Wer den Dollar wirklich druckt — die Fed und der bösartige Zwilling: die City of London
Es gibt nicht einen Dollar, sondern zwei. Beide kommen aus dem Nichts, beide drücken die Kaufkraft der Welt — aber sie verteilen Schuld und Gewinn an grundverschiedene Adressen
Teil 2 der Core-Five-Serie
Im ersten Teil dieser Serie — „Der Tisch ersetzt den Thron” — haben wir gesehen, wie Trump die Weltordnung umbaut: weg vom Thron der einen Vormacht, hin zum Tisch der fünf Großen. Ein Tisch aber hält nur auf festem Boden. Und dieser Boden ist nicht die Höflichkeit der Mitspieler, sondern etwas Härteres — reale Werte.
Genau an diesem Boden arbeiten Trumps Leute gerade jetzt, im Mai 2026. Im Kongress liegt ein Gesetzentwurf, der die US-Goldreserven mit einem Federstrich um den Faktor hundert aufwerten würde — ohne dass eine einzige Unze den Tresor wechselt. Aus seinem engsten Beraterkreis kommt der Vorschlag einer vollkommen neuartigen Staatsanleihe, die bei Fälligkeit wahlweise in Dollar oder in Gold zurückzuzahlen wäre. Am 12. Mai hat der Präsident persönlich ein Bild ins Netz gestellt, das aussieht wie ein Witz und eine Programmatik trägt — mit der Aufschrift „Federal Victory Note”. Was diese Bausteine im einzelnen sind und ob sie zusammen tragen, sehen wir im nächsten Teil dieser Serie. Aber damit das überhaupt für alle Leser verständlich wird, müssen wir hier zuerst klären, wie das Geld bisher funktioniert.
Nach diesem Text sehen Sie, wie ein Dollar überhaupt in die Welt kommt — und unterscheiden zwei Arten von Dollar, die fast jeder Kommentator durcheinanderwirft. Sie sehen, wer dabei verdient und wer bezahlt. Und Sie erkennen, warum die zweite Sorte — die kaum jemand kennt — die frechere ist. Damit haben Sie die Grundlage, auf der die Trump-Reform und ihre Grenzen im nächsten Teil verständlicher werden.
Vorab, damit nichts in die falsche Kehle gerät. Dieser Artikel soll keine Anlageberatung sein; was jemand mit seinem Ersparten macht, soll er selbst entscheiden.
Was Geld heute eigentlich ist
Bis 1971 war der Dollar etwas Konkretes: ein Stück Papier, gegen das man bei der US-Notenbank Gold bekam. Fünfunddreißig Dollar entsprachen einer Unze. Das war keine Theorie — Frankreich unter de Gaulle hat in den 1960er Jahren systematisch davon Gebrauch gemacht und in großem Stil sich für Dollar amerikanisches Gold eingefordert. Wohin das führte, sehen wir im nächsten Teil. Am 15. August 1971 zog Präsident Nixon die Notbremse und kündigte die Einlösbarkeit auf [Quelle: Federal Reserve History — Gold Convertibility Ends]. Seither ist der Dollar Fiat-Geld: lateinisch fiat heißt „es werde”. Eine Banknote sei gültig, weil eine staatliche Autorität es so verfügt — nicht, weil ein Edelmetall sie deckt.
Das ist nicht von vornherein schlecht. Fast alle Währungen der Welt sind heute Fiat-Geld; das System hat Vorzüge, es lässt der Politik Spielraum, es vermeidet die Krisen, die der harte Goldstandard erzeugte. Was es aber auch tut: Es überlässt der ausgebenden Stelle eine fast unbegrenzte Macht. Wer Geld aus dem Nichts erzeugen kann, kann sich an realer Wirtschaftsleistung bedienen, ohne dafür real etwas zu liefern. Wer das Privileg hat, hütet es. Wer es missbraucht, lädt die Rechnung auf die Verwender dieses Geldes ab — in Form von Inflation. Genau das ist seit 1971 weltweit geschehen.
Hier liegt der erste Punkt, den die meisten Lehrbücher übergehen. Es gibt nicht einen Geldschöpfer, sondern zwei. Das Lehrbuch redet vom Staat und seiner Notenbank — das stimmt, aber nur zur Hälfte. Die andere Hälfte sind private Banken, die ebenfalls Geld erzeugen, und zwar in mehr als vergleichbarer Größe wie die Notenbanken. Genau diese Hälfte versteht kaum jemand. Wir gehen beide nacheinander durch — vorher aber ein kurzer historischer Rückblick, der zeigt, woher das eine wie das andere kommt.
Eine kleine Geschichte des Bankgeldes — vom Goldschmied zur Bilanz-Buchung
Was wir heute „Geldschöpfung” nennen, hat eine lange Vorgeschichte. Wer sie in groben Zügen kennt, versteht das Folgende besser — und auch, warum die in der Schule gelernte Lehrbuch-Geschichte vom „Geld-Multiplikator” nicht von vornherein erlogen war, aber seit wann sie nicht mehr stimmt.
Das mittelalterliche Modell: Quittung gegen Gold. Im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit entstand das Bankgeschäft in seiner ältesten Form aus einem praktischen Problem. Wer Gold besaß, hatte ein Sicherheitsproblem — Privathäuser brennen, werden ausgeraubt, sind nie wirklich sicher. Wohlhabende Goldschmiede und einzelne Adelige besaßen jedoch befestigte Tresorräume oder bewachte Schlossanlagen. Sie boten an, Gold gegen Gebühr aufzubewahren, und gaben dem Eigentümer eine schriftliche Quittung über die Menge des hinterlegten Metalls.
Diese Quittung war zunächst nur ein Hinterlegungsschein — der Eigentümer konnte sie jederzeit wieder vorlegen und sein Gold abholen. Bald aber zeigte sich: Die Quittungen ließen sich auch direkt im Handel verwenden. Ein Käufer, der eine Quittung über zehn Unzen Gold hatte, gab sie dem Verkäufer statt der zehn Unzen Gold selbst — das war leichter, sicherer, schneller. Der Verkäufer wiederum musste das Gold nicht erst beim Goldschmied abholen und dann wieder einlagern; er konnte die Quittung in seiner Geldbörse weiterführen oder seinerseits weitergeben. So entstand das erste Papiergeld der Geschichte: Quittungen über real eingelagerte Edelmetalle.
Die Versuchung: mehr Quittungen als Gold. Den Goldschmieden und Schlossherren entging diese Praxis nicht. Sie merkten, dass die Inhaber ihrer Quittungen das hinterlegte Gold nur selten tatsächlich abholten. In der Regel zirkulierten die Quittungen einfach weiter; in den Tresoren lag das Gold ruhig. Daraus wuchs die Versuchung, mehr Quittungen herauszugeben, als Gold zur Deckung im Tresor lag — als Kredit gegen Zinsen vergeben. Solange das Vertrauen hielt, fiel niemandem etwas auf; das System funktionierte. Solange.
Wenn aber das Vertrauen einbrach — sei es durch ein Gerücht, sei es durch eine wirtschaftliche Krise, sei es durch die Vorsicht einzelner großer Inhaber —, stürmten plötzlich viele zugleich zum Tresor und verlangten ihr Gold. Da nicht genug da war, brach die Goldschmiede-Bank zusammen. Das ist der klassische Bankenrun — und er hat in der frühneuzeitlichen Geschichte unzählige Bankhäuser hinweggerafft. Aus dieser Wunde wuchs das institutionalisierte Bankenwesen, das wir heute kennen.
Die Quoten-Regel als Antwort. Aus den Schmerzen wiederholter Bankenruns entstand eine Disziplin: Banken durften zwar mehr Geld ausreichen, als sie an realer Deckung hielten — aber nur bis zu einem bestimmten Vielfachen. Die übliche Faustregel hieß: Auf eine Einheit hinterlegtes Gold (oder später: hinterlegtes Notenbank-Geld) darf etwa das Zehnfache an Krediten geschöpft werden. Mindestreserve hieß die Vorschrift später, Reserve Requirement im Englischen. Diese Regel wurde zum Lehrbuch-Modell, mit dem Generationen von Studenten lernten, „wie eine Bank Geld schafft”: Sie nimmt Einlagen, verleiht den Großteil davon weiter, und im Geldumlauf vervielfacht sich der Anfangsbetrag durch Wiederausleihe. Das ist das berühmte Geld-Multiplikator-Modell.
Es war nicht erlogen. Solange die Mindestreserve verbindlich war und tatsächlich durchgesetzt wurde, hatte die Quote eine reale wirtschaftliche Bedeutung — sie deckelte, wie viel Bankengeld auf eine Einheit Notenbankgeld entstehen konnte. Bis weit ins zwanzigste Jahrhundert hat sie das Bankenwesen mitgeprägt. Wer noch mit dieser Vorstellung gelernt hat, hat eine Sache gelernt, die tatsächlich einmal wahr war.
Der stille Abschied von der Quote. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich das Bild jedoch grundlegend gewandelt — schrittweise, ohne öffentliche Debatte. Die Mindestreserve wurde Stück für Stück verwässert, in vielen Ländern auf nahe null gesenkt. Die Bank of England hat seit 1981 gar keine formale Mindestreserve mehr. Die Europäische Zentralbank hat ihre Reserve am 18. Januar 2012 auf ein Prozent gesenkt. Die Schweizerische Nationalbank verlangt heute zweieinhalb Prozent. Und die US-Notenbank hat ihre Mindestreserve am 26. März 2020, im Zuge der Corona-Sondermaßnahmen, vollständig auf null Prozent gesetzt — und seither nicht wieder angehoben. Das Modell, in dem die Reserve die Geldmenge deckelt, gilt damit nicht einmal mehr formal.
Die Bank of England hat das 2014 in einem ungewöhnlich klaren Quartalsbericht selbst ausgesprochen — in einem Satz, der ein ganzes ökonomisches Narrativ beerdigt: „Im Gegensatz zur Beschreibung in einigen Lehrbüchern fungieren Banken nicht als bloße Vermittler, die das von Sparern eingelegte Geld an Kreditnehmer weitergeben, und sie ‚vervielfachen’ auch nicht die von den Zentralbanken zur Verfügung gestellten Reserven, um neue Kredite und Einlagen zu erzeugen.” Die Deutsche Bundesbank hat 2017 nachgezogen [Quellen: Bank of England — Money creation in the modern economy, Deutsche Bundesbank — Wie entsteht Geld?].
Was eine Bank heute tut, wenn sie einen Kredit vergibt, hat mit dem Multiplikator-Modell nur noch in der Lehrbuch-Vorstellung der Bürger zu tun. Sie multipliziert nichts. Sie nimmt nichts. Sie schafft. Die brutale, einfache Realität dahinter sehen wir gleich anhand der zwei Sorten Dollar — und sie ist eine Realität, die mit der Goldschmied-Geschichte mehr gemeinsam hat, als jenen lieb sein dürfte, die heute davon profitieren. Nur ohne das Gold im Tresor.
Der erste Dollar: wie die Fed ihn schafft
Stellen Sie sich vor, die US-Regierung möchte zehn Milliarden Dollar ausgeben. Sie hat das Geld nicht in der Kasse. Was tut sie? Sie druckt es auch nicht in Form von Banknoten. Sie schaltet ihre Notenbank ein — die Federal Reserve, oft kurz „Fed” — und es läuft folgender Vorgang ab.
Erstens. Das US-Finanzministerium (das Treasury) gibt eine Schuldverschreibung über zehn Milliarden Dollar heraus — eine sogenannte Treasury Bond. Auf dem Papier steht: „Die US-Regierung schuldet dem Inhaber dieses Papiers zehn Milliarden Dollar, fällig in zehn Jahren, mit jährlichen Zinsen von vier Prozent.”
Zweitens. Die Fed kauft diese Schuldverschreibung — entweder direkt, oder über den Umweg von Wall-Street-Großbanken (sogenannte Primary Dealer wie JPMorgan, Goldman Sachs, Citigroup), die ihr das Papier weiterreichen und dabei eine Handels-Spanne mitnehmen.
Drittens. Die Fed bezahlt den Kaufpreis durch eine reine Buchung. Sie schreibt dem Treasury auf dessen Konto bei der Fed zehn Milliarden Dollar gut. Diese zehn Milliarden hat es vor dieser Buchung nirgendwo gegeben. Es wurde kein Sparkonto angetastet, keine Banknote gedruckt. Eine Zeile in einem Computer der Fed — und die zehn Milliarden sind da.
Viertens. Die Regierung gibt über das Treasury das Geld aus. Sozialprogramme, Militär, Verwaltung, Bezahlung der Zinsen früherer Schulden. Die zehn Milliarden wandern in die Wirtschaft und zirkulieren dort weiter.
Was bleibt zurück? Zweierlei — und es ist wichtig, das nicht zu verwechseln. Erstens eine Schuld: Die US-Regierung schuldet zehn Milliarden Dollar, dokumentiert auf der Schuldverschreibung, die jetzt in den Tresoren der Fed liegt. Sie zahlt darauf jährlich Zinsen, zehn Jahre lang, am Ende auch die Tilgung. Zweitens eine neue Liquidität: Auf dem Konto der Staatskasse bei der Fed stehen zehn Milliarden Dollar zur freien Verfügung. Diese zehn Milliarden hat es vor dem Buchungsvorgang nirgendwo gegeben — die Fed hat sie im selben Akt erschaffen, in dem sie die Schuldverschreibung gekauft hat. Sie zahlte mit Geld, das sie selbst erst durch die Buchung in die Welt gesetzt hat.
Wer es sich Buchhalter-genau ansehen will — so sieht der Vorgang in den Büchern der beiden Beteiligten aus, in der Sprache der doppelten Buchführung:
Aktiv (was es hat) Passiv (was es schuldet) US-Finanzministerium + 10 Mrd Liquidität (Guthaben bei der Fed) + 10 Mrd Bond-Schuld Federal Reserve + 10 Mrd Bond (Forderung gegen Treasury) + 10 Mrd Reserve-Gutschrift zugunsten Treasury
Jede der beiden Institutionen verlängert ihre Bilanz um zehn Milliarden — links und rechts gleichzeitig, ein Akt der Bilanz-Verlängerung aus dem Nichts. Was bei der einen aktiv ist, ist bei der anderen passiv: Der Bond ist gleichzeitig Aktivum der Fed und Passivum des Treasury. Die Reserve-Gutschrift ist gleichzeitig Aktivum des Treasury und Passivum der Fed. Niemand hat etwas hergegeben, das vorher schon existierte. Aus zwei Unterschriften unter einem Vertrag wurden zehn Milliarden Dollar.
Wer verdient bei diesem Vorgang? Wall Street zuerst, weil die Primary Dealer beim Weiterverkauf der Bonds an die Fed eine Spanne mitnehmen. Die Fed selbst zweitens, denn sie kassiert die Zinsen der gehaltenen Bonds. Und über die Fed wiederum profitieren ihre Eigentümer — denn die Fed ist keine staatliche Behörde, sondern eine eigentümliche Gesellschaft mit privaten Anteilseignern, vor allem den großen Geschäftsbanken selbst. Wer hinter diesen Anteilseignern wiederum steht, hat der anonyme Beobachter Q im November 2017 in einer ungewöhnlichen vierteiligen Aufzählung benannt: Er listete rund 165 Notenbanken weltweit und überschrieb sie alle mit demselben Etikett. Die Liste — verteilt auf die Drops #135, #136, #137 und #138 — endet mit dem Eintrag für die USA und einer eigenen Fakt-Aussage zur Fed:
ROTHSCHILD OWNED & CONTROLLED BANKS (Den Rothschilds gehörende und von ihnen kontrollierte Banken):
Afghanistan: Bank of Afghanistan · Albania: Bank of Albania · Algeria: Bank of Algeria · Argentina: Central Bank of Argentina · Armenia: Central Bank of Armenia · Aruba: Central Bank of Aruba · Australia: Reserve Bank of Australia · Austria: Austrian National Bank · Azerbaijan: Central Bank of Azerbaijan Republic · Bahamas: Central Bank of The Bahamas · Bahrain: Central Bank of Bahrain · Bangladesh: Bangladesh Bank · Barbados: Central Bank of Barbados · Belarus: National Bank of the Republic of Belarus · Belgium: National Bank of Belgium · Belize: Central Bank of Belize · Benin: Central Bank of West African States (BCEAO) · Bermuda: Bermuda Monetary Authority · Bhutan: Royal Monetary Authority of Bhutan · Bolivia: Central Bank of Bolivia · Bosnia: Central Bank of Bosnia and Herzegovina · Botswana: Bank of Botswana · Brazil: Central Bank of Brazil · Bulgaria: Bulgarian National Bank · Burkina Faso: Central Bank of West African States (BCEAO) · Burundi: Bank of the Republic of Burundi · 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The FED and the IRS — FAKT: Die US-Notenbank (Federal Reserve) ist ein privat geführtes Unternehmen, das auf seinem eigenen Stück Land sitzt, immun gegen die US-Gesetze.
— Q, Drops #135–138, 11.–12.11.2017 (Liste im englischen Original; FAKT-Aussage übersetzt)
Was an dieser Aufzählung auffällt: Sie umfasst praktisch jedes Land der Welt — von westlichen Notenbanken über die russische und chinesische bis zur Schweizerischen Nationalbank, über alle politisch-ideologischen Lager hinweg. Die nationalstaatlichen Verschiedenheiten der Notenbanken sind in der Eigentumsstruktur, so Qs These, weit weniger groß, als ihre nationalen Embleme glauben lassen. Auffällig sind die wenigen Lücken: Q nennt von rund 195 Staaten weltweit etwa 165 — die fehlenden 30 sind überwiegend Kleinststaaten ohne eigene Notenbank (Vatikan, Liechtenstein, Monaco, Andorra, einige pazifische Inselstaaten, die direkt den US-Dollar nutzen). Geopolitisch signifikant abwesend sind nur zwei: Syrien und Nordkorea — beides Staaten, die im November 2017 unter besonderer westlicher Militärdrohung standen. Wer das mit dem Q-eigenen Vermerk bei Libyen — „their most recent conquest” (Rothschilds jüngste Eroberung) — zusammen liest, erkennt das implizite Framework: Es gibt nicht nur eine statische Liste, sondern einen laufenden Eroberungsprozess. Länder werden Stück für Stück ins zentralbankliche System einverleibt; Libyen war 2011 per NATO-Intervention dran (kurz nachdem Gaddafi einen goldgedeckten Afrika-Dinar angekündigt hatte). Syrien und Nordkorea wären in dieser Logik „die nächsten”. Für die Argumentation dieses Artikels reicht der kleinere Befund: Die Fed steht ausdrücklich in der Aufzählung, und Q schiebt zu ihr eine eigene Fakt-Aussage hinterher, die ihren Sonderstatus als privates Unternehmen unter eigenem Recht festschreibt.
Wer bezahlt? Drei Gruppen, in dieser Reihenfolge: Erstens der US-Steuerzahler, der für die Zinsen aufkommen muss — derzeit drei Milliarden Dollar am Tag [Quelle: Fortune — Treasury Pays $3 Billion a Day on $39 Trillion Debt]. Zweitens jeder Dollar-Halter weltweit, weil jeder neue Dollar die Kaufkraft der bereits existierenden verwässert — die schleichende Steuer namens Inflation. Drittens die Lieferanten realer Güter, die ihr Erdöl, ihre Metalle, ihr Getreide gegen diese Dollar tauschen und am Ende weniger zurückbekommen, als sie geliefert haben.
Soweit der erste Dollar. Ein staatlich verschuldeter, dem eine US-Staatsschuld gegenübersteht. Verbucht, statistisch erfasst, im Prinzip nachvollziehbar. So weit, so bekannt.
Aber das ist nur die Hälfte der Geschichte.
Der zweite Dollar: wie die City of London ihn schafft
Die zweite Sorte heißt Eurodollar. Der Name ist irreführend — er hat nichts mit dem Euro und nichts mit der EU zu tun. Er stammt aus dem Telex-Code einer Pariser Bank in den 1950er Jahren, der Banque Commerciale pour l’Europe du Nord, deren Adresse „Eurobank” lautete. Bei dieser Bank parkte die Sowjetunion damals ihre Dollar-Reserven aus Furcht, dass die USA ihr Geld beschlagnahmen könnten. Daraus wurde das Schlagwort für eine ganze Kategorie: Ein Eurodollar ist schlicht ein Dollar-Guthaben, das bei einer Bank außerhalb der USA liegt — und damit außerhalb der direkten Aufsicht der US-Notenbank.
Drei historische Hebel haben London zur Hauptstadt dieses Geschäfts gemacht.
Die Sterling-Krise 1957. Die Bank of England verbot britischen Banken, Pfund-Kredite an Nicht-Briten zu vergeben — eine Notbremse zur Verteidigung des damals fest an den Dollar gekoppelten Pfunds, das nach der Suez-Krise des Vorjahres unter Spekulationsdruck stand. Die City-Häuser hatten aber eine internationale Kundschaft — und entdeckten die Lücke: Wer stattdessen Dollar verleiht, verstößt nicht gegen die Pfund-Vorschrift. Die Bank of England regulierte diese Dollar-Geschäfte nicht, weil der Dollar nicht ihre Währung war. Die US-Notenbank konnte es ebenfalls nicht regulieren, weil außerhalb ihrer Jurisdiktion stattfand. Damit war ein Markt entstanden, in dem Dollar gehandelt wurden, ohne dass irgendeine Notenbank zuständig war. Niemandsland mit Bankenlizenz.
Die sogenannte „Regulation Q” der Fed. In den USA war seit 1933 gedeckelt, welche Zinsen US-Banken auf Einlagen zahlen durften. Londoner Banken unterlagen dieser Deckelung nicht. Sie konnten höhere Zinsen bieten — und Dollar-Einlagen flossen massiv über den Atlantik nach London.
Die vorhandene Infrastruktur. Englisches Common Law, jahrhundertealte City-Häuser, eine Zeitzone zwischen Asien und Amerika. London war seit dem 19. Jahrhundert auf internationales Bankgeschäft spezialisiert.
Nun zum entscheidenden Punkt: Wie genau entsteht ein Eurodollar? Da das Multiplikator-Modell, wie wir gerade gesehen haben, die Wirklichkeit nicht mehr beschreibt, müssen wir das tatsächliche Verfahren ansehen. Es ist, wie angekündigt, einfacher und brutaler.
Eine Bank mit Sitz in der City — gleichgültig, ob sie nominal britisch (HSBC, Barclays), amerikanisch (JPMorgan London, Goldman Sachs London), deutsch (Deutsche Bank London) oder schweizerisch (UBS London) ist — schließt mit einem Kreditnehmer einen Vertrag. Dieser kann ein brasilianischer Konzern sein, eine russische Erdölfirma, eine afrikanische Regierung, ein Investmentfonds in Singapur. Der Kreditvertrag lautet auf, sagen wir, eine Milliarde Dollar.
Im selben Moment, in dem der Vertrag unterschrieben ist, verlängert die Bank ihre Bilanz. Links erscheint ein Aktivum: eine Forderung gegen den Kreditnehmer über eine Milliarde Dollar. Rechts erscheint ein Passivum: eine Dollar-Einlage in derselben Höhe, dem Kreditnehmer gutgeschrieben. Es wurde kein vorhandenes Sparkonto angerührt, kein eingelegtes Geld umverteilt. Die Bank hat eine Milliarde Dollar aus dem Nichts geschaffen — als reine Buchung, ohne Beteiligung der Fed, ohne Eintrag in die US-Geldstatistik.
Der Kreditnehmer bekommt eine Milliarde Dollar gutgeschrieben, die er ausgeben, überweisen oder anlegen kann. Diese Dollar sind echte Dollar — die ganze Welt akzeptiert sie als Dollar, sie kaufen Erdöl wie Fed-Dollar es täten, sie tilgen Schulden wie Fed-Dollar es täten, sie wechseln den Besitzer wie Fed-Dollar es täten. Sie sind nur eben nicht von der Fed geschaffen, sondern von einer Bank in London.
Hier ist die freche Pointe, die Sie sich merken sollten: Bei diesem Vorgang entsteht keine entsprechende US-Staatsschuld. Schuldner ist der private Kreditnehmer — der brasilianische Konzern, die russische Firma, die Regierung in Lagos. Gläubiger ist die City-Londoner Bank. Die USA tauchen in dieser Bilanz nirgendwo auf, aber es zirkulieren neue Dollar in ihrem Namen. Washington hat keinen Cent Schulden dafür übernommen, aber der Wert seiner eigenen Dollar wird durch jedes neue Eurodollar-Geschäft durch Inflation mit verwässert.
„City of London” — der präzise Begriff
Ein Wort zur Bezeichnung. Wenn hier von „City of London” die Rede ist, dann nicht von der Stadt London im weiteren Sinne und schon gar nicht von „den Engländern”. Gemeint ist ein sehr genau umrissener Bezirk:
Geografisch: die Square Mile, eine Quadratmeile rund um die Bank of England, die ältere Hälfte der Londoner Innenstadt.
Politisch: die City of London Corporation, eine eigenständige Selbstverwaltung mit eigenen Wahlregeln (Unternehmen wählen mit, nicht nur Bewohner), eigener Polizei, eigenem Lord Mayor.
Regulatorisch: ein Aufsichtsregime (Bank of England, FCA), das das Eurodollar-Geschäft seit 1957 ausdrücklich gewähren lässt.
Wirtschaftlich: ein Banken-Cluster aus britischen Häusern und den Londoner Filialen amerikanischer, deutscher, schweizerischer und französischer Großbanken. Was sie alle zur „Eurodollar-Bank” macht, ist nicht ihre Nationalität, sondern ihr Bilanzierungs-Standort.
Wer die Akteure präzise benennen will, sagt also nicht „die Engländer” — das wäre Volk-als-Täter und sachlich falsch. Wer „City of London” sagt, benennt den Sonderbezirk mit seinem Regulierungsklima und seinen Banken-Korporationen. Genau wie „Wall Street” für den US-Banken-Cluster steht oder „Pennsylvania Avenue” für die US-Exekutive.
Das Märchen vom Ausfallrisiko
Bevor wir zur Größenordnung kommen, eine Klarstellung, die das Bild abrundet. Wenn man Bankern zuhört, betonen sie gerne ihr „Risiko” — sie würden ja schließlich Kredite vergeben und müssten mit Ausfällen rechnen. Das soll die Zinsen rechtfertigen, die sie kassieren.
In Wahrheit ist dieses Risiko fiktiv, jedenfalls in seinem entscheidenden Kern. Wenn ein Kredit ausfällt, geschieht Folgendes: Die Bank verkürzt ihre Bilanz um denselben Betrag, um den sie sie bei der Kreditvergabe verlängert hat. Links verschwindet die Forderung, rechts verschwindet die Einlage. Es ist kein einziger Franken realer Wert aus dem Tresor der Bank geflossen — sie zieht eine Buchung zurück, die selbst nur eine Buchung war. Was vor dem Ausfall an Zinsen kassiert wurde, bleibt der Bank. Den notleidenden Titel verkauft sie an ein Inkasso-Unternehmen oder einen Distressed-Debt-Investor — typischerweise ein spezialisierter Hedgefonds oder eine größere Inkasso-Gesellschaft aus demselben Finanz-Ökosystem (Encore Capital, PRA Group, Cabot bei Konsumentenschulden; Apollo, Oaktree, Avenue Capital bei Unternehmens-Distressed). Manchmal ist es sogar eine Schwester- oder Tochter-Gesellschaft der verkaufenden Bank selbst. Der Kaufpreis liegt zwischen null und drei Prozent des Nennwerts. Das Inkasso-Unternehmen wendet sich anschließend an den ursprünglichen Schuldner — und sein typisches Erstangebot lautet sinngemäß: „Wir nehmen sechzehn Prozent. Der Kredit ist ja schon gekündigt — zahlen Sie wenigstens mal die Zinsen für dieses Jahr.” Jeder eingetriebene Franken oberhalb des Einkaufspreises ist reiner Profit auf einen Titel, den die Bank ihrerseits aus dem Nichts in die Welt gebucht hat — und auch die Bank hat in diesem Geschäft nichts verloren, was sie vorher real besessen hätte.
Auch hier macht die Buchhalter-Sicht den Trick erst richtig sichtbar — parallel zur Schöpfungs-Tabelle weiter oben. Nehmen wir einen Häuslebauer, der eine Million Euro Hypothek aufgenommen hat und nach einer Reihe schlechter Jahre die Raten nicht mehr bedienen kann. Die Bank verkauft die ausgefallene Forderung für drei Prozent — dreißigtausend Euro — an ein „befreundetes” Inkasso:
Bank
Aktiv-Veränderung: − 1 Mio Forderung (ausgebucht), + 30 000 € Cash (vom Inkasso)
Passiv-Veränderung: − 970 000 € Eigenkapital (Buchverlust)
Inkasso-Unternehmen
Aktiv-Veränderung: + 1 Mio Forderung gegen Häuslebauer, − 30 000 € Cash
Passiv-Veränderung: unverändert
Häuslebauer
Aktiv-Veränderung: unverändert
Passiv-Veränderung: + 1 Mio Schuld an Inkasso, − 1 Mio Schuld an Bank (Gläubiger wechselt, Schuldenlast bleibt)
Was diese Buchungs-Choreographie sichtbar macht, ist die Asymmetrie auf drei Seiten gleichzeitig. Die Bank schreibt einen Verlust von 970 000 Euro in ihr Eigenkapital — aber sie verliert dabei kein real besessenes Vermögen, weil sie diese Million am Tag der Hypothekenvergabe ohnehin aus dem Nichts erzeugt hatte. Es ist ein Buchverlust ohne realen Wertabfluss. Das Inkasso-Unternehmen erwirbt für reale dreißigtausend Euro eine Forderung über eine Million — eine 33-fache Hebelwirkung auf seinen tatsächlichen Einsatz; jeder beim Häuslebauer eingetriebene Euro oberhalb dieser dreißigtausend ist reiner Profit. Der Häuslebauer schuldet die volle Million weiter, jetzt aber einem aggressiveren Eintreiber, der schon beim Einkauf 970 000 Euro Profitmarge eingebaut hat. Im schlimmsten Fall verliert er sein Haus — die Bank verliert nichts, was sie vorher real besessen hätte, und das Inkasso macht die Differenz zwischen Versteigerungserlös und seinem Einkaufspreis als reinen Gewinn. Wenn die Bank dieses Geschäft regelmäßig mit personell oder finanziell verbundenen Inkasso-Partnern abwickelt — und das ist die Regel, nicht die Ausnahme —, dann ist die scheinbare „Bilanz-Großzügigkeit” der Bank in Wahrheit ein Transfer-Mechanismus zugunsten dieser Partner. Der scheinbare Verlust ist ein Geschenk, das nur auf dem Papier teuer aussieht. In jeder anderen Branche hieße ein solcher Transfer zugunsten verbundener Dritter „verdeckte Vermögensverlagerung” und wäre strafbar.
Eine regulatorische Spur des Risikos bleibt formal — das sogenannte Basel-III-Eigenkapital, eine dünne Kapitalschicht, die bei Ausfällen rechnerisch schrumpfen soll. In der Praxis aber tut sie das kaum. Denn die Bank trägt einen drohenden Ausfall nicht in einem Schlag, sondern hat ihn schon Jahre vor dem tatsächlichen Zusammenbruch durch laufende Risikovorsorgen vorgezogen — Zinsmargen, die genau für diesen Zweck eingenommen wurden. Den Rest beendet die Bilanz-Ausbuchung beim Verkauf an das Inkasso: Der tote Posten ist aus den Büchern, der Verlust hört auf, sich darin aufzuzeigen. Genau das ist der eigentliche Grund, weshalb die Bank den notleidenden Titel überhaupt verkauft, statt ihn einzubehalten — nicht der mickrige Erlös von wenigen Prozent, sondern das Verschwinden des Ausfalls aus der laufenden Bilanz. Ein Ausfall existiert nur, solange der Kredit in der Buchhaltung steht; ist er ausgebucht, ist der Verlust gestrichen. Die regulatorische Eigenkapital-Schicht muss damit nur einen sehr kleinen Rest auffangen, der nach Risikovorsorgen und Ausbuchung noch übrig wäre. Sie ist Bühnenbild für die Aufsicht, kein Tragwerk gegen echtes Verlust-Risiko — und in einer wirklichen Krise (wie 2008) wird sie ohnehin durch die Notenbank-Rettung ersetzt.
Wer tatsächlich blutet, wenn ein Eurodollar-Kredit faulig wird, ist nicht die Bank. Es ist der Schuldner, dessen Geschäft scheiterte; es sind seine Mitarbeiter, die ihre Stelle verloren; es sind seine Lieferanten, die ihre Rechnungen nicht bezahlt bekommen. Die Bank verbucht den Ausfall, hebt den Zinsaufschlag für die nächste Runde an Krediten ein wenig an — damit die nächste Generation gesunder Schuldner die nächste Welle von Ausfällen mitbezahlt — und macht weiter. Das Wort „Risiko” ist hier mehr ein Reklame-Schild als eine wirtschaftliche Realität.
Die Wahrheit als Schutzschild
Eine bemerkenswerte Beobachtung am Rande dieser Geschichte — am ehrlichsten chronologisch erzählt.
Anfang der 2010er Jahre formierte sich aus mehreren Ecken zugleich eine Welle von Stimmen, die das Geldschöpfungs-Geheimnis öffentlich machten. Der australische Ökonom Steve Keen hatte schon vor und während der Finanzkrise von 2008 die endogene Geldschöpfung der Privatbanken als Schlüsselmechanismus benannt; nach 2010 wuchs seine Bekanntheit. Der deutsch-britische Wirtschaftsprofessor Richard Werner in Southampton bereitete ab 2010 die erste experimentelle Bestätigung des Vorgangs vor — er ließ sich von einer kleinen deutschen Bank tatsächlich einen Kredit geben und dokumentierte am eigenen Konto, dass die Bank ihm das Geld nicht aus eingelegten Sparmitteln, sondern aus einer reinen Buchung gegeben hatte (Veröffentlichung 2014). In Wien gründete der Wirtschaftsprofessor Franz Hörmann an der Wirtschaftsuniversität im Februar 2012 den Kreditopferverein — ausdrücklich, um die Geldschöpfung als juristischen Betrug einzuklagen: Die Bank präsentiere im Vertrag das Verleihen von Bestehendem, schaffe das Geld in Wahrheit aber als bloße Buchung; die Asymmetrie zwischen Bank-Buchung und Schuldner-Rückzahlung sei arglistige Täuschung. Hörmann wollte 2000 Kläger rekrutieren und einen Musterprozess führen. Im selben August 2012 publizierte der Internationale Währungsfonds das vielbeachtete „Chicago Plan Revisited” von Jaromír Beneš und Michael Kumhof — eine moderne Re-Aktualisierung von Irving Fishers Vorschlag aus den 1930er Jahren, das private Bankenkreditgeld durch souveränes Staatsgeld zu ersetzen. Der frühere britische Finanzaufseher Adair Turner begann öffentlich, monetäre Staatsfinanzierung ernsthaft zu diskutieren. Auch andere meldeten sich.
Solche Wahrheiten lassen sich nicht regional einsperren. Sobald eine derart krasse Lüge wie „die Bank verleiht eingelegtes Geld” von mehreren glaubwürdigen Stimmen gleichzeitig auseinandergenommen wird, geht der Befund viral: Übersetzungen, Zitate, Verweise, akademische Folgepapiere, Vorträge, Konferenzen, später Youtube-Erklär-Videos. Innerhalb von etwa zwei Jahren ist der Mechanismus jedem aufmerksamen Notenbank-Mitarbeiter und jedem Wirtschaftsjuristen bekannt. Das setzte die Notenbanken unter Zugzwang: Weiter zu schweigen würde wie Mitwisserschaft an einer Täuschung aussehen — und genau diese Täuschung war juristisch verfolgbar als arglistige Täuschung durch Verschweigen. Im Q1 2014 legte die Bank of England mit ihrem Quartalsbericht „Money creation in the modern economy” das Geständnis öffentlich auf den Tisch. Die Deutsche Bundesbank zog 2017 mit „Wie entsteht Geld?“ nach. Die Notenbanken haben damit nicht aus Transparenz-Tugend gesprochen, sondern aus juristischer Vorsicht.
Diese präventive Immunisierung gegen den juristischen Vorwurf funktioniert mit einer brutalen Einfachheit: Wer offen erklärt, was er tut, kann später nicht mehr beschuldigt werden, es verheimlicht zu haben. Die Notenbanken haben den Mechanismus dokumentiert — und sich genau damit gegen die juristische Konsequenz daraus abgesichert. Die Wahrheit wurde zum Schutzschild gegen die Gerechtigkeit, die aus dieser Wahrheit folgen müsste. Bis heute, im Mai 2026, hat kein Gericht weltweit den Schluss gezogen, der nach dem Bank-of-England-Bekenntnis eigentlich nahelag — weder in Österreich (wo Hörmanns Musterprozess „Gauper” abgewiesen wurde) noch in den USA (wo der berühmte „Credit River Case” von 1969 aus prozeduralen Gründen aufgehoben wurde) noch sonstwo. Die ökonomische Wahrheit ist anerkannt; der juristische Status quo ignoriert sie. Wer in dieser Spaltung leben muss, ist nicht die Bank.
Zwei Geldschöpfungen, eine Logik — zwei Adressen für den Verlierer
Wenn man die beiden Dollar-Sorten nebeneinander legt, fällt das gemeinsame Muster sofort auf. In beiden Fällen erschafft eine Bank Geld aus dem Nichts. In beiden Fällen kassiert sie für diese Schöpfung Zinsen, jahrelang oder jahrzehntelang. In beiden Fällen verliert sie nichts Reales, falls der Kredit ausfällt. Sie ist auf beiden Etagen ausschließlich Profiteur — sie steht hinter dem Tisch, schiebt die Karten aus, kassiert den Einsatz und ist beim Ende des Spiels längst hinausgegangen.
Was sich unterscheidet, ist die Adresse des Verlierers — also die Person oder Gruppe, die am Ende für die Zinsen aufkommen und für den Schaden gerade stehen muss.
Beim Eurodollar ist der Verlierer der private Kreditnehmer und sein Umfeld. Wenn der brasilianische Konzern seinen Dollar-Kredit nicht mehr bedienen kann, geht er in Konkurs — und mit ihm seine Belegschaft, seine Zulieferer, die kleinen Sparer, die Aktien hielten. Das Spiel ist hart, aber für den Außenstehenden noch sichtbar: Eine Firma fällt, eine Stadt verliert hundert Arbeitsplätze, ein Sektor schrumpft. Die Last ist konzentriert auf eine überschaubare Gruppe — die dann zwar weh tut, aber bemerkt wird.
Beim Fed-Dollar — und derselbe Mechanismus läuft, das muss man sich klarmachen, in jeder Nation mit eigener Notenbank: in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, der Schweiz, Italien, Japan — ist der Verlierer der Steuerzahler. Das ist schwerer zu sehen, weil es millionenfach verteilt und über Jahrzehnte gestreckt ist. Aber es ist die größere Last. Vor 125 Jahren, um 1900, lag die deutsche Staatsquote — der Anteil aller staatlichen Abgaben an der gesamten Wirtschaftsleistung — bei rund zehn Prozent, in vielen Jahren darunter. Es gab keine allgemeine Einkommensteuer; die Einnahmen des Deutschen Reichs stützten sich auf Zölle, Verbrauchsteuern (Salz, Branntwein, Tabak, Bier) und Stempelabgaben. Heute liegt diese Staatsquote, Sozialabgaben mitgerechnet, bei über vierzig Prozent der Wirtschaftsleistung — eine Vervierfachung in fünf Generationen. Vom Bruttoeinkommen des Durchschnittsverdieners beansprucht der Staat sogar noch mehr (weil Spitzenverdiener und Geringverdiener die Quote unterschiedlich nach oben oder unten ziehen, die mittelständische Familie aber die ganze Wucht der progressiven Einkommensteuer plus der vollen Sozialabgaben plus der Mehrwertsteuer auf jedes Brot trägt). Der Bund der Steuerzahler datiert den jährlichen „Steuerzahlergedenktag” — den Tag, an dem der Durchschnittsverdiener rechnerisch aufhört, für den Staat zu arbeiten, und anfängt, für sich selbst — heute auf Mitte Juli. Mehr als ein halbes Jahr Lebensarbeitszeit fließt an den Staat. Einen erheblichen Teil dieser Last verschluckt der bloße Zinsdienst auf aufgelaufene Staatsschulden — Zinsen, die direkt in die Bilanzen der privaten Notenbank-Eigentümer und der großen Geschäftsbanken wandern. Anders gesagt: Was wir als „öffentliche Verschuldung” empfinden, ist auch ein dauerhafter Übertragungs-Mechanismus von der Lebensarbeit der Bürger zu den Eigentümern der Geldschöpfungs-Privilegien.
Damit zeichnet sich die wirklich große Frage ab — sie kommt in keinem heutigen Reform-Programm der westlichen Politik mehr vor: Warum soll sich ein Staat überhaupt bei privaten Geldschöpfern verschulden, gegen Zinsen, die er aus Steuern bedienen muss, wenn er das Geld auch selbst — ohne Verschuldung, ohne Zinsen — erschaffen könnte? Vorbild gibt es, und zwar gleich zweimal in der amerikanischen Geschichte. Abraham Lincoln unterzeichnete ab 1862 die Gesetze zu den „Greenbacks” — staatliche Banknoten direkt aus dem Finanzministerium, ohne Notenbank-Umweg und ohne Zinslast, mit denen er den Bürgerkrieg finanzierte, ohne sich bei den damaligen privaten Notenbankhäusern in Europa zu Wucherzinsen verschulden zu müssen. Hundert Jahre später, am 4. Juni 1963, unterzeichnete John F. Kennedy die Executive Order 11110, die das US-Finanzministerium ermächtigte, gegen die im eigenen Bestand befindlichen Silberreserven Silber-Zertifikate als zinsfreie staatliche Banknoten direkt auszugeben — ein Vorstoß, technisch begrenzt auf Silberzertifikate, in der Stoßrichtung aber dieselbe Linie wie Lincolns Greenbacks. Beide Präsidenten wurden später erschossen — Lincoln am 14. April 1865 (offizieller Einzeltäter: John Wilkes Booth, mehrere Mitverschwörer wurden gefasst und gehängt), Kennedy am 22. November 1963 in Dallas. Dass es im Fall Kennedy weit mehr Hände im Spiel gab als die des offiziellen Einzeltäters Lee Harvey Oswald, ist heute keine Verschwörungstheorie mehr — schon das US-Repräsentantenhaus stellte 1979 im Bericht seines House Select Committee on Assassinations fest, Kennedy sei „wahrscheinlich Opfer einer Verschwörung” geworden, und die seit Trumps Anordnung 2017 schrittweise freigegebenen JFK-Akten (letzte große Tranche im April 2025) haben die Einzeltäter-Erzählung der Warren-Kommission endgültig versenkt. Die Frage bleibt offen, welches der vielen Konfliktfelder Kennedys den Ausschlag gab: Er stand zeitgleich mit der CIA (Schweinebucht, Vietnam-Eskalation, die er bremsen wollte), mit der organisierten Kriminalität (Bobby Kennedys Strafverfolgungs-Offensive als Justizminister), mit dem militärisch-industriellen Komplex (sein angekündigter Schritt aus dem Vietnam-Krieg) und mit der Federal Reserve (Executive Order 11110) in offenem Konflikt. Heute erkennt man dies als den tiefen Staat. Die monetäre Frage war eine Front unter mehreren — aber sie war eine, und sie war scharf. Die historische Reihe ist also: Wer der Geldschöpfungs-Macht in den USA an die Wurzel ging, lebte gefährlich. Worum es dabei geht, hat das Bankhaus Rothschild — angeblich — im 19. Jahrhundert auf eine kalt-präzise Formel gebracht. Das Zitat kursiert seit Ende des 19. Jahrhunderts in monetärer Reform-Literatur, wird Mayer Amschel Rothschild (1744–1812) oder seinen Söhnen zugeschrieben, und ist so verbreitet, dass es zur Folklore geworden ist. Es bringt die Dimension auf den Punkt, um die der gesamte monetäre Umbau geht, dem sich heute auch Trumps Leute vorsichtig annähern:
“Lasst mich das Geld einer Nation ausgeben und kontrollieren,
und es ist mir gleich, wer ihre Gesetze macht.”— Mayer Amschel Rothschild zugeschrieben
(Primärquelle umstritten, aus dem Englischen übersetzt)
Wer das Geld kontrolliert, kontrolliert den Staat. Wer die Geldschöpfungs-Privilegien hat, braucht keine demokratische Mehrheit, kein Gesetz, keinen Wahlsieg — er braucht nur die Bilanz. Dass es in der Geschichte Präsidenten gab, die genau diese Macht in die Hand des Staates zurückholen wollten, und dass diese Präsidenten erschossen wurden, ist zeigt die Wahrheit dieses Worts. Und es zeigt zugleich, wie brisant das Thema bleibt, dem Trump sich jetzt mit seiner Gold-Anbindung annähert.
Die Idee lebt heute unter dem Namen souveräne Geldschöpfung (Stephen Zarlenga, American Monetary Institute) oder als Vollgeld (Schweizer Vollgeld-Initiative, am 10. Juni 2018 in einer Volksabstimmung mit 75 Prozent Nein abgelehnt) in einer kleinen Strömung weiter. In der politischen Hauptlinie ist sie ungehört. Trumps Vorschlag werden wir im nächsten Teil sehen.
Wie viel von beiden Sorten Dollar es gibt
Damit zur Größenordnung — sie ist der eigentliche Schock.
Die offizielle US-Geldmenge M2 umfasst alle Dollar, die in den USA als Bargeld oder als Bankguthaben existieren. Sie liegt heute bei rund zweiundzwanzig Billionen Dollar. Das ist die Etage, die die Fed kontrolliert, die sie zählt, die in den Zeitungen erscheint.
Das globale Eurodollar-Volumen lässt sich nicht so präzise messen — kein zuständiger Aufseher zählt vollständig mit. Die ehrlichste Schätzung kommt von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) in Basel, der Notenbank-Dachorganisation. Sie sieht den globalen Eurodollar-Bestand bei dreizehn bis fünfundzwanzig Billionen Dollar — also in derselben Größenordnung wie die offizielle US-Geldmenge.
Mit anderen Worten: Es zirkulieren ungefähr so viele Dollar außerhalb der USA wie innerhalb. Die Hälfte aller Dollar weltweit ist nicht von der Fed geschaffen worden, sondern von Privatbanken in London und ihren Außenstellen rund um den Globus. Eine Schatten-Notenpresse, etwa so groß wie alles, was offiziell zählt.
Das ist nicht „Verschwörung”. Das ist offen dokumentiert, in den Statistiken der BIS, in den eigenen Bilanzen der City-Banken, in den 2014er und 2017er Erklärungen der Bank of England und der Deutschen Bundesbank. Es wird nur in der politischen Debatte praktisch nie erwähnt — weshalb fast jeder Leser einer Wirtschaftsnachricht denkt, „die Fed” sei das Maß aller Dinge. Sie ist es nicht. Sie ist die eine Hälfte. Die andere Hälfte hat keine eigene Adresse, kein eigenes Logo, keinen Pressesprecher. Sie nennt sich nicht; sie wirkt im Schatten der ersten.
Was den Zwilling bösartig macht — zwei konkrete Schäden
Hier muss man präzise werden. Eine parallele Geldschöpfung wäre nicht automatisch ein Übel; sie könnte für sich genommen auch nur eine andere Quelle desselben Mittels sein. Was die Eurodollar-Etage zu einem aktiven Schaden für die US-Wirtschaftspolitik macht — und damit indirekt für jeden, dessen Vermögen in Dollar bewertet ist —, sind zwei dokumentierte Wirkungen.
Erstens: Die US-Regierung verliert die Kontrolle über die eigene Inflation. Die Steuerung der Geldmenge ist eines der wichtigsten Werkzeuge einer Notenbank — sie soll das Tempo der Wirtschaft bremsen oder beschleunigen. Wenn die Fed beschließt, das Geld zu verknappen, um eine laufende Inflation zu drücken, erhöht sie die Leitzinsen und reduziert ihre Bondkäufe. Im geschlossenen US-System würde das wirken. In einem System, in dem die City-Banken im selben Augenblick weitere Dollar als Eurodollar erschaffen, wirkt es nur teilweise — die offshore-Etage kann das gegenläufige Tempo geben. Was Washington an Geldpolitik betreibt, wird in London regelmäßig erkennbar untergraben; der amerikanische Analyst Jeff Snider (Eurodollar University) hat genau diesen Befund in jahrelanger Recherche herausgearbeitet. Die Inflation läuft, die Fed-Werkzeuge greifen nur halb. Politik ohne durchschlagende Kontrolle ist Symbolpolitik.
Das bedeutet zugleich: Die Inflation, die der gewöhnliche Amerikaner als Kaufkraftverlust erlebt — und mit ihm jeder, dessen Vermögen oder Lohn am Dollar hängt —, ist nicht allein das Werk seiner eigenen Regierung. Ein erheblicher Teil entsteht in einem Ausland, das er nicht wählt, nicht reguliert und nicht ablösen kann. Demokratie heißt eigentlich: Wer die Folgen trägt, soll die Entscheidung treffen. Beim Eurodollar ist diese Verbindung gekappt.
Zweitens: Die offene Zinsmanipulation — der LIBOR-Skandal. Bis 2021 hatte der Eurodollar-Markt einen eigenen, weltweit verbindlichen Leit-Zinssatz: den LIBOR (London Interbank Offered Rate). An dieser Zahl hingen Verträge im Nominal-Volumen von schätzungsweise dreihundert Billionen Dollar — Hypotheken, Unternehmenskredite, Derivate, Studentenkredite, Pensionsfonds, kommunale Anleihen, fast alles, was eine Zinszahlung enthielt. Diese Zahl ist viel größer als der Eurodollar-Bestand selbst, weil sie zwei Multiplikatoren enthält: erstens den überwiegenden Anteil an Derivaten (Zinsswaps, Forward Rate Agreements, Futures), bei denen das Nominal-Volumen nur als Rechengrundlage für die periodischen Zinszahlungen dient, nicht als bewegte Geldmenge; zweitens die Summe über alle LIBOR-Währungen (Dollar-, Pfund-, Yen-, Schweizer-Franken-, Euro-LIBOR), nicht nur den Dollar-LIBOR. Festgelegt wurde der LIBOR täglich durch eine Umfrage unter den großen Londoner Banken: „Zu welchem Zins könnten Sie sich heute Geld leihen?“
Diese Umfrage haben die Banken jahrelang manipuliert — und sie haben es zu ihrem eigenen Vorteil getan, auf Kosten praktisch jedes Kreditnehmers auf dem Planeten. Der Skandal wurde 2012 öffentlich. Es folgten Geständnisse und Strafen gegen Barclays, UBS, Deutsche Bank, Royal Bank of Scotland, Rabobank, Citigroup; weltweit summierten sich die Bußen auf rund neun Milliarden Dollar [Quelle: Wikipedia — Libor-Skandal]. Die ungeschmälerten Gewinne, die die City-Banken durch die Manipulation in den Jahren zuvor eingestrichen hatten, lagen vermutlich deutlich darüber. Geschädigt wurden auch amerikanische Pensionsfonds, US-Kommunen mit LIBOR-gebundenen Anleihen, private Hypothekenhalter, ausländische Regierungen — Geld, das in die Bilanzen der City-Häuser umgelenkt wurde, statt bei den Inhabern der eigentlichen Forderungen zu bleiben. Nach dem Skandal wurde LIBOR schrittweise abgeschafft und durch den US-zentrierten SOFR (Secured Overnight Financing Rate) ersetzt — Washington hat sich also ein Stück Hoheit über den Dollar-Zins aus London zurückgeholt. Aber das Geschäftsmodell der Eurodollar-Geldschöpfung selbst blieb unangetastet.
Beides zusammen — der stille Kontrollverlust der US-Notenbank über ihre eigene Währung und die offene Zinsmanipulation zugunsten der eigenen Bilanzen — zeigt das Muster: Die Eurodollar-Etage ist nicht eine neutrale zweite Notenpresse, die zufällig danebensteht. Sie ist eine, die aktiv gegen die Kontrollabsicht der formell zuständigen Stelle arbeitet, und sie tut das, soweit sie kann, zum eigenen Vorteil. Genau das macht aus dem „Zwilling” einen bösartigen — nicht im moralischen Sinn eines individuellen bösen Willens, sondern im sachlichen Sinn einer strukturellen Wirkung: Er schädigt wie ein Krebsgeschwür die andere Hälfte, von deren Existenz er lebt.
Und er bleibt nicht in der Dollar-Zone. Wenn der Dollar an Kaufkraft verliert, geraten auch starke Währungen wie der Schweizer Franken unter Aufwertungsdruck — was die exportabhängige Schweizer Wirtschaft beschädigen würde, weil ihre Produkte am Weltmarkt teurer würden. Die Schweizerische Nationalbank wagt es seit Jahren nicht, dem Franken die volle Aufwertung gegen Dollar und Euro zuzulassen. Stattdessen kauft sie laufend Unmengen Dollar und Euro auf, um den Franken künstlich kurz zu halten. Die Bilanz der Schweizer Notenbank ist dadurch auf rund 800 Milliarden Franken angeschwollen — eine Summe in der Größenordnung des gesamten Schweizer Bruttoinlandsprodukts —, davon der allergrößte Teil als Devisenreserven in Dollar und Euro, die genau in dem Maße entwertet werden, wie sie gehalten werden. Damit holt die Schweizerische Nationalbank die Dollar-Inflation freiwillig in ihre eigene Bilanz, bezahlt vom Vermögen der Schweizer Bürger, das langfristig im selben Tempo schrumpft wie die ausländischen Reserven. Was außen als „starker Franken” wirkt, ist in Wahrheit ein Franken, der nur deshalb nicht voll aufwertet, weil die Notenbank die Dollar-Schwäche aktiv importiert. Das gleiche Muster betreibt die japanische Notenbank in noch größerem Maßstab, die deutsche bis zur Euro-Einführung 1999 in kleinerem. Der „bösartige Zwilling” der City of London schädigt also nicht nur den Amerikaner; er nimmt jeden Schweizer, jeden Deutschen, jeden Japaner über den Umweg der nationalen Notenbanken-Reserven mit in seinen Abgrund.
Warum die anderen nicht mehr mitspielen
Vor diesem Hintergrund versteht man die Reaktion der BRICS-Staaten.
Die Gruppe begann 2009 als lockerer Verbund von Brasilien, Russland, Indien und China; Südafrika kam 2010 hinzu — daher das Kürzel. Inzwischen ist BRICS auf zehn Vollmitglieder angewachsen: Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate kamen Anfang 2024 hinzu, Indonesien Anfang 2025. Flankiert wird der Kern von zehn Partnerländern — unter ihnen Belarus, Kuba, Bolivien, Kasachstan, Malaysia, Nigeria, Thailand, Uganda, Usbekistan und Vietnam —, und über dreißig weitere Staaten haben Beitrittsanträge gestellt oder Interesse bekundet.
Diese Staaten liefern, in dieser Reihenfolge: das meiste Erdöl der Welt, einen Großteil der Industriemetalle, einen großen Teil des Weizens und der seltenen Erden, einen wachsenden Anteil der Industriewaren. Was sie dafür bekommen, sind Dollar — Fed-Dollar und Eurodollar nebeneinander. Beide werden ohne ihr Zutun vermehrt, beide schmälern den Gegenwert, den sie für ihre realen Güter erhalten.
Dass das Gewicht dieses Einwands ernst zu nehmen ist, zeigt eine Zahl. Misst man die Wirtschaftsleistung nicht an Wechselkursen, sondern an dem, was man für das Geld real kaufen kann, erbringen die BRICS-Staaten heute rund siebenunddreißig Prozent der Weltwirtschaft, die G7 nur noch knapp dreißig [Quelle: IMF — GDP based on PPP, share of world]. Und der Westen rechnet sich dabei womöglich reicher, als er ist: Ein großer Teil seiner Wirtschaftsleistung besteht aus Dienstleistungen — Versicherung, Finanzgewerbe, Rüstung, der ganze Medien- und Verwaltungsapparat —, die Geld umschichten, aber wenig Greifbares schaffen. Die Stärke der BRICS-Staaten liegt in der realen Produktion. Die lässt sich nicht wegdrucken.
Darum bauen sie an einer eigenen Verrechnungseinheit. „Unit” heißt das Pilotprojekt: zu vierzig Prozent mit physischem Gold hinterlegt, zu sechzig Prozent mit einem Korb der fünf ursprünglichen BRICS-Währungen [Quelle: CCN — How „The Unit” Works]. Kein Bargeld für den Bäcker — ein Instrument, um Handelsrechnungen zu begleichen, ohne den Umweg über den Dollar. Reines Gold taugte als Basis nicht, weil es die goldreichen Mitglieder bevorzugt hätte; der Währungskorb gibt jedem Mitglied einen Anteil. Entscheidend ist die Richtung: Wer hier mitmacht, will einen Anker aus realen Werten — nicht nur Schüttelschecks, und schon gar nicht das Versprechen zweier Notenpressen, die zudem teils niemandem gehören, der sich öffentlich zu ihnen bekennt.
Schluss — und die Brücke zum nächsten Teil
Damit ist die Aufgabe dieses Texts gelöst. Sie wissen jetzt, wie der Dollar wirklich in die Welt gebracht wird, in beiden Versionen, und wer dabei verdient und wer bezahlt. Sie können die nächste Wirtschaftsnachricht, die von „Geldpolitik der Fed” spricht, mit einem feinen Ohr lesen und die andere Hälfte mitdenken, die niemand erwähnt.
Hinter den Kulissen Washingtons läuft derzeit der vorsichtige Versuch eines Schritts, den ein anonymer Beobachter bereits Ende 2018 auf einen Satz reduziert hat. Auf die Frage „Haben wir das Gold?” antwortete Q damals:
Ja. Gold wird die FED zerstören.
— Q, Drop #2619, 12.12.2018 (aus dem Englischen übersetzt)
Vor sieben Jahren las sich das wie eine kühne These. Heute, mit dem, was Sie nach diesem Text über die beiden Stockwerke der Notenpresse wissen, liest es sich wie eine Lagebeschreibung.
Eine Klarstellung am Rande, damit kein Leser in die Irre läuft: Die in QAnon-Folge-Kreisen seit etwa 2020 populären Begriffe NESARA, GESARA und QFS („Quantum Financial System”) stammen nicht von Q selbst. Q hat über keines dieser Konstrukte je geschrieben — sie sind Erfindungen späterer „Decoder”, die ihre eigenen Geschäftsideen in die Drops hineinprojizieren und meist über fragwürdige Kanäle (Telegram, anonyme Substacks) als „Q-Plan” verkauft werden. Was Q tatsächlich zur Geldfrage gesagt hat, lässt sich auf den einen Satz oben verdichten. Alles weitere darüber hinaus ist Fantasie.
Was Trump jetzt vorbereitet, mit welchen Werkzeugen — und ob die Rechnung am Ende aufgeht oder nicht — das ist der nächste Teil dieser Serie: „Der Boden unter dem Tisch.”
Diese Serie ist frei zugänglich
Dieser Beitrag und die übrigen Teile der Core-Five-Serie sind ohne Bezahl-Schranke lesbar — die Argumente sollen so weit wie möglich kursieren, gerade jetzt, wo sich die Weltordnung sichtbar verschiebt. Wer meine Arbeit finanziell unterstützen möchte, hat zwei Wege:
Buchkauf: Trump zerlegte die Neue Weltordnung (503 Seiten, eBook ohne Kopierschutz, CHF 19,80) — ingag.de/tzn.
Substack-Bezahl-Abo: CHF 50 pro Jahr, mit dem Buch Trump zerlegte … als Willkommens-Geschenk plus monatlich ein weiteres eBook aus meinem Verlagsprogramm. Bei Stripe-Karten-Ablehnung (kommt regelmäßig vor): einfach über PayPal.
Wer einfach nur teilen möchte, was hier steht — bitte tut das. Die Welt wird ehrlicher, sobald genug Menschen begreifen, dass die Notenpresse zwei Stockwerke hat — und dass das eine Stockwerk, das man kennt, nur die halbe Geschichte ist.
Mit besten Grüßen,
Andreas M. B. Groß
College for Knowledge / Morgarten / Schweiz blog.andreasmbgross.ch — shop7.ch



Ich fühle mich nach dem Lesen dieses Artikels wahrscheinlich wie der deutsche Mediziner Sucharit Bhakdi (Professor und Lehrstuhlinhaber für Medizinische Mikrobiologie), welcher erst in der Aufarbeitung des Corona-Schwindels feststellen musste, dass auch er mit seinem geschultem Wissen über Impfungen nicht erahnen konnte, was für eine Macht die Impfindustrie besitzt, welche ganze Organisationen und Staaten in ihre finsteren Pläne einbezogen. DANKE für diesen umfassenden Einblick in die Geldschöpfungsstrukturen. Mein Blick wurde stark erweitert und ich bin überrascht, was ich aus der beschriebenen Perspektive so alles nicht so gewusst/ so erkannt habe. ES lohnt sich diesen Beitrag bzw. die gesamte Reihe zu teilen.
Wahnsinnsrecherche. Was für ein großartiger Artikel wieder. Danke Andreas! 🙏