Strom aus Wasser statt Uran
Wie die Schweiz mit Wasserkraft die energiepolitische Wende anführen kann
Artikel vom 26. Mai 2025
Der spanische Blackout und seine Folgen
Der massive Stromausfall in Spanien hat nicht nur das Vertrauen in ein reines Erneuerbaren-Netz erschüttert, sondern weltweit Diskussionen über die Versorgungssicherheit ausgelöst. Medienberichte werfen der spanischen Regierung sogar vor, bewusst getestet zu haben, wie lange das Stromnetz ohne Atomkraft stabil bleibt. Ob geplant oder nicht: Die Folge ist eine Debatte, die alte Pfade wiederbelebt – Atomkraftwerke sind plötzlich wieder salonfähig.
Die Schweiz hat eine bessere Karte
Während andere Länder neue Mini-AKWs andenken oder alte Reaktoren wieder hochfahren, sitzt die Schweiz auf einem fast stillen Schatz: Wasserkraft. Schon heute stammen rund 60 Prozent der Stromproduktion aus Wasser, doch das Potenzial ist bei Weitem nicht ausgeschöpft.
Die Seen der Schweiz, ihre topografische Lage und das vorhandene Know-how könnten die Schweiz zu einem der stabilsten Stromversorger Europas machen. Und zwar nicht mit Atommüll, sondern mit kontrolliertem Abfluss, cleveren Turbinen und dezentraler Netzlogik.
Ein Beispiel: Ägerisee und Zugersee
Der Ägerisee liegt mehrere Hundert Meter über dem Zugersee. Verbunden sind die beiden durch die Lorze, einen Fluss mit natürlichem Gefälle – und damit energetischem Potenzial. Entlang dieses Abflusses könnten mehrere Kraftwerksstufen entstehen, die Tag und Nacht stabilen Strom liefern. Nicht wetterabhängig, nicht volatil, sondern planbar.
Und das ist nur ein Beispiel.
Tausend Seen, ungeahnte Möglichkeiten
Die Schweiz ist reich an kleineren und mittleren Seen – viele davon mit regulierbarem Abfluss. Wo heute Wehre nur zur Pegelkontrolle oder zur Schifffahrt eingesetzt werden, könnten intelligente Kleinwasserkraftwerke Energie ins Netz einspeisen. Mit heutiger Technologie lassen sich diese Anlagen kompakt, wartungsarm und ökologisch verträglich realisieren.
Statt Atomkraft: Einspeisevergütung für Wasserstrom
Was fehlt? Kein Uran. Sondern ein politischer Impuls: Eine gezielte Einspeisevergütung für Kleinwasserkraft, wie sie früher für Solaranlagen existierte. Schon eine moderate Rückvergütung würde hunderte Projekte in Gemeinden, Genossenschaften oder Landwirtschaftsbetrieben auslösen. Alle wären grundlastfähig. Alle ohne Sicherheitsbedenken. Und alle in schweizerischer Hand.
Fazit
Während Europa zwischen Atomillusion und Blackoutgefahr schwankt, kann die Schweiz mit Wasserkraft die Mitte wählen: sicher, dezentral, dauerhaft. Und besitzt damit einen lukrativen Exportartikel: ein flexibles Energiependel, das Überschussstrom aus dem „großen Nachbarkanton“ aufnimmt – und bei Mangel sauberen Strom zurückliefert.
Strom aus Wasser ist die friedlichste Form von Grundlast. Und ihre Zeit ist jetzt.
Andreas Groß


