Vierter Teil der Blutdruck-Serie. Im ersten Teil ging es um den MaĂstab, im zweiten um die Beweise, im dritten um die vier Ursachen. Die zweite dieser vier Ursachen war das Salz â und sie bekommt hier ihren eigenen Teil. Danach weiĂt du, warum der meistgegebene ErnĂ€hrungsrat der letzten vierzig Jahre fĂŒr einen GroĂteil derer, die ihn befolgen, nicht bloĂ wirkungslos ist, sondern schĂ€dlich â und was stattdessen zu tun ist, fĂŒr ein paar EURO, ohne auf salzigen Geschmack zu verzichten.
Es gibt in dieser ganzen Serie eine MaĂnahme, die etwas hat, was die âbesten Blutdrucktablettenâ bis heute nicht haben: einen Nachweis an harten Erfolgen, in einer Studie, die bis zum Schluss gelaufen ist. Weniger SchlaganfĂ€lle. Weniger Tote. Nicht weniger Millimeter auf einem Blutdruck-Display â weniger Tote!
Sie kostet ein paar EURO und steht in keiner Àrztlichen Behandlungsleitlinie.
Und damit gleich der Zaun, bevor jemand in die falsche Richtung loslĂ€uft: Es geht hier nicht darum, weniger zu salzen. Genau das ist der Fehler, um den es geht. Es geht auch nicht um ein Wundermittel und nicht um ein NahrungsergĂ€nzungsmittel â es geht um den Streuer auf deinem Tisch und darum, was drin ist. Und es gibt drei Gruppen von Menschen, fĂŒr die das nicht gilt; die stehen am Schluss, und dieser Schluss ist kein Kleingedrucktes.
Wenn du aus dieser ganzen Serie nur einen einzigen Handgriff mitnimmst, dann diesen.
Was Finnland tatsÀchlich getan hat
Finnland gilt als der Modellfall, und das zu Recht.
In den 1970er Jahren hatte Finnland noch die höchste Herzinfarktsterblichkeit der Welt. In den dreiĂig Jahren danach sank der durchschnittliche Salzverzehr um ein Drittel, der Blutdruck der Bevölkerung um mehr als 10 mmHg â und die Sterblichkeit an Schlaganfall und Herzkrankheit um 75 bis 80 Prozent [Quelle: Karppanen & Mervaala, Progress in Cardiovascular Diseases 2006 â Sodium Intake and Hypertension].
Getragen wurde das von mehreren Dingen zugleich: AufklĂ€rung, Umstellung der Rezepturen in der Lebensmittelindustrie â und der breiten EinfĂŒhrung eines Mineralsalzes, bei dem ein Teil des Natriums durch Kalium und Magnesium ersetzt ist: Das sogenannte Pansalz.
Und damit gleich der ehrliche Einwand, bevor ihn jemand anders erhebt: In denselben dreiĂig Jahren ging in Finnland auch das Rauchen stark zurĂŒck, und die Blutfette sanken, weil weniger tierisches Fett gegessen wurde. Wer die 75 Prozent allein dem Salz zuschreibt, rechnet sich die Sache schön â herausrechnen lĂ€sst sich der Salzanteil aus dieser Entwicklung nicht. Genau deshalb steht der nĂ€chste Abschnitt in diesem Artikel. Dort Ă€ndert sich nur eine einzige Sache, und alles andere bleibt, wie es war.
Dieses Salz hat eine Vorgeschichte. Der Helsinkier Pharmakologe Heikki Karppanen untersuchte in den 1970er Jahren, warum ausgerechnet in Nordkarelien so viele Menschen frĂŒh an Herzinfarkt starben, und stieĂ dabei auf den Mineralstoffgehalt der Böden. 1977 ersetzte er einen Teil des Kochsalzes durch Kaliumchlorid und Magnesiumsulfat. Daraus wurde das Mineralsalz Pansalz, zuerst in Finnland verkauft, spĂ€ter auch in Japan. Die Handelsmischung ersetzt gut vierzig Prozent des Kochsalzes: rund 28 Prozent Kaliumchlorid, 12 Prozent Magnesiumsulfat und 2 Prozent Lysin, eine AminosĂ€ure, die den bitteren Beigeschmack des Kaliums lindert [Quelle zur Zusammensetzung: Katz et al., Journal of Human Hypertension 1999].
Dass es ausgerechnet Finnland und Japan sind, in denen dieses Salz auf den Markt kam, ist kein Zufall: Es sind genau die beiden LĂ€nder, fĂŒr die die gröĂten Salzsenkungen einer ganzen Bevölkerung dokumentiert sind.
Verpflichtend war dieses Salz allerdings nie â weder in Finnland noch sonstwo. Was Finnland stattdessen per Gesetz getan hat, ist fast interessanter.
Seit dem 1. Juni 1993 gilt dort eine Kennzeichnungspflicht fĂŒr Salz. Der Salzgehalt muss auf der Lebensmittel-Packung stehen. Und wer ĂŒber einer festgelegten Grenze liegt, muss sein Produkt als stark gesalzen kennzeichnen â bei Brot ab 1,3 Prozent, bei Wurst ab 1,8, bei KĂ€se ab 1,4, bei Butter ab 2,0, bei FrĂŒhstĂŒcksflocken und KnĂ€ckebrot ab 1,7 Prozent [Quelle: Pietinen et al., Public Health Nutrition 2008 â Labelling the salt content in foods].
Was dann geschah, ist die eigentliche Pointe. Die stark gesalzenen Brote verschwanden aus den Regalen â nicht weil sie verboten worden wĂ€ren, sondern weil kein BĂ€cker das Warnschild auf seiner Packung haben wollte. Die Industrie senkte den Salzgehalt bei Brot, Fleischwaren, KĂ€se und Fertiggerichten um zwanzig bis fĂŒnfundzwanzig Prozent. Finnland hat damit die gröĂte Salzsenkung erreicht, die fĂŒr ein ganzes Land dokumentiert ist: rund vier Gramm am Tag [Quelle: Hyseni et al., PLoS One 2017 â Systematic review of dietary salt reduction policies].
Halte das einen Moment neben alles, was im zweiten Teil stand. Der finnische Staat hat den Menschen keine Tablette gegeben. Er hat ihnen die Zahl gegeben â und der Markt hat sich innerhalb weniger Jahre selbst umgebaut.
Was in China gemessen wurde
In sechshundert chinesischen Dörfern bekam die eine HĂ€lfte der Haushalte weiterhin normales Kochsalz. Die andere HĂ€lfte bekam ein Salz, in dem ein Viertel des Natriumchlorids durch Kaliumchlorid ersetzt war. Sonst Ă€nderte sich nichts. Keine Tablette, keine DiĂ€t, kein Sportprogramm â nur der Streuer auf dem Tisch.
Fast 21â000 Menschen, im Schnitt 65 Jahre alt, die meisten mit Schlaganfall in der Vorgeschichte. Beobachtet wurde fast fĂŒnf Jahre lang â bis zum Ende, nicht bis zum gĂŒnstigen Moment. Was dabei herauskam:
SchlaganfÀlle: 29,1 gegen 33,7
Schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse: 49,1 gegen 56,3
TodesfÀlle jeder Ursache: 39,3 gegen 44,6
Die Zahlen sind FĂ€lle je tausend Personenjahre â also: Wenn tausend Menschen ein Jahr lang beobachtet werden, kamen im Ersatzsalz-Gebiet 39,3 TodesfĂ€lle zusammen, im Kochsalz-Gebiet 44,6. Auf jeden Streuer, der gewechselt wurde, entfĂ€llt davon ein winziger Bruchteil. Auf ein Land gerechnet sind es Zehntausende.
Alle drei Unterschiede sind statistisch gesichert [Quelle: Neal et al., New England Journal of Medicine 2021 â Effect of Salt Substitution on Cardiovascular Events and Death (SSaSS)].
Lies die dritte Zeile noch einmal. Weniger Tote â nur durch das Auswechseln des Salzstreuers.
Und jetzt lege das neben den zweiten Teil dieser Serie. Dort ging es um eine Studie, die eine viel schĂ€rfere Behandlung mit mehreren Medikamenten gegen eine mildere Behandlung antreten lieĂ, die nach 3,26 Jahren beendet wurde und deren Ăberlebensvorteil nach neun Jahren nicht mehr nachweisbar war. Hier lĂ€uft eine Studie fast fĂŒnf Jahre bis zum Schluss, vergleicht gegen das, was die Leute vorher taten, und findet weniger Tote.
Die amerikanische kennt jeder Arzt. Die chinesische kennt kaum jemand.
Die eine bringt Milliarden in die Kasse von Big Pharma. Die andere kostet ein paar EURO im Jahr.
Die eine bringt eine Nebenwirkungstabelle mit. Die andere hat eine einzige Gefahr, und die betrifft drei klar benennbare Gruppen â sie stehen weiter unten.
Ein Einwand dazu, bevor ihn jemand anders erhebt: Die beiden Studien stellen nicht dieselbe Frage. Die eine prĂŒft Medikamente gegen ein Blutdruckziel, die andere ein Ersatzsalz bei Menschen mit Schlaganfall in der Vorgeschichte. Ich vergleiche hier auch nicht die Ergebnisse miteinander, sondern die Machart: wie lange man die Menschen beobachtet hat, wann man aufgehört hat zu zĂ€hlen, und was am Ende gezĂ€hlt wurde.
Die Zusammenfassung aller Studien dazu â 26 Untersuchungen mit knapp 35â000 Erwachsenen â kommt auf eine Senkung von im Mittel 4,8 mmHg beim oberen und 2,4 mmHg beim unteren Wert [Quelle: Brand et al., Cochrane Database of Systematic Reviews 2022 â Replacing salt with low-sodium salt substitutes]. Das ist nicht mehr und nicht weniger, was ein einzelnes Blutdruckmedikament leisten kann â aus der KĂŒche, ohne Rezept, ohne Nebenwirkungstabelle, ohne nennenswerte Kosten.
Wie man es sich selbst mischt
Das VerhÀltnis ist einfach:
auf 500 g Salz als Grundlage â möglichst jodiert, siehe den Hinweis darunter
200 g Kaliumchlorid
100 g Magnesiumsulfat (= Bittersalz) Falls Du jetzt stutzt, weil Bittersalz das AbfĂŒhrmittel aus der Apotheke ist: Das stimmt, aber es kommt auf die Menge an. AbfĂŒhrend wirkt es ab etwa zehn Gramm auf einmal. Ăber die Salzmischung kommen am Tag nur 0,6 Gramm zusammen â ein Sechzehntel davon.
20 g Lysinhydrochlorid â optional; verbessert die StreufĂ€higkeit und lindert die Bitterkeit des Kaliums. Lysin ist eine AminosĂ€ure, also ein EiweiĂbaustein, wie er in jedem StĂŒck Fleisch steckt â nichts Exotisches.
Gut durchmischen, in den Streuer, fertig.
Vorher aber bitte den Abschnitt âWer das nicht tun darfâ weiter unten lesen. Er ist kurz, und er entscheidet fĂŒr drei Gruppen von Menschen darĂŒber, ob dieser Handgriff gut fĂŒr sie ist oder gefĂ€hrlich. Die Zutaten gibt es in der Apotheke oder gĂŒnstiger im Online-Handel: LebensmittelqualitĂ€t; ein Kilo kostet wenige EURO und hĂ€lt Jahre.
Zwei praktische Hinweise dazu:
Nimm ein gutes Salz als Grundlage. Ein unraffiniertes Meersalz oder graues Steinsalz schmeckt voller als feines Siedesalz; meine Frau und ich machen das seit Jahren so. Welche Sorte es ist, entscheidet allerdings weniger, als die Werbung verspricht â der nĂ€chste Punkt wiegt schwerer.
Die Jodfrage â bitte nicht ĂŒberlesen. Meersalz und Steinsalz enthalten praktisch kein Jod. Im Meerwasser steckt es als Jodid, und das verflĂŒchtigt sich beim Trocknen in der Sonne, bevor das Salz im Beutel landet [Quelle: Arbeitskreis Jodmangel â Meersalz: geringer Jodgehalt, ErnĂ€hrungs Umschau]. Wer auf selbst gemischtes Salz umstellt und dafĂŒr Meer- oder Steinsalz nimmt, schneidet sich also unbemerkt die wichtigste Jodquelle ab, die er hatte â und Deutschland gilt seit 2022 nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation wieder als Jodmangelgebiet [Quelle: Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung â Jodversorgung in Deutschland wieder rĂŒcklĂ€ufig]. Deshalb: jodiertes Salz als Grundlage nehmen. Es gibt jodiertes Meersalz, das beides zugleich ist. Jodsalz ist nichts, was man meiden mĂŒsste â es ist der Grund, warum der Kropf bei uns aus den Dörfern verschwunden ist. Wer eine SchilddrĂŒsenerkrankung hat, bespricht die Jodmenge mit demjenigen, der seine Werte kennt.
Kaliumchlorid schmeckt fĂŒr sich allein leicht bitter. Viele stört es gar nicht. In der Mischung 2.5:1 fĂ€llt das kaum auf, in Suppen und SoĂen gar nicht. Die finnischen Fertigmischungen setzen deshalb noch Magnesium und die AminosĂ€ure Lysinhydrochlorid zu, die den Beigeschmack abdeckt. Wer empfindlich ist, fĂ€ngt mit 4:1 an und geht langsam auf 2.5:1 runter.
Der hÀufigste Fehler: einfach weniger salzen
Und jetzt die Sache, die ich am liebsten in jede Praxis hĂ€ngen wĂŒrde.
Fast jeder Blutdruckpatient hat irgendwann gehört, er solle Salz meiden. Wer das ernst nimmt â und viele nehmen es sehr ernst â kocht ab da ungesalzen, meidet Brot und KĂ€se und wundert sich, dass es ihm nicht besser geht. Weniger salzen ist nicht dasselbe wie das, worum es hier geht. Und es hat einen Preis, den kaum jemand nennt.
Die Cochrane Collaboration hat 195 Studien zu genau dieser Frage ausgewertet â was passiert, wenn Menschen ihre Salzzufuhr auf das offiziell empfohlene MaĂ senken. Beim Blutdruck kommt heraus, was man ungefĂ€hr erwartet: Bei Menschen mit Bluthochdruck fĂ€llt der obere Wert um gut 5 mmHg. Bei Menschen mit normalem Blutdruck um 1,1 mmHg â also praktisch nichts.
Und dann steht in derselben Auswertung, was der Körper dabei tut, um gegenzusteuern. Bei Salzentzug:
steigen Renin und Aldosteron â die beiden Hormone, mit denen die Niere Salz und Wasser zurĂŒckhĂ€lt
steigen Noradrenalin und Adrenalin â die Stresshormone, die GefĂ€Ăe eng stellen und den Puls treiben
steigen Cholesterin um rund 5 mg/dl und die Triglyzeride um rund 7 mg/dl
Alles davon mit hoher Aussagesicherheit belegt. Und dann der Satz der Autoren, den man zweimal lesen sollte:
Die Wirkungen der Salzsenkung auf die möglichen Nebenwirkungen â Hormone und Blutfette â waren bestĂ€ndiger als die Wirkung auf den Blutdruck, besonders bei Menschen mit normalem Blutdruck.
[Quelle: Graudal et al., Cochrane Database of Systematic Reviews 2020 â Effects of low-sodium diet versus high-sodium diet on blood pressure, renin, aldosterone, catecholamines, cholesterol, and triglyceride. Die Autoren erklĂ€ren ausdrĂŒcklich, dass keiner von ihnen Verbindungen zur Lebensmittel- oder Salzindustrie hat.]
Das ist dasselbe Muster wie im zweiten Teil dieser Serie, nur an einer anderen Stelle: Die erwĂŒnschte Wirkung ist klein und schwankend, die unerwĂŒnschte ist gesichert â und nur die erwĂŒnschte steht auf dem Empfehlungsschreiben.
Dazu kommt etwas, das gerade Ă€ltere Menschen trifft. Wer ein entwĂ€sserndes Mittel aus der Thiazid-Gruppe nimmt â das ist in vielen Blutdruck-KombinationsprĂ€paraten drin â und gleichzeitig strikt salzarm isst, kann seinen Natriumspiegel im Blut zu weit absenken. Das Ă€uĂert sich als MĂŒdigkeit, Verwirrtheit, Gangunsicherheit und StĂŒrze; bei alten Menschen wird es regelmĂ€Ăig fĂŒr beginnende Demenz gehalten, ist aber oft nur Salzmangel [Quelle: Liamis et al., Journal of Geriatric Cardiology 2016 â Thiazide-associated hyponatremia in the elderly].
Und die gröĂte Untersuchung zur Sterblichkeit zeigt keine gerade Linie, sondern eine Wanne: Sowohl sehr hohe als auch sehr niedrige Natriumausscheidung gehen mit mehr TodesfĂ€llen einher. Eine hohe Kaliumausscheidung dagegen mit weniger â das ist die PURE-Studie, die im dritten Teil als zweite der vier Ursachen stand.
Deshalb noch einmal in einem Satz, und das ist der Kern dieses ganzen Kapitels:
Der Hebel ist nicht die Salzmenge. Der Hebel ist das VerhĂ€ltnis von Kalium zu Natrium â und man verschiebt es nicht, indem man das Natrium wegnimmt, sondern indem man Kalium dazugibt.
Genau das tut das Pansalz. Es senkt das Natrium und hebt das Kalium im selben Handgriff, ohne dass jemand seine Essgewohnheiten umstellen oder auf Geschmack verzichten mĂŒsste. Deshalb funktioniert es dort, wo vierzig Jahre gut gemeinter RatschlĂ€ge nichts bewirkt haben.
Und deshalb ist der Ă€rztliche Rat âmeiden Sie Salzâ nicht nur unvollstĂ€ndig. FĂŒr einen GroĂteil der Menschen, die ihn befolgen, ist er schĂ€dlich.
Wer das nicht tun darf
Und jetzt der Teil, den ich dir nicht ersparen kann, weil es Ausnahmen von der Regel gibt.
Kalium ist kein harmloses GewĂŒrz. Wer zu viel davon im Blut hat, bekommt Herzrhythmusstörungen, und die können tödlich sein. Der Körper reguliert das normalerweise mĂŒhelos ĂŒber die Niere â aber eben nur, solange die Niere und die Medikamente mitspielen.
Die chinesische Studie hat drei Gruppen von vornherein ausgeschlossen, und diese drei Gruppen stehen wörtlich in ihrem PrĂŒfplan:
Wer ein kaliumsparendes EntwÀsserungsmittel nimmt
Wer ohnehin schon KaliumprÀparate einnimmt
Wer eine ernsthafte NierenschwÀche hat
Und weil diese drei Gruppen klein sind, die vierte aber groĂ, steht sie hier gleich mit dazu, auch wenn die Studie sie nicht ausgeschlossen hat:
Wer ein Mittel mit der Endung -pril oder -sartan nimmt â oder Spironolacton. Das sind die meistverordneten Blutdruckmittel ĂŒberhaupt, und sie halten Kalium im Körper zurĂŒck. Ausgeschlossen bist du damit nicht â aber du gehörst zu denen, die vorher einmal ihren Kaliumwert kennen sollten.
Die 26 Studien der Cochrane-Auswertung ziehen dieselbe Grenze.
Dieselbe Grenze zieht auch die Weltgesundheitsorganisation. Sie hat am 27. Januar 2025 ihre erste weltweite Empfehlung zu kaliumhaltigem Ersatzsalz herausgegeben und rĂ€t Erwachsenen ausdrĂŒcklich dazu, normales Tafelsalz durch ein solches zu ersetzen â mit genau drei Ausnahmen: nicht bei eingeschrĂ€nkter Nierenfunktion oder anderen ZustĂ€nden, die die Kaliumausscheidung stören, nicht fĂŒr Kinder, nicht in der Schwangerschaft [Quelle: WHO, Use of lower-sodium salt substitutes â WHO guideline, 2025].
Merke dir die Reihenfolge dieser beiden AbsĂ€tze. Das Pansalz ist keine AuĂenseitermeinung â es steht seit 2025 in einer WHO-Leitlinie. Aber es ist eben auch nicht fĂŒr jeden.
Und jetzt die Zahl, die zu dieser Warnung dazugehört, weil eine Warnung ohne GröĂenordnung nur Angst macht. Die chinesische Studie hat das zu hohe Kalium ausdrĂŒcklich als Sicherheitsziel mitgemessen. Ergebnis nach fast fĂŒnf Jahren und 21â000 Teilnehmern: 3,35 Ereignisse je tausend Personenjahre mit dem Ersatzsalz gegen 3,30 mit normalem Kochsalz â kein nachweisbarer Unterschied. Die Cochrane-Auswertung kommt auf vier zusĂ€tzliche FĂ€lle je 100â000 Menschen, und auch dieser Wert lĂ€sst sich statistisch nicht von null unterscheiden.
Diese Zahlen gelten allerdings nur fĂŒr die, die nicht zu den drei Gruppen oben gehören. Alle 26 Studien haben Menschen mit NierenschwĂ€che oder kaliumsparender Medikation von vornherein ausgeschlossen. Die Zahlen sagen also nichts darĂŒber, was bei ihnen geschieht â sie sagen etwas ĂŒber alle anderen. Und fĂŒr alle anderen sagen sie: Die Gefahr ist real, aber sie ist klein und sie ist vorhersehbar.
Das ist keine Absicherungsfloskel. Es ist derselbe Gedanke, der durch diese ganze Serie lĂ€uft: Erst die Zahl, dann die MaĂnahme. Ein Kaliumwert aus dem Blutbild kostet fast nichts und beantwortet die Frage in einer Woche.
Was von diesem Teil bleibt
Vierzig Jahre lang lautete der Rat: weniger Salz. Er hat bei Menschen mit normalem Blutdruck gut einen Millimeter bewegt und dabei verlĂ€sslich die Stresshormone, das Renin, das Aldosteron und die Blutfette angehoben. Die erwĂŒnschte Wirkung war klein und schwankend, die unerwĂŒnschte war bestĂ€ndig â und nur die erwĂŒnschte stand auf dem Empfehlungsschreiben.
Der Hebel war nie die Menge. Er war das VerhÀltnis. Und man verschiebt es nicht, indem man das Natrium wegnimmt, sondern indem man Kalium dazugibt.
Das ist der ganze Unterschied zwischen einem Rat, der vierzig Jahre lang nichts bewirkt hat, und einem Handgriff, nach dem in sechshundert chinesischen Dörfern weniger Menschen gestorben sind. Er dauert nur die Zeit, die man braucht, um einen Salzstreuer neu zu befĂŒllen.
Und weil die Frage unvermeidlich kommt, warum das dann nicht ĂŒberall empfohlen wird: Ein Salz lĂ€sst sich nicht patentieren. Es gibt keinen Hersteller, der dafĂŒr einen AuĂendienst durch die Praxen schickt, kein PrĂ€parat, fĂŒr das sich eine Zulassung lohnt, und keinen Konzern, der Studien dazu bezahlt. Die chinesische Untersuchung wurde vom australischen Forschungsrat finanziert, also aus öffentlichem Geld. Wo niemand verdient, wirbt auch niemand. Das ist keine Verschwörung, sondern schlichte Betriebswirtschaft â sie erklĂ€rt nur eben, warum ein Handgriff, nach dem weniger Menschen sterben, vierzig Jahre lang in keiner Sprechstunde vorkam.
Damit es keine MissverstĂ€ndnisse gibt: Das hier ersetzt keine laufende Behandlung und wird auch nicht gegen sie ausgespielt. Wer Tabletten nimmt, setzt sie deswegen nicht ab. Er wechselt den Streuer, misst weiter â und legt seine Messreihe dann demjenigen vor, der die Verordnung geschrieben hat.
Denn ob es bei dir wirkt, siehst du nicht am GefĂŒhl. Du siehst es an dieser Messreihe â und wie sie entsteht, ohne dass dich das MessgerĂ€t selbst in die Irre fĂŒhrt, steht im nĂ€chsten Teil.
Das Buchgeschenk fĂŒr Stammleser
Dieser Teil handelt von einem Handgriff, der ein paar EURO kostet, kein Rezept braucht und trotzdem die GefĂ€Ăe erreicht. Es gibt einen zweiten dieser Art, und darum geht es in meinem aktuellen Willkommensbuch: âInfrarot-Therapieâ.
Infrarot ist die WĂ€rme, die nicht auf der Haut liegen bleibt, sondern in die Tiefe geht â sie weitet die kleinen GefĂ€Ăe und verbessert die Durchblutung dort, wo sie stockt. Das Buch erklĂ€rt, was dabei im Gewebe geschieht, welche Anwendungen sich zu Hause umsetzen lassen, worauf man beim GerĂ€t achtet und wo die Grenzen liegen. Im Shop kostet es CHF 14.90: https://ingag.de/ir-therapie
Und weil dieser Teil vom Blutdruck handelt, gleich der Zaun dazu: Infrarot ist kein Blutdruckmittel und wird in diesem Buch auch nicht als eines verkauft. Es geht um Durchblutung und WÀrme, nicht um Millimeter QuecksilbersÀule. Wer beides durcheinanderbringt, hat vom einen zu viel und vom anderen zu wenig erwartet.
Stammleser bekommen dieses Buch unten gratis â mit einem Code, der den Preis im Shop auf null setzt. Wer noch kein Stammleser ist: Ein Abo kostet weniger als das Buch, und alle vier Wochen kommt ein neues dazu.
Die Naturheilkunde-KI
Neben dem Forschen und Schreiben ĂŒber unterdrĂŒckte Wahrheiten helfe ich eine KI zu betreiben, die Gesundheitsfragen auf der Basis der fĂŒhrenden Literatur der Natur- und Erfahrungsheilkunde beantwortet â mit Quellenangabe zu jeder Antwort, also eine KI ohne Halluzination und mit optimalen Datenschutz: Deine Personendaten geraten nicht in die Cloud. Die erste Frage ist kostenlos: start.naturheilung.org


