Andreas M. B. Groß

CHAOS: die CIA, Charles Manson und ein Buch, das auf Deutsch fehlt

Zwanzig Jahre Recherche von Tom O’Neill — und warum gerade seine Zurückhaltung sie glaubwürdig macht.

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Andreas M. B. Groß
Okt. 03, 2026
∙ Bezahlt

Dies ist Teil 2 meiner Reihe „Mind Control und Psychiatrie”. Teil 1 handelte von der Kongressanhörung vom 30. Juni und dem gefälschten Dokument, das dem Kongress 1977 untergeschoben wurde — wenn du ihn noch nicht gelesen hast, kannst du hier trotzdem einsteigen.


Wenn du diesen Artikel gelesen hast, kannst du eine Frage beantworten, an der sich Aufklärung und Verschwörungsgerede scheiden: Woran erkennt man, dass eine Recherche ehrlich ist? Die Antwort steckt in einem Buch, das nach zwanzig Jahren Arbeit erschien — und dessen Autor am Ende sagt, was er nicht beweisen konnte.

Warum gerade jetzt dieses Buch? Weil sein Autor kein Außenstehender ist. Tom O’Neill saß am 30. Juni als einer der drei geladenen Zeugen vor jenem Kongressausschuss aus Teil 1 — vernommen genau wegen der Recherche, um die es hier geht [Quelle: House Oversight Committee]. Das macht ein Buch von 2019 mit einem Schlag wieder brandaktuell: Der Mann, der zwanzig Jahre lang grub, hat seine Funde nun vor das Parlament getragen.

Das Buch heißt CHAOS. Es erschien 2019, nach eben diesen zwanzig Jahren Arbeit — und wurde bis heute in keinen deutschen Verlag übersetzt. Was folgt, ist die erste ausführliche deutschsprachige Zusammenfassung.

Damit von Anfang an klar ist, worum es hier nicht geht: Ich kann nicht behaupten, die CIA habe Charles Manson dazu gebracht zu morden. O’Neill behauptet es auch nicht — und das ist, wie du sehen wirst, die Schlüsselfrage. Es geht um dokumentierte Merkwürdigkeiten, um einen Psychiater am falschen Ort zur falschen Zeit, und um Fragen, die nach fünfzig Jahren immer noch niemand beantwortet hat. Wer daraus ein fertiges Urteil macht, hat den Artikel überinterpretiert.

Warum ausgerechnet ein Mörder?

Man könnte fragen, warum ausgerechnet ein Mehrfachmörder ins Zentrum einer MKULTRA-Geschichte rückt. Die Antwort ist kalt und logisch.

Der endgültige Beweis, dass man einen Menschen mit psychiatrischen Mitteln steuern kann, ist erst erbracht, wenn man ihn zu einer Tat bewegt, gegen die er sich sonst mit Händen und Füßen sträuben würde — zu töten. Der Mord ist der äußerste Prüfstein. Wer ihn besteht, hat den Vollbeweis in der Hand.

Und genau darin liegt das eigentlich Beunruhigende. Denn eine Methode, die einen Menschen zum Mörder machen kann, schafft das Leichtere mit links:

  • einen Menschen dazu bringen, seine politische Überzeugung zu wechseln

  • ein Ziel aufgeben zu lassen, für das er jahrelang gekämpft hat

  • eine Ehe zu zerrütten und damit auch seine berufliche Karriere zu beenden

  • einen investigativen Reporter von seiner Reportage abzubringen

  • einen gewählten Präsidenten wie eine Marionette zu benutzen

  • selbst den höchsten Gerichtshof zu gewünschten Urteilen zu zwingen und die glauben noch an ihre Souveränität

  • oder ihn wie einen bezahlten Saboteur in der eigenen Firma wirken zu lassen — ohne dass er es je bemerkt

Der Mord ist spektakulär und deshalb sichtbar. Die stille Steuerung ist es nicht. Und sie ist der weit häufigere, weit nützlichere Zweck.

Ob im Fall Manson wirklich eine solche Hand am Werk war, kann O’Neill nicht beweisen — dazu am Schluss. Aber die Frage ist die richtige, und sie ist es genau deshalb: Weil der Extremfall, wenn er stimmt, alles Mildere mitbeweist.

Aus einem Zeitungsauftrag werden zwanzig Jahre

Zur Erinnerung, was geschah: Im August 1969 töteten Mansons Anhänger in Los Angeles an zwei Abenden sieben Menschen, darunter die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate.

1999 sollte O’Neill für ein Magazin einen Routineartikel zum dreißigsten Jahrestag dieser Morde schreiben. Er wurde nie fertig. Je tiefer er grub, desto mehr zerfiel die offizielle Erzählung.

Diese Erzählung stammt von Staatsanwalt Vincent Bugliosi, der Manson 1970 vor Gericht brachte und mit Helter Skelter (benannt nach einem Beatles-Lied, das Manson angeblich als Ankündigung eines Rassenkriegs deutete) das meistverkaufte True-Crime-Buch aller Zeiten schrieb. Sein Motiv für Manson: Der Sektenführer habe einen Rassenkrieg auslösen wollen. O’Neill fand diese These voller Löcher.

Die Anomalien, die er zusammentrug, sind konkret:

  • Manson verstieß als Bewährungsentlassener wieder und wieder gegen die Auflagen — und seine Bewährung wurde trotzdem nie widerrufen. Das wirkte wie eine Einladung, noch weiter zu gehen. Sein Bewährungshelfer Roger Smith kümmerte sich am Ende faktisch nur noch um diesen einen Klienten.

  • Bei einer Großrazzia auf der Spahn Ranch im August 1969 — eine Woche nach den Morden — nahm die Polizei die ganze „Family” fest und ließ sie wieder laufen, angeblich wegen eines falsch datierten Durchsuchungsbefehls. Befehl von oben auf Rückzug?

  • Aktenordner im Büro des Sheriffs von Los Angeles waren plötzlich verschwunden — ein Kapitel des Buches trägt den Titel „Amnesie im Büro des Sheriffs”. Wer griff hier ein?

  • Zeugen wurden eingeschüchtert, ein Fotograf mit Abschiebung bedroht, um seine Aussage zu ändern.

Jede dieser Merkwürdigkeiten für sich ließe sich wegerklären. Zusammen ergeben sie ein Muster: Jemand mit Macht hielt die schützende Hand über Charles Manson, während dessen die „Family” auf die Morde zusteuerte.

Der Mann, der Mörder vorhersah

Im Zentrum steht ein Psychiater: Louis Jolyon West, genannt „Jolly” — derselbe Mann, dessen gefälschter Bericht von 1956 in Teil 1 den Kongress belog.

West war ein MKULTRA-Forscher, spezialisiert auf Hypnose und LSD. Sein Nachlass liegt heute im Archiv der Universität von Kalifornien in Los Angeles und ist öffentlich einsehbar; Journalisten haben ihn ausgewertet [Quellen: UCLA — Findbuch zum Nachlass Louis Jolyon West, The Intercept, 24.11.2019].

1966 zog West nach San Francisco. Offiziell für einen Forschungsaufenthalt in Stanford — O’Neill fand dort allerdings keinen Eintrag über ihn.

Im Juni 1967, im „Sommer der Liebe”, eröffnete West im Hippie-Viertel Haight-Ashbury ein Projekt, das er selbst ein „als Hippie-Unterkunft getarntes Labor” nannte: ein Haus an der Frederick Street, in dem durchziehende Jugendliche jederzeit umsonst übernachten konnten.

Sechs Doktoranden sollten sich wie Hippies kleiden und die echten Hippies beobachten. Bezahlt wurde das Ganze vom Foundations Fund for Research in Psychiatry. Wests Nachfolger als Lehrstuhlinhaber in Oklahoma, Gordon Deckert, fand in Wests Schreibtisch Papiere, wonach diese Stiftung eine Tarnorganisation der CIA war [Quelle: The Intercept, 24.11.2019].

Und nun der Fund, der O’Neill nicht mehr losließ. Ein Jahr vor diesem Umzug, 1965, hatte West gemeinsam mit einem Kollegen im Fachblatt der amerikanischen Ärztevereinigung einen Aufsatz mit dem Titel „Gefahren der Hypnose” veröffentlicht [Quelle: West LJ, Deckert GH, „Dangers of Hypnosis”, JAMA 1965;192(1):9–12].

Darin, so O’Neill, sagte West den Aufstieg gefährlicher Gruppen voraus, geführt von „Spinnern”, die ihre Anhänger in gewaltsame Kriminalität hineinhypnotisierten. Gegen die herrschende Lehre behauptete West, Hypnose könne Menschen so gefügig machen, dass sie ihre moralischen Grenzen überträten — und sich hinterher an nichts erinnerten.

Lies das noch einmal:

“Hypnose kann Menschen so gefügig machen, dass sie ihre moralischen Grenzen übertreten — und sich hinterher an nichts erinnern.”

Der Psychiater, der erforschte, wie man Menschen zum Töten bringt und ihnen die Erinnerung daran nimmt, ließ sich genau in dem Viertel nieder, in dem Mansons Bewährungshelfer arbeitete und in dem Mansons „Family” verkehrte. Er nahm sich zusätzlich ein Büro in der Haight-Ashbury Free Medical Clinic — derselben Klinik, in der auch Manson und seine Anhänger ein und aus gingen, in demselben Sommer, in dem Manson dort predigte, das eigene „Ego zu negieren” — also das eigene Ich aufzugeben. Genau das ist die Verfassung, in der ein Mensch am leichtesten zu lenken ist.

Wests Spur reicht über Manson hinaus. Am 26. April 1964 begutachtete er im Gefängnis von Dallas Jack Ruby — den Mann, der Kennedys angeblichen Mörder Lee Harvey Oswald erschossen hatte — und erklärte ihn für akut psychotisch, paranoid und selbstmordgefährdet. Er empfahl, Ruby in eine psychiatrische Klinik zu verlegen [Quelle: The Sixth Floor Museum at Dealey Plaza — Wests Untersuchungsbericht zu Jack Ruby (Archivfassung)].

Wo O’Neill haltmacht — und warum das zählt

Jetzt kommt der Satz, der dieses Buch von tausend Verschwörungsblogs unterscheidet. O’Neill behauptet nicht, die CIA habe Charles Manson gesteuert. Über seine eigene Recherche schreibt er:

„Ich hatte keinen letzten Beweis. Es gab nur Berge von Indizien.”

Er konnte nicht einmal belegen, dass West und Manson sich je persönlich getroffen haben. Seine West-Manson-Verbindung, gibt er zu, sei „dünn” und rein indiziell.

Und ausgerechnet die Gegenseite bestätigt seinen Wert: Die CIA besprach CHAOS in ihrer eigenen internen Fachzeitschrift — und räumte ein, O’Neill werfe „legitime Fragen” auf, auch wenn er keine belastbare Verbindung beweisen könne [Quelle: CIA, Studies in Intelligence, Rezension zu Chaos].

Genau diese Ehrlichkeit ist die Stärke. Ein Autor, der seine eigene Lücke benennt, gibt dir das Werkzeug in die Hand, ihn zu prüfen. Wer dagegen jede Lücke mit Behauptung füllt, nimmt es dir weg.

Damit ist die Frage vom Anfang beantwortet: Eine Recherche ist dann ehrlich, wenn sie die Grenze ihres eigenen Beweises mitliefert. O’Neill liefert kein Urteil, er liefert Fragen, die nach zwanzig Jahren niemand beantwortet hat. Und die dringendste lautet: Was tat ein MKULTRA-Hypnoseforscher in einem als Wohngemeinschaft getarnten Labor mitten unter den verlorenen Kindern, aus denen Mörder wurden?

Für den Einstieg: Kino

  • „Chaos: The Manson Murders” (Netflix, Regie Errol Morris, 2025) — die Verfilmung direkt zu O’Neills Buch.

  • „Once Upon a Time in Hollywood” (2019) — Tarantinos Blick auf das Manson-Umfeld des Jahres 1969.

Filme sind Fiktion — Vorstellung, kein Beweis; die Dokumentation steht der Aktenlage am nächsten. Aber sie führen dich ins Milieu, in dem West und Manson sich bewegten.

Weiter zu Teil 3

Was West erforschte — Menschen dazu bringen, zu morden und zu vergessen —, war keine Erfindung dieses einen Psychiaters. Es hatte einen Namen, ein Programm und eine Warnung, veröffentlicht Jahrzehnte bevor die CIA-Akten überhaupt ans Licht kamen. Davon handelt Teil 3.

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Das Buch zur Serie — jetzt erschienen

Die Fakten aus meiner Recherche sprengen jede Artikelserie. Deshalb habe ich parallel ein Buch geschrieben. Seit dieser Woche ist es erhältlich.

Der rote Faden beginnt bei einem Mann, den auf keiner MKULTRA-Liste jemand vermutet: einem Insider aus dem US-Marine-Geheimdienst, der die Methode aus Schmerz, Droge und Hypnose seit Kriegsende von innen kannte — und sich weigerte, sie zur Waffe zu machen. Stattdessen warnte er die Öffentlichkeit, über Jahrzehnte, immer wieder:

  • 1952 sprach er die Gefahr in einem Vortrag offen aus — und benannte die eine tödliche Möglichkeit: dass jemand die Abhilfe „aus dem Verkehr zieht” und sich zur neuen Ordnung aufwirft.

  • 1955 schrieb er die Warnung anonym nieder, getarnt als sowjetisches Lehrbuch.

  • 1969 nannte er sie beim Namen: „Schmerz-Drogen-Hypnose”.

  • Und er lieferte, was in keinem CIA-Bericht steht: wie du die Wirkung dieser Methode auf dich selbst wieder loswirst.

Jahrzehnte später wurde genau diese Warnung aus der offiziellen Fassung des Vortrags von 1952 herausgeschnitten — vom Copyright-Inhaber selbst — und später still wieder zurückgenommen, nachdem ich diese Zensur 2001 öffentlich gemacht hatte. Streichung und Rücknahme zusammen sind der Beweis: Die Warnung stimmte.

Diese drei Dokumente stehen jetzt erstmals ungekürzt in einem Band, mit meiner Herleitung und allen Belegen. Dazu ein Ausblick darauf, was aus diesen Methoden bis heute geworden ist, und ein Kapitel darüber, was du selbst dagegen tun kannst.

„Schmerz-Drogen-Hypnose — Die geheime Waffe hinter MK-Ultra” · 204 Seiten · PDF und EPUB zum sofortigen Download · CHF 18.00: → Schmerz-Drogen-Hypnose jetzt herunterladen

Die Essays dieser Serie bleiben frei zugänglich und erzählen, was aus diesen Methoden bis heute geworden ist. Das Buch liefert die Dokumente und die These, auf denen sie stehen.


Das Buchgeschenk für Stammleser

Diese Serie ist und bleibt frei. Wenn du sie als Stammleser trägst, bekommst du obendrein eines meiner Bücher geschenkt. Gerade ist es Dr. Eugen Bilfinger, „Impfzwang – Eine ernste Volksgefahr” (1909) — derselbe Code wie im letzten Blutdruck-Artikel.

Warum das hierher passt: MKULTRA war Medizin im Staatsauftrag, an Menschen, die nie eingewilligt hatten. Bilfinger, Sanitätsrat und Naturarzt, kämpfte dreißig Jahre lang gegen einen ärztlichen Eingriff, den der Staat ebenfalls ohne Einwilligung verordnete — und dokumentierte, wie Ärzte und Behörden jeden Einwand dagegen abtaten. Dasselbe Muster, vier Jahrzehnte vor MKULTRA.

Stammleser bekommen dieses Buch unten gratis — mit einem Code, der bis Mittwoch, 28. Oktober 2026, den Preis im Shop auf null setzt. Wenn du noch kein Stammleser bist: Ein Monatsabo kostet weniger als das Buch, und etwa alle vier Wochen kommt ein neues dazu. Und wenn du es einfach kaufen willst: ingag.de/impfzwang

Dazu für Stammleser: „Wer ist wer im CHAOS-Komplex” — die Karte der Namen, auf die diese Serie noch fünf Teile lang zurückkommt: Manson, West, Bugliosi, der Bewährungshelfer, die Klinik, O’Neill, die Aktenvernichter. Je eine Zeile mit Lebensdaten und Rolle, zum Nachschlagen neben den nächsten Teilen.


Die Naturheilkunde-KI

Neben dem Forschen und Schreiben über unterdrückte Wahrheiten helfe ich, eine KI zu betreiben, die Gesundheitsfragen auf der Basis der führenden Literatur der Natur- und Erfahrungsheilkunde beantwortet. Sie bekommt zu jeder Frage die passenden Stellen aus den Standardwerken der Erfahrungsheilkunde vorgelegt und antwortet daraus — Jahrhunderte gesammelter und an Patienten geprüfter Erfahrung.

Die Antworten kommen mit Quellenangabe, damit du jede Aussage selbst nachprüfen kannst. Die erste Frage ist gratis: start.naturheilung.org


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