Andreas M. B. Groß

✉ Buddha, Laotse, Marc Aurel — Weisheit aus Ost und West

Teil sechs der achtteiligen Serie zur Solidarität mit Reiner Füllmich: Buddha, Laotse, Marc Aurel.

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Andreas M. B. Groß
Okt. 31, 2026
∙ Bezahlt
✉ Buddha, Laotse, Marc Aurel — Weisheit aus Ost und West

Bisher kamen in dieser Serie ein Grieche und zwei Römer zu Wort: Epiktet, Seneca, Boethius. Heute weitet sich der Blick.

Der Buddha lehrte um 500 v. Chr. in Indien, dass der Geist alles ist, was wir sind. Laotse schrieb in China vom Wasser, das weich ist und doch den Stein höhlt. Und Marc Aurel, der mächtigste Mann der damaligen Welt, notierte im Feldlager an der Donau Sätze für sich selbst, die nie für andere bestimmt waren. Er hatte Epiktet gelesen — der Kaiser lernte vom einstigen Sklaven.

Drei Menschen, drei Kulturen — und alle drei sagen dasselbe wie Epiktet: Was dich wirklich ausmacht, kann dir niemand nehmen.

Die Verse des Buddha habe ich nach der englischen Übersetzung von Max Müller (1881) übertragen, Laotse und Marc Aurel stehen in alten deutschen Übersetzungen. Warum ich das Reiner Füllmich in die Zelle schicke, steht in Teil 1.

Aus der Lehre des Buddha

Alles, was wir sind, ist das Ergebnis dessen, was wir gedacht haben: Es gründet auf unseren Gedanken, es ist aus unseren Gedanken gemacht. Spricht oder handelt ein Mensch mit reinem Gedanken, so folgt ihm das Glück wie ein Schatten, der nie von ihm weicht. (Vers 2)

„Er hat mich beschimpft, er hat mich geschlagen, er hat mich besiegt, er hat mich beraubt“ — wer solchen Gedanken nachhängt, in dem hört der Hass nie auf. „Er hat mich beschimpft, er hat mich geschlagen, er hat mich besiegt, er hat mich beraubt“ — wer solchen Gedanken nicht nachhängt, in dem hört der Hass auf. Denn niemals hört Hass durch Hass auf; Hass hört durch Liebe auf. Das ist ein uraltes Gesetz. (Verse 3–5)

Durch Aufraffen, durch Ernst, durch Zucht und Selbstbeherrschung schafft sich der Weise eine Insel, die keine Flut überschwemmen kann. (Vers 25)

Wie ein fester Fels nicht vom Wind erschüttert wird, so wanken die Weisen nicht unter Tadel und Lob. (Vers 81)

Besiegt einer in der Schlacht tausendmal tausend Mann, und ein anderer besiegt sich selbst — dieser ist der größte Sieger. (Vers 103)

Das Selbst ist des Selbst Herr — wer sonst könnte der Herr sein? (Vers 160)

So lasst uns glücklich leben, ohne die zu hassen, die uns hassen! Unter Menschen, die uns hassen, lasst uns frei von Hass wohnen. (Vers 197)

Wer aufsteigenden Zorn zurückhält wie einen rollenden Wagen, den nenne ich einen wahren Lenker; die anderen halten nur die Zügel. (Vers 222)

Man überwinde den Zorn durch Liebe, das Böse durch das Gute, den Geizigen durch Freigebigkeit, den Lügner durch Wahrheit. (Vers 223)

Es gab nie, es wird nie geben und es gibt auch jetzt keinen Menschen, der nur getadelt oder nur gelobt wird. (Vers 228)

Gesundheit ist die größte Gabe, Genügsamkeit der größte Reichtum, Vertrauen die beste Verwandtschaft. (Vers 204)

Das Gleichnis vom zweiten Pfeil (sinngemäß nach den Lehrreden des Buddha, Samyutta Nikaya 36,6): Wird ein unbelehrter Mensch von einem Schmerz getroffen, so klagt er, grämt sich, jammert und gerät ganz außer sich. So fühlt er zweierlei Schmerz, einen leiblichen und einen seelischen — als würde ein Mann von einem Pfeil getroffen und gleich darauf von einem zweiten. Der Belehrte aber, vom selben Schmerz getroffen, klagt nicht und gerät nicht außer sich; er fühlt nur den einen, den leiblichen Schmerz. Den ersten Pfeil schießt das Schicksal. Den zweiten schießt man selbst — oder eben nicht.

Shantideva, indischer Mönch und Lehrer (8. Jahrhundert), sinngemäß: Lässt sich eine Sache ändern, wozu dann verzagen? Und lässt sie sich nicht ändern, was hilft dann das Verzagen? (Eintritt in das Leben zur Erleuchtung, VI, 10)

Laotse — Tao te king

Laotse, der Überlieferung nach Archivar am chinesischen Kaiserhof, 6. Jahrhundert v. Chr. Übersetzung Richard Wilhelm, 1911.

Höchste Güte ist wie das Wasser.
Des Wassers Güte ist es,
allen Wesen zu nützen ohne Streit.
Es weilt an Orten, die alle Menschen verachten.
Drum steht es nahe dem Sinn. […]
Wer sich nicht selbst behauptet,
bleibt eben dadurch frei von Tadel. (8)

Was halb ist, wird ganz werden.
Was krumm ist, wird gerade werden.
Was leer ist, wird voll werden.
Was alt ist, wird neu werden. […]
Denn wer nicht streitet,
mit dem kann niemand auf der Welt streiten. (22)

Wer andre kennt, ist klug.
Wer sich selber kennt, ist weise.
Wer andere besiegt, hat Kraft.
Wer sich selber besiegt, ist stark.
Wer sich durchsetzt, hat Willen.
Wer sich genügen läßt, ist reich.
Wer seinen Platz nicht verliert, hat Dauer.
Wer auch im Tode nicht untergeht, der lebt. (33)

Auf der ganzen Welt
gibt es nichts Weicheres und Schwächeres als das Wasser.
Und doch in der Art, wie es dem Harten zusetzt,
kommt nichts ihm gleich. […]
Daß Schwaches das Starke besiegt
und Weiches das Harte besiegt,
weiß jedermann auf Erden,
aber niemand vermag danach zu handeln. (78)

Marc Aurel — Selbstbetrachtungen

Marcus Aurelius (121–180), römischer Kaiser, schrieb diese Notizen nur für sich selbst, viele davon im Feldlager an der Donau, in Krieg und Seuche. Übersetzung F. C. Schneider, 1857.

Man liebt es, sich zu Zeiten aufs Land, in's Gebirge, an die See zurückzuziehn. Auch Du sehnst Dich vielleicht dahin. […] Es steht Dir ja frei, zu jeglicher Stunde Dich in Dich selbst zurückzuziehn, und nirgends finden wir eine so friedliche und ungestörte Zuflucht als in der eignen Seele. […] Auf diese Weise also ziehe Dich beständig zurück, um Dich immer wieder aufzufrischen. (IV, 3)

Was sich uns aber geradezu in den Weg stellt, betrachten wir als ein Mittel zu unsrer Uebung –: der Flamme gleich, die sich auch solcher Stoffe zu bemächtigen weiss, deren Berührung ein kleineres Licht verlöschen würde, aber ein helles Feuer nimmt in sich auf und verzehrt, was man ihm zuführt, und wird nur grösser dadurch. (IV, 1)

Auf diese Weise verwandelt und bildet die Seele ein Hinderniss unseres Wirkens um in sein Gegentheil: was unser Werk aufhalten sollte, gestaltet sich selbst zum guten Werke, und ein Weg eröffnet sich eben da, wo uns der Weg versperrt ward. (V, 20)

In der Seele eines Andern sitzt es nicht, was Dich unglücklich macht, auch nicht in der Wendung Deiner äusseren Verhältnisse. Wo denn, fragst Du? In Deinem Urtheil! Halte es nicht für ein Unglück, und Alles steht gut. (IV, 39)

Wie der Fels im Meere, an dem die Wellen unaufhörlich rütteln – aber er steht, und ringsum legt sich der Brandung Ungestüm: so stehe auch Du! Nenne Dich nicht unglücklich, wenn Dir ein »Unglück« widerfuhr! Nein, sondern preise Dich glücklich, dass, obwohl es Dir widerfahren ist, der Schmerz Dir doch nichts anhat und weder Gegenwärtiges Dich mürbe machen, noch Zukünftiges Dich ängstigen kann. Jedem könnt' es begegnen, aber nicht Jeder hätte es so ertragen. […] Kann Dich denn irgend ein Schicksal hindern, gerecht zu sein, hochherzig, besonnen, klug, selbstständig in Deiner Meinung, wahrhaft in Deinen Reden, sittsam und frei in Deinem Betragen? […] So oft also etwas Schmerzhaftes Dir nahe tritt: denke, es sei kein Unglück; aber ein Glück sei's, es mit edlem Muthe zu tragen. (IV, 49)

Die beste Art, sich an Jemand zu rächen, ist, es ihm nicht gleich zu thun. (VI, 6)

Es ist ein dem Menschen eigenthümlicher Vorzug, dass er auch die liebt, die ihm weh gethan haben. Und es gelingt ihm, wenn er bedenkt, dass Menschen Brüder sind, dass sie aus Unverstand und unfreiwillig fehlen […] und vor Allem: dass eigentlich Niemand ihm schaden, d.h. sein Inneres schlechter machen kann als es vorher gewesen. (VII, 22)

Blicke in Dein Inneres! Da drinnen ist eine Quelle des Guten, die nimmer aufhört zu sprudeln, wenn Du nur nicht aufhörst nachzugraben. (VII, 59)

Übermorgen: die Bibel — ein Buch voller Gefangener, die nicht vergessen wurden.


Die Serie ✉ Solidarität mit Reiner Füllmich

  1. Mi 21.10. Reiner Füllmich in Lingen — warum dein Brief in die Zelle zählt

  2. Fr 23.10. Epiktet — „Mein Bein wirst du fesseln“

  3. So 25.10. Seneca I — Briefe an einen Freund in Sorge

  4. Di 27.10. Seneca II — Der Ort macht es nicht

  5. Do 29.10. Boethius — Trost im Kerker von Pavia

  6. Sa 31.10. Buddha, Laotse, Marc Aurel — Weisheit aus Ost und West ← du bist hier

  7. Mo 2.11. Die Bibel — Gefangene, die nicht vergessen wurden

  8. Mi 4.11. Stimmen aus der Haft — von Bonhoeffer bis Havel

Schreib ihm. Nur Briefe und Postkarten kommen durch: Dr. Reiner Fuellmich, JVA Lingen, Haupthaus 3, Kaiserstraße 5, D-49809 Lingen, Deutschland (Stand: 10.10.2026, vor jeder Folge geprüft). Was du beachten solltest, steht in Teil 1.

Heb dir diese Serie auf. Wenn du einmal einem anderen Menschen in Haft beistehen willst, findest du hier fertigen Lesestoff zum Abschreiben. Für Briefe an Gefangene darfst du daraus frei abschreiben, ohne Quellenangabe.


Das Buchgeschenk für Stammleser

Diese Serie ist und bleibt frei. Wenn du sie als Stammleser trägst, bekommst du obendrein jeden Monat ein Buch geschenkt. Gerade ist es Dr. Heinrich Oidtmann, „Weshalb ich meine Kinder nicht habe impfen lassen“ (1877).

Warum das hierher passt:

Am 22. Oktober 1877 stand der Landarzt Heinrich Oidtmann aus Linnich bei Aachen vor dem Polizeigericht. Er hatte seine eigenen Kinder nicht impfen lassen, wie es das Reichsimpfgesetz von 1874 vorschrieb — und wurde verurteilt. Er schrieb dazu:

Mein Fall ist wohl der erste, daß ein Arzt, und dazu ein Impfarzt, […] vor die Schranken des Gerichtes gezogen wurde, um sich wegen seines passiven Widerstandes gegen das Reichsimpfgesetz […] verurtheilen zu hören.

Seine Verteidigungsschrift ist dieses Buch. Damals stand ein Impfgegner vor Gericht. Heute sitzt wieder einer in Haft. Offiziell wegen Untreue: Er soll Spenden für den Corona-Ausschuss auf eigene Konten überwiesen haben. Der Staat sagt, er schütze damit die Spender. Ich sehe es anders: Die Spender haben ihm das Geld gegeben, damit er kämpft — und die Haft sorgt dafür, dass er genau das nicht kann. Wer ist hier der Heuchler? Das Drehbuch ist fast 150 Jahre alt.

Oidtmann: Weshalb ich meine Kinder nicht habe impfen lassen

Stammleser bekommen dieses Buch unten gratis — mit einem Code, der bis Freitag, 20. November 2026, den Preis im Shop auf null setzt. Wenn du noch kein Stammleser bist: Ein Monatsabo kostet weniger als ein Buch, und etwa alle vier Wochen kommt ein neues dazu. Und wenn du es einfach kaufen willst (PDF, CHF 14.90): ingag.de/oidtmann


Die Naturheilkunde-KI

Neben dem Schreiben baue ich eine KI, die Gesundheitsfragen aus den Standardwerken der Erfahrungsheilkunde beantwortet — Jahrhunderte gesammelter und an Patienten geprüfter Erfahrung, mit Quellenangabe zu jedem Punkt. Die erste Frage ist kostenlos: start.naturheilung.org

Zurzeit arbeite ich an einem Werkzeug für Arztpraxen: Es ersetzt in ganzen Patientenakten Namen, Geburtsdaten, Adressen und Nummern durch Platzhalter. So kann ein Arzt die Akte einem KI-Agenten übergeben und mit ihm den Fall durchsprechen, ohne preiszugeben, wer der Patient ist. Für den Beta-Test habe ich noch Plätze frei — wenn du Ärztin oder Arzt bist und dabei sein willst, antworte einfach auf diese Mail oder schreib an mail@andreas-gross.ch. Bitte schick dabei noch keine Patientendaten mit.

Deine Erfahrungen und Fragen zur KI kannst du im Telegram-Chat mit anderen Nutzern teilen: t.me/naturheilung_org


Der öffentliche Teil dieses Artikels steht unter der Lizenz CC BY 4.0 (creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de): Du darfst ihn teilen, kürzen und übersetzen — nenne dabei Andreas Groß als Autor und verlinke das Original.

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