Andreas M. B. Groß

Gesundheit & Naturheilkunde

đŸ©ž Derselbe Blutdruck, drei verschiedene Ursachen

Statt einfach den hohen Blutdruck zu senken, solltest du darauf bestehen, dass die Ursache gefunden und behandelt wird.

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Andreas M. B. Groß
Sept. 05, 2026
∙ Bezahlt

Sechster Teil der Blutdruck-Serie. Im ersten Teil ging es um den Maßstab, im zweiten um die Beweise, im dritten um die vier Ursachen und die beiden Stoffe, im vierten um das Salz, im fĂŒnften um das richtige Messen. Hier kommt zusammen, worauf das Ganze hinauslĂ€uft: warum drei Menschen mit demselben Wert drei verschiedene Ursachen haben können, warum eine Zehn-Minuten-Sprechstunde das nicht auflösen kann — und was seit Kurzem an ihre Stelle treten kann.

Nach den bisherigen Teilen kam eine Frage hÀufiger als jede andere:

Und welche HeilkrÀuter helfen denn nun?

Meistens mit einem konkreten Namen dabei. Die Mistel steht ganz oben, dicht gefolgt vom Weißdorn.

Ich beantworte diese Frage, mit Zahlen, sechzehnmal — aber erst im im kommenden, im 7. Teil. Hier stelle ich etwas davor, weil die Antwort sonst falsch verstanden wird — und weil das Davorgestellte das eigentlich Neue ist.

Denn die Frage „welches Mittel senkt den Blutdruck” ist dieselbe dumme Frage, die der Arzt in seinen zehn Minuten beantwortet. Nur mit einem anderen, einem naturheilkundlichen Mittel. Wer sie stellt, hat den Tunnelblick schon ĂŒbernommen und tauscht bloß die Tablette gegen den Tee anstatt die Ursache zu identifizieren und zu beheben.

Wenn du diesen Artikel gelesen hast, weißt du vier Dinge.

  • Erstens, warum drei Menschen mit demselben Wert von 160 zu 100 drei völlig verschiedene Ursachen haben können — und warum trotzdem alle dieselbe Tablette bekommen sollen.

  • Zweitens, welche sieben Fragen den Fall aufklĂ€ren wĂŒrden und warum keine davon in die verfĂŒgbaren zehn Minuten ArztgesprĂ€ch passt.

  • Drittens, was heute an die Stelle dieser zehn Minuten treten kann. Das ist ganz neu und seit etwa zwei Jahren möglich und vorher war es das nicht.

  • Und viertens, welche Dinge aus dem eigenen Schrank den Blutdruck heimlich nach oben treiben — die billigste PrĂŒfung, die es gibt, und die fast nie gemacht wird.

Der Zaun, wie in jedem Teil dieser Serie: Das ist keine Aufforderung, deine Tabletten wegzulassen. Es ist keine Diagnose, keine Behandlung und kein Ersatz fĂŒr eine Untersuchung. Wer OrganschĂ€den hat — am Augenhintergrund, an den Nieren, ein vergrĂ¶ĂŸertes Herz —, hat ein echtes Problem und braucht mehr als einen Artikel. Und die Fallgeschichten, die gleich kommen, sind erfunden. Sie stehen ausdrĂŒcklich als Lehrbeispiel da, nicht als Bericht ĂŒber wirkliche Menschen. Ich habe sie so gebaut, dass sie zeigen, worum es geht.

Drei Menschen, ein Wert

Nehmen wir drei Personen. Alle drei kommen an einem Dienstagvormittag in dieselbe Praxis. Alle drei haben einen Blutdruck 160 zu 100.

Werner, achtundsechzig Jahre. Er macht seit Jahren alles richtig, wenn man die Ratgeber zum Maßstab nimmt. Kein Alkohol, keine Zigaretten, gefiltertes Wasser, Biokost, nichts Fertiges, alles selbst gekocht. Er geht jeden Tag eine halbe Stunde, und nicht in der Ebene, sondern den Hang hinauf, bis er schwitzt. Er ist trotzdem schwer, und das Gewicht bewegt sich seit Jahren nicht.

Renate, zweiundfĂŒnfzig Jahre. Sie hat in der Praxis 160 zu 100. Zu Hause, wenn sie selbst misst, hat sie 128 zu 78. Sie weiß das, weil sie ein GerĂ€t im Schrank hat, aber sie hat es nie erwĂ€hnt, weil sie dachte, das GerĂ€t sei vielleicht ungenau und sie den Arzt nicht ins Unrecht setzen mag.

Thomas, fĂŒnfundvierzig Jahre. Er schnarcht so laut, dass seine Frau seit zwei Jahren im Nebenzimmer schlĂ€ft. Morgens ist er wie erschlagen, obwohl er acht Stunden im Bett war. Am Nachmittag fallen ihm im Sessel die Augen zu. Er hĂ€lt sich fĂŒr einen schlechten SchlĂ€fer.

Alle drei bekommen an diesem Dienstag dasselbe Rezept.

Und bei allen dreien wird der Blutdruck fallen. Der ACE-Hemmer — das ist die Wirkstoffklasse, die bei Bluthochdruck am hĂ€ufigsten zuerst verschrieben wird — wirkt bei jedem. Das ist ja gerade das Problem: Ein Blutdrucksenker fragt nicht, warum der Druck hoch ist. Er senkt ihn brutal.

Was in den drei FĂ€llen wirklich los ist

Bei Renate ist es der Praxisbesuch selbst. Ihr Wert steigt, wenn eine Manschette angelegt wird und jemand im weißen Kittel danebensteht. Das hat einen Namen und es ist gut untersucht. “Weißkittel-Hypertonie”. Sie ist nicht krank — jedenfalls nicht in dem Sinn, dass sie ein Medikament brĂ€uchte. Sie sollte zu Hause weiter messen, mehr braucht es gar nicht. Sie bekommt jetzt trotzdem ein Medikament, das ihren hĂ€uslichen Wert von 128 auf vielleicht 115 drĂŒckt — und irgendwann wird ihr beim Aufstehen schwarz vor Augen, und niemand wird den Zusammenhang herstellen.

Sie hĂ€tte nur gefragt werden mĂŒssen, ob sie zu Hause misst. - Oder falls sie nie gemessen hat: Muss sie nur damit beginnen, zu Hause zu messen.

Als Faustregel: Wenn Du zu Hause dauerhaft deutlich niedriger misst als in der Praxis, hast Du womöglich Renates Fall und solltest das deinem Arzt von dir aus sagen. Der fragt selten danach.

Bei Thomas ist der Blutdruck ein Symptom, und das Schnarchen ist die Ursache. Wer nachts wiederholt zu wenig Luft bekommt, schaltet jedes Mal den Stressteil des Nervensystems ein. Der Druck steigt in der Nacht, statt zu fallen. Das ist der klassische Weg zu einem Bluthochdruck, der sich mit Tabletten nur schwer bĂ€ndigen lĂ€sst — und die Ursache liegt nicht im Kreislauf, sondern im Rachen.

Er hĂ€tte nur gefragt werden mĂŒssen, ob er schnarcht.

Und bei Werner liegt der Fall am tiefsten, deshalb nehme ich ihn auseinander.

Der Fall Werner, Schritt fĂŒr Schritt

Werner sitzt auf dem Stuhl, und der Arzt hat zehn Minuten. In diesen zehn Minuten steckt: Freundliche BegrĂŒssung, Patientenakte lesen, Blutdruck messen, das Ergebnis erklĂ€ren, ein Rezept ausstellen, den Termin dokumentieren, verabschieden. Was in diesen zehn Minuten wirklich nicht unter zu bringen ist, ist sein Fall.

Denn Blutdruck ist Fluss mal Widerstand, das stand im dritten Teil. Wenn Werners Druck hoch ist, muss das Blut gegen einen höheren Widerstand in die Organe gedrĂŒckt werden — und die eigentliche Frage nach der Ursache lautet:

Woher kommt dieser Widerstand?

Es gibt darauf eine ĂŒberschaubare Zahl möglicher Antworten. Hier sind sieben, die man bei Werner der Reihe nach durchgehen mĂŒsste.

1. Was hat er in den letzten Wochen angefangen, das er vorher nicht hatte? NahrungsergĂ€nzungsmittel gehören ausdrĂŒcklich dazu. Sie sind nicht harmlos, nur weil man sie frei kaufen kann. Diese Frage ist die billigste von allen, sie kostet dreißig Sekunden, und sie wird fast nie gestellt.

2. Was nimmt er, das den Druck selbst erzeugen könnte? Dazu unten eine eigene Liste. Sie ist lÀnger, als die meisten ahnen, und sie enthÀlt Dinge aus dem Supermarkt oder verschriebene Medikamente.

3. Wie steht es um die SchilddrĂŒse? Eine Unterfunktion erhöht den Widerstand in den GefĂ€ĂŸen — typischerweise sieht man das am unteren Wert. Eine Überfunktion treibt den Puls und den oberen Wert. Beide Abweichungen erzeugen einen hohen Blutdruck, und beide werden von einer Tablette gegen Blutdruck nur zugedeckt, nicht ursĂ€chlich behandelt.

4. Wie dick ist das Blut? Das ist keine Metapher. Die ZĂ€higkeit des Blutes steht direkt im Widerstand — wer zu viele rote Blutkörperchen hat, hat mehr Widerstand, ganz ohne verengte GefĂ€ĂŸe. Ein großes Blutbild beantwortet das fĂŒr ein paar Euro. Dann kann man davon die Ursache ergrĂŒnden und beheben.

5. Wie hoch ist der Insulinspiegel? Nicht der Blutzucker — der ist die SpĂ€tfolge. Insulin ist die Ursache, und es tut zwei Dinge gleichzeitig: Es lĂ€sst die Niere Natrium zurĂŒckhalten, und es hebt den Stresstonus. Beides hebt den Druck. Und dasselbe Insulin blockiert die Fettfreisetzung — solange es hoch steht, gibt der Körper sein Fett nicht her, ganz gleich wie sauber gegessen wird. Damit erklĂ€rt ein einziger Wert Werners Blutdruck und sein festsitzendes Gewicht auf einmal. Dieser Wert wird praktisch nie gemessen.

6. Wie arbeitet die Niere? Sie ist der eigentliche Regler. Sie filtert nur, wenn genug Druck an ihr anliegt, und wenn ihre Durchblutung nachlĂ€sst, fordert sie ĂŒber ihr Hormonsystem mehr Druck an — und bekommt ihn auch. Dann ist der hohe Blutdruck keine Krankheit, sondern die Verhinderung einer Krankheit. Ein Kreatininwert mit der daraus geschĂ€tzten Filtrationsleistung sagt, ob dieser Regler noch sauber arbeitet. Blutdruck-Senker können also die Niere schĂ€digen. Da das ein Umsatzbringer fĂŒr Pharmakonzerne ist, wird es gerne ignoriert.

7. Was steht unter Dauerstrom? Schlafmangel, Angst, Dauerbelastung, Stress. Wie stark das auf den Blutdruck wirkt, zeigt eine der bedrĂŒckendsten Zahlen der Medizingeschichte: WĂ€hrend der Belagerung Leningrads 1942 und 1943 stieg der Anteil der Bluthochdruck-Kranken unter den Eingeschlossenen von rund 4 auf ĂŒber 60 Prozent. Nicht weil sie zu viel gegessen hĂ€tten — sie hungerten. Die sowjetischen Ärzte gaben dem PhĂ€nomen einen eigenen Namen: Blockade-Hypertonie. Sie gilt bis heute als eigene Form des Bluthochdrucks, ausgelöst und aufrechterhalten durch schweren seelischen Dauerstress [Quelle: Simonenko, Klinitscheskaja Medizina 2002 — Zur Entstehung der Leningrader Blockade-Hypertonie].

Dazu kommt der achte Punkt, der keine Ursache ist, sondern ein Messfehler, und den ich nie aus meiner Sammlung gestrichen habe, weil er so verblĂŒffend praktisch ist: Eine volle Blase treibt den Blutdruck nach oben. Wer vor dem Messen nicht auf der Toilette war, misst nicht seinen Blutdruck, sondern seine Blase.

Sieben Fragen und ein Messfehler. Jede einzelne ist beantwortbar. Die meisten kosten nichts außer der Frage selbst, ein paar kosten eine Blutentnahme.

Bei Werner werden diese sieben Fragen mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Nummer fĂŒnf hĂ€ngenbleiben. Ein Mann, der sauber isst, sich tĂ€glich den Hang hinauf bewegt und sein Gewicht trotzdem seit Jahren nicht los wird, hat fast immer einen zu hohen Insulinspiegel. Der erklĂ€rt beides auf einmal — den Druck und das Gewicht, das sich nicht rĂŒhrt. Eine einzige Blutentnahme wĂŒrde es zeigen. Sie wird nicht gemacht.

Um dich nicht zu langweilen, habe ich darauf verzichtet, daraus sieben verschiedene FĂ€lle aufzulisten. Aber die Frage liegt nahe: Wie viele Ursachen gibt es ĂŒberhaupt?

Die LehrbĂŒcher sagen: Bei neun von zehn Menschen mit hohem Blutdruck findet man keine Ursachen. Sie nennen das dann essentielle Hypertonie. Das klingt nach Diagnose, heißt ĂŒbersetzt aber: Wir haben nicht nachgesehen. Nur bei den restlichen fĂŒnf bis zehn Prozent gilt der Blutdruck offiziell als erklĂ€rbar [Quelle: Rimoldi u.a., European Heart Journal 2014 — SekundĂ€re Hypertonie: wann, wen und wie untersuchen?].

Und fĂŒr diese kleine Minderheit fĂŒhren dieselben LehrbĂŒcher zwischen dreißig und sechzig Ursachen auf. ZĂ€hlt man die einzelnen Medikamente mit, die einzelnen Nierenerkrankungen und die gut zwei Dutzend bekannten Erbformen, sind es weit ĂŒber hundert.

Die Frage ist also nicht, ob es Ursachen gibt. Die Frage ist, wer sucht sie.

Nur die richtige Bestimmung und Behebung der Ursache dient dem Patienten.

Das ist kein Vorwurf an den Arzt

An dieser Stelle möchte ich etwas geradestellen, weil es sonst als Wut auf die Ärzteschaft gelesen wird, und das wĂ€re falsch.

Der Hausarzt, der Werner in zehn Minuten abfertigt, ist nicht faul und nicht dumm. Er behandelt an diesem Tag noch einundfĂŒnfzig andere Menschen — zweiundfĂŒnfzig Patienten am Tag sind der deutsche Durchschnitt, bei einer Wochenarbeitszeit von vierundfĂŒnfzig Stunden [Quelle: Ärztemonitor, Deutsches Ärzteblatt]. Und in seiner Kartei stehen allein aus diesem einen Quartal rund neunhundert verschiedene Patienten [Quelle: KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung, Honorarbericht Quartal 4/2023].

Diese zweite Zahl solltest Du einen Moment stehen lassen. Neunhundert Krankengeschichten kann kein Mensch im Kopf haben. Und die Akte vorher zu lesen kostet Zeit, die in den zehn Minuten nicht enthalten ist — die zehn Minuten sind ja das GesprĂ€ch. Also sieht der Arzt Werner faktisch jedes Mal zum ersten Mal.

Er wird nach Fall bezahlt, nicht nach Zeit. Er hat eine Leitlinie, die ihm sagt, was bei 160 zu 100 zu tun ist, und wenn er davon abweicht und etwas geht schief, steht er allein da. Und er weiß so gut wie ich, dass die sieben Fragen die besseren wĂ€ren.

Er hat nur die Zeit nicht. Niemand hat sie ihm gegeben.

Wer ihm die Zeit nimmt

In zehn Minuten kann kein Arzt eine Ursache bestimmen. Es liegt also nicht an ihm, dass er es nicht versucht — es liegt am Abrechnungssystem der Krankenversicherung, das ihm diese Zeit weder einrĂ€umt noch bezahlt. Darauf zu verzichten und stattdessen einen Blutdrucksenker zu verschreiben, dient allein den Pharmakonzernen.

Welchen Einfluss ĂŒben die Pharmakonzerne auf die Krankenkassen aus? Das wĂ€re eine eigene Recherche und einen eigenen Artikel wert. Ein paar Zahlen gibt es aber schon, und sie sind amtlich.

Wie eng Pharmaindustrie und KostentrĂ€ger in der Schweiz verflochten sind, hat im August 2026 die Eidgenössische Finanzkontrolle beziffert. Die Hersteller gewĂ€hren Arztpraxen, Apotheken und SpitĂ€lern jĂ€hrlich bis zu 743 Millionen Franken an Rabatten und anderen geldwerten Vorteilen — acht Prozent des gesamten Arzneimittelvolumens der Grundversicherung. Das Gesetz schreibt in Artikel 56 des Krankenversicherungsgesetzes vor, dass diese Vorteile an die Versicherer oder die Versicherten weitergereicht werden. Ob das ĂŒberhaupt geschieht, hat das Bundesamt fĂŒr Gesundheit seit 2020 nicht ernsthaft kontrolliert [Quelle: Eidgenössische Finanzkontrolle, PrĂŒfbericht vom 12. August 2026].

Und die Menschen, die zwischen Industrie und Aufsicht hin und her wechseln, sind gezĂ€hlt worden. Eine Recherche von Public Eye fand 239 Personen mit solchen Seitenwechseln, davon 173 bei Swissmedic und 66 beim Bundesamt fĂŒr Gesundheit.

Man muss sich klarmachen, was das im Kopf eines Sachbearbeiters anrichtet: Wer ĂŒber ein PrĂ€parat oder eine Richtlinie mitentscheidet und dabei weiß, dass frĂŒhere Kollegen nach genau solchen Entscheiden zu genau diesen Herstellern gewechselt sind, auf deutlich besser bezahlten Stellen, der braucht keine Bestechung mehr. Es genĂŒgt die Aussicht. Dieses “DrehtĂŒrkonzept” ist keine Korruption, die man im strafrechtlichen Sinn verfolgen könnte. Es ist “Karriereplanung”.

Zur Behörde, die in der Schweiz die Arzneimittel zulĂ€sst, heißt es bei Public Eye trocken: Schon ihre Finanzierung — das Budget von Swissmedic stammt zu rund 80 Prozent aus der Pharmaindustrie — lasse den Verdacht der Befangenheit aufkommen [Quelle: Public Eye — Unter welchem Einfluss der Industrie stehen Schweizer Behörden?].

In Deutschland hat das Recherchezentrum Correctiv 2016 offengelegt, was die Hersteller den Ärzten zahlen: 575 Millionen Euro in einem Jahr an 20 489 namentlich genannte Ärzte, davon 366 Millionen fĂŒr sogenannte Anwendungsbeobachtungen — Studien, deren wissenschaftlicher Wert schon damals bestritten wurde [Quelle: Correctiv — Euros fĂŒr Ärzte]. Und dass Herstellerdaten den Weg bis in die Ă€rztlichen Leitlinien finden, hat das Deutsche Ärzteblatt an zwei FĂ€llen nachgezeichnet — in einem davon mit Studiendaten, deren Manipulation vor Gericht festgestellt wurde [Quelle: Schott u.a., Deutsches Ärzteblatt International 2013].

Was diese Zahlen nicht belegen, sage ich dazu: Es gibt keine Untersuchung, die nachweist, dass jemand absichtlich dafĂŒr sorgt, dass dem Arzt die Zeit fehlt. Belegt ist die Kette drumherum — das Geld fließt, die Leute wechseln die Seiten, die Kontrolle findet nicht statt. Welche SchlĂŒsse daraus zu ziehen sind, muss jeder selbst entscheiden.

Das ist der Punkt, an dem sich in den letzten zwei Jahren etwas verĂ€ndert hat, und darĂŒber wird erstaunlich wenig gesprochen.

Was heute möglich ist und vor zwei Jahren nicht

Die sieben Fragen bei Werner durchzugehen, dauert nicht zehn Minuten. Es dauert zwei Stunden, wenn man es ordentlich macht — mit Nachfragen, mit dem Blick in die alten Befunde, mit dem Vergleich zwischen dem Wert von heute und allen bisher gemessenen, mit der Überlegung, welche Blutwerte aus dem Labor nötig wĂ€ren, um die Ursache einkreisen zu können.

Zwei Stunden Ă€rztlicher Zuwendung sind in unserem Gesundheitswesen nicht vorgesehen und nicht bezahlbar. Deshalb ist es nie gemacht worden. Nicht weil es niemand konnte — weil es niemand bezahlt hat. (Nebenbei: Wer die Zeit seines Arztes selbst bezahlt, bekommt sie auch. Das ist einer von mehreren GrĂŒnden, warum Vermögende im Schnitt lĂ€nger gesund bleiben und oft steinalt werden.)

Genau diese zwei nötigen Stunden sind fĂŒr dich seit Kurzem verfĂŒgbar, und sie kosten fast nichts.

Dazu nutzen wir die kĂŒnstliche Intelligenz. Ich beschreibe, was ich meine, an einem echten Ablauf, ohne Zauberei:

  • Du legst der KI deine vorhandenen Befunde vor — das Laborblatt vom letzten Mal, das von vorletztem Jahr, deine Medikamentenliste, deine NahrungsergĂ€nzungsmittel, deine Eigenanamnese (u.a. Krankengeschichte), deine Blutdruckmessungen als Liste.

  • Du beantwortest die sieben Fragen von oben und gibst die mit deinen Antworten ein, und danach erhĂ€ltst du weitere Fragen, die sich aus deinen Antworten ergeben. Ohne Blick auf die Uhr.

  • Die Werte werden nicht einzeln gelesen, sondern gegeneinander. Ein Wert allein sagt fast nie etwas. Zwei Werte, die eigentlich nicht zusammen auftreten dĂŒrften, sagen sehr viel. Das ist die eigentliche Arbeit, und sie ist mĂŒhsam — man muss alle Werte gleichzeitig im Kopf haben.

  • Am Ende erhĂ€ltst du von der KI eine Liste der nötigen Laborwerte, um die es geht — nicht das ganze Programm, sondern nur die fĂŒnf oder sechs, die zu deiner Lage passen. Mit dieser Liste gehst du zu deinem Arzt und besprichst, welche davon er auch fĂŒr sinnvoll hĂ€lt und dafĂŒr die Laboranweisung zur Blutentnahme erteilt.

  • Und wenn die neuen Werte da sind, gibst du sie der KI ein und ihr geht sie zusammen durch. Was hat sich seit dem letzten Mal bewegt, was nicht, was passt nicht zusammen, was fĂŒr Schlussfolgerungen können daraus gezogen werden?

  • Du lĂ€sst dir von der KI die zugrunde liegenden Daten zur Schlussfolgerung als Brief an den Arzt aufschreiben und schickst sie ihm vorab.

Das ist keine Diagnose und keine Behandlung. Es ist die Vorarbeit, die bisher niemand geleistet hat, weil sie zu lange dauert. Am Ende steht kein Rezept, sondern eine geordnete Frage — und mit einer geordneten Frage sind die zehn Minuten beim Arzt plötzlich genug. Der Arzt muss dann nicht mehr suchen. Er muss nur noch entscheiden, und das kann er gut.

Ich sage ausdrĂŒcklich dazu, was die KI nicht kann: Es kann dich nicht abhören, nicht abtasten, nicht in dein Auge schauen und kein EKG schreiben. Es kann nichts verschreiben. Und es ersetzt nicht das Urteil eines Menschen, der dich kennt. Wer Beschwerden hat, geht zum Arzt — das gilt unverĂ€ndert und ohne Ausnahme.

Aber die KI kann dir empfehlen, was der Arzt an sinnvollen Untersuchungen zur Eingrenzung deiner Ursachen veranlassen sollte.

Warum ich dafĂŒr eine eigene Naturheilung-KI gebaut habe

Die großen Sprachmodelle können das, was ich eben beschrieben habe, inzwischen erstaunlich gut. Das sage ich offen, obwohl es meinem eigenen Angebot Konkurrenz machen könnte — ich verkaufe hier keine Zauberkiste, die es sonst nirgends gibt.

Was mein Angebot unterscheidet, ist der Inhalt, aus dem es antwortet.

Ein allgemeines Sprachmodell antwortet aus dem, was im Internet steht — und im Internet steht ĂŒberwiegend die Leitlinienmedizin, weil sie die LehrbĂŒcher schreibt. Frag ein allgemeines Modell nach Bluthochdruck, und du bekommst mit hoher Wahrscheinlichkeit die Zehn-Minuten-Antwort in ausfĂŒhrlich: weniger Salz, mehr Bewegung, und ab 130 zu 80 wĂ€re eine Medikation zu erwĂ€gen. Dass das eine Sackgasse ist, mache ich in meiner 8-teiligen Blutdruck-Serie deutlich, die mit diesem Artikel begann: https://blog.andreasmbgross.ch/p/der-blutdruck-den-alle-senken-wollen?r=q7nqj - Zwei weitere Teile sind schon in Arbeit: Teil 7 “Welche Heilpflanzen den Blutdruck wirklich senken” und Teil 8 “Welcher Kakao wirklich bei hohem Blutdruck hilft”.

Und dass diese mainstream-Antworten auf der Basis der Leitlinien fĂŒr deine Gesundheit eine echte Sackgasse darstellt und von allen fĂŒhrenden KIs so gegeben werden, habe ich kĂŒrzlich hier ausgefĂŒhrt:

Gesundheit & Naturheilkunde

Ich habe fĂŒnf KIs gefragt, ob meine Tabletten mir schaden — entlarvende Antworten

Andreas M. B. Groß
·
Sep 3
Ich habe fĂŒnf KIs gefragt, ob meine Tabletten mir schaden — entlarvende Antworten

Es gibt eine Frage, die inzwischen Millionen Menschen einer KI stellen, bevor sie sie ihrem Arzt stellen. Sie lautet ungefÀhr so:

Ganze Geschichte lesen

Meine KI dagegen antwortet aus Jahrhunderten der Erfahrungsheilkunde. Aus dem, was Naturheiler und Erfahrungsmediziner gesammelt, aufgeschrieben und an Patienten geprĂŒft haben — und aus der Studienliteratur und aus Doppelblind-Studien dazu, die es sehr wohl gibt, nur eben nicht in der begrenzten Sprechstunde. Auch ein Heilpraktiker oder Naturarzt hat kaum die Zeit, um dir all sein Wissen zu vermitteln, das du fĂŒr deine Gesundheit brauchst. Die KI gibt ihre Quellen an, damit du nachschlagen, lernen und selbst urteilen kannst — nicht damit du mir glaubst.

Und deine Daten bleiben deine Daten

DarĂŒber hinaus schĂŒtzt meine KI deine intimsten Daten. Das ist kein Nebenpunkt, sondern fĂŒr mich der zweite Grund, warum ich das ĂŒberhaupt gebaut habe.

Viele kostenlose Dienste im Netz bezahlen sich ĂŒber die Daten ihrer Nutzer. Google hat dieses GeschĂ€ftsmodell groß gemacht: Der Dienst kostet nichts, weil die Nutzerdaten selbst die Ware sind. Was der Nutzer sucht, was er schreibt, was er anklickt — all das ist der Preis, den er zahlt, ohne dass eine Rechnung kommt.

Wenn du deine Laborwerte, deine Medikamentenliste und deine Krankengeschichte in ein gewöhnliches Sprachmodell eintippst, legst du genau diese Angaben auf fremde Rechner — verknĂŒpft mit deinem Namen und deinem Konto.

Und wenn du glaubst, du entkommst dem, indem du dich einfach nicht anmeldest: Erkannt wirst du trotzdem. Über deine IP-Adresse, ĂŒber Cookies und ĂŒber den Fingerabdruck, den dein Browser und dein Betriebssystem gemeinsam hinterlassen. Diese Kennung ist so genau, dass sie deinen Rechner aus Millionen wiederfindet, denn irgendwann hast du dich mit diesem Rechner einmal identifiziert, mit Kontaktdaten eingeloggt.

Es sind die empfindlichsten Daten, die du hast. Und was dort mit ihnen geschieht, entscheidest nicht mehr du.

Bei meiner KI landen dieselben Angaben am Ende zwar auch bei einem der großen Sprachmodelle — ohne eines davon geht es technisch nicht, und ich will dir nichts anderes erzĂ€hlen. Aber es erfĂ€hrt nicht, zu wem sie gehören:

  • Deinen Namen bekommt es nicht.

  • Deine Benutzernummer bekommt es nicht.

  • Deine E-Mail-Adresse oder IP bekommt es nicht.

  • Deine Browser-Identifikation erhĂ€lt es nicht.

Es sieht Werte, Beschwerden und Fragen — und sonst nichts. Dazwischen stehen inzwischen Hunderte von Nutzern, deren Anfragen genauso namenlos durchlaufen. Wer die Werte trotzdem einer Person zuordnen wollte, mĂŒsste zuerst wissen, welcher von Hunderten, bzw wer ĂŒberhaupt unsere Kunden sind. Und das geben wir nicht heraus.

Das ist kein militĂ€risches Geheimnis, und ich verspreche es dir auch nicht als eines. Es ist ein hinreichender Schutz fĂŒr das, worum es hier geht. Schon dieser eine Punkt macht das System wertvoll.

Die erste Frage ist kostenlos, damit du siehst, wovon ich rede: start.naturheilung.org

Das Erste, was du selbst prĂŒfen kannst

Bevor du einen Blutdrucksenker nimmst, lohnt es sich, etwas wegzunehmen. Diese folgenden Dinge treiben den Blutdruck nach oben, und die wenigsten stehen auf einem Merkblatt:

  • EntzĂŒndungshemmende Schmerzmittel — Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac. Der hĂ€ufigste Einzelposten von allen, weil sie fast jeder im Schrank hat.

  • Abschwellende Nasentropfen und ErkĂ€ltungsmittel mit Pseudoephedrin oder Phenylephrin.

  • Bestimmte Antidepressiva, vor allem Venlafaxin und die Ă€lteren trizyklischen.

  • Die Antibabypille, vor allem die östrogenhaltigen KombinationsprĂ€parate.

  • Lakritze und SĂŒĂŸholztee — dazu steht im siebten Teil eine eigene Zahl, sie ist erstaunlich.

  • Ginseng, Ginkgo, Ephedra, Bitterorange, Guarana, Johanniskraut, Arnika — allesamt pflanzlich, allesamt blutdrucksteigernd.

  • Und, wie im dritten Teil beschrieben: NahrungsergĂ€nzungsmittel und eine falsch eingestellte SchilddrĂŒsendosis.

Diese Liste durchzugehen kostet nichts und dauert zehn Minuten. Sie ist Werners Frage zwei, und sie ist die einzige der sieben, die du heute Abend allein beantworten kannst.

Was nach sechs Teilen feststeht

  • Im ersten Teil ging es darum, wie die Grenze wanderte, bis aus Gesunden Kranke wurden.

  • Im zweiten darum, was die Behandlung wirklich bringt, wenn du die Zahlen selbst nachrechnest.

  • Im dritten darum, dass der Körper den Druck einstellt, den er braucht.

  • Im vierten darum, dass nicht weniger Salz hilft, sondern anderes.

  • Im fĂŒnften darum, dass die Zahl, ĂŒber die alle reden, erst einmal richtig gemessen sein will.

Und hier im sechsten darum, dass die Ursache fĂŒr jeden eine andere ist und damit auch eine andere Abhilfe braucht. Blutdrucksenker manipulieren nur das messbare Symptom: Als wĂŒrden Schulkinder das Thermometer erhitzen, um Hitzefrei zu erlangen.

Werner, Renate und Thomas haben denselben Wert und drei verschiedene Ursachen. Renate hat gar keine. Thomas hat ein Problem im Rachen. Und Werner hat etwas, das man in sieben Fragen und einer Blutentnahme findet — aber nicht in zehn Minuten.

Alle drei bekommen dieselbe Tablette. Bei allen dreien fĂ€llt der Blutdruck. Und bei keinem der drei ist damit etwas gelöst — verstellt ist nur die Anzeige. Bei Renate kommt hinzu, dass es bei ihr gar nichts zu senken gab.

Ein gewaltsam gesenkter Blutdruck ohne Behebung der Ursache schadet dem Körper wahrscheinlich mehr, als er nĂŒtzt. Das ist der Satz, auf den diese ganze Serie hinauslĂ€uft.

Das ist ausdrĂŒcklich kein Rat, etwas abzusetzen. Die Reihenfolge ist umgekehrt: Man sucht die Ursache, wĂ€hrend die Tablette weiterlĂ€uft.

Die Frage, mit der du anfÀngst, lautet deshalb nicht: Womit senke ich meinen Blutdruck?

Sondern: Warum verlangt mein Körper diesen Druck?

Und die gute Nachricht am Ende von sechs Teilen Kritik: Diese Frage lÀsst sich heute zum ersten Mal in Ruhe beantworten. Nicht in zehn Minuten. Sondern so lange, wie sie eben braucht.

Im nĂ€chsten 7. Teil kommt die Antwort auf die Frage vom Anfang: die sechzehn Heilpflanzen mit ihren Zahlen, die Maßnahmen jenseits der Pflanzen, und die Geschichte einer Wurzel, die alles erklĂ€rt.


Das Buchgeschenk fĂŒr Stammleser

Dieser Teil handelt davon, dass die Antwort fĂŒr jeden Menschen eine andere ist — und dass man sie finden kann, wenn jemand sich die Zeit nimmt. Mein aktuelles Willkommensbuch nimmt sich diese Zeit fĂŒr ein einzelnes Verfahren: „Infrarot-Therapie”.

Infrarot-DE-PDF

Das Buch erklĂ€rt, warum Infrarot nicht auf der Haut liegen bleibt, sondern in die Tiefe geht, wie es dort die kleinen GefĂ€ĂŸe weitet und die Durchblutung verbessert, welche Anwendungen sich zu Hause umsetzen lassen, worauf man beim GerĂ€t achtet und wo die Grenzen liegen.

Und der Zaun dazu, weil dieser Teil vom Blutdruck handelt: Infrarot ist kein Blutdruckmittel und wird in diesem Buch auch nicht als eines verkauft. Es geht um Durchblutung und WÀrme, nicht um Millimeter QuecksilbersÀule.

Stammleser bekommen dieses Buch unten gratis — mit einem Code, der den Preis im Shop auf null setzt. Bist du noch kein Stammleser? Ein Monatsabo kostet derzeit weniger als dieses Buch, und etwa alle vier Wochen kommt ein neues dazu. Und wenn du es einfach kaufen willst: ingag.de/ir-therapie


Das Arbeitsblatt fĂŒr Stammleser

Die sieben Fragen, an denen Werners Fall hĂ€ngt, habe ich fĂŒr dich aufgefĂ€chert in ein Arbeitsblatt: achtzehn Fragen, mit denen du deinen eigenen Fall einkreist.

Vier zur Messung — darunter die eine, die Renates Fall in dreißig Sekunden klĂ€rt. FĂŒnf zu dem, was du einnimmst. Vier zu Schlaf und Dauerspannung. Und fĂŒnf zu den Werten, die vermutlich lĂ€ngst auf deinen alten LaborblĂ€ttern stehen — nur hat sie noch nie jemand gegeneinander gelesen.

Ausdrucken, in Ruhe ausfĂŒllen, mitnehmen. Mit diesem Blatt in der Hand ist der Termin beim Arzt ein anderes GesprĂ€ch: Er muss dann nicht mehr suchen, sondern nur noch entscheiden. Und das kann er gut.

Und dazu bekommst du unten die lange Fassung der Liste aus diesem Artikel: rund 180 Stoffe und UmstĂ€nde, die den Blutdruck nach oben treiben — von den Schmerzmitteln im KĂŒchenschrank ĂŒber die Antibabypille und sieben Gruppen verschreibungspflichtiger Medikamente bis zu Lakritz, Nasenspray und der vollen Blase. Sortiert nach Gruppen, mit Wirkstoffnamen, wie sie auf deiner Packung stehen. Zum Ausdrucken und mit den Schachteln in der Hand durchgehen.

Stammleser finden beides unten, zusammen mit dem Bonus-Code fĂŒr das Buch.


Die Naturheilkunde-KI

Neben dem Forschen und Schreiben ĂŒber unterdrĂŒckte Wahrheiten helfe ich, eine KI zu betreiben, die Gesundheitsfragen aus den Standardwerken der Natur- und Erfahrungsheilkunde beantwortet. Jede Antwort kommt mit Quellenangabe, damit du sie selbst nachprĂŒfen kannst, und mit einem Warnhinweis dort, wo eine Heilpflanze einem Medikament in die Quere kommt. Die erste Frage ist gratis: start.naturheilung.org


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