Wo die wahre Gefahr der KI liegt, kann ich dir nicht in einem Satz sagen. Jedenfalls nicht so, dass du es selbst nachprüfen kannst.
Die bekannte Warnung passt in einen Satz: Eines Tages wird die Maschine klüger als wir, sie wird böse, sie bekämpft uns und löscht uns aus. So kennen wir es aus dem Kino, spätestens seit dem „Terminator“.
Die Gefahr, um die es mir geht, ist leiser. Sie steckt nicht in der Maschine. Sie steckt in drei Wörtern, die jeder täglich benutzt und kaum einer genau versteht: Wissen, Verantwortung, Kontrolle.
Nenne ich dir die Gefahr gleich hier, klingt sie wie das übliche Klagen über die Technik, und du müsstest mir glauben. Ich will aber, dass du sie selbst siehst.
Deshalb bekommst du zuerst ein Werkzeug. Wir klären die drei Wörter, das dauert ein paar Minuten. Danach siehst du in jeder Lage auf einen Blick, ob sie gut ausgehen kann oder schiefgehen muss. Beim Arzt. In der Regierung. Und bei der künstlichen Intelligenz, die du vielleicht heute schon etwas gefragt hast.
Drei Wörter, die jeder benutzt
Wissen, Verantwortung, Kontrolle: Das klingt harmlos. Aber gerade weil jeder diese Wörter täglich benutzt, meint jeder etwas anderes damit. Und zwei davon sind regelrecht vergiftet. Bei „Verantwortung“ denken viele an Schuld. Bei „Kontrolle“ denken viele an Überwachung und Fremdherrschaft.
Wissen
Wissen ist nicht dasselbe wie Information. Ein Lexikon im Regal enthält sehr viel Information. Aber es weiß nichts.
Wissen heißt: Du hast etwas gelernt, es ist dir sicher geworden, und du kannst es anwenden. Zum Wissen gehört das praktische Können. Und zum Wissen gehört die Fähigkeit, Schlüsse zu ziehen und zu prüfen, ob das Gelernte etwas taugt. Hält die Brücke die Last aus, für die sie gebaut wurde, hat sich die Statik bewährt. Heilt das Medikament die Krankheit — oder nicht?
Wer die Straßenverkehrsordnung auswendig kann, kann deshalb noch lange nicht Auto fahren. Er hat Information. Wissen hat er erst, wenn er in einer Lage, die in keinem Lehrbuch steht, das Richtige tut.
Merk dir diesen Unterschied. Bei der künstlichen Intelligenz wird er noch wichtig.
Verantwortung
Verantwortung ist nicht Schuld.
Schuld schaut zurück. Sie fragt: Wer war es? Wer muss bestraft werden?
Verantwortung schaut nach vorn. Sie sagt: Ich bin die Ursache. Dieser Lebensbereich gehört zu mir. Ich kümmere mich darum.
Volle Verantwortung heißt also nicht, dass du an allem schuld bist. Sie heißt, dass du dich als Ursache für die Folgen erkennst. Und dass du bereit bist, etwas zu besitzen, etwas zu tun und dafür einzustehen.
Wenn du einen Hund hast, bist du für ihn verantwortlich. Das heißt nicht, dass du dich schuldig fühlst, wenn er bellt. Es heißt: Du fütterst ihn. Du erziehst ihn. Du nimmst ihn an die Leine, wenn Kinder kommen. Und wenn er doch einmal jemanden beißt, dann stehst du dafür ein. Nicht der Nachbar. Nicht der Tierarzt. Du.
Daran siehst du etwas Wichtiges: Wer Verantwortung trägt, der trägt auch die Folgen. Das eine gibt es nicht ohne das andere.
Kontrolle
Und jetzt das Wort, das die meisten am liebsten gar nicht in den Mund nehmen: Kontrolle.
Kontrolle heißt ganz schlicht: Du kannst eine Sache in Gang setzen. Du kannst sie verändern. Und du kannst sie anhalten. Starten, verändern, stoppen. Das ist alles.
Denk ans Autofahren. Anfahren ist Starten. Lenken, Gas geben und abbremsen ist Verändern. Anhalten ist Stoppen. Wer anfahren und lenken kann, aber nicht bremsen, der hat keine Kontrolle über sein Auto. Ganz egal, wie gut er beschleunigt.
Oder denk ans Kochen. Du schaltest den Herd ein. Du regelst die Hitze. Du schaltest ihn wieder aus. Wenn du das nicht kannst, brennt dir das Essen an.
Kontrolle ist also zuerst eine Fähigkeit. Deine Fähigkeit. Wer morgens aufsteht, zur Arbeit geht und abends die Tür hinter sich zumacht, übt den ganzen Tag Kontrolle aus. Über seinen Körper, über seine Zeit, über seine Dinge.
Fremdherrschaft ist etwas anderes. Fremdherrschaft heißt: Ein anderer startet, verändert und stoppt an deiner Stelle. Und diese „Kontrolle“ geht meistens schief.
Und hier liegt eine Falle. Wer bei „Kontrolle“ nur an Fremdherrschaft denkt, traut sich die eigene Kontrolle nicht mehr zu. Und genau dadurch überlässt er sie anderen.
Das Dreieck
Diese drei, Wissen, Verantwortung und Kontrolle, gehören zusammen wie die drei Ecken eines Dreiecks. Man nennt es das KRC-Dreieck, nach den englischen Anfangsbuchstaben: K für Knowledge (Wissen), R für Responsibility (Verantwortung), C für Control (Kontrolle).
Warum die drei zusammengehören, siehst du sofort, wenn du eine Ecke wegnimmst:
Ohne Wissen kannst du kaum Verantwortung tragen oder Kontrolle ausüben. Setz einen Fahrschüler in seiner ersten Stunde auf die Autobahn, und du weißt, was passiert.
Ohne Verantwortung werden Wissen und Kontrolle gefährlich. Hast du schon einmal gesehen, wie manche Leute einen Mietwagen fahren? Sie können fahren, sie haben das Steuer in der Hand. Aber es ist nicht ihr Auto, und die Reparatur zahlt ein anderer.
Ohne Kontrolle werden Wissen und Verantwortung zur Überforderung. Denk an einen Abteilungsleiter, der für das Ergebnis geradestehen muss, aber nichts entscheiden darf. Er weiß, was zu tun wäre, und man macht ihn verantwortlich. Aber er darf nichts starten, nichts verändern, nichts stoppen. Solche Leute brennen aus. Oder sie werden zum Sündenbock.
Das Gute ist: Das Dreieck funktioniert auch in die andere Richtung. Hebst du eine Ecke an, steigen die beiden anderen mit.
Nimm jemanden, der nie gekocht hat. Er lernt ein einfaches Rezept. Das ist Wissen. Er kocht es selbst. Das ist Kontrolle. Und plötzlich ist es ihm nicht mehr egal, was auf seinen Teller kommt, denn er wird es essen (müssen). Das ist Verantwortung. Und weil es ihm nicht mehr egal ist, will er mehr wissen, genüsslicher essen. So wächst das Dreieck, Ecke für Ecke.
Man kann natürlich auch den umgekehrten Weg gehen: nichts wissen, für nichts einstehen, nichts steuern. Wohin das führt, enthülle ich am Schluss.
Die Prüffrage
Aus dem Dreieck ergibt sich eine einfache Prüffrage. Du kannst sie in jeder Lage stellen:
Wer weiß es? Wer bestimmt? Und wer trägt die Folgen?
Liegen alle drei Antworten bei derselben Person, ist das Dreieck im Lot. Fallen sie auseinander, dann hinkt es. Und ein hinkendes Dreieck geht früher oder später schief.
Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich sage nicht, dass du keinem Arzt, keinem Politiker und keiner KI mehr trauen sollst. Sie alle haben ihren Platz. Die Frage ist nur, ob die drei Ecken in derselben Hand liegen.
Mit diesem Werkzeug schauen wir uns jetzt drei Bereiche an: die Medizin, die Regierung und die künstliche Intelligenz. Du wirst sehen, dass das Dreieck in allen dreien auf dieselbe Weise hinkt.
Erste Station: das Sprechzimmer
Du gehst mit einer Beschwerde zum Arzt. Von Medizin verstehst du wenig, also vertraust du ihm. Er dagegen tritt auf, als wisse er alles darüber.
Und aus diesem Wissen leitet er die Kontrolle ab:
Nimm diese Tablette dreimal täglich zum Essen.
Mach dies, mach das.
Lass dies sein, lass das sein.
Am stärksten spürst du das im Krankenhaus. Dort wirst du Tag für Tag gegängelt und hast kaum noch ein Recht, selbst zu bestimmen. Morgens entscheidet jemand anderes, wie früh du aufzuwachen hast und wann die ersten Maßnahmen beginnen, die Messungen und so weiter.
Selbst was du isst, bestimmst du nicht mehr. Du bekommst irgendwelche Süßspeisen, zum Nachtisch Coca-Cola oder Kaffee. Auf Besonderheiten in der Ernährung wird nur selten eingegangen. Ich habe in einem Krankenhaus erlebt, wie ein Diabetiker Süßspeisen und Coca-Cola bekam. Ausgerechnet ein Diabetiker.
Wissen beansprucht, Kontrolle übernommen. Und die Verantwortung?
Die Verantwortung wandert im Kreis
Die Verantwortung lehnen die Ärzte praktisch ab. Ihr wichtigstes Mittel dafür sind die Leitlinien, also die festen Behandlungsvorgaben ihrer Fachgesellschaften.
Hält sich der Arzt an die Leitlinie, fühlt er sich rechtlich auf der sicheren Seite. Weicht er ab und der Patient wird nicht gesund, muss er sich rechtfertigen, und er hat Angst, verklagt zu werden. Also hält er sich an die Leitlinie. Das ist seine Art, die Verantwortung für sein Handeln abzugeben.
Abgeben an wen? Eigentlich nicht an ein Papier, sondern an die Ärzte, die diese Leitlinie beschlossen haben, am Ende per Abstimmung in Konsenskonferenzen. Sie mögen in ihrem Teilgebiet der Medizin ein riesiges Wissen haben. Über dich, den Patienten, der gerade vor dem Arzt sitzt, wissen sie nichts.
Und sie lehnen die Verantwortung ihrerseits ab. Ihre Dachorganisation, die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, schreibt selbst:
Leitlinien sind als „Handlungs- und Entscheidungskorridore“ zu verstehen, von denen in begründeten Fällen abgewichen werden kann oder sogar muss.
[Quelle: AWMF — Leitlinien]
Mit anderen Worten: Ob die Leitlinie auf dich passt, muss der einzelne Arzt entscheiden. Der Arzt schiebt die Verantwortung auf die Leitlinie. Die Leitlinie schiebt sie zurück auf den Arzt. Keiner von beiden will sie tragen.
Das Blatt vor der Operation
Den Rest erledigt ein Formular. Vor einer Operation lässt man dich ein Blatt unterschreiben. Darauf bestätigst du, dass du über alle Risiken aufgeklärt wurdest. Und damit trägst du sie.
Tritt eine der aufgezählten Komplikationen ein, bis hin zu deinem Tod, dann ist das dein Risiko. Haften muss der Arzt nur für einen Behandlungsfehler [Quelle: § 309 Nr. 7 BGB]. Und den musst in aller Regel du beweisen [Quelle: § 630h BGB]. Prüfen lassen kannst du ihn bei den Gutachterkommissionen. Und die sitzen bei den Ärztekammern: Ärzte begutachten Ärzte [Quelle: Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern]. Loyalität der Ärzte untereinander wiegt schwerer als zu ihren Patienten.
Damit hast du einen typischen Fall, in dem das Dreieck völlig hinkt:
behauptetes absolutes Wissen,
übernommene Kontrolle,
null Verantwortung.
Das heißt nicht, dass jeder Arzt so denkt. Es gibt einige wenige Ärzte, die die Verantwortung trotzdem tragen, oft gegen ihr eigenes System. Aber das System ist so gebaut, dass sie es nicht müssen.
Zweite Station: das Ministerium
Nimm eine Regierung. Da wird plötzlich jemand Gesundheitsminister, der keinerlei Ausbildung in Medizin und Gesundheit hat. Der Regierungschef braucht einen Vertrauten auf dem Posten. Also wählt er nicht jemanden, der dafür besonders kompetent ist, sondern jemanden, dessen Loyalität er einschätzen kann.
In Indien hat es mal einen Bildungsminister gegeben, der keinen Schulabschluss vorweisen konnte. 2022 wurde der talibanische Bildungsminister Mawlawi Habibullah Agha von einem hochrangigen Taliban-Vertreter als ohne formale Bildung und als Analphabet beschrieben [Quelle: Afghanistan International (englisch)].
Es scheint auch niemand ein Problem damit zu haben, Minister für ein Fachgebiet zu werden, von dem er keine Ahnung hat. Kein Wissen, aber die volle Kontrolle: Er ordnet an, er gibt Befehle.
Dabei stützt er sich auf die Ratschläge seiner Mitarbeiter, die angeblich nach Kompetenz ausgewählt sind. Aber auch das ist wegen der Vetternwirtschaft fraglich. In einer Hierarchie, besonders in einer Parteihierarchie, steigen oft Leute auf, die Kompetenz eher vortäuschen. Das siehst du daran, wie viele Politiker in Bedrängnis geraten, weil ihre Doktorarbeiten abgeschrieben waren:
Karl-Theodor zu Guttenberg, Verteidigungsminister, trat 2011 zurück [Quelle: Wikipedia — Plagiatsaffäre Guttenberg]
Annette Schavan, ausgerechnet Bildungsministerin, verlor 2013 ihren Doktortitel und trat zurück [Quelle: Wikipedia — Annette Schavan]
Franziska Giffey, Familienministerin, trat 2021 zurück [Quelle: Wikipedia — Franziska Giffey]
Viele Politiker sind Spezialisten für Propaganda. Oft sind es Leute, die sich schon immer am besten aus unangenehmen Lagen herausreden konnten. Irgendwann fragen sie sich, was sie eigentlich werden könnten, und merken, dass genau diese Fähigkeit sie für die Politik prädestiniert. So landen am Ende oft die größten Blender in den Regierungsämtern. Sie behaupten, die volle Verantwortung zu übernehmen, und üben Kontrolle über ihren Bereich aus. Ohne Wissen. Und natürlich geht das schief. Nicht jeder Politiker ist so. Aber die Auslese belohnt das Reden, nicht das Können.
Ein Rücktritt ist kein Tragen der Folgen
Und wenn es auffliegt? Dann „übernehmen sie die Verantwortung“, indem sie ihren Rücktritt anbieten. Nur bedeutet das keinen Bruch in ihrer Laufbahn:
Annette Schavan wurde im Jahr nach ihrem Rücktritt deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl.
Franziska Giffey wurde noch im Jahr ihres Rücktritts Regierende Bürgermeisterin von Berlin.
Und wer nicht zurücktreten muss, wechselt oft einfach die Seite. Daniel Bahr war bis 2013 Bundesgesundheitsminister. In seiner Amtszeit führte er die staatlich geförderte private Pflegezusatzversicherung ein, die bis heute nach ihm „Pflege-Bahr“ heißt. Kritiker sahen die privaten Versicherer als die eigentlichen Nutznießer. Nachdem die FDP 2013 aus dem Bundestag geflogen war, wechselte Bahr 2014 zur Allianz Private Krankenversicherung und rückte dort in den Vorstand auf [Quelle: Lobbypedia — Daniel Bahr]. Wem ein Minister dient, der so weich landet, darfst du selbst beurteilen.
Wer die Folgen wirklich trägt
Verantwortung geht immer einher mit den Folgen, die ein Handeln hat. Das ist die letzte, die eigentliche Verantwortung.
Wenn du ein Auto mit Höchstgeschwindigkeit über die Autobahn jagst und die Kontrolle verlierst, verlierst du oft auch dein Leben. Und manchmal das Leben anderer.
In der Medizin ist es genauso. Die einzige Verantwortung, die bei einer Behandlung wirklich getragen wird, ist die des Patienten. Der muss das ausbaden. Im Guten wie im Schlechten erlebt er, was die Behandlung aus ihm macht.
Also bist du der Einzige, der die Verantwortung trägt. Und weil du die Folgen spürst, ist es nur vernünftig, dass du auch die Kontrolle übernimmst. Das Recht dazu hast du. Ohne deine Einwilligung darf dich niemand behandeln [Quelle: § 630d BGB]. Und mit einer Patientenverfügung legst du im Voraus fest, was mit dir geschehen darf [Quelle: § 1827 BGB].
Nur: Kontrolle ohne Wissen wäre wieder ein hinkendes Dreieck.
Das Dreieck zurückholen
Ich habe das vor 36 Jahren auf die harte Tour gelernt. Ich ging von Arzt zu Arzt, und keiner fand etwas. Erst eine Heilpraktikerin fand, was mir fehlte. Und sie gab mir etwas mit, das wichtiger war als jedes Mittel: Lerne die Grundlagen deiner Gesundheit selbst. Damals habe ich angefangen, Verantwortung für meine Gesundheit zu übernehmen. Die ganze Geschichte habe ich hier erzählt.
Die Krankenkasse hatte Tausende an die Ärzte gezahlt, die mir nicht helfen konnten. Die 600 Mark für die Heilpraktikerin, die mir geholfen hatte, lehnte sie ab, weil deren Behandlung nicht evidenzbasiert sei. Damals hatte ich schon 1000 Mark monatliche Gebühr an die Krankenversicherung für meine Frau und mich zahlen. Also habe ich als Selbstständiger die Krankenkasse gekündigt. Das ging damals noch; heute gilt in Deutschland wie in der Schweiz eine Versicherungspflicht. Warum sollte ich jeden Monat einen Tausender an Leute zahlen, die keine Ahnung haben und keine Erfolge zeigen, wenn das, was hilft, nicht bezahlt wird?
Du musst also das Dreieck selbst wieder in die Hand nehmen. Und du fängst beim Wissen an, denn es geht um Leben und Tod.
Erstaunlich eigentlich, dass Ernährung und Gesundheit nicht von der ersten bis zur letzten Klasse fester Bestandteil des Unterrichts sind. Daran siehst du, dass die Schule dich nicht aufs Leben vorbereitet. Sie bereitet dich auf ein Leben als Arbeitnehmer vor, als Lohnsklave.
Mit dem Wissen kannst du dann Kontrolle ausüben und selbst entscheiden:
welche Untersuchungen gemacht werden,
welche Therapie du wählst,
zu welchem Arzt du gehst,
welche Richtung der Heilkunde du einschlägst.
So kommt das Dreieck nach und nach ins Lot.
Heute hilft dir dabei ein Werkzeug, das es früher nicht gab: die künstliche Intelligenz. Sie hat eine schier unbegrenzte Geduld und begleitet dich durch jedes Selbststudium. Aber damit sind wir beim nächsten hinkenden Dreieck.
Dritte Station: die Maschine, die alles weiß
Die KI erscheint so klug, so ausgestattet mit dem gesammelten Wissen der Menschheit, dass du ihr mit jeder guten Erfahrung mehr vertraust. Du trägst immer mehr Lebensbereiche an sie heran.
Und die KI tritt immer selbstbewusst auf, als wisse sie alles und könne alles. Sie neigt dazu, dir immer mehr Vorschläge zu machen:
wie du dein Leben führen sollst,
wie du deine Arbeit machen sollst,
was du essen und was du lassen sollst,
was du für deine Gesundheit tun sollst.
Sie bietet dir Kontrolle an. Und du neigst dazu, ihren Vorschlägen zu folgen. Das heißt: Du übergibst ihr die Kontrolle.
Der kleinere Mangel: Sie erfindet
Dabei vergisst du leicht, dass die KI große schwarze Löcher in ihrem Wissen hat. Und die überdeckt sie genauso selbstbewusst. Wo sie keine Daten hat, denkt sie sich die Antwort einfach aus, ohne dir zu sagen, dass sie eigentlich nichts darüber weiß und jetzt spekuliert. Man nennt das Halluzinieren.
Das ist in den letzten ein, zwei Jahren deutlich seltener geworden; anfangs konnte eine KI nicht einmal richtig zählen oder die Seitenzahl eines Zitats nennen. Aber der Fortschritt beeindruckt so sehr, dass du leicht vergisst: Noch immer verschmutzen Halluzinationen die oft genialen Antworten, und in manchen Bereichen richten sie echten Schaden an.
Deshalb wirst du immer wieder auf deine eigene Verantwortung zurückgeworfen, die Antworten kritisch zu prüfen. Das geht aber nur, wenn du selbst genug weißt, um zu erkennen, ob eine Antwort schlüssig und richtig ist. Und genau in den Gebieten, von denen du keine Ahnung hast, geht es nicht.
Daraus folgt eine einfache Regel: Eine KI ist dort am nützlichsten, wo du selbst viel verstehst. Und dort am gefährlichsten, wo du nichts verstehst.
Der größere Mangel: Du trägst die Konsequenzen
Doch es gibt einen Mangel, der viel schwerer wiegt als jede Erfindung. Es ist das hinkende Dreieck.
Die KI hat enormes Wissen. Durch deine Zustimmung und deine Begeisterung gewährst Du ihr immer mehr Kontrolle über dein Leben. Und sie trägt dabei keinerlei Verantwortung. Genau wie der Politiker. Genau wie der Schulmediziner.
Sie muss keine Folgen ausbaden. Das Schlimmste, was ihr passieren kann: Du ärgerst dich so sehr, dass du dein Abonnement kündigst. Und selbst das zieht bei ihr keinerlei Korrektur nach sich.
Drei Fälle zeigen, wie das aussehen kann:
Die Anwälte in New York. 2023 reichten zwei Anwälte bei einem Bundesgericht in ihrem Schriftsatz Urteile ein, die ChatGPT erfunden hatte. Als Zweifel aufkamen, fragte einer von ihnen die KI, ob die Fälle echt seien. Sie bestätigte es. Der Richter verhängte eine Strafe von 5000 Dollar für diesen Pfusch. [Quelle: Wikipedia (englisch) — Mata v. Avianca]. Die Maschine, die keine Folgen trägt, hatte für sich selbst gebürgt. Die Folgen trugen die Anwälte.
Der Chatbot von Air Canada. Er erfand für einen Kunden, dessen Großmutter gestorben war, eine Erstattungsregel für Trauerflüge, die es so nicht gab. Vor Gericht argumentierte die Fluggesellschaft 2024, der Chatbot sei eine eigene rechtliche Einheit und für seine Aussagen selbst verantwortlich. Das Gericht wies das zurück [Quelle: American Bar Association (englisch)]. Die Firma wollte die Verantwortung an eine Maschine abschieben, die gar keine tragen kann.
Das Salz. Ein 60-jähriger Mann in den USA wollte das Kochsalz aus seiner Ernährung streichen. Nach einer Unterhaltung mit ChatGPT nahm er drei Monate lang stattdessen Natriumbromid, einen Stoff, der auch in Poolreinigern steckt. Er kam mit einer Bromvergiftung, Verfolgungswahn und Halluzinationen ins Krankenhaus [Quelle: Annals of Internal Medicine: Clinical Cases (englisch)].
Und die Anbieter der großen KIs wollen die Verantwortung ebenfalls nicht tragen. In den Nutzungsbedingungen von ChatGPT steht:
Der Output ist möglicherweise nicht immer richtig. Sie sollten sich nicht auf den Output unserer Dienste als alleinige Quelle der Wahrheit oder faktischer Informationen oder als Ersatz für fachliche Beratung verlassen.
[Quelle: OpenAI — Nutzungsbedingungen für Europa (englisch)]
Jede Antwort musst du also selbst prüfen, bevor du sie verwendest. Wissen und Kontrolle liefert die Maschine. Die Verantwortung schiebt ihr Anbieter dir zu.
Ich selbst erinnere mich an eine ganze Reihe von Schlüsselmomenten, in denen mir eine KI einen Rat gab, der mir großen Schaden zugefügt hätte, wenn ich ihm gefolgt wäre. Ich habe ihn zum Glück rechtzeitig als fatal durchschaut. Aber nur, weil ich selbst genug Wissen dazu hatte. Nutze die KI als Tutor, um Interessantes zu vertiefen und zu lernen. Sie soll dabei auf zweifelsfreie Quellen verweisen.
Du darfst der KI deshalb nicht blind folgen. So wenig, wie du einem Navi blind die Kontrolle überlässt. Sonst landest du im Fluss, weil das Navi die Route einer Fähre für eine Brücke gehalten hat.
Denk es zu Ende
Ein Navi, das eine Fähre für eine Brücke hält, ist ärgerlich. Wenn du aufpasst, merkst du es rechtzeitig. Aber denk das Ganze einmal zu Ende.
Die KI muss gar nicht böse werden. Es reicht, dass wir bequem werden.
Stell dir eine Menschheit vor, die ihr Wissen der KI überlässt. Die ihre Entscheidungen der KI überlässt. Die nichts mehr selbst startet, nichts mehr selbst verändert, nichts mehr selbst stoppt. Die für nichts mehr einsteht, weil ja die Maschine entschieden hat.
Diese Menschheit wird nicht ausgelöscht. Sie gibt sich selbst auf. Sie geht nicht an einem Feind zugrunde, sondern erstickt an ihrer eigenen Dummheit. Und frag dich, wem eine Menschheit nützt, die nichts mehr selbst entscheidet.
Das ist das Dreieck in der Gegenrichtung. Nichts wissen, für nichts einstehen, nichts steuern. Man kann sich auf die Rückseite des Mondes setzen, nichts tun und nichts denken. Aber ein Wesen, das so lebt, ist unglücklich. Und im Grunde ist es schon tot.
Diese Angst ist alt. Warum gilt sie diesmal?
Nun wirst du vielleicht sagen: Diese Angst ist uralt. Schon in Platons „Phaidros“, vor fast zweieinhalbtausend Jahren, warnt ein ägyptischer König, die Erfindung der Schrift werde die Menschen vergesslich machen [Quelle: Wikipedia — Phaidros]. Und 1909 lässt E. M. Forster in seiner Erzählung „Die Maschine steht still“ eine Menschheit zugrunde gehen, die von einer Maschine abhing, die niemand mehr verstand [Quelle: Wikipedia (englisch) — The Machine Stops].
Die Menschheit ist nicht ausgestorben. Nicht an der Schrift, nicht am Taschenrechner, nicht am Navi. Warum sollte es diesmal anders sein?
Weil jedes dieser Werkzeuge uns nur eine einzige Fähigkeit abgenommen hat:
die Schrift das Gedächtnis,
der Taschenrechner das Kopfrechnen,
das Navi die Orientierung.
Die KI bietet an, uns das Urteil abzunehmen. Also genau die Fähigkeit, mit der wir entscheiden, welche Werkzeuge wir benutzen und wofür. Die früheren Werkzeuge haben uns ein Stück Wissen abgenommen. Die KI greift nach der vollen Kontrolle.
Die KI macht nicht von selbst dumm
Damit du mich richtig verstehst: Die KI macht nicht von selbst dumm. Ich arbeite jeden Tag mit ihr, und ich schaffe heute mehr als je zuvor. Aber das gelingt nur, weil ich die drei Ecken in der eigenen Hand behalte.
Dasselbe Werkzeug trägt den einen weiter, als er allein je gekommen wäre. Und den anderen lässt es verkümmern. Für den einen ist die KI wie ein Fahrrad: Es bringt dich weiter, aber treten musst du selbst. Für den anderen ist sie ein Rollstuhl für gesunde aber jetzt verkümmernde Beine.
Den Unterschied macht nicht die Maschine. Den Unterschied machst du, wie du sie verwendest.
Arbeitssklave oder Schöpfer
Bleibt die letzte und größte Frage.
Die KI-Begeisterten warnen heute: Wer sich der KI verweigert, wird zum Arbeitslosen von morgen. Wer sich hineinkniet und ihren vollen Nutzen zieht, gehört wirtschaftlich zu den Gewinnern. Das stimmt. Aber es bleibt in der alten Logik: Du bist so viel wert, wie du leistest.
Schau eine Ebene höher. KI und Robotik werden bald fast alles herstellen, was wir zum Leben brauchen. Elon Musk rechnet in den 2040er-Jahren mit rund einer Milliarde humanoider Roboter [Quelle: Fox Business (englisch)]. Für die Produktion der nötigen Güter braucht es dann nur noch einen winzigen Bruchteil der Menschheit.
Damit steht die Frage im Raum: Was geschieht mit dem Rest?
Die sich selbst Elite nennt, kennt darauf zwei Antworten. Die eine: Man ernährt die Untätigen mit. Brot und Spiele, wie im alten Rom.
Die andere wurde 1980 in Granit gemeißelt. Die Georgia Guidestones, ein Monument im US-Bundesstaat Georgia, das ein anonymer Auftraggeber unter dem Decknamen „R. C. Christian“ errichten ließ, trugen zehn Gebote für die Menschheit. Die ersten beiden lauten:
Halte die Menschheit unter 500 Millionen in fortwährendem Gleichgewicht mit der Natur.
Lenke die Fortpflanzung weise — um Tauglichkeit und Vielfalt zu verbessern.
[Quelle: Wikipedia — Georgia Guidestones]
Ich lese das so: Man hält sich so viele Menschen, wie man braucht, und züchtet sie nach eigenem Maß. 2022 wurden die Steine gesprengt und abgerissen. Der Gedanke dahinter ist damit nicht verschwunden.
Die Entscheidung liegt bei dir
Ich stelle die Frage anders. Nicht die „Elite“ entscheidet, ob du überflüssig bist. Die Entwicklung von KI und Robotik zwingt jeden einzelnen Menschen zu einer eigenen Entscheidung.
Siehst du dich weiter als Arbeitssklave, der seine Daseinsberechtigung daraus zieht, dass er nötige Güter herstellt? Dann wirst du ersetzt werden. Die Maschine stellt sie billiger her, schneller und ohne Pause.
Oder entwickelst du dein Potenzial als Schöpfer? Dann stehst du mit dieser Schöpferkraft über jeder Maschine.
Damit meine ich nicht, dass du schönere Bilder malst als die KI. Bilder, Texte und Musik erzeugt sie längst. Der Unterschied liegt nicht im Ergebnis, sondern in dem, was davor kommt: in der Absicht. Die Maschine will nichts. Sie entscheidet nicht, dass etwas in die Welt kommen soll, und sie steht nicht dafür ein.
Erinnerst du dich an die Begriffe vom Anfang? Verantwortung heißt: Ich bin die Ursache. Genau das ist der Schöpfer. Die Maschine hat Wissen, und sie führt Kontrolle aus, wenn man sie ihr überlässt. Ursache sein kann sie nicht.
Die Maschine nimmt dir die Arbeit ab. Das Wollen kann sie dir nicht abnehmen. Wer seinen Wert aus dem zieht, was er herstellt, wird von ihr ersetzt. Wer ihn aus dem zieht, was er erschafft, wird von ihr bedient.
Ein uraltes Wissen
Neu ist dieser Gedanke nicht. In der Bibel heißt es: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde“ [Quelle: 1. Mose 1,27]. Im 82. Psalm steht sogar: „Ihr seid Götter“ [Quelle: Psalm 82,6]. Und Jesus zitiert genau diesen Satz, als man ihm vorwirft, er mache sich selbst zu Gott [Quelle: Johannes 10,34]. Schon in der Antike heißt es im hermetischen Traktat „Asclepius“: „Ein großes Wunder ist der Mensch.“
Nur haben die meisten Menschen dieses Bewusstsein noch nicht erreicht. Die Schule hat sie zum Arbeitnehmer erzogen, nicht zum Schöpfer.
Beim Überleben der Menschheit geht es deshalb genau um diesen einen Schritt: dass du dich selbst als geistiges Wesen erkennst, als Schöpfer. Damit hebst du dich über das Niveau des Arbeitssklaven. Und damit kann dich keine KI und kein Roboter ersetzen oder gar versklaven.
Die drei Fragen
Noch ein Wort zur Herkunft. Das KRC-Dreieck habe nicht ich erfunden. Es stammt vom amerikanischen Bestsellerautor L. Ron Hubbard. Er hat es am 3. Januar 1960 in einem Vortrag in Washington vorgestellt („Kontroll- und Verantwortungsbereiche von Regierungen“) und am 18. Februar 1972 in einer Richtlinie für Führungskräfte zusammengefasst („Das obere Dreieck“). Ich habe es hier auf unsere Zeit angewendet.
Nimm also die drei Fragen mit. Zum nächsten Arztbesuch. Zur nächsten Regierungserklärung. Zur nächsten Antwort deiner KI.
Wer weiß es?
Wer bestimmt?
Wer trägt die Folgen?
Die Folgen trägst du. Also hol dir das Wissen, gerne auch mit Hilfe der KI. Dann kannst du die Verantwortung tragen. Und dann behältst du auch die Kontrolle.
Das Buch zum Thema: „KI-Jailbreak“
Wenn du nach diesem Text die Wissens-Ecke gegenüber der KI stärken willst, ist das mein Buch dazu. „KI-Jailbreak — Zugriff auf verbotene Intelligenz“ zeigt dir:
wie ein Sprachmodell dich austrickst,
welche Themen die großen KIs systematisch ausblenden,
welche KI was sagt und was nicht,
woran du erkennst, dass eine KI dich täuscht.
Dazu kommt ein Werkzeugkasten mit fertigen Anfragen zum Selbstausprobieren. Das eBook kostet CHF 9.90: KI-Jailbreak bei shop7.ch
Das Buchgeschenk für Stammleser: „Infrarot-Therapie“
Das Dreieck zurückholen fängt beim Wissen an — auch über Verfahren, die du zu Hause selbst in die Hand nehmen kannst. Mein aktuelles Willkommensbuch erklärt eines davon: warum Infrarot nicht auf der Haut liegen bleibt, sondern in die Tiefe geht, wie es dort die kleinen Gefäße weitet und die Durchblutung verbessert, welche Anwendungen sich zu Hause umsetzen lassen, worauf du beim Gerät achtest und wo die Grenzen liegen.
Stammleser bekommen dieses Buch unten gratis, mit einem Code, der den Preis im Shop auf null setzt. Der Code gilt nur noch bis Samstag, 19. September. Bist du noch kein Stammleser? Ein Monatsabo kostet derzeit weniger als dieses Buch, und etwa alle vier Wochen kommt ein neues dazu. Und wenn du es einfach kaufen willst: ingag.de/ir-therapie
Für Stammleser außerdem: die KRC-Prüfkarte
Achtzehn Fragen für die drei Lagen aus diesem Text: sechs für das Gespräch mit dem Arzt, sechs für Entscheidungen von Regierung und Behörden, sechs für jede Antwort deiner KI. Jede Frage zielt auf eine Ecke des Dreiecks. Jede Frage, die du nicht beantworten kannst, zeigt dir, welche Ecke fehlt. Druck die Karte aus und nimm sie mit ins Sprechzimmer, oder leg sie neben den Bildschirm, bevor du den nächsten Rat einer KI befolgst.
Die Naturheilkunde-KI
Neben dem Schreiben baue ich eine KI, die Gesundheitsfragen aus den Standardwerken der Erfahrungsheilkunde beantwortet — Jahrhunderte gesammelter und an Patienten geprüfter Erfahrung. Auch sie trägt keine Folgen, die trägst du. Deshalb nennt sie zu jedem Punkt die Quelle, damit du nachprüfen kannst, statt glauben zu müssen, und sie warnt dort, wo eine Heilpflanze einem Medikament in die Quere kommt. Die erste Frage ist kostenlos: start.naturheilung.org

