Nach diesem Artikel weißt du, welche Hoffnung auf ein Goldenes Zeitalter berechtigt bleibt und welche vorerst nicht. Und du kannst jede Trump-Meldung der nächsten zwei Jahre mit einer einzigen Frage selbst einordnen: Braucht das nur seine Unterschrift oder braucht es auch eine Mehrheit im Kongress?
Die kurze Antwort: Die Hoffnung auf das große Gesetzespaket ist vorerst weg. Berechtigt bleibt die Hoffnung auf alles, was keine Mehrheit braucht:
die Verhandlungen mit Putin und Xi,
die Strafverfolgung und
alles, was Trump in gut zwei Jahren so weit bauen kann, dass es niemand mehr zurückholt.
Was am 3. November geschah
In meinem Buch und in der Serie dazu vertrete ich diese These: Sieben Hebel (so nenne ich sieben Vorhaben der Regierung Trump) greifen ineinander:
Bürokratie-Abbau im Staatsapparat
Zölle
Schulden-Streichung
Neubewertung des Goldes und eine goldgedeckte Staatsanleihe
Abschaffung der Einkommensteuer
weniger Bürokratie für den Bürger
Freigabe zurückgehaltener Energie-Patente
Sie wirken wie eine Kettenreaktion: Billigere Energie senkt die Inflation, das senkt die Zinsen, das erhöht die Kaufkraft. Am Ende dieser Kette steht das, was ich das Goldene Zeitalter nenne.
Dann kam die Zwischenwahl, bei der die Wähler mitten in der Amtszeit des Präsidenten den Kongress neu besetzen. Der Kongress ist das Parlament der USA. Er hat zwei Kammern: das Repräsentantenhaus mit 435 Abgeordneten (Mehrheit ab 218) und den Senat mit 100 Senatoren (Mehrheit ab 51). Ein Gesetz muss durch beide.
Das Ergebnis ist hart:
Repräsentantenhaus: 254 Sitze für die Demokraten, 162 für die Republikaner, 19 Rennen noch offen (Stand 7. November). [Quelle: Yahoo News mit AP-Zahlen]
Senat: mindestens 54 Sitze für die Demokraten. Alaska und Mississippi sind noch offen. [Quelle: CBS News]
Machtwechsel: Am 3. Januar 2027 tritt der neue Kongress zusammen.
Trump selbst sagte der New York Times, er sei «absolut bereit», das Ergebnis anzunehmen. [Quelle: Al Jazeera]
Falls du jetzt an Wahlbetrug denkst: Die Demokraten liegen bei den Stimmen fürs Repräsentantenhaus fast 13 Prozentpunkte vorn. [Quelle: Yahoo News] Um das aufzuholen, müsste rund jede fünfzehnte Stimme falsch gezählt sein. Dafür kenne ich bis heute keinen Beleg. Betrug in einzelnen knappen Rennen wäre eine andere Frage. Sie lässt sich nur dort prüfen, an Nachzählungen und Gerichtsakten, und auch dazu kenne ich bisher nichts Belastbares.
Zwei falsche Lesarten
Zwei Reaktionen liegen nahe, und beide führen in die Irre.
«Jetzt ist alles aus.» Falsch. Die Demokraten können Trump nicht überstimmen, und vieles in meinem Buch braucht gar keinen Kongress.
«Das gehört alles zum Plan.» Auch falsch, oder zumindest unbelegt. Wenn es einen Plan gibt, zeigt er sich an Taten, und genau die prüfen wir hier. Wer jede Niederlage schon vorab zum Schachzug erklärt, kann nichts mehr prüfen. Nachprüfbarkeit verlangen wir aber von den Leitmedien. Die meisten Zahlen hier stammen von AP, CBS, ABC und NBC, nicht weil ich ihnen blind glaube, sondern weil du sie selbst nachprüfen kannst. Die Deutung prüfen wir selbst.
Bleiben wir also beim Prüfbaren. Dazu musst du nur zwei Sperren und einen Umweg kennen.
Zwei Sperren und ein Umweg
Das Veto. Der Präsident kann ein Gesetz des Kongresses zurückweisen. Überstimmen können ihn nur zwei Drittel in beiden Kammern. [Quelle: US-Verfassung, Artikel I] Das sind bei voller Anwesenheit 290 Stimmen im Repräsentantenhaus und 67 im Senat. Dafür bräuchten die Demokraten mindestens weitere elf republikanische Senatoren und mindestens weitere 17 republikanische Abgeordnete. Bei Trumps Veto gegen das Verteidigungsgesetz gelang das Anfang 2021. Heute ist es unwahrscheinlich.
Der Filibuster. Das Wort meint ursprünglich die Dauerrede, mit der Senatoren eine Abstimmung hinauszögern. Nach dieser Senatsregel können heute 41 der 100 Senatoren fast jedes normale Gesetz aufhalten. Den Demokraten reichen ihre 54 Sitze also nicht. Sie bräuchten 60 Stimmen.
Hier liegt die erste Überraschung. Im Juli forderte Trump, den Filibuster abzuschaffen. Thune, der Fraktionschef der Republikaner im Senat, machte nicht mit. [Quelle: The Hill] Trump sagte damals:
Wir können die Zwischenwahlen nur verlieren, wenn wir es selbst zulassen … Wenn wir den Filibuster beenden und sofort den SAVE America Act beschließen, dann verlieren wir hundert Jahre lang keine Wahl mehr.
— Donald Trump, 3. Juli 2026 am Mount Rushmore (aus dem Englischen übersetzt), siehe Die Morgendämmerung des Goldenen Zeitalters
Der Filibuster blieb, das Wahlgesetz scheiterte (es verlangte unter anderem einen Lichtbildausweis beim Wählen und einen Nachweis der Staatsbürgerschaft bei der Eintragung als Wähler), die Wahl ging verloren.
Und nun schützt genau diese Regel die republikanische Minderheit, solange die Demokraten sie stehen lassen. Abschaffen könnten sie sie mit einfacher Mehrheit, für Personalentscheidungen geschah das 2013 und 2017. [Quelle: PolitiFact] Solange das Veto steht, hätten sie davon aber wenig.
Die Unterschrift. Das ist der Umweg. Vieles kann der Präsident allein anordnen, mit einem Dekret (einer Anweisung an die Behörden, die nur er unterschreibt). Das meine ich im Folgenden mit «Unterschrift». Sobald es aber um neue Gesetze oder um Geld aus dem Haushalt geht, braucht er den Kongress.
Damit gehen wir jetzt durch die 7 Hebel.
Was nun blockiert ist
Das tut weh, also zuerst.
Die Einkommensteuer. Sie ändert sich nur durch ein Gesetz. Der Wegfall für Einkommen unter rund 200 000 Dollar, von dem ich in Kapitel 5 berichte, geht nur noch mit den Demokraten. Die wollen zuerst etwas anderes: die Krankenversicherungs-Zuschüsse zurück und die Kürzungen bei Medicaid (der staatlichen Krankenversicherung für Menschen mit wenig Geld) rückgängig machen. [Quelle: ABC News]
Die Gold-Neubewertung. In den Büchern der USA steht eine Unze Gold (rund 31 Gramm) bis heute mit 42,22 Dollar. Am Markt kostet sie rund das Hundertfache. Hebt der Staat den Buchwert an, ist sein Gold auf dem Papier ein Vielfaches wert. Dieser Wert steht aber im Gesetz. [Quelle: 31 U.S.C. § 5117] Wer ihn ändern will, braucht also den Kongress. Finanzminister Bessent hat die Idee schon 2025 heruntergespielt. [Quelle: Bloomberg]
Die 39 Billionen Dollar Staatsschulden. In Kapitel 4 beschreibe ich, wie ein großer Teil davon verschwinden könnte: Was kriminell erworben wurde, fällt weg, was ehrlich gespart wurde, bleibt geschützt. Dort habe ich auch geschrieben, dass das «Kongress-Resolutionen» (Beschlüsse des Parlaments) braucht, beim ersten Schritt «Kongress-Resolution oder Executive Order, je nach Lage». Der Weg über den Kongress fällt nun weg, und ob das Dekret allein trägt, ist offen.
Das Einfrieren krimineller Bestände bleibt möglich, dazu gleich mehr. Allein bringt es aber nicht die Summe aus dem Buch. Und der 14. Verfassungszusatz (eine Ergänzung der US-Verfassung) sagt: Die Gültigkeit der rechtmäßig begründeten Staatsschuld darf nicht in Frage gestellt werden. [Quelle: US-Verfassung, 14. Zusatz] Das bindet auch eine Mehrheit.
Und ein Gesetz kann nicht stillstehen. Die gesetzliche Schuldenobergrenze von 41,1 Billionen Dollar wird laut dem Washingtoner Bipartisan Policy Center voraussichtlich 2027 erreicht. [Quelle: Bloomberg Government] Heben die Republikaner sie nicht noch vor dem 3. Januar an, muss Trump mit den Demokraten verhandeln. Ein Veto hilft ihm da nicht.
Ich sage es deshalb offen: Im Buch habe ich zu wenig gefragt, wer das alles beschließen muss. Bei diesen Hebeln wird der Weg länger, und ein Datum nenne ich dafür nicht. Das habe ich aus dem 4. Juli gelernt, als der Wunschtermin von Judy Shelton (Ökonomin und frühere Beraterin Trumps) für die goldgedeckte Staatsanleihe ohne Ausgabe verstrich.
Was weiterläuft
Die Zölle. Das Oberste Gericht hat im Februar die Zölle gekippt, die Trump auf ein Notstandsgesetz gestützt hatte. [Quelle: Covington] Er stellte sie auf andere Handelsgesetze um. Seit dem 24. Juli gelten Zölle von 10 oder 12,5 Prozent auf Einfuhren aus 60 Volkswirtschaften. [Quellen: Bundesregister der USA, Zonos] Die Demokraten wollen die Zölle per Gesetz beenden. [Quelle: ABC News] Ein solches Gesetz träfe auf Trump’s Veto. Gerichte bleiben das größere Risiko.
Der Bürokratie-Abbau. Regeln streichen und Behörden umbauen kann die Regierung weitgehend selbst. Das Geld dagegen bewilligt der Kongress, und dort wird es Streit oder Kompromisse/Deals geben. Trumps Leute wollen laut Berichten mit Notstandserklärungen und noch mehr Dekreten antworten. [Quelle: The Week]
Die Patente und die Akten. Nach dem Invention Secrecy Act von 1951 kann die US-Regierung Patentanmeldungen aus Gründen der nationalen Sicherheit sperren. Ende 2025 galten laut der Federation of American Scientists 6.543 solcher Anordnungen. [Quellen: 35 U.S.C. § 181, FAS] Wie viele davon Energie betreffen, weist die Zahl nicht aus. Ein Dekret, das die Sperre für Energie-Erfindungen aufhebt, ist bisher nicht erschienen, das habe ich in Kapitel 7 den Joker genannt.
Dafür braucht es nach meiner Einschätzung keinen Kongress, weil die zuständigen Behörden dem Präsidenten unterstehen. Für die meisten Geheimakten gilt dasselbe. Ausnahme: Unterlagen einer Grand Jury (eines Geschworenengremiums, das über Anklagen entscheidet) gibt nur ein Gericht frei. [Quelle: Rule 6]
Die Trust Bond. Diese goldgedeckte Staatsanleihe könnte der Finanzminister nach meiner Einschätzung auch ohne neues Gesetz ausgeben: Seit 1977 sind Goldklauseln in neuen Schuldverschreibungen wieder zulässig. [Quelle: 31 U.S.C. § 5118] Erprobt ist das nicht. Befürworter in Arizona verlangen vom Kongress ein Ermächtigungsgesetz. [Quelle: Parlament von Arizona] Und Shelton selbst hält die Anleihe ohne gesetzliche Sicherung gegen einen zweiten Roosevelt für wertlos, wie ich in Kapitel 3 schreibe.
Am 9. Oktober holte Bessent Shelton als Beraterin ins Finanzministerium, und das ohne Senatsbestätigung. Der Senat hatte ihre Berufung in die US-Notenbank 2020 noch scheitern lassen. [Quellen: US-Finanzministerium, NPR] Ihr Auftrag lautet Währungspolitik mit Blick auf China, von Gold steht dort nichts. Das ist ein Indiz, kein Beleg.
Faktor M. So nenne ich im Buch künstliche Intelligenz und Robotik: kein Vorhaben der Regierung, sondern ein Multiplikator, der jeden der sieben Hebel verstärkt. Die Regierung kann ihn weder beschließen noch verbieten. In Kapitel 12 beschreibe ich zwei Wirkungen: Er senkt die Kosten, und er bricht das Wissensmonopol, weil du die Quellen nun selbst befragen kannst. Die zweite halte ich für die wichtigere, und über die entscheidet keine Wahl, sondern du.
Und noch etwas übersehen viele: Das Veto schützt auch, was schon Gesetz ist. Die Steuerabzüge auf Trinkgeld und Überstunden und das Stablecoin-Gesetz (Stablecoins sind digitale Münzen mit fester Bindung an den Dollar) können die Demokraten ohne Trumps Unterschrift nicht zurückdrehen. Allerdings enden die beiden Steuerabzüge nach dem Steuerjahr 2028, und gegen ein Auslaufen hilft kein Veto. [Quelle: US-Steuerbehörde IRS]
Das passt zu dem, was ich in Kapitel 12 «Der Sturm, der nicht kommt» genannt habe: die Fed (die US-Notenbank) nicht frontal angreifen, sondern etwas Besseres daneben bauen. Oder im Satz des Finanzanalysten, den ich dort zitiere:
Man muss die Fed nicht zerstören — man muss sie nur überflüssig machen.
Bis hierher also: Gesetze stehen still, Unterschriften gehen weiter. Jetzt wird es unangenehmer.
Wo es wirklich weh tut
Der Senat ist weg. Das wiegt schwerer, als es klingt. Richter und Kabinett bestätigt allein der Senat, das steht in der Verfassung. [Quelle: US-Verfassung, Artikel II] Q, ein anonymer Autor, der ab 2017 im Internet kurze Botschaften (sogenannte Drops) veröffentlichte, hat das nach der Zwischenwahl 2018 so zugespitzt. Du musst Q nicht glauben, um den Punkt zu prüfen:
DER SENAT IST SO VIEL MEHR WERT.
DER SENAT ENTSCHEIDET ÜBER RICHTER UND KABINETTSPOSTEN OHNE ZUSTIMMUNG DES REPRÄSENTANTENHAUSES.
DER JUSTIZAUSSCHUSS DES SENATS HAT DIE DIREKTE AUFSICHT ÜBER JUSTIZMINISTERIUM UND FBI [MEHR MACHT ALS DAS REPRÄSENTANTENHAUS].
DER SENAT WAR IMMER DAS HAUPTZIEL.
— Q, Drop #2448, 7. November 2018 (Auszug, aus dem Englischen übersetzt)
2018 verloren die Republikaner nur das Repräsentantenhaus und behielten den Senat. Diesmal ist auch der Senat weg.
Mit dem neuen Kongress übernehmen Demokraten den Justizausschuss des Senats. Chuck Grassley hätte den Vorsitz wegen der Amtszeitgrenze seiner Fraktion ohnehin abgeben müssen, aber ein Republikaner hätte seine Arbeit fortführen können. [Quelle: Washington Examiner] Grassley hat den FBI-Bericht zu Uranium One neu belebt, dem Bergbauunternehmen, das an den russischen Staatskonzern Rosatom ging, nachdem 2010 ein US-Ausschuss unter Beteiligung von Hillary Clintons Außenministerium zugestimmt hatte. Das Senatsdokument kannst du selbst lesen. [Quelle: Grassley an Justizministerium und FBI] Mehr dazu in Kapitel 11.
Bis zum 3. Januar bleiben den Republikanern noch rund acht Wochen, um offene Richterstellen zu besetzen. Bundesrichter sitzen auf Lebenszeit, und danach stockt jede Bestätigung. [Quelle: CBS News]
Die Untersuchungen beginnen. Im Repräsentantenhaus übernehmen voraussichtlich drei Demokraten wichtige Ausschüsse: [Quelle: ABC News]
Robert Garcia, Aufsichtsausschuss: will öffentliche Anhörungen zu Epstein und Justizminister Blanche vorladen. Sein Kommentar nach der Wahl: «Nehmt euch Anwälte.»
Jamie Raskin, Justizausschuss: nimmt sich Justizministerium und FBI vor, dazu die Begnadigungen.
Adam Smith, Streitkräfte-Ausschuss: untersucht den Iran-Krieg, der am 28. Februar ohne Zustimmung des Kongresses begann.
Für Trump wird das unangenehm. Aber öffentliche Epstein-Anhörungen hast auch du dir vielleicht lange gewünscht. Aufklärung kann auch von dort kommen, wo du sie nicht erwartest.
Zur Amtsenthebung gehören zwei Schritte. Das Repräsentantenhaus könnte Trump mit einfacher Mehrheit anklagen, und die haben die Demokraten. Jeffries, der voraussichtliche Sprecher des Repräsentantenhauses, sagte vor der Wahl, man habe «nichts ausgeschlossen und nichts zugesagt». [Quelle: ABC News] Eine Absetzung dagegen ist kein unmittelbares Risiko: Dafür bräuchte es zwei Drittel der anwesenden Senatoren, bei voller Besetzung also 67.
Der Iran-Krieg und das Öl. Hier muss ich auch mein Buch korrigieren. In Kapitel 7 schrieb ich, der Benzinpreis falle von seinem Kriegshoch auf rund 4,05 Dollar je Gallone (3,8 Liter), und zwar «weiter». Am 4. November lag er jedoch bei etwa 4,12 Dollar, also rund 1,09 Dollar je Liter und 39 Prozent über dem Vorkriegsstand. Die im April vereinbarte Waffenruhe ist zerbrochen. Nach der Wahl fiel das Fass Öl (159 Liter) immerhin zum ersten Mal seit fast einem Monat unter 100 Dollar. [Quellen: NBC News, Fortune] Laut ABC News führt Trump selbst die hohen Benzinpreise infolge des Kriegs als einen Grund für die Niederlage an. [Quelle: ABC News]
Billige Energie ist aber der Anfang meiner Kettenreaktion. Teure Energie treibt die Preise und drückt damit auch auf die Zinsen. Anfang Oktober brachte die zehnjährige US-Staatsanleihe, an der sich viele Zinsen orientieren, 5,33 Prozent, so viel wie seit 2002 nicht mehr. Am 6. November waren es noch rund 4,86 Prozent, denn die Zinsen schwanken auch wegen Arbeitsmarktdaten und Erwartungen an die Notenbank. [Quellen: Trading Economics, Oktober, Trading Economics, aktuell] Dauerhaft niedrige Zinsen erwarte ich erst mit billiger Energie.
Und nun der Punkt, der am tiefsten geht: Was per Unterschrift kommt, kann per Unterschrift wieder gehen.
Am 20. Januar 2029 tritt der nächste Präsident an. Ein einziges Blatt Papier kann dann vieles von dem aufheben, was Trump jetzt anordnet.
In Kapitel 11 und 12 habe ich gefragt: Roosevelts Reformen von 1933 wurden zurückgedreht, warum diesmal nicht? Meine Antwort lautete: «Diesmal wird die Maschine nicht überleben», weil die Struktur, die jede Reform rückgängig gemacht hat, selbst zerlegt wird. Diese Antwort muss sich jetzt bewähren. Die Waffenruhe mit dem Iran ist zerbrochen. Das Geld für den Bürokratie-Abbau bewilligt bald ein demokratisch geführter Kongress. Die Trust Bond ist nicht ausgegeben. Diese Aussage aus dem Buch ist damit offen, nicht widerlegt.
Die gute Nachricht: Wo Trump weiter freie Hand hat
Genau hier liegt die größte Hoffnung. Die Wahlniederlage beschränkt sich vor allem auf die Gesetzgebung im Inneren. Zwei Felder berührt sie weit weniger: die Außenpolitik und die Strafverfolgung werden von Trump bestimmt:
Außenpolitik: der Tisch in Abu Dhabi
Verhandeln, Gipfel abhalten, Regierungsabkommen schließen, Truppen verlegen: Das kann der Präsident allein. Laut The Week plant das Weiße Haus hier mehr, darunter Gipfel mit Putin und Xi zur Ukraine. [Quelle: The Week] James Boys vom University College London erinnert daran, wie weit die Macht des Präsidenten in der Außenpolitik reicht. Auch Obama setzte sein Iran-Abkommen erst durch, als er den Kongress schon verloren hatte. [Quelle: Al Jazeera]
Und ausgerechnet in dieser Woche kommt Bewegung in den Ukraine-Krieg. Am 5. November empfing Trump im Weißen Haus Kirill Dmitrijew, den Gesandten Putins. Am Tag darauf sagte er in Palm Beach, Russland und die Ukraine wollten «zum ersten Mal einen Abschluss machen». Er erwartet eine «sehr umfassende Einigung», an der ganz Europa beteiligt wäre. [Quelle: Kyiv Post]
Jared Kushner nannte dazu fünf Verhandlungsziele: [Quelle: Kyiv Post]
ständige Sicherheitsgespräche
verlässliche Krisenkommunikation
mehr militärische Transparenz
gegenseitige Schritte, die das Risiko einer Eskalation senken
ein dauerhafter Rahmen für Sicherheit in Europa
Am 10. und 11. November sollen sich Vertreter der Ukraine, der USA und Russlands in Abu Dhabi treffen, zum ersten Mal zu dritt seit Februar.
Das ist die Logik aus dem ersten Teil meiner Serie: Der Tisch ersetzt den Thron. Und es berührt deine Hoffnung direkt: In Kapitel 12 nenne ich die Russland-Öffnung als einen Weg zur billigen Energie, und mit der beginnt die Kettenreaktion.
Damit du nicht zu früh jubelst:
Es gibt noch kein Abkommen. Kremlsprecher Peskow sagte laut dem russischen Staatssender RT DE (6. November), ihm seien keine Einzelheiten bekannt.
Kiew und Brüssel sind skeptisch. Selenskij sagt, er kenne bisher wenige Details. Die EU betont, dass ohne ihre Zustimmung nichts über Europa entschieden werde. [Quelle: Kyiv Post]
Der Streitpunkt bleibt offen. Kushner hält an der Rolle der NATO fest. Russlands langjährige Forderungen stehen dem entgegen. [Quelle: Kyiv Post]
Und auch hier hat die freie Hand Grenzen:
Verträge: Ein Staatsvertrag braucht zwei Drittel des Senats. [Quelle: US-Verfassung, Artikel II]
Geld: Ukraine-Hilfe und Militärhaushalt bewilligt der Kongress. Selenskij bemüht sich laut RT DE nun um die Demokraten, um zugesagte 16 Milliarden Dollar zu bekommen.
Russland-Sanktionen: Lockerungen muss der Präsident dem Kongress zur Prüfung vorlegen. Eine Ablehnung könnte er aber per Veto stoppen. [Quelle: 22 U.S.C. § 9511]
Haltbarkeit: Trump selbst kündigte 2018 Obamas Iran-Abkommen, das nie durch den Senat gegangen war, mit einer Unterschrift. [Quelle: Atlantic Council] Das kann auch einem Abkommen mit Putin oder Xi geschehen.
Strafverfolgung: FBI, CIA und Militär
Das Justizministerium und das FBI unterstehen dem Präsidenten.
Ermittlungen und Anklagen braucht er sich vom Kongress nicht genehmigen zu lassen.
Über Begnadigungen entscheidet er allein.
Verdeckte Operationen der CIA ordnet er an, und
er ist Oberbefehlshaber des Militärs.
Der stärkste weltweite Hebel ist vermutlich ein anderer. Über das Dekret 13818, das schon in Kapitel 4 meines Buchs steht, kann das Finanzministerium Vermögen von Personen sperren, denen schwere Menschenrechtsverletzungen oder Korruption vorgeworfen werden, weltweit und ohne Beschluss des Kongresses. [Quelle: Dekret 13818]
Ich sehe darin einen weltweiten Kampf gegen den Tiefen Staat. Belegen lassen sich einzelne Maßnahmen, nicht ein Gesamtplan.
Auch hier gibt es Grenzen, und du solltest sie kennen:
Gerichte: Anklagen ja, Verurteilungen nein. Darüber entscheiden unabhängige Richter und Geschworene.
Ausland: Bei Auslieferungen braucht er die Mitwirkung des jeweiligen Staats.
Kontrolle: Verdeckte Operationen müssen den Geheimdienstausschüssen des Kongresses gemeldet werden, und die führen ab Januar Demokraten. [Quelle: 50 U.S.C. § 3093]
Gegenwind: Raskin will die Verfahren gegen Comey, James und Brennan als Politisierung der Justiz untersuchen. [Quelle: ABC News] Jeder Schritt wird also öffentlich angegriffen werden.
Der Kongress kann Trump das Geld verweigern, aber weder die Verhandlung mit Putin und Xi noch die Ermittlungen. Das letzte Wort über Schuld haben die Gerichte.
Wird es zum ewigen Blockieren kommen?
Das ist der wahrscheinliche Anfang: Die Demokraten beschliessen Gesetze, die im Senat hängen bleiben oder an Trump’s Veto scheitern. Trump kündigte im Fernsehsender Fox News ein «Stempel-Veto» an und postete ein Bild seiner roten Mütze mit der Aufschrift «VETO». [Quelle: ABC News]
Aber er sagt zugleich, er wolle mit den Demokraten arbeiten. Selbst bei einem Abkommen zur Einwanderung würde er alles prüfen, was «angemessen und gut für das Land» sei. [Quelle: ABC News] Trump war immer zuerst ein Mann des Deals.
Ob daraus auch nur ein Stück Steuerentlastung für die Mittelschicht wird, weiß heute niemand. Das wäre ein Abschluss, den beide Seiten als Sieg verkaufen könnten. Aber das ist meine Vermutung, keine Meldung.
Dein Werkzeug für die nächsten zwei Jahre
Im Buch unterscheide ich drei Ebenen: was unterschrieben ist, was nur angekündigt ist und was ich selbst daraus schließe. Dazu kommen jetzt drei Fragen für jede Schlagzeile:
Unterschrift oder Mehrheit? Braucht es einen Beschluss des Kongresses, ist es vorerst Absicht und noch keine Politik.
Geschehen oder angekündigt? Fragst du das konsequent, ersparst du dir die nächste Enttäuschung.
Lässt es sich zurückholen? Ein Dekret kann der nächste Präsident aufheben. Vieles andere nicht:
veröffentlichte Akten
veröffentlichte Patentanmeldungen
rechtskräftige Urteile
Richter auf Lebenszeit
gebaute Fabriken
Zahlungswege, an die sich Menschen gewöhnt haben
Hier liegt für mich die eigentliche Hoffnung, und das ist ausdrücklich meine Deutung: Trump bleiben gut zwei Jahre, um Tatsachen zu schaffen, die keine Unterschrift mehr zurückholt. Darauf solltest du von jetzt an schauen. Nicht darauf, wer im Kongress die lauteste Rede hält.
Und ja: Die Wähler haben gerade mit fast 13 Prozentpunkten Abstand gegen Trumps Partei gestimmt. Das wischt kein Dekret weg. Eine Tatsache hält 2029 nur, wenn die Menschen sie dann behalten wollen: billigeres Benzin, eine Fabrik am Ort, weniger Formulare.
Was du selbst schon tun kannst, ohne auf Washington zu warten, steht in Kapitel 6 des Buchs.
Also, welche Hoffnung bleibt? Die Hoffnung auf das große Gesetz ist vertagt, die auf die Unterschrift lebt, und die Hoffnung auf das Bleibende musst du prüfen.
Was steht heute schon? Das Stablecoin-Gesetz und die Zölle auf neuer Grundlage.
Was kann in den nächsten acht Wochen dazukommen? Richter auf Lebenszeit.
Was steht noch aus? Das Patent-Dekret, die Trust Bond und ein Abschluss am Tisch von Abu Dhabi.
Sobald eines davon kommt, hat diese Hoffnung einen neuen Beleg.
Das Buch dazu
Was hier in Stichworten steht, entfaltet mein Buch auf 357 Seiten: alle sieben Hebel, der Faktor M und 155 Fußnoten zum Nachprüfen. «Trump errichtet ein Goldenes Zeitalter» gibt es als PDF und EPUB für CHF 19.80.
Der Inhalt erschien zuvor als Serie in diesem Blog. Das Buch hat den Redaktionsstand Juli 2026; dieses Update gehört zur Serie und steht nicht im Buch.
Bezahlte Abonnenten bekommen das Buch als Dankeschön unten zum halben Preis.
Hinter der Bezahlschranke
Bezahlte Abonnenten finden unten drei Dinge:
Die Hebel-Karte auf einer Seite: alle sieben Hebel plus Faktor M, je mit Antwort auf «Unterschrift oder Mehrheit?», dem Stand vom 7. November und dem Zeichen, an dem du erkennst, dass sich der Hebel bewegt. Zum Ausdrucken und Abhaken für die nächsten zwei Jahre.
Das Buch zu diesem Update zum halben Preis: «Trump errichtet ein Goldenes Zeitalter» für CHF 9.90 statt 19.80, mit eigenem Code, gültig bis 8. Dezember. Damit kannst du alles, was hier nur angerissen ist, in allen sieben Hebeln nachlesen und nachprüfen.
Dazu ein Buch gratis: «Weshalb ich meine Kinder nicht habe impfen lassen» von Dr. Oidtmann aus dem Jahr 1877. Ein Arzt stellt sich gegen ein Gesetz und wird dafür vor Gericht verurteilt. Wenn du wissen willst, was es heißt, wenn etwas einmal Gesetz ist, liest du hier die andere Seite der Frage aus diesem Artikel. Der Code gilt bis zum 20. November.
Die Naturheilkunde-KI
Wir haben eine KI gebaut, die Gesundheitsfragen aus den Standardwerken der Erfahrungsheilkunde beantwortet — Jahrhunderte gesammelter und an Patienten geprüfter Erfahrung, mit Quellenangaben. Sie informiert aus diesen Quellen, stellt keine Diagnose und ersetzt keine ärztliche Beratung. Jede Woche ist eine Frage kostenlos: start.naturheilung.org
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Der öffentliche Teil dieses Artikels steht unter der Lizenz CC BY 4.0 (creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de): Du darfst ihn teilen, kürzen und übersetzen — nenne dabei Andreas Groß als Autor und verlinke das Original.




