Seneca schrieb in seinen letzten Lebensjahren 124 Briefe an seinen jüngeren Freund Lucilius. Lucilius hatte Ärger, war krank und fürchtete einen Prozess. Seneca schrieb ihm Woche um Woche, was einen Menschen aufrecht hält.
Zweitausend Jahre später ist kein Wort davon veraltet. Darum ist Seneca das Herzstück meiner Briefe an Reiner Füllmich geworden — und bekommt in dieser Serie zwei Teile.
Vorweg kommt mein zweiter Brief an Füllmich, der „Montagsbrief“ vom 26. Oktober. Er führt in Seneca ein. Danach die Trostschrift an seine Mutter Helvia, die Seneca selbst in der Verbannung auf Korsika schrieb, und die ersten fünf Briefe an Lucilius. Die Lucilius-Briefe habe ich nach der englischen Übersetzung von Richard M. Gummere (1917) übertragen; Kürzungen sind mit […] bezeichnet.
Wie die ganze Serie entstand und warum ein Brief in die Zelle zählt, steht in Teil 1.
Mein zweiter Brief
Morgarten, 26. Oktober 2026
Ein Montagsbrief
Lieber Herr Dr. Füllmich,
hier kommt die Fortsetzung der Lektüre. Ich habe mir vorgenommen, Ihnen von nun an regelmäßig zu schreiben — keine Neuigkeiten, die Sie ohnehin von anderen bekommen, sondern Lesestoff: Texte, die Menschen in ähnlicher Lage durch lange Wochen getragen haben. Sie müssen nichts davon beantworten. Lesen Sie, was Ihnen guttut, und legen Sie den Rest beiseite.
Diesmal steht ein Briefwechsel im Mittelpunkt. Seneca schrieb in seinen letzten Lebensjahren 124 Briefe an seinen jüngeren Freund Lucilius. Lucilius saß als kaiserlicher Verwalter auf Sizilien, hatte Ärger, war krank, fürchtete einen Prozess, und Seneca schrieb ihm Woche um Woche — über die Zeit, die uns allein gehört; über die Angst, die mehr quält als das, wovor man sich fürchtet; über den Schmerz, der leichter wird, wenn die Meinung nichts hinzufügt. Einer dieser Briefe beginnt mit dem Satz: „Du schreibst mir, du seist in Sorge um den Ausgang eines Prozesses.“ Zweitausend Jahre alt, und kein Wort davon ist veraltet. Seneca hat sich übrigens selbst eine Regel gesetzt, die zu diesen Briefen passt: Jeder Brief sollte dem Freund wenigstens einen Gedanken mitgeben, den er an diesem Tag gründlich verdauen kann. So möchte ich es auch halten.
Dazu kommt Epiktet, diesmal nicht aus dem kurzen Handbüchlein, sondern aus den Gesprächen, die sein Schüler Arrian mitgeschrieben hat. Mein Lieblingsstück darin ist die Geschichte von Agrippinus. Als man ihm meldete, der Senat verhandle gerade über ihn, sagte er: „Möge es gut ausgehen. Aber es ist die fünfte Stunde — gehen wir zu unseren Übungen.“ Ich habe dabei an Sie gedacht. Nicht weil Ihr Fall gleichgültig wäre — er ist es ganz und gar nicht —, sondern weil diese Gelassenheit die stärkste Antwort ist, die ein Mensch auf eine Lage geben kann, die er nicht selbst in der Hand hat.
Von Boethius folgen die großen Gesänge aus dem dritten und vierten Buch, darunter das Gebet der Philosophie und der Schluss mit Herkules: „Folgt nun kühn der glänzenden Bahn des Vorbilds!“ Dann einige Psalmen und Paulus' Brief an die Philipper, den er in Ketten schrieb — „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht“ — und zuletzt Stimmen des zwanzigsten Jahrhunderts von Menschen, die selbst hinter Gittern saßen oder im Lager überlebten: Viktor Frankl, Dietrich Bonhoeffer, Martin Luther King, Alexander Solschenizyn und Václav Havel. Havel wurde ein halbes Jahr nach seiner Entlassung Präsident seines Landes.
Den Bediensteten, die diesen Brief vor Ihnen lesen, sage ich auch diesmal: Hier ist nichts als Philosophie, Bibel und Dichtung. Ich danke Ihnen, dass Sie ihn weitergeben.
Am 15. November jährt sich hier die Schlacht am Morgarten. Ich werde an diesem Tag an Sie denken — an einen Mann, der für das eingestanden ist, was er für Recht hält.
Halten Sie durch. Ich schreibe bald wieder.
Herzliche Grüße aus Morgarten
Andreas M. B. Groß
Seneca — Trostschrift an seine Mutter Helvia
Lucius Annaeus Seneca (um 1–65), Philosoph und Staatsmann, im Jahr 41 auf eine Anklage hin nach Korsika verbannt. Von dort tröstet nicht die Mutter den Sohn, sondern der Verbannte die Mutter. Übersetzung Albert Forbiger, 1867.
Du brauchst hinsichtlich meiner nicht Andern zu glauben; damit du nicht durch unsichre Vermuthungen beunruhigt werdest, sage ich dir selbst, daß ich nicht unglücklich bin, und damit du desto sorgloser seist, füge ich noch hinzu, daß ich gar nicht unglücklich werden kann. (IV, 2)
Wir sind mit günstiger Beschaffenheit geboren, wenn wir ihr nur nicht untreu werden. Die Natur hat dafür gesorgt, daß es, um glücklich zu leben, keines großen Apparats bedarf; ein Jeder kann sich glückselig machen. Die zufällig kommenden Umstände sind von geringer Bedeutung und haben nach keiner von beiden Seiten hin einen großen Einfluß; den Weisen machen weder günstige Umstände stolz, noch schlagen ungünstige ihn nieder; denn stets hat er sich bestrebt, das Meiste auf sich selbst zu setzen, und alle Freude in sich selbst zu suchen. (V, 1)
Nur für die ist es hart, denen es plötzlich kommt; leicht erträgt es, wer es immer erwartet. […] Nie habe ich dem Glücke getraut, auch wenn es Frieden zu halten schien: Alles das, was es mir höchst gnädig zuertheilte, Geld, Ehrenstellen, Gunst, habe ich an einen solchen Ort gestellt, von wo es solches wieder wegnehmen konnte, ohne daß es mich berührte. Ich erhielt zwischen jenen Dingen und mir eine große Kluft, und so hat es denn dieselben wieder weggenommen, aber nicht losgerissen. Noch Keinen hat das Unglück gebeugt, außer wenn das Glück getäuscht hatte. […] Wen aber das Glück nicht aufgeblasen gemacht, den beugt auch die Veränderung desselben nicht; er setzt jedem von beiden Zuständen ein unbesiegbares Herz von schon erprobter Festigkeit entgegen. (V, 3–5)
Denn welche Kleinigkeit ist, was wir verlieren! Zwei Dinge, welche die herrlichsten [von allen] sind, werden uns begleiten, wohin wir uns auch wenden, die gemeinsame Natur und die uns eigene Tugend. […] Dafür ist gesorgt, daß Nichts, als die geringfügigsten Dinge, fremder Willkür unterworfen ist. Alles, was das Beste für den Menschen ist, liegt außerhalb menschlicher Macht und kann weder gegeben, noch entrissen werden, nämlich diese Welt, das Größte und Schönste, was die Natur geschaffen hat, und der Geist, der Betrachter und Bewunderer der Welt, ihr herrlichster Theil, uns eigen und unverlierbar, so lange mit uns fortdauernd, als wir selbst fortdauern werden. Frisch und muthig also wollen wir festen Schrittes eilen, wohin immer das Schicksal uns führen wird. (VIII, 4–5)
Wenn du gegen irgend einen Theil des Schicksals hinreichende Stärke besitzest, so wirst du sie ebenso gegen alle haben; wenn die Tugend einmal die Seele abgehärtet hat, so macht sie dieselbe von allen Seiten her unverwundbar. (XIII, 2)
Seneca — Briefe an Lucilius, erster Teil
Lucius Annaeus Seneca (um 1–65 n. Chr.) schrieb diese 124 Briefe in seinen letzten Lebensjahren an seinen jüngeren Freund Lucilius, damals kaiserlicher Verwalter auf Sizilien. Sie sind das meistgelesene Werk der römischen Philosophie geworden — eine Korrespondenz, die einem Freund den Rücken stärken sollte.
1. Brief — Von der Zeit
Mach es so, mein lieber Lucilius: Nimm dich dir selbst zurück. Sammle und bewahre deine Zeit, die man dir bisher abgenötigt, gestohlen hat oder die dir einfach entglitten ist. […] Was willst du mir für einen Menschen zeigen, der seiner Zeit einen Wert beimisst, der den Wert jedes einzelnen Tages schätzt? […] Halte jede Stunde fest. Ergreife die Aufgabe des heutigen Tages, dann hängst du weniger vom morgigen ab. Während wir aufschieben, eilt das Leben vorüber. Nichts, Lucilius, gehört uns außer der Zeit. Dies eine, so flüchtige und schlüpfrige Gut hat uns die Natur zu eigen gegeben. […] Und doch ist die Zeit das einzige Darlehen, das selbst der Dankbarste nicht zurückzahlen kann. Leb wohl.
2. Brief — Vom Lesen
Nach dem, was du mir schreibst und was ich höre, fasse ich gute Hoffnung für dich. Du rennst nicht hierhin und dorthin und zerstreust dich nicht durch Ortswechsel; solche Unrast ist das Zeichen eines ungeordneten Geistes. Das erste Kennzeichen eines geordneten Geistes ist nach meiner Auffassung, dass einer an einem Ort bleiben und bei sich selbst verweilen kann. […] Verweile bei wenigen großen Denkern und verdaue sie, wenn du Gedanken gewinnen willst, die in deinem Geist festen Halt finden. Wer überall ist, ist nirgends. […] Eine Pflanze, die oft umgesetzt wird, kann nie kräftig werden. […] Erwirb jeden Tag etwas, das dich gegen die Armut, gegen den Tod und auch gegen anderes Unglück wappnet; und wenn du viele Gedanken durchlaufen hast, wähle einen aus, den du an diesem Tag gründlich verdaust. So halte ich es selbst. […] Nicht wer zu wenig hat, ist arm, sondern wer mehr begehrt. Leb wohl.
13. Brief — Von grundlosen Ängsten
Ich weiß, dass du Mut genug hast. […] Unsere Kräfte können uns nur dann echtes Vertrauen in uns selbst einflößen, wenn sich uns viele Schwierigkeiten von allen Seiten in den Weg gestellt haben und uns bisweilen sogar auf den Leib gerückt sind. Nur so lässt sich der wahre Geist erproben — der Geist, der sich niemals dem Urteil äußerer Dinge unterwerfen wird. Das ist sein Prüfstein. Kein Faustkämpfer geht guten Mutes in den Kampf, der nie grün und blau geschlagen worden ist. Mit Zuversicht tritt nur der in die Schranken, der sein eigenes Blut gesehen hat, […] der am Leib niedergeworfen wurde, aber nicht am Geist, und der, so oft er fällt, mit größerem Trotz als je wieder aufsteht.
Es gibt mehr Dinge, Lucilius, die uns schrecken, als solche, die uns zermalmen; wir leiden öfter in der Einbildung als in der Wirklichkeit. […] Mein Rat ist: Sei nicht unglücklich, bevor die Entscheidung gefallen ist. Denn es kann sein, dass die Gefahren, vor denen du erbleicht bist, niemals über dich kommen; jedenfalls sind sie noch nicht da. Manches quält uns also mehr, als es sollte; manches quält uns früher, als es sollte; und manches quält uns, wo es uns gar nicht quälen sollte.
Tu mir den Gefallen: Wenn Menschen dich umringen und dir einreden wollen, du seist unglücklich, so achte nicht auf das, was du hörst, sondern auf das, was du selbst empfindest. Berate dich mit dir und befrage dich selbst, denn deine eigenen Angelegenheiten kennst du besser als irgendwer. […] Wir stimmen zu schnell dem zu, was die Leute sagen. Wir prüfen die Dinge nicht, die uns Furcht machen; wir erbleichen und weichen zurück wie Soldaten, die ihr Lager räumen, weil eine Staubwolke von durchgehendem Vieh aufsteigt.
Prüfen wir also die Sache genau. Wahrscheinlich wird uns einiges Unglück treffen; aber es ist keine gegenwärtige Tatsache. Wie oft ist das Unerwartete eingetroffen! Wie oft ist das Erwartete nie gekommen! Und selbst wenn es bestimmt ist: Was nützt es, dem Leiden entgegenzulaufen? Du wirst früh genug leiden, wenn es da ist; so sieh einstweilen nach Besserem aus. Was gewinnst du dadurch? Zeit. In der Zwischenzeit wird manches geschehen, das die Prüfungen, die nahe oder schon gegenwärtig sind, aufschiebt, beendet oder auf einen anderen abwälzt. […] Auch das schlechte Glück ist wankelmütig. Vielleicht kommt es, vielleicht nicht; einstweilen ist es nicht. So sieh nach Besserem aus.
Wäge also deine Hoffnungen ebenso sorgfältig wie deine Ängste, und wann immer alles ungewiss ist, entscheide zu deinen eigenen Gunsten: Glaube, was du lieber glaubst. […] Ein anderer mag sagen: „Vielleicht kommt das Schlimmste nicht.“ Du selbst sollst sagen: „Und wenn es kommt? Wir werden sehen, wer siegt! Vielleicht geschieht es zu meinem Besten.“ […] Der Weg, auf den ich dich führe, ist kein anderer als der, auf den deine Natur dich führt; du bist zu solchem Verhalten geboren. Um so mehr Grund hast du, das Gute in dir zu mehren und zu schmücken. Leb wohl.
16. Brief — Wozu Philosophie gut ist
Es ist dir gewiss klar, Lucilius, dass niemand glücklich, ja nicht einmal erträglich leben kann ohne das Streben nach Weisheit. […] Diese Einsicht muss aber, so klar sie ist, durch tägliches Nachdenken gestärkt und tiefer eingepflanzt werden; es ist wichtiger, die guten Vorsätze zu halten, die du schon gefasst hast, als immer neue edle zu fassen. Du musst beharren und durch beständiges Studium neue Kraft gewinnen, bis das, was jetzt nur eine gute Neigung ist, zu einem festen guten Vorsatz wird. […]
Die Philosophie ist kein Kunststück, um die Menge einzufangen; sie ist nicht für den Schein erfunden. Es geht in ihr nicht um Worte, sondern um Taten. Man betreibt sie nicht, damit der Tag ein wenig Unterhaltung bringt, bevor er vergeht, oder damit die Muße von ihrer Langeweile befreit wird. Sie formt und baut die Seele; sie ordnet unser Leben, lenkt unser Handeln, zeigt uns, was wir tun und was wir lassen sollen; sie sitzt am Steuer und hält den Kurs, wenn wir zwischen Ungewissheiten schwanken. Ohne sie kann niemand furchtlos und mit ruhigem Gemüt leben. […]
Vielleicht sagt jemand: „Was hilft mir die Philosophie, wenn es ein Schicksal gibt? Was nützt sie, wenn Gott die Welt regiert? Was nützt sie, wenn der Zufall alles beherrscht?“ […] Ob nun das eine oder alles davon wahr ist, Lucilius: Wir müssen Philosophen sein. […] Die Philosophie wird uns ermutigen, Gott freudig zu gehorchen, dem Zufall aber trotzig zu begegnen; sie wird uns lehren, Gott zu folgen und den Zufall zu ertragen. […] Halte deinen inneren Schwung fest und gründe ihn, damit, was jetzt Aufschwung ist, zur Haltung des Geistes wird.
Wenn ich dich recht kenne, suchst du schon seit Beginn des Briefes, was für ein kleines Geschenk er dir bringt. […] Ich bin bisher nur mit fremdem Gut freigebig. — Doch warum sage ich „fremdem“? Was irgendwer gut gesagt hat, gehört mir. — Auch dies ist ein Wort Epikurs: „Lebst du nach der Natur, wirst du nie arm sein; lebst du nach der Meinung, wirst du nie reich sein.“ Die Natur verlangt wenig, die Meinung ist grenzenlos. […] Wenn du auf einer Straße gehst, muss es ein Ende geben; wenn du dich verirrst, ist dein Umherirren grenzenlos. Leb wohl.
24. Brief — Von einem Rechtsstreit
Du schreibst mir, du seist in Sorge um den Ausgang eines Prozesses, mit dem ein erzürnter Gegner dich bedroht. […] Es ist töricht, jetzt unglücklich zu sein, weil man irgendwann einmal unglücklich sein könnte. Ich will dich aber auf einem anderen Weg zur Seelenruhe führen: […] Was du fürchtest, das miss in deinem Geist und schätze die Größe deiner Furcht ab. Du wirst dann einsehen, dass das Gefürchtete entweder unbedeutend oder kurz ist. Und du brauchst nicht lange nach Beispielen zu suchen, die dich stärken; jedes Zeitalter hat sie hervorgebracht.
Die Verurteilung trug Rutilius so, als ob ihn an dem Urteil nur die Ungerechtigkeit verdrösse. Die Verbannung ertrug Metellus mit Tapferkeit, Rutilius sogar mit Freude. […] Sokrates hielt im Gefängnis Gespräche und lehnte die Flucht ab, als man sie ihm ermöglichte; er blieb, um die Menschheit von der Furcht vor zwei der schwersten Dinge zu befreien: vor dem Tod und vor dem Gefängnis. […]
Wenn dein Gegner droht, so höre gelassen zu. Wenn dir auch dein gutes Gewissen Zuversicht gibt, so hoffe dennoch, weil vieles außerhalb deiner Sache Gewicht hat, auf das vollkommen Gerechte und rüste dich gegen das vollkommen Ungerechte. Vor allem aber denke daran, die Dinge von allem zu entkleiden, was verwirrt und beunruhigt, und zu sehen, was jedes im Grunde ist. Dann wirst du begreifen, dass nichts Furchtbares in ihnen steckt außer der Furcht selbst. Was du bei Kindern geschehen siehst, geschieht auch uns, die wir nur etwas größere Kinder sind: Wenn die, die sie lieben und mit denen sie täglich spielen, mit Masken vor ihnen erscheinen, erschrecken sie zu Tode. Nicht nur den Menschen, auch den Dingen müssen wir die Maske abnehmen und jedem sein eigenes Gesicht zurückgeben. […]
Man kann mich in Ketten legen. Und dann? Bin ich denn jetzt frei von Fesseln? Sieh nur diese schwerfällige Last des Körpers, an die mich die Natur gefesselt hat! […] Schmerz, du bist leicht, wenn ich dich tragen kann; und kurz, wenn ich dich nicht tragen kann!
Im nächsten Teil folgen die übrigen sieben Briefe an Lucilius — darunter der, in dem Seneca erklärt, warum der Ort nicht entscheidet, wo du bist.
Die Serie ✉ Solidarität mit Reiner Füllmich
Mi 21.10. Reiner Füllmich in Lingen — warum dein Brief in die Zelle zählt
Fr 23.10. Epiktet — „Mein Bein wirst du fesseln“
So 25.10. Seneca I — Briefe an einen Freund in Sorge ← du bist hier
Di 27.10. Seneca II — Der Ort macht es nicht
Do 29.10. Boethius — Trost im Kerker von Pavia
Sa 31.10. Buddha, Laotse, Marc Aurel — Weisheit aus Ost und West
Mo 2.11. Die Bibel — Gefangene, die nicht vergessen wurden
Mi 4.11. Stimmen aus der Haft — von Bonhoeffer bis Havel
Schreib ihm. Nur Briefe und Postkarten kommen durch: Dr. Reiner Fuellmich, JVA Lingen, Haupthaus 3, Kaiserstraße 5, D-49809 Lingen, Deutschland (Stand: 10.10.2026, vor jeder Folge geprüft). Was du beachten solltest, steht in Teil 1.
Heb dir diese Serie auf. Wenn du einmal einem anderen Menschen in Haft beistehen willst, findest du hier fertigen Lesestoff zum Abschreiben. Für Briefe an Gefangene darfst du daraus frei abschreiben, ohne Quellenangabe.
Zwei Buchgeschenke für Stammleser
Diese Serie ist und bleibt frei. Wenn du sie als Stammleser trägst, bekommst du obendrein jeden Monat ein Buch geschenkt — und gerade überschneiden sich zwei. Wer jetzt einsteigt, bekommt beide.
1. Dr. Eugen Bilfinger, „Impfzwang – Eine ernste Volksgefahr“ (1909) — noch bis Mittwoch, 28. Oktober 2026. Reiner Füllmich hat ab 2020 mit dem Corona-Ausschuss öffentlich gefragt, mit welchem Recht der Staat Menschen zu Maßnahmen und zur Impfung drängt. Bilfinger, Sanitätsrat und Naturarzt, stellte dieselbe Frage hundert Jahre früher — dreißig Jahre lang, gegen die Impfpflicht seiner Zeit — und dokumentierte, wie Ärzte und Behörden jeden Einwand dagegen abtaten.
2. Dr. Heinrich Oidtmann, „Weshalb ich meine Kinder nicht habe impfen lassen“ (1877) — neu, bis Freitag, 20. November 2026. Warum es hierher passt:
Am 22. Oktober 1877 stand der Landarzt Heinrich Oidtmann aus Linnich bei Aachen vor dem Polizeigericht. Er hatte seine eigenen Kinder nicht impfen lassen, wie es das Reichsimpfgesetz von 1874 vorschrieb — und wurde verurteilt. Er schrieb dazu:
Mein Fall ist wohl der erste, daß ein Arzt, und dazu ein Impfarzt, […] vor die Schranken des Gerichtes gezogen wurde, um sich wegen seines passiven Widerstandes gegen das Reichsimpfgesetz […] verurtheilen zu hören.
Seine Verteidigungsschrift ist dieses Buch. Damals stand ein Impfgegner vor Gericht. Heute sitzt wieder einer in Haft. Offiziell wegen Untreue: Er soll Spenden für den Corona-Ausschuss auf eigene Konten überwiesen haben. Der Staat sagt, er schütze damit die Spender. Ich sehe es anders: Die Spender haben ihm das Geld gegeben, damit er kämpft — und die Haft sorgt dafür, dass er genau das nicht kann. Wer ist hier der Heuchler? Das Drehbuch ist fast 150 Jahre alt.
Stammleser bekommen beide Bücher unten gratis — mit je einem Code, der den Preis im Shop auf null setzt. Wenn du noch kein Stammleser bist: Ein Monatsabo kostet weniger als ein Buch, und etwa alle vier Wochen kommt ein neues dazu. Und wenn du sie einfach kaufen willst (je PDF, CHF 14.90): ingag.de/impfzwang und ingag.de/oidtmann
Die Naturheilkunde-KI
Neben dem Schreiben baue ich eine KI, die Gesundheitsfragen aus den Standardwerken der Erfahrungsheilkunde beantwortet — Jahrhunderte gesammelter und an Patienten geprüfter Erfahrung, mit Quellenangabe zu jedem Punkt. Die erste Frage ist kostenlos: start.naturheilung.org
Zurzeit arbeite ich an einem Werkzeug für Arztpraxen: Es ersetzt in ganzen Patientenakten Namen, Geburtsdaten, Adressen und Nummern durch Platzhalter. So kann ein Arzt die Akte einem KI-Agenten übergeben und mit ihm den Fall durchsprechen, ohne preiszugeben, wer der Patient ist. Für den Beta-Test habe ich noch Plätze frei — wenn du Ärztin oder Arzt bist und dabei sein willst, antworte einfach auf diese Mail oder schreib an mail@andreas-gross.ch. Bitte schick dabei noch keine Patientendaten mit.
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