Andreas M. B. Groß

Gesundheit & Naturheilkunde

đŸ©ž Blutdruck 130 = krank, 129 = gesund

aber das MessgerÀt darf um 8 mmHg danebenliegen

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Andreas M. B. Groß
Aug. 29, 2026
∙ Bezahlt

FĂŒnfter Teil der Blutdruck-Serie. Im ersten Teil ging es um den Maßstab, im zweiten um die Beweise, im dritten um die Ursachen, im vierten um das Salz. Hier geht es um die Zahl selbst — die eine, an der ĂŒber dich entschieden wird. Danach weißt du, warum ein Viertel bis ein Drittel der Blutdruck-Diagnosen im Grenzbereich vor allem dort entsteht, wo gemessen wird, warum eine einzelne Messung in einer Arztpraxis die schlechteste denkbare Grundlage fĂŒr eine Entscheidung ist, die zwanzig Jahre Tabletten bedeutet, wie du in zwei Wochen zu einer eigenen Messreihe kommst, die vor Gericht deines eigenen Urteils Bestand hat — und was gilt, wenn du irgendwann absetzen willst.

Die Krankheitsgrenze liegt bei 130 — so die amerikanische Leitlinie von 2017, an der sich der erste Teil dieser Serie abgearbeitet hat; Europa zieht sie bei 140, mit derselben Punktgenauigkeit. “Bei 129 bist du gesund, bei 130 bist du Patient.” Die Linie ist auf einen einzigen Punkt genau gezogen.

Das MessgerĂ€t, mit dem sie geprĂŒft wird, darf laut dem internationalen Zulassungsstandard um acht Punkte streuen — und gilt damit als geprĂŒft und fĂŒr den klinischen Gebrauch empfohlen.

Die Grenze ist achtmal feiner gezogen, als das Instrument zuverlĂ€ssig unterscheiden kann, mit dem sie gemessen wird. Dieser Teil handelt davon, was daraus folgt, und vor allem davon, was du dagegen tun kannst — denn es gibt etwas, und es kostet nichts.

Ein Wort zur Einordnung, damit hier niemand in die falsche Richtung abbiegt: Das ist kein Argument gegen das Messen. Es ist das Argument fĂŒr die Reihe. Wer aus diesem Teil mitnimmt, dass Blutdruckmessen sinnlos sei, hat das Gegenteil dessen verstanden, was hier vermittelt wird.

Das ist der Teil dieser Serie, den ich fĂŒr den wichtigsten halte, und er kostet nichts. Fast alle Blutdruck-Entscheidungen fallen auf der Grundlage von zwei Messungen in einer Arztpraxis — mit Anfahrt, Wartezimmer, Anspannung und einem oft autoritĂ€ren Menschen im weißen Kittel, der die Manschette anlegt. Das ist die schlechteste denkbare Datenlage fĂŒr eine Entscheidung, die zwanzig Jahre Tabletten bedeutet.

Und dafĂŒr gibt es einen eigenen Fachbegriff, den erstaunlich wenige Patienten kennen: die Weißkittel-Hypertonie. Gemeint ist ein Blutdruck, der in der Praxis erhöht ist und im eigenen Leben normal. Das ist keine Randerscheinung und keine Einbildung, sondern ein etablierter, gut untersuchter Befund: Je nach Definition und untersuchter Gruppe betrifft er 15 bis ĂŒber 50 Prozent aller Menschen mit leicht erhöhtem Praxiswert; in Bluthochdruck-Ambulanzen wird er meist mit 25 bis 30 Prozent angegeben [Quellen: Celis & Fagard, European Journal of Internal Medicine 2004 — White-coat hypertension: a clinical review, European Society of Cardiology — White-coat hypertension: not so innocent].

Lies diesen Satz noch einmal in Ruhe. Ein Viertel bis ein Drittel derer, die wegen eines leicht erhöhten Praxiswerts eine Blutdruck-Diagnose bekommen, hat den erhöhten Druck nur in der Arztpraxis, wo er sich messen lĂ€sst. Die Anspannung, die der Termin selbst erzeugt, wird zur Krankheit erklĂ€rt, die er auslöst — und dann dauerhaft behandelt. Wer schon Tabletten nimmt, nimmt sie wĂ€hrend der zwei Wochen weiter wie bisher — normale Heimwerte beweisen dann nicht, dass die Diagnose falsch war, sondern zeigen, wie gut die jetzige Dosis wirkt. Das ist die Grundlage fĂŒr das GesprĂ€ch ĂŒber weniger, nicht der Freibrief dafĂŒr.

Es gibt auch den umgekehrten Fall, die maskierte Hypertonie: in der Praxis unauffĂ€llig, im Alltag erhöht. Genau deshalb hilft nur eines, und zwar in beiden Richtungen: selbst messen, ĂŒber Tage, in deinem eigenen Leben.

Und das sage nicht nur ich. Die europĂ€ische Leitlinie von 2024 empfiehlt in ihrer höchsten Stufe, die Diagnose durch Messungen außerhalb der Praxis zu stellen — Heimmessung oder 24-Stunden-Messung — und lĂ€sst wiederholte Praxismessungen nur dort gelten, wo das nicht verfĂŒgbar ist. Die britische Leitlinie geht noch weiter: Bei einem Praxiswert zwischen 140/90 und 180/120 ist eine 24-Stunden-Messung anzubieten, um die Diagnose zu bestĂ€tigen, ersatzweise die Heimmessung [Quellen: 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension, European Heart Journal, NICE-Leitlinie NG136, Empfehlungen 1.2.3 und 1.2.4]. Wer nach einer einzigen Praxismessung eine Tablette verschrieben bekommt, wird also nicht nach Leitlinie behandelt — und darf auf die BestĂ€tigung außerhalb der Praxis bestehen, mit der Leitlinie in der Hand.

Eines vorweg, und das ist die einzige Stelle in diesem Artikel, an der ich dich bitte, nicht abzuwarten. Wenn dein oberer Wert bei etwa 180 oder darĂŒber liegt oder dein unterer bei etwa 120 oder darĂŒber, und gleichzeitig Beschwerden dazukommen — starke Kopfschmerzen, Sehstörungen, Brustschmerz, Luftnot, Sprach- oder GefĂŒhlsstörungen, Verwirrtheit —, dann ist das kein Fall fĂŒr eine Messreihe ĂŒber zwei Wochen. Das ist ein Fall fĂŒr den Notarzt, sofort. Brustschmerz, Sprach- oder Sehstörungen sind unabhĂ€ngig vom Messwert ein Fall fĂŒr den Notruf. So etwas ist selten, aber es kommt vor, und niemandem ist damit geholfen, dass er es aussitzt. Liegst du ohne Beschwerden wiederholt ĂŒber 180/120: fĂŒnf Minuten sitzen bleiben, noch einmal messen — bleibt es dabei, noch am selben Tag zum Arzt, nicht erst nach zwei Wochen. Alles Weitere in diesem Artikel gilt fĂŒr den ruhigen Fall, und das ist der weit hĂ€ufigere.

Nimm dir zwei Wochen. So:

  • Morgens gleich nach dem Aufwachen, vor dem FrĂŒhstĂŒck und vor den Medikamenten, abends vor dem Schlafengehen. Zwei Messungen pro Tag, immer zur gleichen Zeit. „Gleich nach dem Aufwachen“ heißt dabei: bevor der Tag losgeht, nicht unbedingt im Liegen — setz dich auf und lass die fĂŒnf Minuten Ruhe verstreichen, bevor du misst. Wer lieber liegen bleibt, findet weiter unten, was dabei zu beachten ist.

  • Vorher auf die Toilette — die Blasen-Geschichte aus dem dritten Teil gilt auch beim Arzt.

  • FĂŒnf Minuten ruhig sitzen, FĂŒĂŸe auf dem Boden, RĂŒcken angelehnt, nicht reden.

  • Am besten je zweimal mit einer Minute Abstand — oder mit der 3-fach-Funktion des GerĂ€ts; aufgeschrieben wird der Mittelwert.

  • Manschette auf Herzhöhe, richtige ManschettengrĂ¶ĂŸe — eine zu kleine Manschette am krĂ€ftigen Oberarm zeigt zu hohe Werte.

  • Beim ersten Mal beide Arme messen und danach immer den mit dem höheren Wert nehmen.

  • Jeden Wert aufschreiben, mit Datum und Uhrzeit. Papier reicht. Oder im GerĂ€t speichern.

Und jetzt der Punkt, den ich als Ingenieur (und studierter Messtechniker) nicht ĂŒbergehen kann und was den wenigsten Patienten vertraut ist: wie genau ist die Messung selbst?

Mach einmal diesen Versuch. Miss dreimal hintereinander, jeweils ein, zwei Minuten Abstand, ohne sonst irgendetwas zu Ă€ndern. Du wirst Werte sehen, die um fĂŒnf, zehn, manchmal mehr Punkte auseinanderliegen. Das ist kein defektes GerĂ€t. Das ist der Normalfall, und er ist im PrĂŒfstandard ausdrĂŒcklich vorgesehen. Der Blutdruck schwankt halt binnen Minuten um 10 bis 20 Punkte, in unruhigen Stunden deutlich mehr!

Die Studien dazu gibt es; ich habe es lieber selbst nachgemessen. Am 4. September 2025 habe ich mich mittags an meinen Schreibtisch gesetzt und achtzig Minuten lang alle zwei, drei Minuten gemessen — dieselbe Person, derselbe Stuhl, dasselbe GerĂ€t, dazwischen nichts als Stillsitzen. Es sind die Werte meines damaligen OMRON-GerĂ€ts, vom Display abfotografiert — warum abfotografiert, dazu gleich. So sah das aus:

Achtundzwanzig Messungen in achtzig Minuten, der obere Wert zwischen 146 und 190 — 44 Punkte. Zwischen 12:32 und 12:33 Uhr, in einer einzigen Minute, liegen 21 Punkte. Zwei weitere Messungen aus derselben Stunde habe ich aus dem Bild gelassen, weil das GerĂ€t Werte anzeigte, die es bei mir nicht geben kann: um 12:46 Uhr 226 / 177, um 13:28 Uhr 84 / 59. Auch das gehört zum Bild: Ein einzelner Wert kann nicht nur streuen, er kann schlicht falsch sein — und niemand sieht es ihm an.

Je nachdem, welche Minute dieser Stunde ein Arzt erwischt hĂ€tte, wĂ€re ich mit 146 ein Fall zum Beobachten gewesen oder mit 190 ein Fall fĂŒr die Notaufnahme. Derselbe Mensch, auf demselben Stuhl, eine Dreiviertelstunde auseinander. Damit das nicht falsch ankommt: Keiner dieser Werte ist gesund, und die Reihe zeigt nicht, dass 190 harmlos wĂ€re — sie zeigt, dass eine einzelne Zahl nichts entscheidet. Von diesen 44 Punkten kann das GerĂ€t nach PrĂŒfstandard nur einen Teil verantworten, ein weiterer Teil geht auf das dichte Aufpumpen selbst; der Rest ist mein Körper. Deshalb hilft kein teureres GerĂ€t — nur der Mittelwert ĂŒber viele Messungen holt das Rauschen heraus.

Der internationale Standard, nach dem BlutdruckmessgerĂ€te zugelassen werden, verlangt zweierlei: Die mittlere Abweichung vom Referenzverfahren (der klassischen Messung mit Stethoskop, gegen die jedes AutomatikgerĂ€t geprĂŒft wird) darf höchstens 5 mmHg betragen (Millimeter QuecksilbersĂ€ule — das sind die „Punkte“, von denen hier die Rede ist) — und die Streuung der Einzelmessungen darf bis zu 8 mmHg betragen. Damit gilt ein GerĂ€t als geprĂŒft und fĂŒr den klinischen Gebrauch empfohlen. In den Zulassungsstudien wird dieser Spielraum auch ausgeschöpft: 7,45 mmHg beim einen geprĂŒften GerĂ€t, 6,5 beim nĂ€chsten [Quellen: Validierung DBP-1333b nach ISO 81060-2, Validierung AVITA BPM82 nach dem AAMI/ESH/ISO-Standard].

Was das heißt, ist unangenehm einfach. Bei einer Streuung von 8 mmHg — so nennt die Statistik das Maß, innerhalb dessen zwei Drittel aller Messungen liegen — liegt rund jede dritte Einzelmessung um mehr als acht Punkte daneben, und etwa jede zwanzigste um mehr als sechzehn. Das ist die Streuung im PrĂŒfvergleich — GerĂ€t, Referenzmessung und Körper zusammen, unter Laborbedingungen. Die Schwankung des Körpers von Minute zu Minute kommt im Alltag zu einem guten Teil noch hinzu — und dazu eine ganze Reihe von UmstĂ€nden, die den Wert verschieben, bevor ĂŒberhaupt jemand von Ungenauigkeit spricht.

Am besten messbar ist die Höhe der Manschette, denn das ist reine Physik. Blut ist eine FlĂŒssigkeit in einer SĂ€ule, und jeder Zentimeter Höhenunterschied zum Herzen verschiebt den angezeigten Wert um rund 0,8 mmHg. Zehn Zentimeter zu tief — der Arm liegt im Schoß statt auf dem Tisch — sind also acht Punkte. Genau so viel, wie das GerĂ€t ohnehin schon streuen darf. Und in dieser Richtung ist es auch gemessen worden — der Arm im Schoß liegt meist keine zehn Zentimeter tief: In einer randomisierten Untersuchung an 133 Menschen lag der obere Wert mit dem Arm im Schoß um 3,9 mmHg höher als mit dem Arm auf dem Tisch, mit seitlich herabhĂ€ngendem Arm um 6,5 mmHg. Die Autoren schreiben, das könne zu Fehldiagnosen fĂŒhren [Quelle: ARMS Crossover Randomized Clinical Trial, JAMA Internal Medicine 2024].

Und das ist nur ein Punkt auf einer lÀngeren Liste. Was den Wert sonst noch verschiebt:

  • Die Manschette — zu klein fĂŒr den Oberarm, ĂŒber dem Ärmel statt auf der Haut, zu locker oder zu stramm angelegt

  • Die Haltung — nicht angelehnter RĂŒcken, baumelnde FĂŒĂŸe, ĂŒbereinandergeschlagene Beine

  • Reden oder zuhören wĂ€hrend der Messung, auch nur eine kurze Frage beantworten

  • Eine volle Blase

  • Kaffee, Nikotin oder Alkohol in der halben Stunde davor

  • Keine Ruhepause — direkt nach dem Treppensteigen, nach der Anfahrt, nach einem Streit

  • KĂ€lte — kalte HĂ€nde, kĂŒhles Zimmer, kalte Manschette

  • Schmerzen jeder Art, auch solche, an die man sich gewöhnt hat, oder durch die Manschette

  • Eine schwere Mahlzeit kurz davor; bei Ă€lteren Menschen fĂ€llt der Druck danach manchmal deutlich ab

  • Schlechter Schlaf, Sorgen, Aufregung — der Sympathikus reagiert in Sekunden

  • Der weiße Kittel selbst, der hĂ€ufigste Faktor von allen

Die anerkannte Anleitung, wie richtig gemessen wird, fĂŒllt bei der amerikanischen Herzgesellschaft eine eigene Fachpublikation [Quelle: Muntner et al., Hypertension 2019 — Measurement of Blood Pressure in Humans]. In der Praxis, in zehn Minuten Sprechstundenzeit, wird sie selten eingehalten.

Diese Liste ist kein Argument gegen das Messen. Sie ist das Argument fĂŒr Reihenmessungen ĂŒber Wochen.

Und jetzt halte das neben die Grenze, um die diese ganze Serie kreist. 130 gilt als krank, 129 als gesund. Die Krankheitsgrenze ist auf einen einzigen Punkt genau gezogen — bei einem Messverfahren, das um acht Punkte streuen darf und trotzdem als geprĂŒft gilt. Die Linie ist achtmal feiner gezogen, als das MessgerĂ€t zuverlĂ€ssig unterscheiden kann.

Und dieses Rauschen fĂ€llt nicht zufĂ€llig. Der Ausreißer nach oben wird behandelt, der nach unten wird „noch einmal nachgemessen“. Eine Ein-Punkt-Linie ĂŒber einem Acht-Punkte-GerĂ€t erzeugt keine Genauigkeit, sondern Patienten — und wer Leitlinien schreibt, kennt den PrĂŒfstandard, nach dem die GerĂ€te zugelassen werden.

Genau deshalb entscheidet eine einzelne Messung nichts, und genau deshalb braucht es die Reihe. Nicht um sich schönzurechnen, sondern weil ein Mittelwert aus vielen Messungen der einzige Weg ist, das Rauschen aus der Zahl zu bekommen.

Mein GerĂ€t kann das ĂŒbrigens von sich aus: Halte ich beim Einschalten die Taste etwas lĂ€nger gedrĂŒckt, misst es dreimal hintereinander im Abstand von je zwei Minuten, zeigt die drei Einzelwerte kurz an und speichert nur den Mittelwert. Das ist praktikabel — man drĂŒckt einmal etwas lĂ€nger, sitzt sechs Minuten still und bekommt eine Zahl, die schon ein StĂŒck des Rauschens hinter sich hat. Viele OberarmgerĂ€te haben diese Funktion; sie steht in der Anleitung meist unter „Mittelwertmessung” oder „3-fach-Messung” und ist beim Kauf ein Kriterium wert.

Womit wir beim GerĂ€t wĂ€ren — denn daran hĂ€ngt mehr, als in den Testberichten steht. Als ich mir ein neues gekauft habe, hatte ich neben der Messgenauigkeit ein zweites Kriterium, das im Warentest nie vorkommt: Ich wollte meine Messreihe in meinen Computer ĂŒbernehmen, ohne sie dem Hersteller auszuliefern.

Ich schreibe das als jemand, der es durchprobiert hat. Mein vorheriges GerĂ€t war ein OMRON X7 Smart, Modell HEM-7361T — ein gutes, genaues MessgerĂ€t, das â€œĂŒberall als das Beste” empfohlen wird, daran liegt es nicht. Über hundert Messwerte lagen in seinem Speicher, und ich wollte sie als Tabelle auf meinem eigenen Rechner haben. Das ist, was ich im August 2025 vorgefunden und Schritt fĂŒr Schritt dokumentiert habe:

  • Die zugehörige App startete ohne Internetverbindung nicht. Sie verlangte schon beim ersten Öffnen eine Registrierung.

  • Bei dieser Registrierung wurde meine anonyme E-Mail-Adresse abgelehnt.

  • Auch nachdem die Kopplung ĂŒber Bluetooth funktionierte, zeigte die App die Messwerte nicht an, solange keine Verbindung zum Server des Herstellers bestand. Damit war auch der Export blockiert.

  • Ein quelloffenes Programm, das dieses GerĂ€t ohne die Hersteller-App ausliest, habe ich damals nicht gefunden. Beim bekanntesten Projekt dieser Art stand die Anfrage dazu seit Jahren offen, ohne umgesetzt zu sein, weil das Protokoll des GerĂ€ts nicht offengelegt ist. Inzwischen soll es ein solches Programm geben — allerdings nur ĂŒber Bluetooth, also ĂŒber Funk, den ich meide.

Das ist der Stand vom August 2025. Ob sich seither etwas geĂ€ndert hat, habe ich nicht erneut geprĂŒft.

Am Ende habe ich meine eigenen Werte vom Display abfotografiert und mit einer Texterkennung ausgelesen. Das war der einzige Weg, an hundert Zahlen zu kommen, die mein eigener Körper erzeugt und mein eigenes, bezahltes GerÀt gespeichert hatte.

Die Wirkung war eindeutig: Wer seine Messreihe haben wollte, legte zuvor ein Konto beim Hersteller an — E-Mail-Adresse und IP-Adresse inklusive — und lieferte die Gesundheitsdaten gleich mit.

Blutdruckwerte sind Gesundheitsdaten. Eine Messreihe ĂŒber Monate sagt etwas ĂŒber deine Krankheiten, deine Medikamente, deine schlechten NĂ€chte und darĂŒber, ob eine Behandlung anschlĂ€gt. Ich sehe nicht ein, warum ich das an eine Firma abgeben soll, nur um an meine eigenen Zahlen zu kommen. Verkaufen die Hersteller meine Blutdruckwerte samt Personendaten? Was OMRON mit den Daten macht, weiß ich nicht — und genau das ist der Punkt: Ich mĂŒsste es glauben, statt es zu wissen. Was die Branche damit macht, ist dagegen Aktenlage:

  • BeatmungsgerĂ€te gegen Schlafapnoe funken ihre Nutzungsdaten nachts an den Hersteller, der sie dem Versicherer liefert — und der entscheidet damit, ob er das GerĂ€t weiter bezahlt. Die Patienten erfuhren davon erst, als die Kasse die KostenĂŒbernahme strich [Quelle: ProPublica 2018 — You Snooze, You Lose].

  • Die US-Handelsaufsicht FTC hat 2023 zwei Gesundheits-Plattformen verurteilt, weil sie Gesundheitsdaten ihrer Nutzer an Facebook, Google und Werbevermittler weitergegeben hatten — GoodRx und BetterHelp [Quellen: FTC, Februar 2023 — GoodRx, FTC, MĂ€rz 2023 — BetterHelp].

Und was die Konstruktion sagt, weiß ich auch: Eine App, die ohne Konto beim Hersteller keine einzige Zahl anzeigt, ist nicht fĂŒr den Messenden gebaut, sondern fĂŒr die Datenbank dahinter.

Meine vier Bedingungen waren am Ende diese:

  • Oberarmmanschette und geprĂŒfte Messgenauigkeit. HandgelenkgerĂ€te messen unzuverlĂ€ssiger. Wer nur ein HandgelenkgerĂ€t hat, fĂ€ngt trotzdem heute an: Ellbogen auf den Tisch, Handgelenk auf Herzhöhe vor die Brust, immer gleich — die Reihe zĂ€hlt, das bessere GerĂ€t kann spĂ€ter kommen.

  • Speicher im GerĂ€t selbst, ohne Zwang zu einem Online-Konto.

  • Auslesen ĂŒber Kabel, nicht ĂŒber Funk — kein Bluetooth, kein WLAN.

  • Export in ein offenes Format, das sich in jede Tabellenkalkulation laden lĂ€sst.

Entschieden habe ich mich fĂŒr ein Visomat double comfort, ein solides OberarmgerĂ€t fĂŒr rund fĂŒnfzig Euro. Es speichert die Werte im GerĂ€t, gibt sie ĂŒber ein USB-Kabel heraus, und die Tabelle landet auf meinem eigenen Rechner — sonst nirgends. Ich verdiene “an dieser Werbung” nichts und stehe mit dem Hersteller in keiner Verbindung. Es ist schlicht eins der wenigen GerĂ€te, die meine vier Bedingungen erfĂŒllen.

Und darf man im Liegen messen? Die Frage kommt regelmĂ€ĂŸig, weil man morgens ohnehin schon liegt. Die Antwort ist: ja — solange du es immer gleich machst. FĂŒr die VerĂ€nderung ĂŒber zwei Wochen zĂ€hlt die Konstanz, nicht die Haltung.

Nur verschieben sich die Zahlen dabei, und zwar messbar. In einer schwedischen Untersuchung an 1’298 Menschen lagen die im Sitzen gemessenen Werte höher als die im Liegen: beim oberen Wert (systolisch) um 1,2 und beim unteren (diastolisch) um 4,2 mmHg [Quelle: Vara-Skövde-Kohorte, Medicine 2018 — Blutdruck im Sitzen gegen Liegen].

Was das anrichtet, steht in derselben Arbeit: Der Anteil der Untersuchten mit „hohem Blutdruck” betrug im Sitzen 19,9 Prozent, im Liegen 13,5 Prozent.

Lies das noch einmal. Ein Drittel der Hochdruck-Befunde verschwindet, wenn man im Liegen misst und den Sitz-Grenzwert daran anlegt. Nicht der Mensch Ă€ndert sich dabei — die Haltung, und mit ihr der Kreislauf. Der Unterschied sitzt vor allem im unteren Wert, und die Grenze bleibt die fĂŒr das Sitzen gezogene — genau darum geht es gleich. Es ist dieselbe Geschichte wie beim weißen Kittel und wie bei der Streuung des GerĂ€ts: Die Zahl, an der ĂŒber dich entschieden wird, hĂ€ngt an den UmstĂ€nden ihrer Entstehung.

Praktisch heißt das: Miss im Sitzen, wenn irgend möglich — dann sind deine Zahlen direkt mit den Grenzwerten vergleichbar. Wer wirklich nur im Liegen durchhĂ€lt — eine Reihe, die stattfindet, ist mehr wert als eine perfekte, die nach vier Tagen endet —, bestimmt seinen eigenen Versatz: mindestens eine Woche lang je einmal liegend und unmittelbar danach sitzend messen und die Differenz notieren. Dann weißt du, was deine Bettwerte im Sitzen bedeuten — und das musst du wissen, denn alle Grenzwerte, an denen dich jeder Arzt misst, sind Sitzwerte.

Nach zwei Wochen hast du achtundzwanzig Messungen statt zwei. Damit lĂ€sst sich reden — mit dir selbst, mit einem Therapeuten, und auch mit einem Arzt, der plötzlich ein anderes GesprĂ€ch fĂŒhrt, wenn ihm jemand eine Messreihe hinlegt. Der Satz dazu lautet: „Das sind meine Werte unter der jetzigen Medikation — passt die Dosis, oder können wir ĂŒber weniger reden?“ Schiebt er das Blatt beiseite, ohne es anzusehen, hast du deine Antwort ĂŒber diesen Arzt, nicht ĂŒber deinen Blutdruck — dann ist die zweite Meinung dran.

Und wenn du dann etwas verĂ€nderst — Arginin, Omega-3, das SalzverhĂ€ltnis aus den beiden Teilen davor, Schlaf, Bewegung —, dann miss weiter.

Und wenn ich absetzen will?

Absetzen ist ein eigener Vorgang mit eigenen Regeln, und die wichtigste lautet: nicht abrupt, und nicht blind. Betablocker vor allem nicht (erkennbar am Wirkstoffnamen auf „-olol“, etwa Metoprolol oder Bisoprolol) — der Wegfall schlĂ€gt zurĂŒck; warum, steht seit dem ersten Teil in jedem Teil. Der vernĂŒnftige Weg ist die schrittweise Reduktion mit der Messreihe in der Hand, wĂ€hrend die Ursachenarbeit schon lĂ€uft. Wie schnell diese Schritte gehen dĂŒrfen, hĂ€ngt am Wirkstoff und lĂ€sst sich nicht in einer Faustzahl sagen — es geht um Wochen, nicht um Tage.

Und ein Wort zur ZustĂ€ndigkeit, weil hier ein Denkfehler sitzt, den ich nicht mittrage. Dass ein Arzt etwas verschreibt, was der Patient gefĂ€lligst zu nehmen hat, und dass eine zweite Meinung daran nichts relativieren darf — das ist keine Medizin, das ist Anmaßung. Dein Körper gehört dir, und die Entscheidung, von einem Medikament wegzukommen, ist deine. Niemand muss sie dir genehmigen.

Was du brauchst, ist nicht die Erlaubnis, sondern die Kontrolle: jemanden, der den Wirkstoff kennt, die Schritte mit dir plant und die Messreihe nach jedem Schritt mit dir ansieht. Das kann der Hausarzt sein, wenn er zuhört. Es kann ein Naturheilarzt sein. Es kann ein erfahrener Heilpraktiker sein, den du damit beauftragst, dich beim Ausschleichen unter kontrollierten Bedingungen zu begleiten — er setzt nichts ab, das tust du; er sorgt dafĂŒr, dass es dir dabei nicht um die Ohren fliegt. Wer reduziert, soll wissen, was er tut, es dokumentieren und diese Person an der Seite haben. Ohne das ist es kein Ausschleichen, sondern ein Experiment.

Ich sage dabei ausdrĂŒcklich nicht „frag deinen Arzt“ als Fluchtsatz. Findest du in deiner Praxis niemanden, der deine Messreihe wirklich ansieht, statt nur den Praxiswert abzulesen, ist eine zweite Meinung kein Misstrauensvotum, sondern der Weg der Vernunft.

Und eine Regel gilt fĂŒr alles, was du an deiner Lebensweise verĂ€nderst — das SalzverhĂ€ltnis, Arginin, Omega-3, Schlaf, Bewegung: Gib ihm drei bis vier Wochen mit der Messreihe, und lass danach Nierenwerte und Kalium bestimmen — Kreatinin, die daraus errechnete Filterleistung und das Kalium, Routinewerte in jeder Laboruntersuchung. Das Kalium ist Pflicht, wenn du auf kaliumreiches Salz umgestellt hast und -pril, -sartan oder EntwĂ€sserungstabletten nimmst. Behaupte nichts. Miss nach.

Was von diesem Teil bleibt

Drei Schichten derselben Einsicht sind in diesem Teil zusammengekommen. Der weiße Kittel verschiebt die Zahl. Das GerĂ€t darf sie um acht Punkte verschieben. Und die Körperhaltung verschiebt sie so weit, dass ein Drittel der Hochdruck-Befunde verschwindet, wenn man im Liegen misst.

Zusammengenommen heißt das: Die Zahl, an der ĂŒber dich entschieden wird, hĂ€ngt an den UmstĂ€nden ihrer Entstehung — und ĂŒber diese UmstĂ€nde bestimmst nicht du, solange du dich einmal im Jahr in ein Wartezimmer setzt.

129 gesund, 130 krank — mit acht Punkten Streuung ist das keine Diagnose, sondern ein MĂŒnzwurf. Wirf ihn achtundzwanzigmal. Wirkung ohne Messreihe ist Glaube. Wirkung mit Messreihe ist Beweis.

Das Buchgeschenk fĂŒr Stammleser

Dieser Teil handelt von einem GerĂ€t, das du zu Hause selbst bedienst — und davon, worauf es beim Kauf ankommt, damit es dir dient und nicht dem Hersteller. Mein aktuelles Willkommensbuch tut dasselbe fĂŒr ein zweites GerĂ€t: „Infrarot-Therapie”.

Infrarot-DE-PDF

Das Buch erklĂ€rt, warum Infrarot nicht auf der Haut liegen bleibt, sondern in die Tiefe geht, wie es dort die kleinen GefĂ€ĂŸe weitet und die Durchblutung verbessert, welche Anwendungen sich zu Hause umsetzen lassen, worauf man beim GerĂ€t achtet und wo die Grenzen liegen. Im Shop kostet es CHF 14.90: https://ingag.de/ir-therapie

Und der Zaun dazu, weil dieser Teil vom Blutdruck handelt: Infrarot ist kein Blutdruckmittel und wird in diesem Buch auch nicht als eines verkauft. Es geht um Durchblutung und WÀrme, nicht um Millimeter QuecksilbersÀule.

Stammleser bekommen dieses Buch unten gratis — mit einem Code, der den Preis im Shop auf null setzt. Wer noch kein Stammleser ist: Ein Monatsabo kostet weniger als das Buch, und etwa alle vier Wochen kommt ein neues dazu.


Die Naturheilkunde-KI

Naturheilkunde-KI GrĂŒndungsmitglied (Privat-Zugang, Jahresabo) — Cover

Neben dem Forschen und Schreiben ĂŒber unterdrĂŒckte Wahrheiten helfe ich, eine KI zu betreiben, die Gesundheitsfragen auf der Basis der fĂŒhrenden Literatur der Natur- und Erfahrungsheilkunde beantwortet. Was sich seither bei den Abonnenten tut, ist ein Bericht fĂŒr sich: Sie finden dort Hinweise zu Beschwerden, mit denen sie oft jahrelang unterwegs waren — Hinweise, die ihnen kaum ein Arzt verrĂ€t, weil sie in keiner Leitlinie und auf keinem Beipackzettel stehen.

Die Möglichkeiten fĂŒr dich sind nahezu unbegrenzt. Sie hĂ€ngen nur davon ab, dass du fragst — und nachfragst. Mit genĂŒgend Fragen kitzelst du aus der FĂŒlle dieser Natur- und Erfahrungsheilkunde alles heraus, was sie zu deiner Frage weiß: Ursachen, ZusammenhĂ€nge, was die Literatur zu derselben Lage beschreibt. Jede Antwort kommt mit Quellenangabe, damit du jede Aussage selbst nachprĂŒfen kannst — und mit einem Datenschutz, den ich selbst verantworte, statt ihn einem Konzern zu ĂŒberlassen. Die erste Frage ist gratis: start.naturheilung.org


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