstimme der demokratischen Minderheit, die frühere Wissenschaftlerin der US-Gesundheitsbehörde NIH, Elizabeth Ginexi.
Das ist bemerkenswert, weil das so lange niemand gewagt hat. Das Church-Komitee des US-Senats zog die Verbrechen der Geheimdienste 1975 erstmals ans Licht, MKULTRA darunter; die eigene, tiefere Senats-Anhörung folgte 1977, ausgelöst durch die wiederaufgetauchten Akten. Danach legte sich knapp ein halbes Jahrhundert Schweigen über das Thema. Lunas Ausschuss ist die erste ernsthafte Wiederaufnahme seit einem halben Jahrhundert. Eine parteipolitisch geführte Task Force, gewiss, mit Rückenwind aus dem Weißen Haus — aber die erste, die den Fall überhaupt traut anzufassen.
Wie heikel dieses Terrain ist, lässt sich an einem Namen ablesen. Leo Ryan, demokratischer Abgeordneter des Repräsentantenhauses aus Kalifornien, hatte 1974 das Hughes-Ryan-Gesetz mitverfasst — jene Vorschrift, die die CIA zum ersten Mal zwang, ihre verdeckten Operationen dem Kongress zu melden [Quelle: Wikipedia — Leo Ryan]. Vier Jahre später, am 18. November 1978, flog er nach Guyana, um die Sekte des Predigers Jim Jones zu untersuchen. Auf dem Rollfeld von Port Kaituma erschossen ihn Jim Jones’ eigene bewaffnete Leute, seine „Rote Brigade”, die Sicherheitstruppe einer Sekte, hinter der bis heute die CIA vermutet wird — Minuten bevor in der Siedlung Jonestown 909 Menschen an vergiftetem Saft starben, der größte Massenmord an amerikanischen Zivilisten vor dem 11. September 2001, von den Fake-Medien bis heute einhellig als „Sekten-Selbstmord” dargestellt. Ryan blieb bis heute der einzige amtierende US-Abgeordnete, der je im Dienst ermordet wurde [Quelle: US House — Representative Leo Ryan].
Dass sein Tod mit seinem Kampf gegen den Geheimdienst zusammenhing, wird bis heute vom CIA bestritten. Doch ausgerechnet Ryans eigener Stabschef Joseph Holsinger trat später vor einen Unterausschuss des Repräsentantenhauses und warf der CIA vor, sie habe in Guyana eine verdeckte Operation geführt, ein CIA-Mann habe die Ermordung Ryans mit angesehen, und die Behörde habe genau jenes Hughes-Ryan-Gesetz gebrochen, das Ryan selbst geschrieben hatte — indem sie ihre Operation dem Kongress verschwieg [Quelle: Jonestown Institute, SDSU].
Das Bild blieb hängen: Wer als Abgeordneter der CIA zu nahe kommt, spielt mit dem Leben. An diesem Bild misst sich Lunas Mut.
Luna eröffnete ohne Umschweife [Quelle: House Oversight Committee]:
„MKULTRA war kein politischer Fehlschlag und kein übereifriges Programm, das aus dem Ruder lief. Es war eine gezielte, systematische Regierungsoperation, die amerikanische Bürger, Gefangene, Krankenhauspatienten, Veteranen, ganz normale Menschen ohne ihr Wissen und ihre Zustimmung LSD, Elektroschocks, Hypnose, sensorischer Deprivation und psychischer Folter aussetzte.”
(Sensorische Deprivation, das ist der völlige Entzug aller Sinnesreize — kein Licht, kein Ton, keine Berührung, bis das Ich die Orientierung verliert.)
Das Programm lief von 1953 bis 1973. Wer es beenden wollte, musste nur die Spuren beseitigen — und genau das tat der damalige CIA-Direktor Richard Helms. Im Januar 1973, als er sein Amt verließ, ordnete er die Vernichtung der MKULTRA-Akten an. Der Leiter des CIA-eigenen Archivzentrums widersprach schriftlich und wurde überstimmt. Sidney Gottlieb, der Chemiker, der das Programm geleitet hatte, ließ die Akten verbrennen.
Luna nannte es beim Namen:
„Das ist Behinderung der Justiz. Das ist kriminelle Vernichtung von Bundesakten. Und keiner der beiden wurde je dafür angeklagt. Helms bekam 2 000 Dollar Geldbuße, weil er den Kongress in einer anderen Sache belogen hatte. Gottlieb zog sich ins ländliche Virginia zurück und schrieb Gedichte. Niemand kam ins Gefängnis.”
Was die Vernichtung überlebte, war Zufall: Ein Archivar fand 1977 auf eine Aktenanfrage hin sieben Kisten falsch abgelegter Finanzunterlagen. Sie genügten, um das Ausmaß dieses Verbrechens gegen die Menschlichkeit zu belegen:
mindestens 149 Unterprojekte
an über 80 Institutionen — Universitäten, Kliniken, Gefängnissen
mit 185 nicht-staatlichen Forschern
darunter 375 000 Dollar, verdeckt an einen Krankenhaustrakt geleitet, um ahnungslose Patienten als Versuchsobjekte zu nutzen — genehmigt vom damaligen Direktor Allen Dulles, mit Zustimmung von Helms.
Stephen Kinzer, der eine Biografie Gottliebs geschrieben hat, fasste es in einen Satz, den kein Ankläger schärfer formuliert hätte:
„MKULTRA führte die extremsten Menschenversuche durch, die je eine US-Regierungsbehörde vorgenommen hat. Nach jedem Maßstab sind sie als medizinische Folter zu werten.”
Der eigentliche Knüller: eine gefälschte Seite
Und hier kommt der Befund, den die Schlagzeilen übersahen:
Tom O’Neill hatte im Nachlass des CIA-Psychiaters Louis Jolyon West einen Bericht von 1956 gefunden. Darin schrieb West, er habe die Fähigkeit entwickelt, echte Erinnerungen durch erfundene zu ersetzen — ohne Wissen der betroffenen Person:
„Es hat sich als machbar erwiesen, die Erinnerung an ein bestimmtes Ereignis im Leben eines Menschen zu nehmen und durch hypnotische Suggestion später die bewusste Erinnerung herbeizuführen, dieses Ereignis habe nie stattgefunden, sondern ein anderes, erfundenes Ereignis sei tatsächlich geschehen.”
Als der Kongress 1977 MKULTRA untersuchte, bekam er dieses Dokument vorgelegt — aber nicht Wests Bericht. An seiner Stelle lag eine vierseitige Zusammenfassung „von fremder Hand”, die zum gegenteiligen Schluss kam: Die Wirkung dieser Mittel auf das Gedächtnis sei „nie untersucht worden”.
O’Neills Fazit vor dem Ausschuss:
„Vor fast fünfzig Jahren glaubte ein anderer Ausschuss, der MKULTRA untersuchte, ihm sei die Wahrheit über das Programm gesagt worden. Das war nicht der Fall.”
Das ist der Doppelschlag, der der ganzen Anhörung ihren Titel gibt. Der Kongress wurde nicht 1-mal belogen, sondern 2-mal: 1973 durch die Vernichtung der Akten — und 1977 durch die Fälschung dessen, was übrig blieb.
Läuft es noch? Das wollen wir alle wissen!
Bleibt die Frage, die die Blogs zur Schlagzeile machten: Wird heute noch Gedankenkontrolle betrieben?
Ehrliche Antwort: Das wurde bislang nicht bewiesen, aber vielerorts vermutet — und die Zeugen sagten das auch so. Kinzer schrieb, 1963 habe Gottlieb das Programm für gescheitert erklärt, „aber stimmt das heute noch?” O’Neill sagte, er wäre überrascht, wenn es nicht weiterliefe. Beides ist Verdacht, offen als solcher benannt — nicht die eidesstattliche Aussage eines Insiders.
Und die Gegenstimme?
Die demokratische Minderheit hatte eine einzige Zeugin geladen, die frühere NIH-Wissenschaftlerin Ginexi. Sie sprach über die heutige Forschungsförderung, nicht über MKULTRA. Ein Abgeordneter hielt ihr entgegen: „Ich weiß nicht einmal, warum Sie zu dieser Anhörung geladen wurden.” Eine inhaltliche Verteidigung des Programms selbst fand nicht statt — es gab keine.
Und doch: Selbst dieses bewiesene Verbrechen — die Qual und der Missbrauch an gefangenen, kranken, wehrlosen Menschen —, so brutal es ist, ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn damals ging es noch gar nicht um den Einsatz. Es ging um die Entwicklung — um eine Methodik, Menschen unter Kontrolle zu bringen.
Ich wage den nächsten logischen Schritt und sage:
Wie weit wurde diese Methodik seither weiterentwickelt? Und in welchem Umfang wird sie heute eingesetzt — nicht mehr an Namenlosen in Gefängnissen, sondern an sogenannten Staatsfeinden, an Meinungsführern, die den Mainstream stören, an “Verschwörungstheoretikern”, an politisch Aktiven, die man zum Einlenken und Aufgeben bewegen möchte? Das ist die Spur, der diese Serie folgt — und sie beginnt bei einem Namen.
Für den Einstieg: Kino
„The Manchurian Candidate” (1962; Remake 2004) — der Archetyp: der Attentäter mit eingepflanzter, falscher Erinnerung, der nicht weiß, dass er gesteuert wird.
Die Bourne-Reihe (ab 2002) — das Programm „Treadstone”: ausgelöschte Identität, das Ringen um die echte Erinnerung hinter der erfundenen.
Filme sind natürlich kein Beweis. Aber sie stellen genau das dar, was Wests Bericht von 1956 behauptete: dass man einem Menschen die Erinnerung nehmen und durch eine erfundene ersetzen kann.
Ein Name, der bleibt
Durch die ganze Anhörung zog sich ein roter Faden: der Psychiater Louis Jolyon West. Er schrieb den gefälschten Bericht. Er tauchte in den 1960er Jahren an seltsamen Orten auf. Und er steht im Zentrum eines Buches, das ein Journalist zwanzig Jahre lang recherchiert hat und das bis heute kein deutscher Verlag übersetzt hat.
Wie West mit dem berüchtigtsten Mordfall des 20. Jahrhunderts verbunden ist, und wie das auf MKULTRA zurückgeführt wird — davon handelt Teil 2, der bald erscheint.
Von dort führt die Spur weiter — aus dem Geheimdienst in den weißen Kittel. Denn die Trias aus Schmerz, Droge und Strom ist nicht verschwunden; sie trägt heute Arztkittel. Aber der Reihe nach.
Das Buch zur Serie
Die gefundenen Fakten meiner Recherche sprengen jede Möglichkeit, sie in einer Artikelserie unterzubringen. Also schreibe ich gleichzeitig an einem Buch:
Der rote Faden beginnt bei einem Mann, den auf keiner MKULTRA-Liste jemand vermutet: einem Insider aus dem Umfeld des US-Marine-Geheimdienstes, der die Methode aus Schmerz, Droge und Hypnose von innen seit Kriegsende kannte — und sich weigerte, sie zur Waffe zu machen. Stattdessen warnte er die Öffentlichkeit, über Jahrzehnte, immer wieder:
1952 sprach er die Gefahr in einem Vortrag offen aus — und benannte die eine tödliche Möglichkeit: dass jemand die Abhilfe „aus dem Verkehr zieht” und sich zur neuen Ordnung aufwirft.
1955 schrieb er die Warnung anonym nieder, getarnt als sowjetisches Lehrbuch.
1969 nannte er sie beim Namen: „Schmerz-Drogen-Hypnose”.
Sein Lebenswerk beinhaltete: Wie man die Wirkung von „Schmerz-Drogen-Hypnose” auf einen selbst überwinden kann.
Jahrzehnte später wurde genau diese Warnung aus der offiziellen Fassung des Vortrags von 1952 vom Copyright-Inhaber selbst herausgeschnitten — und später still wieder zurückgenommen, nachdem ich diese unerhörte Zensur 2001 öffentlich gemacht hatte. Streichung und Rücknahme zusammen beweisen: Die Warnung stimmte.
Diese drei Dokumente — erstmals ungekürzt in einem Band, mit meiner Herleitung und den Belegen — erscheinen unter dem Titel „Schmerz-Drogen-Hypnose". Das Buch ist noch beim Lektor, aber schon jetzt vorbestellbar zum Subskriptionspreis von CHF 12.90 statt später 17.90 — bei Erscheinen wird es dir automatisch geliefert: https://ingag.de/pdh.
Die sieben Essays der Serie bleiben frei; das Buch liefert die Beweise und die These, auf denen sie stehen.
Ein Wort an alle, die mitlesen, ohne Stammleser zu sein: Diese Serie ist und bleibt frei. Wer sie als zahlender Abonnent trägt, bekommt aber gerade obendrein eines oder zwei meiner Bücher geschenkt — und ich sage dir gleich hier, welche:
Die kleine 5G-Fibel — der kompakte Leitfaden zu Mobilfunkstrahlung, Grenzwerten und dem, was die Betreiber lieber verschweigen (im Shop CHF 9.90). Als Stammleser gratis.
Und wer bis zum 23. Juli dabei ist, nimmt zusätzlich Qanon – Teile und Herrsche mit — wie „teile und herrsche” vom Römischen Reich bis zur City of London als Herrschaftswerkzeug funktioniert (im Shop CHF 14.90).
Das Buch „Schmerz-Drogen-Hypnose” ist noch beim Lektor, aber schon jetzt vorbestellbar zum Subskriptionspreis von CHF 12.90 statt später 17.90 — bei Erscheinen wird es dir automatisch geliefert: https://ingag.de/pdh.
Hinter der Abo-Schranke unten stehen die Freischalt-Codes und der Einlöse-Link.


