5Gfrei: Der Luchs sieht, was die Umweltbehörden übersehen (wollen)
Ein pensionierter Ingenieur hat ein Messgerät gebaut, das die Mikrosekunden-Spitzen des 5G-Mobilfunks sichtbar macht — genau dort, wo die amtliche Messtechnik blind ist. Jetzt ist das Projekt offen. J
Ein paar Sätze zu mir, falls Sie mich noch nicht in dieser Rolle kennen: Ich bin Andreas Groß, Diplomingenieur, und helfe seit Jahren Schweizer Bürgerinnen und Bürgern, die sich gegen eine neu geplante Mobilfunkantenne in ihrer Nachbarschaft zur Wehr setzen wollen. Als technischer Gutachter prüfe ich die behördlichen Baugesuchsunterlagen auf Fehler — Ingenieurarbeit, keine Ideologie. Diese Unterstützung leiste ich als Präsident des Vereins 5Gfrei.ch, oft unentgeltlich, teils im Auftrag zahlender Kundinnen und Kunden über mein Ingenieurbüro.
Bislang veröffentlichte ich meine Mobilfunkartikel auf zwei Webseiten: die meines Vereins 5Gfrei.ch und die meines Ing.-Büros für Mobilfunktechnik Standortdatenblatt.ch. Der Server dieser Sites wurde jedoch von einem Profi gehackt und war daher voller Malware. Da Google mir darüber hinaus sowieso keine Leser zu meinen Artikeln schickt — man nennt das Shadowbanning —, mache ich mir nicht mehr die Mühe, diese Redaktionssysteme (Joomla) zu reparieren und weiterhin gegen Hacker zu verteidigen. Stattdessen publiziere ich neue Erkenntnisse zum Thema Mobilfunk auch hier auf meinem allgemeinen Substack-Kanal, markiere aber diese Artikel im Titel mit „5Gfrei”, sodass der Leser schnell orientiert ist: je nach Interesse liest er vor allem diese oder überblättert sie geschwind.
In diesem Beitrag geht es nicht um eine einzelne Antenne, sondern um etwas Grundsätzliches: die Messtechnik selbst, mit der Behörden und Betreiber überhaupt erst beurteilen, ob eine Antenne die Strahlen-Grenzwerte einhält. Und um einen Mann, dessen Projekt ich in den letzten Monaten begleitet und unterstützt habe — nicht als Techniker, da ist er der Profi, sondern als jemand, der sein Werk aus der eigenen Werkstatt heraus sichtbar und für andere nutzbar macht.
Wenn ein Mobilfunkbetreiber in der Schweiz eine neue Antenne in Betrieb nimmt, muss er ein Messprotokoll vorlegen. Darin steht eine Zahl, und diese Zahl muss unter dem Grenzwert liegen. Die Behörde hakt unkritisch ab, die Antenne sendet. Weitere Nachmessungen ähnlich der Radarfallen um Auto-Raser zu erwischen, gibt es in der Schweiz gar nicht. So weit die Theorie.
Das Problem steckt in der Art, wie gemessen wird. Die amtlich zugelassenen Geräte arbeiten mit Spektrumanalysatoren, die über die Zeit mitteln. Der 5G-Mobilfunk aber sendet nicht gleichmäßig: Seine adaptive Strahlformung (das sogenannte Beamforming, bei dem die Antenne ihre Sendeleistung blitzschnell auf einzelne Nutzer bündelt) erzeugt Spitzen, die nur Mikrosekunden dauern — millionstel Sekunden. Ein Messgerät, das über Sekunden mittelt, sieht diese Spitzen schlicht nicht. Es zeigt einen bequemen Durchschnitt, während die tatsächlichen Maximalwerte um ein Vielfaches höher liegen.
Anders gesagt: Die offizielle Messung misst genau das nicht, worauf es ankommt — die Überschreitung der Grenzwerte.
Ein Rentner baut, was die Industrie nicht bauen will
Christian Liechti ist 75, pensionierter Ingenieur, elektrosensibel, und wohnt im Berner Oberland. Er hat sich nicht mit dem Durchschnitt zufriedengegeben. Über Jahre hat er in Eigenarbeit ein Messgerät entwickelt, das die Pulse im Zeitverlauf aufzeichnet — lückenlos, mit einer Auflösung von einer Mikrosekunde, also einem Millionstel einer Sekunde. Es läuft auf einem handelsüblichen Kleincomputer (Raspberry Pi) und deckt den Bereich von 1 Megahertz bis 10 Gigahertz ab, also weit über die heutigen Mobilfunkbänder hinaus.
Das Gerät zählt nicht einen Mittelwert. Es speichert jeden einzelnen Impuls mit Zeitpunkt, Stärke und Dauer. Damit lässt sich erstmals unabhängig zeigen, was die amtliche Punktmessung verschweigt.
Die Entdeckung, über die man “besser nicht spricht”
Beim Bauen stieß Liechti auf etwas, das ihn selbst überraschte. Der Empfängerbaustein seines Geräts liefert auch negative Signalanteile — ein Verhalten, das im Datenblatt des Herstellers nicht dokumentiert ist. Übliche Messverfahren legen den Nullpunkt so, dass diese negativen Anteile einfach unter den Tisch fallen. In einer Messung in seiner Küche, rund 50 Meter von einer Antenne entfernt, machten sie etwa die Hälfte des gesamten Signals aus.
Liechtis Erklärung: Diese Anteile stammen vermutlich aus Reflexionen der Strahlformung an Wänden und Flächen. Wenn das stimmt — und sein Gerät soll es klären —, dann wäre die gesamte klassische Messpraxis systematisch um rund die Hälfte zu niedrig.
Als er das einem erfahrenen Messtechniker erzählte, bekam er einen bemerkenswerten Rat: Darüber solle er öffentlich besser nicht reden, um nicht unglaubwürdig zu wirken.
Genau das ist der Grund, warum wir jetzt das Gegenteil tun. ;-)
Warum offen, und warum jetzt
Ein einzelner Tüftler mit einer unbequemen Messung lässt sich leicht abtun. Eine reproduzierbare Messreihe, gebaut von vielen Menschen an vielen Orten, mit offen einsehbaren Schaltplänen — die lässt sich nicht so einfach wegreden.
Deshalb ist Liechtis Gerät ab sofort ein offenes Projekt. Schaltpläne, Stückliste, Software und erste Messdaten liegen frei zugänglich im Netz, unter freien Lizenzen, die garantieren, dass die Arbeit offen bleibt und von niemandem kommerziell weggeschlossen werden kann. Christian Liechti bleibt der Urheber; mein Verein 5Gfrei.ch übernimmt Dokumentation und Veröffentlichung.
Aus einem Einzelgerät in einer Wohnung wird so eine Messplattform, mit der überall dieselben Pulsspitzen nachweisbar werden.
Mitmachen — auch ohne Doktortitel
Das Projekt lebt von zwei ganz unterschiedlichen Sorten Mitstreitern. Die einen sind Fachleute — Elektronik, Software, Funktechnik —, die helfen, aus dem heutigen Prototyp Schritt für Schritt ein Gerät zu machen, das sich später auch in kleinen Serien bauen lässt. Die anderen sind Menschen, die technisch nichts beitragen wollen oder können, sondern schlicht wissen möchten, was bei ihnen zu Hause tatsächlich an Strahlung ankommt — allen voran Elektrosensible.
Für die erste Gruppe gibt es mehrere niederschwellige Einstiege:
Elektronik-Bastler, die für sich ein nützliches Arduino- oder Raspberry-Pi-Projekt aufbauen wollen.
Messen. Es genügt eine kleine Variante mit nur dem Empfangsmodul und einem eigenen Oszilloskop. Schon eine einzige saubere Messreihe an einem neuen Standort macht die Datenbasis breiter und unabhängiger.
Auswerten. Wer mit großen Datenmengen umgehen kann, hilft am meisten bei der Aufbereitung der aufgezeichneten Messreihen zu anschaulichen Verlaufsbildern — ganz ohne die zeitkritische Messtechnik anzufassen.
Investigative Forscher und Funker. Und für die wirklich Findigen wartet die eigentliche Knacknuss: die automatische Erkennung der Impulsstruktur im aufgezeichneten Pulsstrom. Das ist Expertenarbeit — und der Punkt, an dem das Projekt auf einen genialen Kopf hofft.
Für die zweite Gruppe — alle, die einfach nur sehen wollen, wie sich das in der Praxis anfühlt — folgt ganz am Ende dieses Beitrags ein konkretes Beispiel: drei echte Messungen aus Christians eigener Wohnung.
Hier der Telegram-Chat zu dieser Arbeit: t.me/HF_Technik
Der Luchs
Wir haben dem Projekt einen Luchs als Wappentier gegeben. Der Luchs steht seit jeher für scharfes Sehen — für das Aufspüren dessen, was für andere unsichtbar bleibt. Genau das ist die Aufgabe dieses Geräts.
Man kann immer etwas tun. Man kann zumindest hinschauen, wo andere wegmitteln. Hier ist der Anfang:
Wer mitbauen, mitmessen oder mitdenken will, meldet sich per email bei fastbeam@5gfrei.ch.
Anhang: Was eine echte Messung zeigt
Weiter oben war von Spitzenwerten die Rede, die die offizielle Messpraxis nicht sieht. Hier sind drei Bilder, die genau das zeigen — aus echten Messungen in Christians eigener Wohnung. (Die Skala ist eine Techniker-Skala; fürs Verständnis reicht: höher = stärker. Im Text rechnen wir in anschauliche Faktoren um.)
Bild 1 — Was der Durchschnitt verschweigt. 38 Sekunden Messung. Die blaue Linie ist der Durchschnitt — das, was ein offizielles Messgerät melden würde: ruhig, gleichmäßig, unauffällig, gemäß der Schweizer Strahlenschutzverordnung „im grünen Bereich”, weit unterhalb des Grenzwertes. Die rote Linie darüber zeigt, was in denselben Sekunden tatsächlich an Spitzen ankam: durchgehend etwa die doppelte Feldstärke, das entspricht der vier- bis fünffachen Leistung. Der rot eingefärbte Bereich dazwischen ist der Teil der Wirklichkeit, der im Durchschnitt einfach verschwindet. Über 37.000 einzelne Messwerte dieser 38-Sekunden-Aufzeichnung liegen in der Spitzengruppe — und der blaue Durchschnitt lässt nichts davon ahnen.
Bild 2 — Die Spitzen sind kein Zufall. Dasselbe Signal, anders dargestellt: Wie oft kommt welche Stärke vor? Man sieht zwei klar getrennte Gruppen — links der Grundpegel, rechts eine eigene Gruppe von Spitzen. Wären die Spitzen nur zufälliges Messrauschen, gäbe es keine so saubere Trennung. Dieses Huckepack-Signal hat Struktur. Welche Funktion es im Mobilfunk-Betrieb hat — Steuersignale, Strahlschwenken, Reflexionen der Strahlformung oder etwas anderes — wissen wir noch nicht. Ehrlich dazu gehört auch: Ein Teil dieser Spitzen könnte technisch bedingt sein, solange das Auslesen der Messwerte noch nicht vollständig lückenlos ist — genau daran wird gerade weitergearbeitet. Das Gerät misst ohnehin nur, wie stark gesendet wird, nicht was. Genau solche Fragen soll das offene Projekt klären — wer sich mit Mobilfunk-Protokollen oder exakter Zeitmessung auskennt, ist herzlich eingeladen.
Bild 3 — Die Nadel-Pulse. 30 Sekunden aus einer anderen Aufzeichnung. Der Grundpegel ist ruhig — aber zweimal schießt ein einzelner Puls heraus, mehr als zehnmal so stark in der Feldstärke wie der Durchschnitt, über hundertmal in der Leistung. Dauer: Sekundenbruchteile.
Genau solche Ereignisse fallen heute doppelt durchs Raster. Erstens rechtlich: Für die Grenzwertprüfung darf in der Schweiz über volle sechs Minuten gemittelt werden — und in einem Sechs-Minuten-Durchschnitt ist ein Puls von millionstel Sekunden unsichtbar, egal wie gut das Messgerät ist. Zweitens technisch: Selbst die amtlich zugelassenen Profigeräte (Kostenpunkt im fünfstelligen EUR-Bereich) lösen typischerweise tausendstel Sekunden auf — fastbeam zeichnet nochmals rund tausendmal feiner auf, jede millionstel Sekunde, und zwar lückenlos. Genau dafür wurde es gebaut: die „Nadelstiche” sichtbar machen, die in den Mittelwerten untergehen.
Keine Panikmache, sondern eine offene Frage
Wichtig, damit hier niemand Angstmacherei vorwirft: Diese Bilder behaupten keine Grenzwertüberschreitung. Sie zeigen etwas anderes, Grundsätzlicheres — ob solche Pulse harmlos sind oder nicht, kann man erst diskutieren, wenn man sie überhaupt messbar macht und zur Kenntnis nimmt. Die heutige Messpraxis tut beides nicht.
Wer meine ehrenamtliche Arbeit an diesem Open-Source-Projekt unterstützen will, bucht einfach ein Abo:
Danke.
Andreas Groß
Heute ist der 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeitserklärung. Dazu gibt es eine eigene Artikelserie mit diesem Höhepunkt:
Das Goldene Zeitalter — wenn Trumps sieben Hebel gleichzeitig greifen
Nach diesem Artikel siehst du nicht mehr sieben einzelne Trump-Reformen. Du siehst ein System, dessen Teile sich gegenseitig verstärken — und du verstehst, warum das Ergebnis nicht die Summe der Teile ist, sondern ein großer Sprung nach vorn.










grossartig! 👍🏻🙏🏻 ich bin auch elektro-/sensibel, lebe aber nicht mehr in der schweiz sondern im himalaya, aber wenn ich die schweiz besuche, leide ich immer sehr. vielen dank und alles gute! 🙏🏻